Held und Anti-Held Autorin: Simone Linde in den Revolutionsromanen von Charles Dickens Sem. 1b SoSe 1999
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1. Einleitung 3
2. Charakterdarstellung Cartons im Text über indirekte Präsentation
a) und Begriffserklärung 4
b) Verhalten und äußere Erscheinung
c) Handlung
d) Sprache
e) Umgebung
f) Analogie der Figuren 10
3. Symbolik von Cartons Märtyrertod
a) Gesellschaftlich – politisch 13
b) Religiös – anthropologisch 15
Literaturverzeichnis 20
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Ich möchte in dieser Hausarbeit untersuchen, auf welche Weise die Figur Sidney Carton in$ 7DOH RI 7ZR &LWLHV dargestellt wird und welche Wirkungen und Bedeutungen dieses für den Roman hat.
Im ersten Teil beschäftige ich mich mit formalen Möglichkeiten der Charakterdarstellung in Bezug auf Sidney Carton, wobei ich mich auf literaturtheoretische Aspekte aus „Narrative Fiction“ von Shlomith Rimmon-Kenan 1 berufe. Der Schwerpunkt liegt dabei darauf, Sidney
Cartons Charakter so differenziert wie möglich zu analysieren und dabei Cartons Schwächen und Stärken, sowie eine Erklärung seiner Verhaltensweise herauszuarbeiten. Im zweiten Teil befasse ich mich mit der Bedeutung Sidney Cartons für die Aussage des Romans – speziell im Hinblick auf seinen Märtyrertod. Ich beziehe mich dabei auf die allgemeine gesellschaftliche Lage der Zeit und zeige, inwiefern $ 7DOH RI 7ZR &LWLHV eine Kritik der politischen und sozialen Gegenwart Dickens ist. Desweiteren untersuche ich den Roman auf eine supertemporale und allgemeingültige Aussage. Dabei steht die moralische Aussage, die durch Cartons freiwilliges Opfer deutlich gemacht wird, im Vordergrund. 1 Rimmon-Kenan, Schlomith: 1DUUDWLYH)LFWLRQ±&RQWHPSRUDU\3RHWLFV. New York, 1983.
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,QGLUHNWH 3UlVHQWDWLRQ und GLUHNWH 'HILQLWLRQ 2 sind nach Rimmon-Kenan die grundlegenden
Typen der Charakterdarstellung im Text. Bei der direkten Definition wird eine konkrete Beschreibung der Charaktereigenschaften einer Figur von der höchsten Instanz des Textes gegeben – dem Erzähler. Die indirekte Präsentation hingegen nennt keine Eigenschaften, sondern zeigt sie durch verschiedene erzähl-technische Weisen auf: die lXHUH(UVFKHLQXQJ, die+DQGOXQJ, die 6SUDFKH, die 8PJHEXQJ oder verschiedene $QDORJLHQ. Bei der Darstellung der äußeren Erscheinung zählen sowohl körperliche Merkmale, auf die die Person keinen Einfluß hat, wie die Größe oder die Augenfarbe; aber auch die Repräsentation durch Elemente wie Kleidung und Frisur, die von der Figur selbst bestimmbar sind.
Die Handlung ist wichtig für die Charakter-Darstellung, weil sie die Züge einer Person durch JHZRKQKHLWVPlLJH oder HLQPDOLJH Tätigkeiten aufzeigen kann. Die gewohnheitsmäßigen Aktionen repräsentieren dabei den statischen Teil der Person, wogegen die einmaligen den dynamischen Teil zeigen. Die einmaligen Aktionen sind oft besonders hervorgehoben und spielen eine entscheidende Rolle in einem WXUQLQJSRLQWdes Romans.
Die Charakterdarstellung durch die Sprache beinhaltet zwei Aspekte: erstens ist der Inhalt der Äußerungen relevant im Hinblick auf Charaktereigenschaften, zweitens läßt die Form der Sprache Rückschlüsse auf den Charakter der Figur zu.
Die Umgebung trägt durch .RQWLJXLWlW zur Charakterisierung bei. Dabei ist sowohl die direkte, äußere Umgebung von Bedeutung, wie der Wohnort und die Stadt - als auch die familiäre und soziale Bindung.
Auf verschiedene Weise können letztlich Analogien die Charakterdarstellung verstärken: Namen können durch visuelle, akustische, die Aussprache betreffende oder morphologische Merkmale bestimmte Assoziationen hervorrufen. Desweiteren können Figuren, die sich in ähnlichen Umständen befinden, gegenübergestellt werden. Die bKQOLFKNHLWHQ oder .RQWUDVWH der Charakterzüge verstärken sich durch diese Gegenüberstellung. Ich werde mich nur mit der Analogie zwischen Figuren beschäftigen.
2 Rimmon-Kenan, Schlomith (siehe 1 ) Kap.5 „Text: Characterization“, S. 59-70
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Direkte Definitionen von Sidney Carton gibt es in $7DOHRI7ZR&LWLHVkaum. Eine mögliche Erklärung dafür ist, daß eine direkte Definition immer einen statischen und rationalen Eindruck vermittelt. 3 Dies widerspricht aber Cartons ungefestigtem, komplexem Charakter. Deshalb wird er durch W\SLVFKH9HUKDOWHQVZHLVHQ beschrieben.
Carton fällt auf, weil er sich anders als die Norm benimmt. Er scheint keinen Wert auf allgemeingültige Regeln der Höflichkeit zu legen, denn er benimmt sich rücksichtslos und achtlos. Er wahrt nach außen eine distanzierte Gelassenheit, die oft unverschämt wirkt:
„Mr.Carton’s manner was so careless as to be almost insolent. He stood, half turned from the prisoner, lounging with his elbow against the bar.“ 4
Dieser Eindruck wird durch die Beschreibung der äußeren Erscheinung und typischer Gesten verstärkt. In der Gerichtsverhandlung Charles Darnays wird er als Handlanger des Anwaltes Stryver eingeführt, der während des ganzen Verhörs abwesend an die Decke schaut. Auch als die Spannung des Verfahrens ihren Höhepunkt erreicht, behält Carton seine scheinbare Unbeteiligtheit und hält sich abseits der Aufregung:
„Mr. Carton, who had so long sat looking at the ceiling of the court, changed neither his place nor his attitude, even in this excitement.“ 5
Diese Beschreibungen sind paradigmatisch für Cartons Auftreten in der Gesellschaft: Er hält sich stets im Hintergrund, grenzt sich absichtlich aus und legt keinen Wert darauf, sich am Geschehen zu beteiligen. Er ist ein Einzelgänger - weder interessiert an gesellschaftlicher Integration noch an Anpassung. Dieses Image wird unterstützt von seiner nachlässigen und ungepflegten Erscheinung, die er als Protesthaltung zur Schau stellt 6 :
„This one man sat leaning back, with his torn gown half off him, his untidy wig put on just as it had happened to light on his head after ist removal, his hands in his pockets...“ 7 3 Rimmon-Kenan, Schlomith (siehe 1 ) S. 60 4 Dickens, Charles: $7DOHRI7ZR&LWLHV. Penguin 1994. (TTC) S. 85 5 TTC; S. 83 6 Lorenz, Martina: )RUPHQVHOEVWGDUVWHOOHULVFKHU3HUIRUPDQ]EHL&KDUOHV'LFNHQV. Frankfurt a. M., 1998. S. 256 7 TTC; S. 83
Quote paper:
Simone Linde, 1999, Sidney Cartons Charakterentwicklung in 'A Tale of Two Cities' von Charles Dickens mit Blick auf die moralische Ebene des Textes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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