Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
1. Innovation - Begriff, Arten, Ablauf 2
1.1. Abgrenzung des Innovationsbegriffs 3
1.2. Innovation als Prozess 4
1.3. Differenzierung nach dem Gegenstandsbereich 4
1.4. Differenzierung nach dem Grad der Erneuerung 6
1.5. Innovationen nach dem Auslöser. 7
2. Bedeutung und Auswirkungen von Innovationen. 8
2.1. Volkswirtschaftliche Effekte von Innovationen. 8
2.2. Betriebswirtschaftliche Effekte von Innovationen 9
3. Einflussfaktoren auf das Innovationsverhalten. 10
3.1. Unternehmensgröße und Marktmacht. 10
3.2. Marktstruktur 13
3.3. Sonstige Einflussgrößen 14
3.3.1. Unternehmenscharakteristik. 14
3.3.2. Unternehmensumwelt 15
4. Das Innovationsverhalten in Zahlen. 16
4.1. Zur Messbarkeit von Innovationen 16
4.2. Innovationsaktivitäten der deutschen Wirtschaft allgemein 16
4.3. Innovationsaktivitäten nach der Unternehmensgröße 18
4.4. Innovationsaktivitäten nach weiteren Einflüssen 21
5. Innovationshemmnisse 21
6. Die Innovationspolitik des Bundes. 24
6.1. Aktivitäten, Gründe und Ziele 24
6.2. Die Fördermaßnahmen im Überblick. 26
6.3. Wirksamkeit und Kritik 28
7. Fazit 30
Literaturverzeichnis 31
Einleitung
Technischer Fortschritt und Innovationen gelten als Wachstumsmotor der Wirtschaft und sind der Treiber für strukturelle Veränderungen. Bereits Schumpeter bezeichnete die Innovationstätigkeit als einen Prozess der schöpferischen Zerstörung. 1 Durch Innovationen werden erschöpfte Wohlstandsquellen durch neue ersetzt. Sie sorgen für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften und können dazu beitragen, die Arbeitslosigkeit zu senken.
Gleichzeitig kommt auch dem Mittelstand eine zentrale Rolle zu. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen 99,7 % aller Unternehmen in Deutschland. Sie tragen die Beschäftigung (70 % der Arbeitsplätze), übernehmen einen Großteil der Ausbildungsleistung (80 % der Ausbildungsplätze) und erwirtschaften 49 % des BIP. 2
In Anbetracht der großen Tragweite von Innovationen im Wirtschaftsprozess und dem wichtigen Beitrag des Mittelstands zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist es daher nur folgerichtig, das Innovationsverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken und zu fördern sowie Innovationshemmnisse abzubauen. Durch den Wandel zur Wissensgesellschaft und den zunehmenden weltweiten Wettbewerb werden die Bedeutung von Innovationen und die Anforderungen an Unternehmen noch verstärkt. Innovationen werden zu einer notwendigen Bedingung für die erfolgreiche Entwicklung eines Unternehmens - und damit letztlich auch einer Volkswirtschaft - in einem dynamischen Umfeld. Die Innovationsthematik und die Mittelstandspolitik umfassen ein sehr weites Feld, das folglich nicht in allen Aspekten diskutiert werden kann. Die vorliegende Arbeit untersucht das Innovationsverhalten der Wirtschaft im Allgemeinen und des Mittelstands im Besonderen. Dabei werden die Bedeutung von Innovationen herausgestellt, Einflussfaktoren auf die Innovationstätigkeit untersucht und innovationspolitische Maßnahmen diskutiert.
„Innovation“ ist ein schillernder Begriff, der oftmals unterschiedlich verwendet wird. Daher ist zunächst eine nähere Begriffsbestimmung erforderlich. In Kapitel 1 werden nach einer Abgrenzung zu verwandten Ausdrücken unterschiedliche Definitionen und Betrachtungsweisen des Innovationsbegriffs vorgestellt. Innovationen wirken sich in vielfältiger Weise aus. Die öffentliche Diskussion über die Folgen von Innovationen in allen Bereichen der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verdeutlicht ihre große Bedeutung, die im Rahmen der Globalisierung und der Wissensintensivierung noch zunimmt. In Kapitel 2 werden speziell die Innovationseffekte auf die Wirtschaft beleuchtet, sowohl auf volks- als auch auf betriebswirtschaftlicher Ebene.
Im Anschluss werden in Kapitel 3 theoretische Einflussgrößen betrachtet, die das Innovationsverhalten von Unternehmen bestimmen. Hierbei werden vor allem
1 Schumpeter, 1950, S. 134 ff.
2 BMWA, 2003, http://www.bmwi.de
Unternehmensgröße und Marktmacht als wichtige Einflussfaktoren diskutiert und die jeweiligen Vor- und Nachteile der verschiedenen Größenordnungen erörtert. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Marktstruktur untersucht sowie in einem Überblick verschiedene weitere unternehmensinterne und -externe Einflüsse dargestellt.
Kapitel 4 soll einen Einblick in das konkrete Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft geben. Anhand ausgewählter empirischer Daten verschiedener Institute und Ministerien wird dabei zunächst die gestiegene Bedeutung von Innovationen im Wirtschaftssektor herausgestellt. Neben einer allgemeinen Beschreibung der Innovationsaktivitäten werden überdies einige der in Kapitel 3 angeführten Einflussfak-toren überprüft. Hierbei werden vor allem die Innovationsaktivitäten von KMU untersucht.
Das Innovationsverhalten der Wirtschaft kann auf vielfältige Weise negativ beeinflusst werden. Insbesondere der Mittelstand sieht sich Problemen konfrontiert, die die Durchführung und den erfolgreichen Abschluss eines Innovationsprojektes behindern. Solche Innovationshemmnisse werden in Kapitel 5 dargestellt.
Zuletzt befasst sich Kapitel 6 mit der Innovationspolitik des Bundes. Neben den Gründen für ein staatliches Eingreifen in marktwirtschaftliche Systeme werden hier schwerpunktmäßig die innovationspolitischen Anreize für KMU dargestellt. Abschließend werden die Fördermaßnahmen nach ihrer Wirksamkeit untersucht und kritisch diskutiert.
1. Innovation - Begriff, Arten, Ablauf
Der Begriff „Innovation“ ist nicht eindeutig bestimmt. In der Literatur lässt sich eine Vielzahl von Definitionen verzeichnen. Entsprechend seinem Ursprung, dem Lateinischen („innovatio“), bedeutet Innovation „Erneuerung aus sich selbst heraus“. Demnach ist sämtlichen im Folgenden dargestellten Definitionen als grundlegendes Kriterium die Neuartigkeit oder Neuheit gemein. Allerdings liegt in der Fachwelt keine Einigkeit darüber vor, was „neu“ bedeutet. 3
Aus den verschiedenen Ansätzen wird deutlich, dass der Innovationsbegriff zwei Perspektiven hat. Eine Innovation ist gleichermaßen Ergebnis eines Prozesses (objektorientierte Sichtweise) und der Prozess selbst (prozessuale Sichtweise). Sie meint sowohl neuartige Lösungen als auch die Schaffung von etwas Neuem.
1.1. Abgrenzung des Innovationsbegriffs
Bevor der Innovationsbegriff näher beleuchtet wird, ist es zunächst erforderlich, zwischen den beiden Begriffen „Invention“ und „Innovation“ zu differenzieren, die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig, jedoch fälschlicherweise synonym, verwendet werden. 4
3 Staudt, 1985, S. 486
4 Vahs / Burmester, 1999, S. 42
Invention wird oft mit Erfindung gleichgesetzt. Eine Invention meint die erstmalige technische Realisierung einer neuen Problemlösung als Ergebnis von Forschung und Entwicklung. 5
Dagegen ist eine Innovation durch den Verwertungsbezug bzw. durch die praktische Anwendung einer neuartigen Lösung charakterisiert. Eine Innovation meint die erstmalige wirtschaftliche Nutzung einer neuen Problemlösung. Sie umfasst demnach die ökonomische Optimierung der Wissensverwertung. Es geht hierbei um die Markteinführung der Invention. Eine Invention stellt daher eine notwendige Vorstufe der Innovation dar.
Ebenfalls abzugrenzen ist die nachgelagerte Seite des Innovationsprozesses. Durch den Begriff der Imitation oder Nachahmung wird in diesem Zusammenhang die Erstmaligkeit einer Neuerung analysiert. Imitation meint die wiederholte Anwendung einer neuen Problemlösung durch Übernehmer in anderen Unternehmen. 6 Obwohl es sich um keine absolute Neuartigkeit handelt, können Imitationen aus der subjektiven Sicht eines Unternehmens ebenfalls als Innovationen bezeichnet werden. Sie sind somit von absoluten Neuheiten, die bisher noch nicht zur Anwendung gekommen sind, zu unterscheiden.
Daraus folgt, dass nicht nur die Marktbezogenheit neuer Produkte und Prozesse untersucht werden muss, sondern auch deren innerbetriebliche Nutzung. Somit ist entweder der marktwirtschaftliche Verwertungsaspekt oder der innerbetriebliche Nutzungsaspekt für den Innovationsbegriff entscheidend. 7 Die bisherige Unterscheidung verdeutlicht, dass der Innovationsbegriff davon abhängt, auf welchen Erkenntnis- und Erfahrungsstand er bezogen wird. 8 An dieser Stelle wird die subjektive Dimension der Innovation deutlich. Die Bewertung eines Produkts hinsichtlich seiner Neuartigkeit hängt von der subjektiven Wahrnehmung ab. „Innovation ist danach das, was für innovativ gehalten wird.“ 9 Dabei ist entscheidend, welches Subjekt für die Beurteilung einer Neuerung maßgeblich ist (Individuen, z.B. Experten, aber auch Systeme, z.B. Branchen). Die Dichotomie Innovation/Imitation kann noch weiter differenziert werden, wenn neuartige Lösungen auf ihre geographische Ausbreitung hin untersucht werden. In diesem Kontext ist zwischen regionalen, nationalen und Weltneuheiten zu unterscheiden.
Die Übernahme (Adoption) bereits bestehender Lösungen durch Übernehmer führt schließlich zur Ausbreitung der Neuerungen (Diffusion) im Markt. Innovationen und die auf ihnen basierenden Inventionen sind Folge von Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Forschung und Entwicklung (FuE) meint „eine Kombination von Produktionsfaktoren, die die Gewinnung neuen Wissens
5 Pleschak / Sabisch, 1996, S. 6
6 Ebenda, S. 6
7 Hauschildt, 1997, S. 7
8 Pleschak / Sabisch, 1996, S. 6
9 Hauschildt, 1997, S. 16
ermöglichen soll.“ 10 FuE bezeichnet die systematische, schöpferische Arbeit zur Vermehrung des vorhandenen Wissens, sowie die Verwendung dieses Wissens mit dem Ziel, neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden. 11
Während der Forschungsbegriff auf die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse gerichtet ist, die sich mehr (angewandete Forschung) oder weniger (Grundla-genforschung) an praktischer Anwendung orientiert, zielt der Begriff der Entwicklung auf die Nutzung der Kenntnisse ab.
Die Intensität von Forschung und Entwicklung drückt sich wesentlich in den Innovationsaktivitäten eines Unternehmens aus. Die Ausgaben für FuE werden daher oft als Kennzahlen für unternehmerisches Innovationsverhalten herangezogen. Im Gegensatz zur Innovation ist Forschung und Entwicklung jedoch nur auf einen abgegrenzten Bereich bezogen. 12
Innovationen betreffen dagegen alle Unternehmensbereiche und gehen darüber hinaus. Hierbei wird die prozessuale Perspektive des Innovationsbegriffs deutlich.
1.2. Innovation als Prozess
Eine Innovation kann nicht nur als Ergebnis, sondern auch als der gesamte Prozess der Erforschung, Entwicklung und Anwendung einer Technologie aufgefasst werden. 13 Eine klare Trennung ist allerdings nicht möglich, da beide Komponenten - Ergebnis u. Prozess - in einem interdependenten Verhältnis zueinander stehen. Der Innovationsprozess besteht aus mehreren aufeinander folgenden, analytisch unterscheidbaren Phasen, die logisch miteinander verknüpft sind. Der Prozess reicht demnach von der Ideengewinnung über die Forschung und Entwicklung bis zur Einführung und Vermarktung der Invention. Überdies beziehen sich Innovationen nicht nur auf unternehmensinterne Bereiche, sondern auch auf die Unternehmensumwelt (z.B. Kunden, Zulieferer), z. B. durch Kooperationsbeziehungen. 14
Je nach Definition wird neben den o. g. Phasen auch die laufende Verwertung (z.B. Serien- und Großproduktion, Diffusion) der Neuerung als Teil des Innovationsprozesses betrachtet. 15 Diese Stufe unterscheidet sich im Gegensatz zu den anderen jedoch durch eine gewisse Routinisierung der Tätigkeiten. Insofern handelt es sich hierbei nicht um Neuerungen im engeren Sinne.
1.3. Differenzierung nach dem Gegenstandsbereich
Innovationen werden hier generell nach zwei Kategorien unterschieden: Produkt-und Prozessinnovationen.
Produktinnovationen sind neue bzw. merklich verbesserte materielle und
10 Brockhoff, 1994, S. 35
11 OECD, 2002, S. 30, http://www.oecd.org
12 Pleschak / Sabisch, 1997, S. 7
13 Uhlmann, 1978, S. 41
14 Pleschak / Sabisch, 1997, S.7
15 Hauschildt, 1997, S. 21-22
immaterielle Produkte (Güter und Dienstleistungen), die ein Unternehmen auf den Markt gebracht hat. 16 Rein ästhetische Veränderungen gelten dabei nicht als Innovation.
Prozess-/Verfahrensinnovationen meinen dagegen neue bzw. merklich verbesserte Veränderungen der Fertigungs- und Verfahrenstechnik in der Leistungserstellung. Produktinnovationen betreffen den Verwertungsbezug am Markt, Prozesse werden dagegen nur innerbetrieblich genutzt. 17 Neue Prozesse, die an andere Unternehmen verkauft werden, gelten jedoch wiederum als Produktinnovationen. 18 Während sich der Aspekt der Neuerung lediglich auf die Verschiedenheit zu anderen Lösungen bezieht, zielt der Verbesserungsgedanke auf eine Steigerung der Effizienz ab.
In diesem Kontext zeigt sich die normative Dimension der Innovation. In der Fachwelt wird gelegentlich verlangt, den Innovationsbegriff nur für solche Produkte und Prozesse zu verwenden, die gegenüber bisherigen Lösungen qualitative Vorzüge aufweisen. Problematisch ist hier jedoch die bereits erwähnte Subjektivität von Innovationen.
Bei Abgrenzung auf die betriebswirtschaftliche Perspektive sollen verbesserte Produkte bzw. Prozesse durch neue Faktorkombinationen kostengünstiger, qualitativ hochwertiger oder schneller herzustellen sein. Es geht um die Minimierung des Mitteleinsatzes und die Optimierung des Produkts/Produktionsprozesses. Bei Produktinnovationen kommt neben der Effizienz auch eine steigende Effektivität hinzu. Sie erlauben die Erfüllung neuer Zwecke (vgl. Kapitel 1.5.). Die Unterscheidung in Produkt- und Prozessinnovationen ist im Dienstleistungssek-tor jedoch problematisch, weil dort beide Innovationsarten zusammenfallen. 19 Auch in Industriebetrieben sind Produktinnovationen oft mit der Neugestaltung der Verfahren verbunden. 20
Produkt- und Prozessinnovationen können auch als technische Innovationen bezeichnet werden, die von organisationalen (Strukturen, Kulturen, Systeme) und geschäftsbezogenen Innovationen (Erneuerung der Branchen- und Marktstruktur und Spielregeln) zu unterscheiden sind. 21
Eine weitere Möglichkeit stellt die Ordnung der Innovationen nach der Funktionsebene dar (z.B. Beschaffungs-, Produktions-, Finanz- und Personalinnovationen). 22 Schließlich fallen unter Innovationen auch Neuerungen sozialer, politischer oder rechtlicher Natur. In den folgenden Kapiteln soll die Betrachtung im Wesentlichen jedoch auf die technische Dimension der Innovation beschränkt werden.
16 OECD, 1997, S. 31-32, http://www.oecd.org
17 Hauschildt, 1997, S. 10
18 ZEW, 2002, S. 2, http://www.zew.de
19 OECD, 1997, S. 32, http://www.oecd.org
20 Pleschak / Sabisch, 1996, S. 212
21 Hauschildt, 1997, S. 11
22 Zahn / Weidler, 1995, S. 362 ff.
Arbeit zitieren:
Alexander Gerth, 2003, Das Innovationsverhalten des Mittelstands, München, GRIN Verlag GmbH
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