Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Allgemeine Einführung in die Geschichte Englands des 14.Jh.s 4
2.1. Die Peasants’ Revolt von 1381: Eine Zusammenfassung 5
3. Die Bedeutung der Grafschaft York für England 7
4. Die Herrschaftsstruktur: Könige und ihre Stadtverwalter /
Die Erzbischöfe 9
4.1. Könige und ihre Stadtverwalter 9
4.2. Die Erzbischöfe 10
5. Die Sozialstruktur: Der Bürgermeister / Die Bailiffs 11
5.1. Der Bürgermeister 11
5.2. Die Bailiffs 12
6. Zum Aufstandsgeschehen in der Grafschaft York von 1381 13
6.1. Die Ursachen 13
6.1.1. Des Königs Wirtschaftswesen und die Folgen 13
6.1.2. Die innenpolitischen Ursachen 16
6.2. Der Verlauf des Aufstandes in York 1380/81 18
6.3. Das Ergebnis des Aufstandes in York /
Fortdauer und Lösung der Yorker Konflikte 21
7. Analyse des Yorker Aufstandes / Schlußfolgerung 22
8. Literaturverzeichnis 25
8.1. Sekundärliteratur 25
8.1.1. Artikel aus dem Lexikon des Mittelalters
CD - Rom - Ausgabe 26
8.2. Quellen 27
9. Anhang 28
9.1. Abbildung 1: York im Spätmittelalter 28
9.2. Anhang 2: Electoral procedures and dates 29
1
1. Einleitung
Im Jahre 1381 kam es zu dem größten Aufstand, den es in England bis dahin gegeben hatte: der „Peasants’ Revolt“. Dieses Ereignis „[...] was arguably the most serious threat ever posed to the stability of English government in the course of the Middle Ages.“ 1 Die Vorgänge in London, Essex und Kent zogen bisher die meiste Aufmerksamkeit der Historiker auf sich. Wie liefen aber die Unruhen in der Grafschaft York ab? In dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in die dortigen Geschehnisse des Jahres 1380/81 geben. Bevor ich aber zu dem Hauptthema komme, beginne ich mit einer „Allgemeinen Einführung in die Geschichte Englands des 14.Jh.s“ (Punkt 2). Hierbei werde ich die wichtigsten Ereignisse aufzeigen, die sich m. E. nach zugetragen haben. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Begebenhe iten die bestehende Ordnung verändert haben oder sie auf irgendeine Weise beeinflußten.
In Abschnitt 2.1. soll die Frage beantwortet werden, wo die Ursachen für die Peasants‘ Revolt zu finden waren. Ein Auszug aus der Anonimalle Chronicle verdeutlicht, aus welchem Grunde sich das Volk erhoben hatte. Da das Hauptthema dieser Arbeit „das Aufstandsgeschehen in der Grafschaft York“ ist, werden diese einleitenden Abschnitte sehr kurz gehalten. Mit dem dritten Abschnitt „Die Bedeutung der Grafschaft York für England“ nähere ich mich dem Hauptthema. Meiner Meinung nach ist es wichtig, zu zeigen, welchen Status die Stadt York im 14. Jh. in England hatte und wie sie diesen erlangte. Weiterhin werde ich mich in den nächsten Abschnitten (4 und 5) mit dem Herrschafts- und Sozialsystem der Grafschaft beschäftigen. Hier beginne ich mit der Herrschaft der Könige (4.1), da diese in allen wichtigen lokalen Angelegenheiten die Auslöser waren und das letzte Wort hatten. In diesem Abschnitt wird auch das Amt des Sheriffs abgehandelt, da er den König in York repräsentierte. 4.2. behandelt den Erzbischof und seine Stellung bei dem König. Danach wende ich mich seinem Zuständigkeitsbezirk zu. Warum hatten die Bürger Yorks ein schlechtes Verhältnis zu den kirchlichen Einrichtungen und aus welchem Grunde hatten sie kein Vertrauen zu dem Erzbischof? Weiterhin möchte ich die Frage beantworten, warum der König hinter dem Erzbischof stand. Bei der Beantwortung dieser Fragen wird sich
1 Zitat aus: Ormrod, W.M., The Peasants‘ Revolt and the Government of England., in: The
Journal of British Studies., Bd. 29, Nr.1, Chicago 1990, S. 1.
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herauskristallisieren, aus welchen Gründen es zu Spannungen zwischen Yorker Bürgern und Kirche kam.
„Die Sozialstruktur“ beschäftigt sich mit dem Amt des Bürgermeisters und des Bailiffs. Ich werde nur diese beiden Ämter aufführen, da diese, besonders das Bürgermeisteramt, sehr begehrt waren und einige Konflikte auslösten. Die Aufgaben und die Stellung der Ämter sollen hierbei besprochen werden. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, wer als Bürgermeister und als Bailiff in Frage kam.
„Zum Aufstandsgeschehen der Grafschaft York“ lautet der Titel meines Hauptthemas (Punkt 6), worin ich die Ursachen (6.1), den Verlauf (6.2) und das Ergebnis (6.3) behandeln werde. Punkt 6.1. werde ich in „Des Königs Wirtschaftswesen und die Folgen“ (6.1.1.), und in „Die innenpolitischen Ursachen“ (6.1.2.) unterteilen. Diese Unterteilung erscheint mir vernünftig, da es für den Aufstand in York außenpolitische Ursachen, in Form der königlichen Einmischung, und innenpolitische Ursachen gab. In dem letzten Abschnitt (7) der Arbeit werde ich versuchen, den Yorker Aufstand zu analys ieren. Für diese Analyse erscheint es mir wichtig, herauszufinden, welchen Charakter dieser Konflikt hatte. Handelte es sich um einen Machtkampf, wie die meisten Historiker den Aufstand charakterisieren? Oder steckt da doch viel mehr dahinter? Die Abschnitte 2 bis einschließlich 6 dienen als Grundlage für mein Hauptthema. Die Bearbeitung dieser Abschnitte dienen zur Unterstützung meiner These, daß die Yorker Unruhen auch ohne die Peasants‘ Revolt ausgebrochen wären.
Zu dem Thema des Yorker Aufstandes werde ich Auszüge aus dem Rotuli Parlamentorum, dem York Memorandum Book und der Coram Rege Roll verwenden. Diese Quellen sind in dem Buch „The Peasants’ Revolt of 1381“ von R. B. Dobson zu finden.
3
2. Allgemeine Einführung in die Geschichte Englands des 14. Jh.s Das erste dominierende Thema, welches England im 14. Jh. beschäftigte, lautete: Krieg. In dieser Zeit stand England im Krieg gegen Schottland und Wales. Weiterhin führte England Krieg gegen Frankreich. Der sog. Hundertjährige Krieg 2 wurde zu einer dauernden finanziellen Belastung für die englische Bevölkerung, da durch die lange Dauer Berufssoldaten eingestellt werden mußten. Der Sold dieser Männer konnte nur bezahlt werden, solange der Krieg reiche Beute abwarf. Als dies nicht mehr der Fall war, forderte das Parlament 3 vom König, daß der Krieg das Land nicht noch mehr finanziell belasten dürfe. 4
1348 machten sich nach den verheerenden Wirkungen der Pest Verhaltensänderungen innerhalb der Gesellschaft bemerkbar. Die Epidemie dezimierte die Bevölkerungszahl Englands von vier Millionen auf zweieinhalb Millionen Menschen. 5 Die von Gott gewollte Zweiteilung der Menschheit in Herrschende und Dienende wurde von den Arbeitern und den Hörigen nicht mehr uneingeschränkt akzeptiert. Arbeiter verlangten mehr Löhne, und die Hörigen begannen nach Freiheit zu rufen, da der Wert ihrer Arbeitskraft enorm angestiegen war. Die Grundherren, die wirtschaftlich nicht in der Lage waren, diesen Forderungen der unteren Klassen nachzukommen, lösten das „Arbeiterproblem“, indem sie den unbestellten Ackerboden in Weideland für Schafe umwandelten. Diese Lösung erwies sich als eine „Goldgrube“, da die englische Schafwolle guten Absatz fand. Man blieb jedoch von der unteren Klasse abhängig. 6 Das Parlament löste das Problem der Gutsherren, indem es
2 Der Krieg begann im Jahre 1339 und dauerte mit Unterbrechungen bis 1453 an. Anlaß hierfür
gaben die englischen Könige, die einen Anspruch auf den französischen Thron erhoben.
Eduard III. begründete seinen Anspruch über seine Mutter Isabella, die die Schwester des
französischen Königs Karls IV. (1294 - 1328) gewesen ist. Frankreich wandte ein, daß die
Krone nicht in weiblicher Linie vererbt werden könne und erklärte Philipp VI., den Vetter
Karls IV., zum König. Eine weitere Ursache des Konflikts lag in der Tatsache, daß die
englischen Könige, angefangen mit Wilhelm dem Eroberer, umfangreiche Gebiete in
Frankreich vom französischen König als Lehen erhalten hatten. Daher stellten sie eine ständige
Bedrohung für den französischen König dar. Aus: Contamine, Ph., Art. "Hundertjähriger
Krieg", in: Lexikon des Mittelalters 5, Zürich 2000, Sp. 215 - 218.
3 Das Parlament erstarkte durch den Krieg, da der König es permanent einberufen mußte, um
die Zustimmung für neue Kriegssteuern zu erhalten. Aus: Hartmann, J., Das Geschichtsbuch.
Von den Anfängen bis zur Gegenwart., Frankfurt am Main 1955, S. 112.
4 Dobson, R.B., The Peasants’ Revolt of 1381., 2. Aufl., London 1983, S. 106.
5 Trevelyan, G.M., History of England., 3. Aufl., London 1948, S. 237.
6 Ebd., S. 267.
4
die Löhne gesetzlich auf das Niveau von 1348 beschränkte 7 . Da diese Gesetze des Parlaments zeitlich überholt, und für die betroffene Bevölkerungsschicht inakzeptabel waren, stieg ihre Unzufriedenheit an. 8 Als dann im Laufe der Jahre hohe finanzielle Forderungen seitens des Königs das Volk stärker belasteten, kam die Unzufriedenheit der Bevölkerung in der Peasants‘ Revolt zum Ausdruck. 9
2.1. Die Peasants’ Revolt von 1381: Eine Zusammenfassung
[...]
And what will you do, said Milder to Moulder
For we may not tell you, said Festel to Fose
We´ll shoot the cutty wren, said John the Red Nose
We´ll shoot the cutty wren, said John the Red Nose Oh how will you cut him up, said Milder to Moulder
Oh we may not tell you, said Festel to Fose
With knives and with forks , said John the Red Nose
With knives and with forks , said John the Red Nose […] 10
Die grundlegenden Ursachen für den englischen Bauernaufstand lagen in der wirtschaftlichen Unzufriedenheit und der sozialen Ungerechtigkeit, die von der unteren Bevölkerungsschicht empfunden wurde. Diese Unzufriedenheit der Bevölkerung wurde in den Pestjahren begründet. 11 Nach der Anonimalle Chronicle 12 war der unmittelbare Auslöser der Revolte der Widerstand der Bevölkerung gegen die dritte Poll Tax 13 , die im November des Jahres 1380 vom Parlament in Northampton erhoben wurde.
„Mesme celle an mille CCCLXXX par enchesone qe les subsides furount legerment grauntez al
parlement de Northamptoun et, come fuist avys a diverses seignurs et as comunes, les ditz
subsides ne furount my duement ne loialment levez, mes comunement des povers gentz et nyent
7 Status of the Realm, I 311-13: 25 Edward III, Stat. 2, cc. 1-7., in: Dobson., Peasants‘ Revolt.,
S. 65.
8 Trevelyan, S. 238f.
9 Dobson, R. B., Art. „Peasants‘ Revolt“, in: Lexikon des Mittelalters 6, Zürich 2000, Sp.
1843f.
10 Zitat aus: Anonym, The Cutty Wren Song., in: Chumbawamba, English Rebel Songs 1381-
1914, o.O. 1988. Chumbawamba ist eine Musikgruppe, die für ihre politischen Songs bekannt
sind. Dieser Song wurde in der Zeit der Peasants’ Revolt von einem Unbekannten verfaßt. Die
Gesellschaftskritik, die hier in getarnter Weise ausgeübt wird, verdeutlicht den Haß der
Bevölkerung auf den Feudalherren (wren bedeutet Zaunkönig und war das Symbol des
Bösen.). Der Fragende Milder steht hier für einen Geistlichen. Diese Informationen stehen in
dem Begleitheftchen der CD., Anm. d. Verf.
11 Fryde, E.B., Fryde, N., Peasant Rebellion and Peasant Discontents., in: The Agrarian History
of England and Wales., Bd. 3, 1348 - 1500, Hrs. Edward Miller, Cambridge, New York 1991,
S. 744.
12 Die Anonimalle Chronicle ist die einzige historische Quelle Englands, die den
Bauernaufstand und seine Ursachen exakt beschreibt. Der Autor der Chronik ist bestens über
die Geschehnisse informiert, und dieser Umstand macht die Anonimalle Chronicle zu der
wichtigsten Quelle über die Peasants’ Revolt. Aus: Dobson, Peasants’ Revolt., S. 123.
13 Die erste Kopfsteuer wurde im Jahre 1377 erhoben. Jeder Mann und jede Frau
(ausgenommen Bettler und Kinder) ab dem 14. Lebensjahr mußten 1 Groat (4 Denare) zahlen.
Die zweite Poll Tax folgte im April des Jahres 1379. Bei dieser Kopfsteuer wurden genaue
Tabellen angelegt, bei der die Vermögensverhältnisse (Besitz, Einkommen, Stand) aufgelistet
waren und aufgrund dieser wurde die Höhe der Zahlung festgesetzt. Aus: Ebd., S. 104f.
5
des riches a graunde profite et avantage a les coilliours, en desceyt le roy et comunes, par qay
le conseil le roy ordinast certeins commissiones pur enquerre en chescune ville coment ils
furount levez.“ 14
Hiernach sollten die reichen Bürger eines Ortes die ärmere Bevölkerung unterstützen. In die Tat umsetzen ließ sich dieser gut gemeinte Vorschlag der Steuererheber jedoch nicht. Die Höhe der dritten Poll Tax betrug für alle von ihr betroffenen Personen (ab dem 16. Lebensjahr) 3 Groats ohne Rücksicht auf Einkommen, Vermögen oder andere geleistete Steuerzahlungen. 15 Daher ist es kaum verwunderlich, daß es zu Steuerhinterziehungen „in großem Stil“ kam. 16 Die Kopfsteuer war dazu gedacht, den Krieg gegen Frankreich zu finanzieren, also lag dem König viel daran, herauszufinden, wie Fehlbeträge zustande gekommen waren. Ein Untersuchungsverfahren wurde eingeleitet, in der alle Personen, die nicht bezahlt hatten, ausfindig gemacht werden sollten. Einer dieser Prüfer war John Bampton, der für die Grafschaft Essex zuständig war. Er rief die Bewohner der Stadt zusammen und verlangte mehr Geld von Ihnen. Die Bewohner weigerten sich Bamptons Forderungen nachzukommen, da sie Belege darüber vorweisen konnten, daß sie die geforderte Summe bereits bezahlt hatten und nicht bereit waren die Fehlbeträge auszugleichen. Daraufhin drohte Bampton den Bewohnern harte Konsequenzen an. 17 Diese Drohungen brachten das sprichwörtliche Faß zum Überlaufen; die Bevölkerung erhob sich Ende Mai - Anfang Juni 1381 in Kent und Essex zum Aufstand. 18 Die Aggressoren, überwiegend Landarbeiter aus den Grafschaften Essex, Middlesex, Sussex und Kent, schafften es am 13. Juni, London zu stürmen. „The rising took the upper class by surprise, and for some days there was little resistance, either central or local.“ 19 So mußte sich der junge König Richard II. in den Tower zurückziehen, damit seine Sicherheit gewährleistet blieb. 20 Die Aufrührer stellten verschiedene Forderungen an den König, die von dem Anführer Wat Tyler und dem Prediger John Ball vorgetragen wurden. Sie forderten u.a. die
14 Zitat aus: The Anonimalle Chronicle 1333 to 1381., Galbraith, V. H. (Hrs.), Manchester
1927, S. 134.
15 Diese Summe entspricht vier Tagesgehältern eines Landarbeiters. Aus: Gerlach, H., Der
englische Bauernaufstand von 1381 und der deutsche Bauernkrieg: Ein Vergleich.,
Meisenheim am Glan 1969, S. 81.
16 Ebd., S. 84.
17 Dobson, Peasants’ Revolt., S. 124.
18 Fryde, E.B., The Great Revolt of 1381., in: Historical Association General Series., Bd. 100,
London 1981, S. 5.
19 Zitat aus: Trevelyan, S. 240f.
20 Anonimalle Chronicle, S. 140-150., in: Dobson, Peasants Revolt., S. 158.
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Abschaffung der Poll Tax und der Leibeigenschaft. 21 Richard II sah sich gezwungen nach Mile End zu reisen, um mit den Rebellen zu verhandeln. Hier versprach er den Rebellenführern, daß sie begnadigt werden würden. Weiterhin gab er ihnen sein Wort dafür, daß die Hörigkeit abgeschafft werden sollte. 22 Ein Teil der Aggressoren gab sich mit den königlichen Zusagen und den darauffolgenden Urkunden zufrieden und legte die Waffen nieder. Was sie nicht wußten war, daß [...] his counsellors had no intention of carrying out [die königlichen Versprechen]. 23
Der Teil der Aufständischen, der sich nicht mit den Zugeständnissen zufrieden gab, hielt London weiterhin in seiner Gewalt. Als Antwort auf die weiteren Gewalttaten der Aggressoren wurde der Anführer Wat Tyler am 15. Juni während einer weiteren Verhandlung vom Londoner Bürgermeister, im Beisein des Königs, erschlagen. Daraufhin wurde der Aufstand weitgehend niedergeworfen. Die Unruhen verbreiteten sich zwar weiter von Yorkshire bis in den Südwesten Englands hinein, aber der Verlust von London bedeutete das Ende der Rebellion. Viele der Aufständischen wurden hingerichtet und die meisten Konzessionen wieder aufgehoben. Die Poll Tax aber wurde vorerst nicht wieder eingeführt und die Leibeigenschaft endgültig abgeschafft. 24
3. Die Bedeutung der Grafschaft York für England
York gehörte vom Anfang des 14. Jh.s bis zur Mitte des 16. Jh.s zu den wichtigsten Städten Englands. Aus der Volkszählung, die im Zuge der Poll Tax von 1377 durchgeführt wurde, kann man entnehmen, daß in York ca. 11.000 Menschen gelebt haben. 25 Die Bezeichnung „second city of England“ 26 verdankte York aber nicht seiner Bevölkerungsdichte, sondern der geographischen Lage, welche die Stadt zu einem sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Brennpunkt machte. 27 Hinzu kam, daß aufgrund
21 Schnith, K., England von der normannischen Eroberung bis zum Ende des Hundertjährigen
Krieges 1066 - 1453., in: Handbuch der europäischen Geschichte., Bd. 2, Europa im Hoch-
Spätmittelalter., Hrs. Ferdinand Seibt, Stuttgart 1987., S. 841.
22 Zitat aus: Trevelyan, S. 241.
23 Zitat aus: Ebd., S. 241.
24 Ebd. S. 241f.
25 Bartlett, J. N., The Expansion and Decline of York in the Later Middle Ages., in: The
Economic History Review. New Series., Bd. 12, Nr. 1, o. O. 1959, S. 17.
26 Bezeichnung aus: Ebd., S. 17.
27 Die Abb. 1, S. 28 zeigt die hervorragenden Merkmale der Stadt York. Bartlett schreibt
hierzu: “The network of navigable rivers draining into the Ouse afforded easy access to the valleys of
the Penniens; the main route from the South-east of England to the Scottisch Border via Carlisle or
Newcastle on Tyne, passed through the city; the Trent linked York by water with the Midlands; and the
7
des Schottischen Unabhängigkeitskrieges 28 York in den Jahren 1298 bis 1307 die Verwaltungs- und Militärhauptstadt Englands wurde. König Edward I 29 sah sich gezwungen, sein Schatzamt und seinen Gerichtshof nach York zu verlegen, um seine Kriegsangelegenheiten besser regeln zu können. Die königliche Kriegsverwaltung blieb für sieben Jahre in York bestehen. Im Jahre 1304 wurden diese Einrichtungen vom König wieder nach Westminster zurückbeordert. Der Stadt York haftete jedoch noch immer der Ruf des Kriegsverwalters an und wurde daher weiterhin von den Schotten angegriffen. 30 1319 mußte York einen besonders heftigen Angriff über sich ergehen lassen, wobei der Bürgermeister und viele Bewohner der Stadt getötet wurden. 31 Dieser Umstand führte dazu, daß nun Edward II 32 in zeitlichen Abständen nach York reisen mußte. Er sorgte dafür, daß die Schutzanlagen der Stadt sicherer wurden und brachte es im Jahre 1323 soweit, daß die Schotten einen Waffenstillstand unterschrieben, der für 13 Jahre vorgesehen war. Daraufhin verließen er und seine Regierung York. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht an. 1324 kam es wieder zu Friedensverhandlungen, an denen der König nicht beteiligt war. 33 Auch der Nachfolger des Königs, Edward III 34 mußte im Jahre 1327 seinen Regierungssitz kurzzeitig nach York verlegen. 35 Der Aufenthalt des königlichen Beamtenapparates und des Heerwesens kam der Yorker Wirtschaft zugute. Die Nachfrage nach Wohnhäusern stieg an, ebenso im Handel und Handwerk. In dem Register of York Freemen 36 ist in der Zeit vor der Pest eine starke Zunahme der Personenzahl, die den bürgerlichen Status erreicht hatten ersichtlich. 37 Im Jahre 1300 besaßen die Bürger der Stadt die Gewalt über die Gerichtsbarkeit. Religiöse Einrichtungen und die
Ouse itself, which was tidal as far as York, was the gateway to the fishing grounds of the North Sea and
to valuable foreign markets.” Zitat aus: Bartlett, S. 18.
28 Der Krieg gegen England begann 1296 und endete 1328 mit einem Sieg Schottlands, als die
Berater Eduards III. von England den Vertrag im Frieden von Edinburgh unterzeichneten. Aus:
Barrow, G.W.S., Art. "Wars of Independence", in: Lexikon des Mittelalters 8, Zürich 2000, Sp.
2053f.
29 1239 - 1307. Anm. d. Verf.
30 Miller, E., Medieval York., in: The Victoria History of the Counties of England. A History
of Yorkshire. The City of York., Hrs. P. M. Elliot, Oxford 1962, S. 54.
31 Palliser, D.M., Art. "York,-Shire", in: Lexikon des Mittelalters 9, Zürich 2000, Sp. 418f.
32 1284 - 1327. Anm. d. Verf.
33 Miller, S. 55f.
34 1312 - 1377. Anm. d. Verf.
35 Miller, S. 56.
36 Dieses Register wurde im Jahre 1273 begonnen. Aus: Palliser, D.M., Art. "York, -Shire", in:
Lexikon des Mittelalters 9, Zürich 2000, Sp. 418f.
37 Ebd., Sp. 418f.
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Arbeit zitieren:
Arzu Yilmaz, 2004, Zum Aufstandsgeschehen in der Grafschaft York: Ursachen, Verlauf und Ergebnisse, München, GRIN Verlag GmbH
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