7. Die Rückkehr von Maxime Du Camp und Gustave Flaubert nach Frankreich 21 7.1 Der kurze Ruhm in der Heimat 21
7.2 Vorgetäuschte wissenschaftliche Kompetenz 21
7.3 Der Bruch zwischen Gustave Flaubert und Maxime Du Camp 22
7.4 Das Ende der Photokarriere 23
8. Literaturverzeichnis 24/ 25
In dieser Seminararbeit möchte ich das Leben des französischen Photographen und Literaten Maxime Du Camp behandeln und darstellen. Sein Leben und seine photographische Vorgehensweise entnehme ich den Büchern „Frühe Reisen mit der Kamera“ von Hans-Christian Adam und Rainer Fabian sowie „Die Reise zum Nil“ von Bodo von Dewitz und Karin Schuller- Procopovici.
Maxime Du Camp geboren am 08.02.1822 in Paris, gestorben am 09.02.1894 in Baden-Baden, war ein französischer Schriftsteller und Photograph. 1843 lernte er den französischen Literaten Gustave Flaubert kennen. Seine erste Reise führte 1844 nach Italien und Algerien. Im Jahre 1847 bereiste er mit Gustave Flaubert die Bretagne zu Fuß. Von 1849 - 1851 ging Maxime Du Camp zwei Jahre lang mit seinem Freund dem Schriftsteller Gustave Flaubert nach Ägypten, Palästina, Syrien und Griechenland. Dabei hielt er die Monumente, die Architektur bzw. das Land anhand von Aufnahmen fest.
Warum Maxime Du Camp die Photographien im Orient erstellte hatte einen einfachen Grund: „Ich hatte auf meinen vorhergehenden Spielräumen festgestellt, dass ich viel wertvolle Zeit vergeudete, die versucht, Gebäude und Landschaft zu zeichnen, die mich ...interessierte um zu vergessen..., Ich glaubte, dass ich ein Instrument der Präzision benötigte, um meine Eindrücke zu speichern...“ 1) Sein Buch, erschienen 1852 bei Gidé und J. Baudry in Paris
„Égypte, Nubie, Palestine et Syrie, dessins photographiques recueillis pendant les années 1849, 1850 et 1851 (...) par Maxime Du Camp“ beinhaltete 125 Salzpapierfotografien und war damals eines der ersten Bildbänder über den Orient. Nach Veröffentlichung dieser Bilder erntete Maxime Du Camp große Anerkennung.
1 Abb.1) perso.wanadoo.fr/jb.guinot/ pages/ducamp.html
1) Leggat, Robert.“Eine Geschichte der Fotografie“. http://www.rleggat.com/photohistory, 21.05.01
Maxime Du Camp erlernte das Handwerk der Photographie 1849, kurz vor seinem Reiseantritt in den Orient von Gustave le Gray. „Dort freilich hatte er Misserfolge mit dem Wachspapier und wechselte zu Blanquart- Évrards Verfahren“ 2)
Obwohl Maxime Du Camp eines der frühesten Dokumentarfotografen im Orient war, ist seine Arbeit weniger auffallend als die seines britischen Zeitgenossen Francis Frith. Wenige Jahre nach seinem Aufenthalt in Ägypten, Palästina und Syrien verachtet Maxime Du Camp die Fotografie.
„ Du Camp hält seine Beschäftigung mit der Fotografie für eine Jugendtorheit und die Literatur für seine eigentliche Berufung. Die Nachwelt sieht das umgekehrt. An den Schriftsteller erinnert sich niemand, der Fotograf Du Camp steht in den Annalen der Fotografiegeschichte.“ 3)
1.1 Angaben zu Gustave Le Gray
Gustave Le Gray geboren 1820, gestorben 1882, hatte ein Photoatelier im Norden von Paris. Er photografierte hauptsächlich Landschaften. Gustave Le Gray war ein Erfinder und Techniker auf dem Gebiet der Photographie und war obendrein auch ein talentierter Lehrer. Zu seinen Schülern zählten sein Freund Le Secq, Charles Nègres, Adrian Tournachon (der Bruder Nadars), der Graf Aguado, die Cousins Delessert und Maxime Du Camp. Bekannt wurde Gustave Le Gray vor allem durch die Entwicklung von Wachspapier. „Dieses Papier nimmt die chemischen Lösungen gleichmäßiger auf und war lichtempfindlicher als die Materialien zuvor. Das Papier wurde durch flüssiges Wachs mit einem heißen Eisen entfernt. Das mit Silbersalzen lichtempfindlich gemachte Papier setzt man trocken in die Kamera. Der große Vorteil dieses Verfahrens bestand darin, dass zwischen einer Aufnahme und der Entwicklung manchmal Tage bzw. Wochen liegen konnten.“ 4)
1.2 Erläuterung zum Blanquart- Évrard Verfahren
Blanquart- Evrard bestrich die Bildtragende Oberfläche nicht mit einem Pinsel (Nachteil: Streifenbildung ließ sich nicht vermeiden), sondern ließ das Papier,
2) Frizot, Michel. Kapitel 4. „Eine automatische Zeichnung - Die Wahrheit der Kalotypie“. In: „Neue Geschichte der Fotografie“
3) Adam, Hans - Christian und Rainer Fabian. Kapitel 2. „Ägypten - Fotografieren Mutig wie die Löwen“. In: „Frühe Reisen mit der Kamera“. Hsg. Victor Schuller. 1. Auflage 1981
4) Frizot, Michel. Kapitel 4. „Eine automatische Zeichnung - Die Wahrheit der Kalotypie“. In: „Neue Geschichte der Fotografie“
also das Positiv, auf der chemischen Lösung schwimmen, welches zu dem Ergebnis führte, dass dadurch eine homogene Oberfläche entstand. (Das französische Papier unterschied sich enorm vom englischen Papier. Es war weniger grobkörnig und wesentlich dünner und war daher besser geeignet die hellen Tonwerte wiederzugeben). Das lichtempfindlich gemachte, noch feuchte Papier wird dem Sonnenlicht für etwa zehn bis zwanzig Sekunden ausgesetzt. Dann wurde das Salzpapier, als eine Art Kontaktabzug, mit dem Negativ in einem Rahmen gespannt und belichtet.
Die Bedeutung dieses Verfahren auf das Blanquard- Evrard 1847 hinwies, lautete :
„Personen aus den höheren Gesellschaftskreisen können damit lebendige Eindrücke von ihren Reisen und getreue Abbilder jener Dinge bewahren, mit denen sie sich am liebsten umgeben; Gelehrte erhalten genaue Reproduktionen von Objekten der Mechanik, Anatomie und Naturgeschichte; Historiker, Archäologen und Künstler verfügen über Detail- und Gesamtansichten von den großen Denkmälern der antiken und mittelalterlichen Kunst, die bisher nur in Form von Zeichnungen einem kleinen Kreis bekannt waren:“ 5)
3.Kurze Biografie von Gustave Flaubert
Gustave Flaubert wurde am 12.12.1821 geboren. Sein Vater war ein angesehener Chirurg in Rouen (Normandie). In seiner Jugend schrieb er Erzählungen.
5) Frizot, Michel. Kapitel 4. „Eine automatische Zeichnung - Die Wahrheit der Kalotypie“. In: „Neue Geschichte der Fotografie“
2 Abb.2) es.wikiquote.org/ wiki/Gustave_Flaubert
Von 1840 bis 1843 studierte Flaubert in Paris Jura, hatte aber das Studium wegen einer Nervenkrankheit abgebrochen. Daraufhin lebte er sehr zurückgezogen auf seinem Landgut in Croisset bei Rouen. Dort widmete er sich ab 1846 hauptsächlich der Schriftstellerei. Auch lernte er seine mehrjährige Geliebte Loise Colet (1810 - 1876 ) kennen. Sie war damals bereits eine angesehene Literatin. Von 1849 bis 1851 ging er mit seinem Freund, dem Schriftsteller und Photographen Maxime Du Camp nach Ägypten, Syrien, Palästina und Griechenland. Daraus entstand das Buch „Reisetagebuch aus Ägypten“, „Die Reise in den Orient“ und zusammen mit Maxime Du Camp „Die Reise zum Nil“. Ende der Fünfziger Jahre des Neunzehnten Jahrhunderts bereiste er alleine Tunesien um dort Eindrücke für seinen Roman „Salammbo“ zu sammeln. Ab 1872 begann er mit der Arbeit an dem Roman „Bouvard et Pécuchet“, 1881. Gustave Flaubert starb am 08.05.1880 in Croisset.
Zu einem seiner berühmtesten Werke der Weltliteratur zählt der Roman „Madame Bovary“.
Die Reise in den Orient von Maxime Du Camp und Gustave Flaubert
„ Ich war der geborene Reisende; hätten nicht die Zwischenfälle meines Daseins mich um mein dreißigstes Lebensjahr in Paris festgehalten, so hätte ich mich vermutlich, ungebunden und allein, wie ich war, auf den afrikanischen Kontinent geworfen und hätte meinen Nilquellen - Wahn gehabt. Wenn ich mich auf der Schwelle des Alters umdrehe, um auf die verflossenen Tage zurückzublicken, dann bedauere ich, nicht aus dem Sambesi, dem Niger, dem Kongo getrunken zu haben; ich bin eifersüchtig auf Stanley und beneide Livingstone um seinen Tod.“ 6)
Maxime Du Camp war seiner Zeit einer der größten Oriententhusiasten. Er hatte schon zuvor das Renommée eines Kenners des Orients. Du Camp reiste vom Mai 1844 bis März 1845 in den östlichen Mittelmeerraum und nach Marokko. Seine Reiseerfahrungen veröffentlichte er literarisch in den „Souvenirs et Paysages d´Orient“ 1848. Maxime Du Camp erweckte die jugendlichen Träumereien in seinem Jugendfreund, den Schriftsteller, Gustave Flaubert. Bald fühlten sie sich von demselben Ziel begeistert. Einige Monate zuvor, also vor dem Reiseantritt, hatte Gustave Flaubert mit Freude verkündet:
6) Du Camp, Maxime. „Souvenir littéraires“, 1882. Verlag Aubier 1994
„ Ich habe Dir Neuigkeiten zu berichten, mein lieber Ernest. Im Oktober dieses Jahres werde ich (hab keine Angst vor dem, was kommt, es ist nicht meine Heirat, sondern etwas Besseres), im Oktober oder Ende September haue ich ab nach Ägypten. Ich mache eine Reise durch den ganzen Orient.
Fünfzehn bis achtzehn Monate werde ich weg sein. Wir fahren den Nil hinauf bis nach Theben, von dort geht es nach Palästina, dann Syrien, Bagdad, Basrah, Persien bis zum Kaspischen Meer, Kaukasus, Georgien, an der Küste Kleinasien entlang, Konstantinopel und Griechenland, wenn uns Zeit und Geld übrigbleibt. Quid dicis? Ich sehe Dich von hier aus, wie Du große Augen machst und Dich fragst, wie ich es anstelle, auf Reisen zu gehen. Hier Alter, die Gründe die mich bestimmt haben (...) Ich muß Luft schöpfen, im weitesten Sinne des Wortes.“ 7)
Im Herbst 1849 brechen Maxime Du Camp und sein Freund Gustave Flaubert auf um den Vorderen Orient zu erkunden. Flaubert ist kurz vor Beginn der Reise unentschlossen, wehleidig und wankelmütig.
„Ich werde nie mehr meine Mutter, nie mehr meine Heimat wiedersehen; diese Reise ist zu lang, diese Reise führt zu weit weg, dass heißt das Schicksal herausfordern; was für ein Wahnsinn! Warum fahren wir weg?“ 8)
An diesen Ausbruch seines Freundes kurz vor Reisebeginn erinnert sich Maxime Du Camp. Gustave Flaubert empfand nie einen wirklichen Gefallen am Reisen. Für ihn galt nur die Idee einer Reise, nicht die Reise an sich, auf der er, wie er kurze Zeit später seinem Freund Bouilhet berichtet, dass er alles durch einen Schleier der Ödnis hindurch sah, mit dem ihm die Enttäuschung einhüllte. Hingegen freute sich Maxime Du Camp auf die Überfahrt. Maxime Du Camp: „Endlich, endlich werden wir zusammen den Nil hinauffahren:“ Gustave Flaubert, mit den Achseln zuckend: „Schon, aber wir werden nicht im Ganges baden und wir werden nicht nach Ceylon fahren:“ 9)
Da diese Reise in den Orient eine archäologische und eine photographische Mission sein sollte. Trat Maxime Du Camp mit seinem Vorhaben vor die Versammlung der Académie des Inscriptions et des Belles Lettres, die ihm den Auftrag des Ministères de L´Instruction Publique verschaffte. Sie förderten ihn. Er musste dafür eine systematische Dokumentationsarbeit leisten.
7) Flaubert, Gustave. „Brief an Ernest Chevaliers, Croisset 6.Mai 1849“. S. 144 In: Scheffel, Helmut. „Gustave Flaubert, Briefe“. Zürich 1977
8) „Maxime Du Camp - Erinnerungen an Flaubert“. S. 67. In: Haffmans, Gerd und Franz Cavigelli. „Über Gustave Flaubert“. Zürich 1979
9) Adam, Hans - Christian und Rainer Fabian. Kapitel 2. „Ägypten - Fotografieren Mutig wie die Löwen“. In: „Frühe Reisen mit der Kamera“. Hsg. Victor Schuller. 1. Auflage 1981
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Caroline Rosenau, 2002, Ägypten: Frühe Reisen mit der Kamera, Munich, GRIN Publishing GmbH
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