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Groteske Elemente bei E.T.A. Hoffmann und N. Gogol

Title: Groteske Elemente bei E.T.A. Hoffmann und N. Gogol

Term Paper , 2004 , 16 Pages , Grade: 2-

Autor:in: Lenka Eiermann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der folgenden Arbeit sollen die grotesken Erzählungen „Die Nase“ und „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“ der Autoren Nikolaj Gogol und Ernst Theodor Amadeus Hoffmann genauer betrachtet werden. Es soll untersucht werden, inwieweit Gogol von Hoffmann, der einer der ersten Vertreter der phantastischen Erzählung war, beeinflusst wurde. Weiter soll die vorliegende Arbeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Autoren aufzeigen. Außerdem soll herausgearbeitet werden, wie sie die groteske Wirkung in ihren Erzählungen und Novellen erzeugen. In der Literatur wird der Verlust der Nase in Gogols Erzählung „Die Nase“ immer wieder als „scherzhafte Verspottung des romantischen Doppelgänger-Motivs“1 dargestellt, welches besonders in Hoffmanns „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“ zu finden ist. Beide Erzählungen arbeiten mit ähnlichen Motiven: In der einen Erzählung verliert der Protagonist ein unabkömmliches Körperteil, in der anderen ist es das Spiegelbild, also eine Eigenschaft, die verloren geht.2 Im Allgemeinen werden in der literarischen Grotesken tragische und komische, aber auch grauenerregende und absurde Elemente miteinander verbunden. Das Groteske arbeitet mit einer verfremdenden Wirkung in ihrer Gestaltung, einem Erleben außerhalb der gewohnten Realitätserfahrung. Im Gegensatz zum Phantastischen, das das Abwesende und das Niedagewesene darstellt, zeigt das Groteske etwas Bedrohliches und vor allem Komisches, um dem Betrachter beziehungsweise dem Leser eine Welt zu präsentieren, in der die natürliche Ordnung aufgehoben ist. Michail Bachtin zufolge, der die verfremdende Wirkung der Groteske hervorhebt, ist diese nicht nur eine einfache Verletzung der Norm, sondern „die Leugnung jeglicher abstrakter, starrer Normen, die Absolutheit und ewige Gültigkeit beanspruchen. Sie negiert die Offenkundigkeit und die Welt des Selbstverständlichen“3. [...] 1 Berger, Willy: Drei phantastische Erzählungen. In: Arcadia. Zeitschrift für vergleichende Literaturwissenschaft. Berlin, New York 1978. S. 107. 2 Gorlin, Michael: N.V. Gogol und E. Th.A. Hoffmann. Liechtenstein: Kraus 1968. S. 80. 3 Bachtin, Michail: Die Ästhetik des Wortes: Hrsg. Rainer Grübel. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1979. S. 347.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Groteske in „Die Nase“

2.1. Die Sprache in Gogols Erzählung

2.2. Wirkung von Perspektiven

2.3. Groteske Figuren

3. Das Groteske in „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“

3.1. Die Sprache in E.T.A. Hoffmanns Erzählung

3.2. Wirkung von Perspektiven

3.3. Groteske Figuren

4. Vergleich der Erzählungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die grotesken Elemente in den Erzählungen „Die Nase“ von Nikolaj Gogol und „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“ von E.T.A. Hoffmann, um Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Entstehung der grotesken Wirkung aufzuzeigen und den Einfluss Hoffmanns auf Gogol zu analysieren.

  • Analyse der narrativen Gestaltung und Sprachstile bei Gogol und Hoffmann
  • Vergleich der zentralen Motive wie Identitätsverlust und Doppelgängertum
  • Untersuchung der Perspektivgestaltung und deren verfremdender Wirkung
  • Gegenüberstellung von russischem Realismus und deutscher Romantik
  • Erörterung der Rolle der Groteske als Mittel zur Weltdeutung

Auszug aus dem Buch

3. Das Groteske in „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“

E.T.A. Hoffmann unterscheidet zwischen zwei Arten des Komischen, das ‚bloß Komische’, dass er das ‚Drollige’ oder das ‚Possenhafte’ nennt, und das ‚wahrhaft Komische’. Dieses wahrhaft Komische, das mit der Hoffmanschen Groteske identifiziert werden kann, entsteht aus einer Mischung von Komik und Grauen, das Grauenvolle oder Tragische spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Die Hoffmannsche Groteske entsteht aus einer Dissonanz der Erscheinungen, die doppelte Funktion hat; sie ist zum einen Klage über den Verlust der harmonischen Welt, zum anderen ist sie das Mittel diese zu relativieren. Sie trägt demzufolge die Spannung des Negativen und des Positiven, des Verlustes und der Befreiung, des Grauens und des Lachens.

Durch Ambivalenz, also durch die Gleichzeitigkeit von Differenz und Identität, spaltet Hoffmann seine Texte und lässt sie so mehrdeutig werden. Er lässt aber keine der Interpretationsmöglichkeiten endgültig dominieren. Die ambivalente Textkonstruktion erstreckt sich auf alle Ebenen seiner Texte, sie ist also sowohl auf der Ebene der Geschichte als auch auf der des Diskurs, also des Erzählens, aufzufinden. Sie nimmt verschiedene Formen an, woraus eine spezifische Semantik des Erzählens resultiert. Aufs Genauste ausgewogene Ambivalenz, die sowohl das Figurenfeld genau wie den Geschehnisraum der Märchenhandlung und die Erzählhandlung erfasst, ist ein unverwechselbares Strukturmerkmal von Hoffmanns zweideutiger Welt. Hoffmanns erzähltechnisches Spiel, verstrickt den Leser derart, dass dieser nicht mehr sagen kann, wo das Phantastische beginnt und wo die Realität aufhört. In den Hoffmannschen Märchen werden einer Figur im Allgemeinen zwei mögliche Welten zugeordnet, zum Beispiel eine bürgerliche und eine wundersame, so entsteht eine verfremdende Wirkung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die vergleichende Untersuchung der Erzählungen ein und formuliert das Ziel, die grotesken Wirkungsmechanismen bei Gogol und Hoffmann zu ergründen.

2. Das Groteske in „Die Nase“: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Anwendung grotesker Stilmittel, die Bedeutung der Sprache und die Perspektivtechnik in Gogols Erzählung.

2.1. Die Sprache in Gogols Erzählung: Untersuchung, wie durch Nüchternheit und Hyperbeln das Ungewöhnliche in Gogols Text als realitätnah präsentiert wird.

2.2. Wirkung von Perspektiven: Analyse der wechselnden Erzählperspektiven und der Doppelexistenz der Nase als Instrument der Verfremdung.

2.3. Groteske Figuren: Betrachtung der Figurenzeichnung als Maskenspiel, in dem Individualität zugunsten einer absurden, nicht reflektierten Existenz aufgehoben wird.

3. Das Groteske in „Die Abenteuer der Silvester-Nacht“: Theoretische Einordnung der Hoffmannschen Groteske, die durch Ambivalenz und eine Dissonanz zwischen Alltagswelt und Geisterwelt geprägt ist.

3.1. Die Sprache in E.T.A. Hoffmanns Erzählung: Darstellung der Trennung in einen pathetischen Geisterwelt-Stil und einen rationalen Alltags-Stil.

3.2. Wirkung von Perspektiven: Untersuchung, wie Hoffmann durch willkürliche Erzählunterbrechungen und den gezielten Einsatz des Traummotivs die Grenze zwischen Realität und Phantastik verschleiert.

3.3. Groteske Figuren: Analyse der Figuren als sensible Enthusiasten, deren Identität in einem Spiel von Spiegelungen und Masken fragmentiert wird.

4. Vergleich der Erzählungen: Synthese der Ergebnisse, wobei die unterschiedlichen Ansätze – religiöser Realismus bei Gogol versus ästhetischer Idealismus bei Hoffmann – kontrastiert werden.

Schlüsselwörter

Groteske, E.T.A. Hoffmann, Nikolaj Gogol, Die Nase, Die Abenteuer der Silvester-Nacht, Verfremdung, Doppelgänger, Ambivalenz, Phantastik, Identität, Erzählperspektive, Maskenspiel, Realismus, Romantik, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit widmet sich dem literaturwissenschaftlichen Vergleich zweier bedeutender Erzählungen, die das Groteske als zentrales ästhetisches Gestaltungsmittel nutzen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Untersuchung von Verfremdungseffekten, die Analyse der Figurenpsychologie sowie der Umgang mit Identitätsverlusten und Doppelgängermotiven.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Gogol und Hoffmann durch unterschiedliche Erzähltechniken groteske Wirkungen erzeugen und inwieweit Gogol dabei von Hoffmann beeinflusst wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine komparative Literaturanalyse, die auf Basis primärliterarischer Untersuchung sowie unter Einbeziehung theoretischer Ansätze zur Groteske erfolgt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Sprache, die Perspektivgestaltung und die Figurengestaltung in beiden Werken, bevor diese in einem direkten Vergleich gegenübergestellt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Groteske, Verfremdung, Doppelgängertum, Ambivalenz, Phantastik und der Kontrast zwischen Realismus und Romantik.

Wie unterscheidet sich Gogols „Nase“ von Hoffmanns Spiegelbild-Motiv?

Während bei Hoffmann der Verlust eines Spiegelbildes meist mit einem Teufelspakt und moralischer Schuld verknüpft ist, verkehrt Gogol das Motiv ins Komisch-Absurde, ohne die religiöse Schwere des Teufelspaktes.

Welche Rolle spielt der Erzähler in Hoffmanns „Silvester-Nacht“?

Der Erzähler nimmt bei Hoffmann eine aktive Rolle ein, da er durch ständige direkte Ansprache des Lesers und gezielte Unterbrechungen der Handlung die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit bewusst verwischt.

Warum wird Gogols Erzählweise als „Stilgroteske“ bezeichnet?

Gogol erzielt seine groteske Wirkung vor allem durch die nüchterne, präzise Beschreibung vollkommen absurder Details, was einen starken Kontrast zwischen dem berichteten Ereignis und der Art der Darstellung erzeugt.

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Details

Title
Groteske Elemente bei E.T.A. Hoffmann und N. Gogol
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Grotesk(e)
Grade
2-
Author
Lenka Eiermann (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V36926
ISBN (eBook)
9783638364270
Language
German
Tags
Groteske Elemente Hoffmann Gogol Grotesk(e)
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lenka Eiermann (Author), 2004, Groteske Elemente bei E.T.A. Hoffmann und N. Gogol, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36926
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