Standortentscheidung bewertung controlling
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 1
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
TEIL A: STANDORTTHEORETISCHE ANSÄTZE UND
BEWERTUNGSVERFAHREN FÜR STANDORTENTSCHEIDUNGEN 4
1. EINLEITUNG 4
2. VERSCHIEDENE THEORIEANSÄTZE FÜR STANDORTENTSCHEIDUNGEN 4
2.1. Die traditionelle Standorttheorie nach Weber und Behrens 4
2.2 Die monopolistische Theorie der Direktinvestition 6
2.3. Der Ansatz von Tesch 7
2.4. Eklektische Theorie von Dunning 8
2.5. Das EPRG-Modell von Perlmutter und seine Erweiterung durch Meffert 9
2.6. Die Theorie des nationalen Diamanten von Porter 11
3. INVESTITIONSMOTIVE BEI DER STANDORTENTSCHEIDUNG 15
4. BEWERTUNGSVERFAHREN FÜR DIE STANDORTENTSCHEIDUNG 18
4.1. Verfahren der Investitionsrechnung 18
4.1.1. Die statischen Investitionsrechnungsverfahren 18
4.1.2. Die dynamischen Investitionsrechnungsverfahren 18
4.1.3. Beurteilung der Investitionsrechnungsverfahren im Zusammenhang mit
Standortentscheidungen 19
4.2. Qualitative Bewertungsverfahren 20
4.2.1. Checklisten 20
4.2.2. Nutzwertanalyse 20
4.2.3. Country-Ratings 21
5. KRITISCHE ANALYSE DER BISHERIGEN THEORIEN UND BEWERTUNGSVERFAHREN 23
TEIL B: LEITFADEN IN UND AUSLÄNDISCHE STANDORTE RICHTIG
BEWERTEN MIT VERSTETIGUNG ZUM STANDORTCONTROLLING 24
1. STRATEGIEERKLÄRUNG UND ABLEITUNG ERFOLGSKRITISCHER STANDORTFAKTOREN
ÜBERPRÜFUNG DER PASSFÄHIGKEIT VON WETTBEWERBS UND
INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIE 24
1.1 Motive internationaler Standortentscheidungen 24
1
Standortentscheidung bewertung controlling
1.2 Vertriebs Service Produktions und FuE-Präsenz im Ausland Ein Stufenmodell
27
1.3 Strategischer Spielraum zwischen regionaler und globaler Vorleistungs und
Absatzorientierung 28
1.4 Matrix zur Überprüfung der strategischen Passfähigkeit 29
2. ERWEITERTE SYSTEMATIK VON STANDORTFAKTOREN FÜR INTERNATIONALE
STANDORTENTSCHEIDUNGEN 32
3. DYNAMISCHE BEWERTUNG VON ZUKUNFTSBILDERN SZENARIOBASIERTE
STANDORTBEWERTUNG 33
3.1 Szenariotechnik 33
3.2 Szenarioanalyse und Standortbewertung 33
3.2.1 Entwicklung der Performancefaktoren 36
3.2.2 Entwicklung der Umfeldfaktoren 37
3.3 Szenariobasierte Wirtschaftlichkeitsrechnung anhand eines Beispiels 38
Zwischenfazit 40
4. STANDORTCONTROLLING MONITORING ZUR STRATEGISCHEN FRÜHWARNUNG 41
4.1 Standortcontrolling 41
4.2 Balanced Scorecard 41
4.3 Die Standort-BSC als integrativer Rahmen einer dynamischen Standortbewertung 42
4.4 Anwendung der Standort-BSC für ein strategisches Standortcontrolling (i S der
Frühaufklärung) 44
Zwischenfazit 46
5. DAS STANDORTCONTROLLING-KONZEPT 47
Der Einfluss der Umwelt auf den Controller 47
6. FAZIT 47
7. LITERATURVERZEICHNIS V
A Beiträge in Büchern anderen Sammelwerken sowie Artikel in Periodika V
B Internetquellen VII
2
Standortentscheidung bewertung controlling
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: STANDORTFAKTORENSYSTEMATIK NACH BEHRENS 5
ABBILDUNG 2: WAHL DER MARKTBEARBEITUNGSFORM IN ABHÄNGIGKEIT VON DEN OLI-VORTEILEN 8
ABBILDUNG 3: GRUNDTYPEN VON INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIEN NACH MEFFERT 10
ABBILDUNG 4: NATIONALER DIAMANT NACH PORTER 11
ABBILDUNG 5: EINFLUSSFAKTOREN DER STANDORTWAHL 15
ABBILDUNG 6: KRITERIEN UND MAXIMALPUNKTZAHLEN DES BERI-INDEX 22
ABBILDUNG 7: MATRIX DER STRATEGISCHEN PASSFÄHIGKEIT VON INTERNATIONALISIERUNGS UND
UNTERNEHMENSSTRATEGIE 25
ABBILDUNG 8: BETRIEBSTYPEN ZWISCHEN REGIONALEM VORLEISTUNGSBEZUG UND INTERNATIONALER
ABSATZORIENTIERUNG 28
ABBILDUNG 9: ERFOLGSTYPEN INTERNATIONALEN ENGAGEMENTS NACH DER VERFOLGTEN
UNTERNEHMENSSTRATEGIE 30
ABBILDUNG 10: MATRIX DER STRATEGISCHEN PASSFÄHIGKEIT VON INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIE UND
UNTERNEHMENSSTRATEGIE 31
ABBILDUNG 11: ERWEITERTE SYSTEMATIK VON STANDORTFAKTOREN 32
ABBILDUNG 12: EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE INPUTGRÖßEN EINER WIRTSCHAFTLICHKEITSBETRACHTUNG 35
ABBILDUNG 13: WICHTIGE UMFELD UND PERFORMANCEFAKTOREN 35
ABBILDUNG 14: PERFORMANCEENTWICKLUNG 37
ABBILDUNG 15: KONSISTENZMATRIX 37
ABBILDUNG 16: SZENARIOBASIERTE WIRTSCHAFTLICHKEITSBETRACHTUNG 38
ABBILDUNG 17: BEISPIELHAFTE PROGNOSE VON UMFELDENTWICKLUNGEN 39
ABBILDUNG 18: BEISPIELHAFTE PROGNOSE VON PERFORMANCEENTWICKLUNGEN 39
ABBILDUNG 19: MÖGLICHE ERGEBNISMATRIX EINER SZENARIOBASIERTEN
WIRTSCHAFTLICHKEITSBETRACHTUNG 39
ABBILDUNG 20: DIE STANDORT BALANCED SCORECARD 44
ABBILDUNG 21: STANDORT-BSC FÜR DAS STRATEGISCHE STANDORTCONTROLLING I S DER
FRÜHAUFKLÄRUNG 45
3
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
Teil A: Standorttheoretische Ansätze und
Bewertungsverfahren für Standortentscheidungen
1. Einleitung
Nachdem die Diskussion der Auswirkungen der Globalisierung auf das betriebliche Geschehen sich bisher nur auf die sogenannten „global player“ bezog, 1 sind nun auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen von diesen Auswirkungen betroffen. Agierten sie bislang in Nischenpositionen so werden sie immer häufiger durch in- und vor allem ausländische Wettbewerber - häufig auch aus „Billiglohnländern“ - attackiert. Dies um so mehr nachdem die EU-Osterweiterung nun vollzogen ist. Die Sättigung traditioneller Marktsegmente (auch auf jungen Zukunftsmärkten), der Wunsch nach Individualisierung der Kundenwünsche mit begleitenden Dienstleistungen überall auf der Welt schnell, zuverlässig und in angemessener Qualität liefern zu können sowie rasante Know-how-Entwicklungen bei immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen, zwingen die Unternehmen über den Tellerrand des eigenen Landes hinauszuschauen und sich eventuell in wichtigen Auslandsmärkten eine Position zu sichern. 2
2. Verschiedene Theorieansätze für Standortentscheidungen
2.1. Die traditionelle Standorttheorie nach Weber und Behrens
„Die Standortbestimmungslehre hat ihren Ursprung in der „reinen Theorie des Standortes“ von Alfred Weber.“ 3 Er führt in seiner Theorie der industriellen Standortwahl den Begriff des Standortfaktors in die Analyse der einzelbetrieblichen Standortwahl ein und zeigt, dass sich die Wahl eines Betriebsstandortes aus dem Zusammenwirken von Standortfaktoren erklären lässt. 4 Der „Standortfaktor ist einer seiner Art nach scharf abgegrenzter Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder auch generell an Plätzen bestimmter Art vollzieht“. 5 Ein Faktor ist für die Standortwahl aber nur von Bedeutung, wenn er sich in den Kosten oder Erlösen des Unternehmens monetär oder nicht monetär auswirkt und in Verfügbarkeit, Qualität und/oder Preis räumlich differiert. Daraus ergeben sich für Unternehmen an verschiedenen Standorten jeweils unterschiedliche Bedingungen, die bei einer Standortwahl berücksichtigt werden müssen. 6
1 Vgl. Henzler, H.: Die Globalisierung von Unternehmen im internationalen Vergleich, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Ergänzungsheft 2, 1992 2 Vgl. Pleitner, H.J.: KMU vor dem Hintergrund der Internationalisierung, in: io Management, Heft 3, S. 66. 3 Kinkel, S.: Dynamische Standortbewertung und strategisches Standortcontrolling, Frankfurt 2003, S. 20. 4 Vgl. Scholl, M.: Telekommunikationsmittel als Entscheidungskomponente betrieblicher Standortwahl - Kölner Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeographie, Bd. 38, Köln 1990, S. 57.
5 Weber, A.: Über den Standort der Industrien, in Alfred-Weber-Gesamtausgaben, Bd. 6, Schriften zur industriellen Standortlehre, Marburg 1998, S. 48f.
6 Vgl. Salmen, T.: Standortwahl der Unternehmen - Ein Überblick über empirische Gründe, Prozesse und Kriterien der unternehmerischen Entscheidungsfindung, Marburg 2001, S. 29.
4
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
Bei dem System von Weber „handelt es sich um ein statisches und geschlossenes Modell, das sich auf wenige Standortfaktoren konzentriert und die Betrachtung auf die entscheidungsrelevanten Determinanten Transportkosten und Arbeitskosten, sowie die Agglomerationsvorteile und –nachteile einengt. Absatzfaktoren werden im System von Weber völlig ausgeklammert, da das Absatzproblem als bereits gelöst betrachtet wird.“ 7 Auf Grundlage der Arbeit von Weber entwickelte Behrens eine „allgemeine Standortbestimmungslehre“. 8 Ziel dieser Standorttheorie ist die systematische Analyse möglichst aller relevanten Standortfaktoren, von denen betriebliche Standortentscheidungen abhängen. 9 „Gemäß dem betriebswirtschaftlichen Rentabilitätsprinzip berücksichtigt Behrens sowohl kosten- als auch ertragsrelevante Standortfaktoren und ermöglicht dadurch auch den Einbezug der Leistungs- bzw. Absatzseite der Unternehmung. Er unterscheidet in seiner Systematik grundlegend zwischen gütereinsatzbezogenen Faktoren von Beschaffung und Transformation sowie absatzbezogenen Standortfaktoren.“ 10
Darüber „hinaus führt Behrens in seiner Systematik auch nur schwer oder gar nicht quantifizierbare Markt- und Branchenfaktoren des unmittelbaren Unternehmensumfeld ein. Er entzieht die Standortentscheidung damit einer exakten Berechnung und weist sie stattdessen als Ergebnis eines qualitativen Vergleichs der relevanten Standortfaktoren potentieller Standorte aus.“ 11
8 Vgl. Behrens, K.-C.: Allgemeine Standortbestimmungslehre, Köln und Opladen 1971.
9 Vgl. Drexl, A.: Standorttheorien, in: Wittmann, W. et al. (Hrsg.): Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, Teilband 3, Auflage 5,
Stuttgart 1993, S. 3962-3972.
10 Kinkel, S.: Dynamische Standortbewertung..., a.a.O., S. 21.
11 ebd., S. 21.
5
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
2.2 Die monopolistische Theorie der Direktinvestition
Weber und Behrens’ Standorttheorien haben eine rein nationale Ausrichtung. 12 Sie geben also auf die in Zeiten der Globalisierung so heftig diskutierten Produktionsverlagerungen an ausländische Standorte keine Antworten. Dieses Phänomen wird durch die Theorie der Direktinvestition beschrieben.
„Ihren Ursprung hat die moderne Theorie der Direktinvestition in der monopolistischen Theorie von Hymer.“ 13 Nach seinem Ansatz will ein Unternehmen durch Direktinvestitionen entweder 1. sein eingesetztes Kapital verzinsen, 2. den Wettbewerb im Ausland kontrollieren, 3. sein Risiko durch eine Investition im Ausland diversifizieren oder 4. monopolistische Vorteile im Ausland ausnutzen. 14 Um diese Ziele zu erreichen muss nach Hymer und Kindleberger das investierende Unternehmen gegenüber lokalen Wettbewerbern in dem betreffenden Land folgende Wettbewerbsnachteile überwinden: 15
(1) Die inländischen Unternehmen besitzen hinsichtlich den gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten, sowie auch den Wertvorstelllungen und Präferenzen der örtlichen Konsumenten einen Informationsvorsprung. Nach Hymer kann dieser aber durch Aufwendung einmaliger Fixkosten überwunden werden. (2) Es bestehen dauerhafte Investitionshemmnisse in Form von Diskriminierungen und Vorurteilen gegenüber ausländischen Unternehmen durch die Regierung, Nachfrager, Lieferanten und Arbeitskräfte.
(3) Für ausländische Investoren besteht die Gefahr von Wechselkursrisiken. (4) Durch die räumliche Distanz zwischen Mutter- und Tochterunternehmen entstehen höhere Kommunikations- und Koordinationskosten.
Eine Direktinvestition im Ausland erfolgt nur wenn, die Nachteile der Investoren gegenüber der lokalen Konkurrenz durch monopolistische Wettbewerbsvorteile überkompensiert werden.
Solche Wettbewerbsvorteile sind: 16
Kapazitätsvorteile bei Personal, Betriebsmitteln und Kapital
-
-
-
-
-
12 Vgl. Braun, G.: Ausländische Direktinvestitionen, Frankfurt am Main 1988, S. 283.
13 Kinkel, S.: Dynamische Standortbewertung..., a.a.O., S. 13.
14 Vgl. Hymer, S. H.: The International Operations of National Firms: A Study of Direct Investment, MIT, Boston 1960, S. 37ff.
15 Vgl. Im Folgenden ebd., S. 34ff., Kindleberger, C. P.: American Business Abroad: Six Lectures on Direct Investment, New
Haven 1969, S. 12ff.
16 Vgl. Kinkel, S.: Dynamische Standortbewertung..., a.a.O., S. 14.
6
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
2.3. Der Ansatz von Tesch
Tesch versucht mit seinem allgemeinen theoretischen Ansatz die Außenwirtschaftsbeziehungen von Unternehmen (Exporte, Lizenzen und Direktinvestitionen) zu erklären.
Hierzu verbindet er die aus der Standorttheorie entstandenen Standortanforderungen mit den Wettbewerbsvorteilen aus der Theorie der Direktinvestition.
Als zentraler Entscheidungspunkt zur internationalen Standortwahl dient der standortbedingte Wettbewerbsvorteil. Die Internationalisierung eines Unternehmens erfolgt demnach durch die höhere Standortqualität im Ausland, die sich aus den Standortbedingungen des Landes und den produkt-, verfahrens- und skalenspezifischen Standortanforderungen des Unternehmens zusammensetzen. 17
Auf Grund der Tatsache, dass sich sowohl die Standortanforderungen so wie die Standortbedingungen und somit auch der Wettbewerbsvorteil im Laufe der Zeit in Abhängigkeit von Produktivitätsentwicklungen und Nachfrage verändern kann, fordert Tesch die Einführung einer dynamische Betrachtung der Standortauswahl. 18
Außerdem führen Direktinvestitionen nach Tesch, sofern nicht das ganze Unternehmen ins Ausland abwandert, immer auch zu einer Spaltung des Unternehmens in mehrere räumlich getrennte Betriebsbereiche.
Es lassen sich folgende Formen der Standortspaltung unterscheiden: 19
- Standortspaltung zwischen Produktion und Vertrieb (realisiert durch Vertriebsniederlassungen im Ausland zur Förderung des Exports)
Standortspaltung zur parallelen Produktion gleicher Güter an mehreren Standorten
- (zur Erreichung einer höheren Marktnähe und Förderung des Absatzes)
Standortspaltung zur substituierenden Produktion durch Verlagerung bestimmter
- Produktionskapazitäten ins Ausland (um über niedrigere Fertigungskosten die angestammten Absatzmärkte im In- und Ausland zu sichern)
Standortspaltung komplementärer Produktion durch Verteilung spezieller Teilprozesse
- der betrieblichen Leistungserbringung auf verschiedene Standorte (zur konzerninternen Arbeitsteilung)
- Standortspaltung aus steuerlichen Gründen durch Basisgesellschaften im Ausland (zur direkten oder indirekten Senkung der Steuerlast des Unternehmens)
17 Vgl. Tesch, P.: Die Bestimmungsgründe des internationalen Handelns und der Direktinvestitionen - Eine kritische
Untersuchung der außenwirtschaftlichen Theorien und Ansatzpunkte einer standorttheoretischen Erklärung der
leistungswirtschaftlichen Auslandsbeziehungen, Berlin 1980, S. 331ff.
18 Vgl. Hummel, B.: Internationale Standortentscheidung, Freiburg 1997, S. 56.; vgl. auch Teil B Kap. 3
19 Vgl. Tesch, P.: Die Bestimmungsgründe des internationalen Handelns..., a.a.O., S.538ff.
7
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
2.4. Eklektische Theorie von Dunning
Durch das Zusammenfassen der partialanalytischen Theorien der Direktinvestition, der Internalisierung und der Standorttheorie zu einem einheitlichen Theoriegebäude versucht Dunning die Fragen nach dem „Wo“, dem „Wie“ und dem „Warum“ des internationalen Engagements von Unternehmen zu beantworten. 20 Nach der eklektischen Theorie hängt das Engagement von Unternehmen im Ausland von folgenden drei Bedingungen ab: 21
Das Unternehmen besitzt gegenüber den Konkurrenten einen spezifischen
-
- Das Untenehmen muss über Internalisierungsvorteile verfügen. (Internalization
- Der ausländische Standort muss, um nicht nur über den Export bedient zu werden, laut
Nach Dunning treffen auf Grundlage dieser drei Bedingungen die Unternehmen ihre Entscheidung zwischen den drei möglichen Marktbearbeitungsformen:
1. Direktinvestition im Ausland
Direktinvestitionen kommen nur bei Erfüllung aller drei OLI-Vorteile zustande. Bestehen keine Standortvorteile wird der ausländische Markt über den Export gedeckt. Fehlen sowohl Standortvorteile, als auch Internalisierungsvorteile findet nur ein vertraglicher Ressourcentransfer statt.
20 Vgl. Dunning, J.H..: Explaining International Production, London 1988, S. 1ff.
21 Vgl. im Folgenden ebd., S. 25ff.
8
Standortentscheidung, -bewertung & -controlling
2.5. Das EPRG-Modell von Perlmutter und seine Erweiterung durch Meffert
Das EPRG-Modell basiert auf der Annahme, dass die Einstellung des Top-Managements eine dominierende Rolle im Hinblick auf die Internationalisierung eines Unternehmens einnimmt. 22 Perlmutter unterscheidet dabei vier unterschiedliche Führungskonzepte: 23
1. Das ethnozentrische (heimatlandorientierte) Führungskonzept
Die Denkmuster, Vorgehensweisen und Produktionsstandards der heimatlichen Zentrale werden ohne vorhergehende lokale Anpassung an die Kultur des jeweiligen Auslandsstandorts übertragen.
2. Das polyzentrische (gastlandorientierte) Führungskonzept
Dieses Führungskonzept unterstellt stark differierende Kulturen in den verschiedenen Ländern. Daher wird die Unternehmenskultur, zum Beispiel durch die Besetzung des Managements mit hauptsächlich heimischen Führungskräften, an das Gastland angepasst. Den jeweiligen Auslandsstandorten wird unter Vorgabe der Erfüllung grundsätzlicher Ziele ein hohes Maß an Selbständigkeit gewährt.
3. Das regiozentrische (regionalorientierte) Führungskonzept
Hierbei werden homogene Ländergruppen wie z.B. Europa oder Nordamerika zu Regionen zusammengefasst. In den Regionen kommt es dann zu einheitlichen Strategien zur Nutzung von Synergie- und Skaleneffekten.
4. Das geozentrische (weltorientierte) Führungskonzept
Dieses Konzept versucht durch Integration aller Standorte des Unternehmens eine weltweite Einheit herzustellen. 24
„Zwar ist das EPRG-Modell nach Perlmutter ein Konzept, dass die gesamte Strategie und alle Organisationsbereiche eines Unternehmens beeinflusst. Jedoch werden nur die grundlegenden Maximen der Führung aus der Sicht des Top-Managements dargestellt (...).“ 25
Meffert und Porter greifen daher, die Grundgedanken des EPRG-Modells auf und versuchen daraus eine allgemeine Internationalisierungsstrategie zu entwickeln. Ausgehend von den spezifischen Globalisierungs- und Lokalisierungsvorteilen, die ein Unternehmen genieren kann, unterscheiden die beiden Autoren vier Grundtypen von Internationalisierungsstrategien: 26
22 Vgl. Perlmutter, H.: The Tortuous Evolution of the Multinational Corporation, in: Columbia Journal of Worlds of Business, 4
Jg., H. 1, S. 9-18.
23 Vgl. im Folgenden Heenan, D. A../Perlmutter, H.V.: Multinational Organization Development, Reading 1979, S. 17ff.
24 Vgl. Perlitz, M.: Internationales Management, 4. Auflage, Stuttgart 2000, S. 138.
25 Vgl. Kinkel, S.: Dynamische Standortbewertung..., a.a.O., S. 32.
26 Vgl. Meffert, H.: Globale Marketingstrategien, in: Macharzina, K.; Welge, M. K. (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft –
Einwirkungen auf die Betriebswirtschaftslehre, Bern, Stuttgart, Wien 1989, S. 449ff.
9
Quote paper:
Patric Heby, Patrick Stern, 2004, Standortplanung, -bewertung und -controlling, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Standortwahl und Globalisierung
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Termpaper, 27 Pages
Produktionsverlagerung ins Ausland: Ein Leitfaden zur Identifikation u...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Produktionsverlagerung ins Ausland
Business economics - Industrial Management
Scholary Paper (Seminar), 45 Pages
Entwicklungsländer als Opfer der Spekulanten?
Economics - Foreign Trade Theory, Trade Policy
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Der Standort - Standortwahl und Standortfaktoren
Ein kurzer Überblick aus betri...
Termpaper, 15 Pages
Standortplanung in globalen Wertschöpfungsketten
Business economics - Supply, Production, Logistics
Diploma Thesis, 92 Pages
Die Frage der Inklusion älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem vor ...
Ein Ländervergleich Deutschlan...
Termpaper, 17 Pages
Inwiefern waren der Ärztestreik und die Tarifverhandlungen zwischen de...
Politics - Political Systems - Germany
Termpaper, 23 Pages
Strategische Netzwerkplanung und Netzwerkstrategien
Business economics - Supply, Production, Logistics
Scholary Paper (Seminar), 36 Pages
Kritische Betrachtung des Prozesses der internationalen Standortwahl
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Research Paper, 35 Pages
Ansätze, Möglichkeiten und Grenzen des Informationsmanagements am Beis...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Research Paper, 37 Pages
Grundlagen der Standort- und Marktanalyse
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Standortpolitik im Handelsmarketing
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Markt- und Standortanalyse für ein Urban Entertainment Center
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Instrumente des strategischen Managements - Das professionelle Handwer...
Termpaper, 51 Pages
Patric Heby's text Standortplanung, -bewertung und -controlling is now available as a printed book
Patric Heby has published the text Standortplanung, -bewertung und -controlling
Patric Heby has uploaded a new text
Prozessorientierte Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen und Controlli...
1jährige BFS (HöHa) Niedersach...
Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen/Controlling für das Berufliche G...
Band 2 Lehr-/Fachbuch
Frank Krause, Michael Müller, Rolf Rickert
Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen/Controlling 3. Niedersachsen
Fachgymnasium Wirtschaft - Qua...
Speth
Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen/Controlling 1. Fachgymnasium Wir...
Niedersachsen
Hermann Speth, Hartmut Hug, Martina Lennartz, Gernot Hartmann, Friedrich Härter, Aloys Waltermann
Prozessorientierte Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen und Controlli...
1jährige BFS (HöHa) Niedersach...
Betriebswirtschaft und Rechnungswesen - Controlling - Volkswirtschaft....
Fachoberschule Wirtschaft - Kl...
0 comments