2. BEGRÜNDUNG DES THEMAS UND RICHTLINIENBEZUG
Während der Pubertät geschehen sowohl körperliche a ls auch emotionale Veränderungen, die in der eigenen Entwicklung als gravierend erlebt werden. „Mit der Pubertät bekommt das Wort Liebe aber noch eine andere Bedeutung: Es ist damit von nun an etwas ganz Besonderes gemeint, ein beglückter Zustand, ein ersehnter Vorgang und der Wunsch nach Erfüllung“ (Schneider, 63). Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein ist mit Unsicherheiten verbunden. Die „Fähigkeit, Veränderungen der eigenen Person zu erkennen, sich in seinen Möglichkeiten zu erfahren und zu stabilisieren“ (Hessen, 13/1.4) ist ein Bereich, der in den Richtlinien begründet liegt. Auch die KMK greift die Persönlichkeitsentwicklung unter der „Ermöglichung von Erfahrungen zur alters- und geschlechtsspezifischen Entwicklung, zu Ich-Identität und Sinnfindung“ (KMK, 6) auf.
Verliebtsein hat in der Klasse eine aktuelle Brisanz, da mehrere Schüler ihre Gefühle füreinander entdecken. Auch von Seiten der Eltern wurde der Wunsch geäußert, Inhalte wie Verlieben, Liebeskummer und Beziehungsbildung zu thematisieren. Allerdings beschränkt sich die Gestaltung der ersten Liebesbeziehung momentan auf das Treffen in den schulischen Pausen und in anfänglichen Berührungen wie Küssen und Hand halten. Um den Schüler eine Perspektive zu bieten, wie sie sich in ihrer Bezie hung weiterentwickeln und verwirklichen können, soll ein Lernprozess angeregt werden. Hierbei können bekannte Möglichkeiten in Zusammenhang mit der neuen zwischenmenschlichen Beziehung gebracht sowie Beispiele gegeben werden, neue Gestaltungsmöglichkeiten auszuprobieren. Dieser Aspekt entspricht den Erziehungszielen, „sich in seinen Möglichkeiten zu erfahren“ und der „Fähigkeit zum Zusammenleben und zu gemeinsamem Tun“ (Hessen, 43/4.1). Auf den Grundsätzen der Lebensnähe, Selbsterfahrung, Anschaulichkeit und Verlebendigung der Inhalte sollen Gestaltungsmöglichkeiten der Liebesbeziehung im ge-wohnten sozialen Umfeld erfahren werden. Durch die Erweiterung hinsichtlich emo-tionaler, sozialer, praktisch handelnder und ästhetischer Dimensionen entspricht der Un-terrichtsinhalt den Forderungen der neueren Sachunterrichtsdidaktik (vgl. Kaiser, 171). Der sachunterrichtliche Inhalt wird mit der Lebensgeschichte, den Erfahrungen, Gefühlen oder Wünschen in Beziehung gesetzt. Dieser biografische Ansatz beinhaltet das Verbalisieren, Reflektieren und Ordnen eigener Erfahrungen, das Wahrnehmen eigener Gefühle, das Ausdrücken der Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte sowie das Reflektieren des eigenen Handelns (vgl. Ragaller, 47). Es kann
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auf dem Wege des Eindrucks oder auch des Ausdrucks dazu anregen, über das eigene Fühlen, Denken und Handeln nachzudenken.
3. SACHANALYSE
Zum Inhalt
Verliebtsein ist ein besonderer Gefühlszustand, bei dem eine tiefe Zuneigung zu einer gleich- bzw. gegengeschlechtlichen Person empfunden wird. „Verliebtheit kann wie ein Rausch sein und einen so gefangen nehmen, dass verstandesmäßige Überlegungen vorübergehend verdrängt werden“ (Meyers, 322). „Viele Menschen verlieben sich als Jugendliche. [...] häufig ist es eine sehr intensive, emotionelle Erfahrung, die eine Weile anhält und dann abflaut. Diese kurzfristige Beziehung kann sehr aufregend sein“ (Bell, 156). Eine Liebesbeziehung zu haben stellt für viele der geistig behinderten Menschen ein Stück Normalität dar. Gemeinsame Interessen, Erfahrungen und Bedürfnisse sind Bereiche, die den Beziehungsaufbau unterstützen (Meyers, 37). Zum Material
Ein Fotoroman besteht im Allgemeinen aus einer Kombination von Wort und Bild. Die erfundene Liebesgeschichte beinhaltet mehrere schülerbezogene Elemente: die Protagonisten sind ein reales Paar, den Spott der Schüler mussten sie anfangs über sich ergehen lassen, die Situation des fremden Jungen kennen sie aus dem Deutschbuch. Gesten und Mimen haben die Schüler als Ausdrucksformen gegenseitigen Verliebtseins kennen ge lernt und spielerisch geübt. Das Aufgreifen der individuellen Erfahrungen signalisiert den Schülern, dass sie mit ihren Gedanken und Problemen ernst genommen werden. Als Beispiele der Gestaltung sind Aktivitäten gewählt, wie sie gleichaltrige Nichtbehinderte gerne unternehmen. Als Symbol sind je nach Praktikabilität Gegenstände und/ oder Abbildungen gewählt:
Zur Methode Expertenbefragung
Die Realbegegnung mit Betroffenen öffnet den Unterricht für die außerschulische Realität. Die Schüler erhalten einen Einblick in das private Leben erwachsener
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Menschen mit geistiger Behinderung. Diese Primärerfahrung stellt die persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen i n den Mittelpunkt. Zur schnellen Beantwortung der Schülerfragen sollen diese zu Beginn der Befragung stehen. Folgen kann ein narrativer Teil, der durch eine offen gestellte Frage eingeleitet wird. Nachfragen können im Anschluss an die Erzählung ergänzt werden. „Durch den offenen Ausgang von Befragungen wird das im Sachunterricht zu vermittelnde Wissen enttrivialisiert und in seiner Vielschichtigkeit sichtbar gemacht“ (Michalik, 31). Hierbei können weitere Lernerfahrungen entstehen, wie bspw. Umgang miteinander, Wertvorstellungen in der Partnerschaft, Eigenräume, andere Interessen des/r Partners/in (vgl. Bayern, 55), Rollenklischees oder die Relativierung der Ansprüche (vgl. Hessen, 43/ 4.4).
4. ÜBERSICHT ÜBER DIE STRUKTUR DER UNTERRICHTSEINHEIT
Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2004, Unterrichtsstunde: Bewusstmachung der emotionalen Veränderungen während der Pubertät - Aufklärungsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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