I
Seminar Produktionswirtschaft - Einfluss der Globalisierung auf die Unternehmenskultur
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Globalisierung. 2
1.1. Definition und begriffliche Abgrenzung 2
1.2. Dimensionen der Globalisierung 5
1.2.1. Ökonomische Dimension 6
1.2.2. Politisch-rechtliche Dimension. 8
1.2.3. Technologische Dimension. 9
1.2.4. Sozio-kulturelle Dimension. 10
1.3. Unternehmerische Herausforderungen der Globalisierung 12
2. Kultur in der internationalen Unternehmung 13
2.1. Zum Kulturbegriff. 13
2.2. Unternehmenskultur 16
2.2.1. Kultur als Variable 17
2.2.2. Kultur als Metapher 19
2.2.3. Kultur als dynamisches Konstrukt 21
2.3. Landeskultur. 24
2.3.1. Kulturdimensionen nach Hofstede. 25
2.3.2. Das Schichtenmodell von Dülfer. 28
2.4. Multikulturalität in internationalen Unternehmen. 30
2.5. Die Bedeutung von Unternehmenskultur in internationalen
Unternehmen 33
3. Interkulturelles Management 34
3.1. Kulturelle Unterschiede als Problem 35
3.1.1. Individuelle Problemdimension 35
3.1.2. Organisationale Problemdimension 36
3.1.3. Gesellschaftliche Problemdimension 37
II
Seminar Produktionswirtschaft - Einfluss der Globalisierung auf die Unternehmenskultur
3.2. Internationalisierungsmodelle und Kulturtypen in internationalen
Unternehmen 38
3.2.1. Internationale Unternehmensstrategie. 40
3.2.1.1. Ethnozentrische Orientierung 40
3.2.1.2. Polyzentrische Orientierung 42
3.2.1.3. Geozentrische Orientierung 44
3.2.1.4. Regiozentrische Orientierung 45
3.3. Interkulturelle Kompetenz als Erfolgsfaktor 45
4. Fazit 48
Literaturverzeichnis 50
Hiermit bestätige ich, Alexander Gerth, dass ich die vorliegende Hausarbeit alleine und ohne fremde Hilfe erstellt habe und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe.
Wuppertal, 30. September 2004
Einleitung
Kaum ein anderes Phänomen beeinflusst die Unternehmenstätigkeit in dem Maße wie die Globalisierung. Aufgrund ihrer vielfältigen Aspekte ist es dabei ein nahezu unmögliches Unterfangen, die Globalisierung in all ihren Auswirkungen zu beschreiben. Dies wird vor allem dadurch erschwert, dass die zahlreichen Dimensionen interdependent sind und insofern gleichsam Determinanten und Resultanten der Globalisierung darstellen.
Ebenso wie die Globalisierung ist auch die Unternehmenskultur ein schillernder Begriff, der in den letzten Jahren zum Gegenstand zahlreicher Studien geworden ist. Auch ist das Thema Kultur ein interdisziplinäres, das viele Wissenschaftsdisziplinen ta ngiert.
Beide Themengebiete werden in der vorliegenden Arbeit jedoch primär aus ökonomischer Perspektive betrachtet. In diesem Sinne interessieren vor allem die unternehmerischen Herausforderungen, die sich durch die Globalisierung ergeben. Dabei wird in erster Linie der Einfluss der Globalisierung auf die Unterne hmenskultur untersucht. Angesichts ihrer Komplexität ist es ist leicht ersichtlich, dass die Globalisierung die Kultur eines Unternehmens gl eich in mehrfacher Weise prägt. Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen, sämtliche Einflüsse zu untersuchen. Daher soll der Schwerpunkt auf das interkulturelle Management gelegt werden.
Kapitel 1 befasst sich mit dem Thema Globalisierung, das als Spezialfall der Internationalisierung aufgefasst werden kann. Nach einer Abgrenzung zu verwandten, häufig undifferenziert genutzten Begriffen werden verschiedene Dimensionen der Globalisierung dargestellt. Schließlich werden wichtige Herausforderungen erläutert, die sich aus einer internationalen Unternehmenstätigkeit ergeben. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Kulturfeldern, in denen sich ein internationales Unternehmen bewegt. Neben einer allgemeinen Definition von Kultur werden dabei zunächst verschiedene Unterne hmenskulturkonzeptionen vorgestellt. Unternehmenskulturen dürfen jedoch nicht unabhängig von anderen Teilkulturen betrachtet werden. Im Rahmen der Internationalisierung sind vor allem auch die Landeskulturen von Bedeutung. Hier werden die Arbeiten von Hofstede und Dülfer vorgestellt, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Landeskulturthematik beschäftigen. Auf der anderen Seite sind jedoch auch weitere Kulturfelder relevant: vor allem internationale Unternehmen sehen sich dabei einem Spektrum multipler Teilkulturen konfrontiert. Schließlich wird auch die Bedeutung von Unter- nehmenskultur in internationalen Unternehmen diskutiert.
Interkulturelle Abstimmungs-, Differenzierungs- und Integrationsprobleme sind Teilbereiche des interkulturellen Management, das im 3. Kapitel thematisiert wird. Hier wird zunächst das Problem kultureller Unterschiede auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene erläutert. In einem zweiten Schritt werden dann anhand des E.P.R.G-Modells von Heenan/Perlmutter ve rschiedene Optionen untersucht, wie Unternehmen das Problem unternehmenskultureller Differenzierung und Integration zu lösen versuchen. In diesem Zusammenhang wird abschließend die Bedeutung interkultureller Kompetenz als Erfolgsfaktor herausgestellt.
1. Globalisierung
1.1. Definition und begriffliche Abgrenzung
Seit mehreren Jahrzehnten ist nun schon ein deutliches Wachstum des Weltha ndels zu beobachten. Die Märkte und die Produktion in den einzelnen Ländern werden in immer höheren Maß voneinander abhängig. Es kommt zu einer zunehmenden Verflechtung der nationalen Volkswirtschaften zu einem vernetzten und interdependenten System 1 , wobei die Geschwindigkeit dieser Entwicklung stetig ansteigt.
In der Literatur wird diese Entwicklung durch eine Vielzahl von Definitionen und Begriffen wie z.B. Internationalisierung, Multinationalisierung, Transnationalisierung Globalisierung subsumiert.
Die bloße Anzahl dieser Bezeichnungen verdeutlicht die große Bedeutung der zunehmenden weltwirtschaftlichen Vernetzung. Insbesondere der Globalisierungsbegriff hat sich dabei zu einem Modewort entwickelt. Allerdings deuten gerade die inflationäre Verwendung und die Vielfalt der Begriffe darauf hin, dass keine allgemeingültige Definition vorliegt. Einerseits existieren zum gleichen Begriff unterschiedliche Definitionen, andererseits werden inhaltlich ähnliche Definitionen ve rschiedenen Begriffen zugeordnet. Die meisten Begriffe konzentrieren sich dabei lediglich auf bestimmte Teilaspekte der zunehmenden Vernetzung. Allen Bezeichnungen gemein ist jedoch die Überwindung nationalstaatlicher Grenzen. 2
„Internationalisierung“ bedeutet zunächst lediglich „den Austausch von Rohstoffen, Industrieprodukten sowie Dienstleistungen, Geld, Ideen und Menschen zwischen zwei oder mehreren Nationalstaaten“. 3 Aus Sicht des Unternehmens kann
1 Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 9
2 Ebenda
3 Gruppe von Lissabon,1997, S. 44
Internationalisierung „gleichgesetzt werden mit nachhaltiger und für das Unternehmen insgesamt bedeutsamer Auslandstätigkeit“, die von einem hohen Exportanteil am Umsatz bis hin zu einem weltweit gestreuten Netz von Direktinvestitionen reichen, z.B. Produktionsstätten und Tochtergesellschaften im Ausland. 4 Der Begriff Multinationalisierung wird dagegen häufig bei multilateralen Tätigkeiten herangezogen und bezieht sich auf Akteure, die in mehreren Staaten beheimatet sind. Dies ist etwa dann der Fall, wenn Unternehmen ihre Aktivitäten der Leistungserstellung und -verwertung in mehreren Ländern organisieren. Die Multinationalisierung ist dadurch charakterisiert, dass soziale Akteure, Institutionen und Systeme „in der Lage sind, sich in anderen nationalen Kontexten zu etablieren und sie von innen her zu verändern. Umgekehrt sind sie aber auch selbst den Einflüssen, Veränderungen und der Kontrolle anderer nationaler Akte ure ausgesetzt“. 5
Demgegenüber soll der Begriff der Transnationalisierung die Entstehung von überstaatlichen und transnationalen Institutionen und Akteuren verdeutlichen. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt nicht mehr auf einzelnen Nationalstaaten bzw. nationalen Akteuren, sondern vielmehr auf solchen Einheiten, die nationale Rechtsordnungen übergreifen. 6
Aus ökonomischer Perspektive haben Unterne hmen dann eine transnationale Ausrichtung, wenn sie „eine von nationalen Standorten weitgehend unabhängige Ordnung und Struktur“ 7 besitzen. Auf diese Weise können Unternehmen nationalstaatliche Regelungen umgehen und ihre Aktivitäten an den für sie günstigsten Standorten konzentrieren.
Zum Begriff der Globalisierung liegt keine einheitliche Definition vor. Zum einen werden Globalisierung und Internationalisierung häufig synonym verwendet, zum anderen wird der Globalisierungsbegriff herangezogen, um nahezu „sämtliche Aspekte des Strukturwandels zu bezeichnen“. 8
Oftmals wird Globalisierung dabei als „die regional weitreichendste Form von „Internationalisierung“ im Sinne weltweiter Unternehmensaktivitäten versta nden“. 9 Die Globalisierung bezieht sich auf die Welt als Ganzes und nicht nur auf mehrere Länder. Somit bezeichnet auch die Globalisierung einen „Prozess, in dessen Mittelpunkt die Überwindung der nationalen Grenzen“ 10 steht. In diesem Kontext kann der Übergang von multinationalen zu transnationalen Unterne hmen als eine
4 Krystek/Zur, 2002, S. 5
5 Gruppe von Lissabon, 1997, S. 47
6 Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 9
7 Ebenda, S. 9f.
8 Ebenda, S. 9
9 Krystek/Zur, 2002, S. 3
10 Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 10
wesentliche Konsequenz der Globalisierung angesehen werden. 11 Dabei kommt es zur Bildung von globalen Märkten und Unternehmen, deren Leistungserstellung und -verwertung mit keiner nationalen Identität mehr verknüpft sind. 12 Etiketten wie etwa „Made in Germany“ verlieren an Bedeutung. Nach Definition der OECD kommt es zu einer zunehmenden Abhängigkeit der Märkte und der Produktion in den verschiedenen Ländern, dies aufgrund der Dynamik des Handels mit Gütern, Dienstleistungen und Arbeitskräften sowie der Bewegung von Kapital und Technologie. 13 Der Globalisierungsbegriff beschreibt jedoch nicht nur einen Prozess, sondern wird auch dazu verwendet, um den bereits erreichten Zustand der weltumspannenden Vernetzung anzusprechen. 14 Diese Verflechtung wird auch in der Definition des britischen Soziologen Anthony Giddens deutlich. Er definiert Globalisierung als die „Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander ver-bunden werden, dass Ereignisse an einem Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und umgekehrt.“ 15 Obwohl die Globalisierung ökonomisch ind uziert ist, erfasst sie auch „das gesamte politische, institutionelle und soziale Gefüge“. 16 Damit wird deutlich, dass sie weitaus mehr ist als die Öffnung der Märkte und neben ökonomischen auch ökologische, politische, rechtliche und sozio-kulturelle Merkmale umfasst. Die Globalisierung ist dabei keineswegs ausschließlich verbindender Natur, sondern kann auf der anderen Seite auch zu einer Spaltung, Differenzierung und Polarisierung führen. 17 In diesem Kontext wird nicht nur von Globalisierung, sondern auch von der zunehmenden Wichtigkeit einer regionalen Ausrichtung gesprochen. Regionalisierung bedeutet die Intensivierung von ( ökonomischen) Beziehungen auf regionaler Ebene mit dem Resultat, dass diese Beziehungen immer mehr von dem regionalen Block organisiert und territorial beschränk t werden. 18 Solche vielfältigen Auswirkungen sowie die zunehmende Intensivierung und Beschleunigung grenzüberschreitender Interaktionen rechtfertigen es zwar, die Globalisierung als neue Phase internationaler Vernetzung zu betrachten, allerdings handelt es sich dabei um kein völlig neues Phänomen. 19 Darüber hinaus wird mit der Globalisierung jedoch auch ein Zustand angesprochen, der keinesfalls in allen Bereichen bereits weit vorangeschritten ist. Während in Geld- und Kapitalmärkten
11 Hirst/Thompson, 1998, S. 91
12 Fuchs/Apfelthaler, 2002, S. 3
13 OECD, in Safranski, 2003, S. 16
14 Kutschker/Schmid, 2004, S. 155
15 Giddens, 1995, in Kutschker/Schmid, 2004, S. 155
16 Riedl, 1999, S. 10
17 Fuchs/Apfelthaler, 2002, S. 3
18 Perraton et al., 1998, S. 136f.
19 Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 10
schon eine starke Verflechtung vorliegt, scheinen globale Güter- und Arbeitsmärkte mehr Zukunftsvisionen als Realität zu sein. 20 Globalisierung beschreibt damit weder eine einzigartige Situation oder einen linearen Prozess noch ist es ein Endpunkt gesellschaftlicher Veränderungen. 21
Die erläuterten Begriffe Multinationalisierung, Transnationalisierung und Globalisierung konzentrieren sich jeweils auf bestimmte Erscheinungsformen und Aspekte der grenzüberschreitenden Aktivitäten, ohne dabei andere Bereiche der internationalen Arbeitsteilung völlig auszublenden. 22
Daher kann Internationalisierung als Oberbegriff für sämtliche Formen der Vernetzung angesehen werden, die mit grenzüberschreitenden Interaktionen einhergehen und in denen nationalstaatliche Grenzen an Bedeutung verlieren. 23 Die Globalisierung stellt dabei die extensivste Form weltweiter Arbeitsteilung dar. Obwohl in den nächsten Abschnitten weiterhin von Globalisierung die Rede ist, betreffen die vielfältigen Globalisierungstendenzen und -ursachen somit auch die Internationalisierung im Allgemeinen.
1.2. Dimensionen der Globalisierung
Die Globalisierung als multi-, trans- und interdisziplinäres Thema umfasst nicht nur ökonomische Aspekte, sondern betrifft daneben auch zahlreiche weitere Lebensbereiche 24 , die die internationale Unternehmenstätigkeit in vielfältiger Weise prägen. Ein Unterne hmen bzw. vielmehr eine Unternehmenslandschaft ist dabei zahlreichen Wandlungen unterworfen. Diese Veränderungen ergeben sich sowohl aus den relevanten Umweltbereichen, als auch aus den verschiedenen Interessengruppen, die Ansprüche an eine Unternehmung stellen. 25 An dieser Stelle muss man jedoch klarstellen, dass Unternehmen keineswegs lediglich passive Elemente der Globalisierung darstellen, die reaktiv auf Globalisierungstendenzen reagieren. Vielmehr sind sie auch selbst „Aktoren im Globalisierungsprozess“ 26 , die einen aktiven Einfluss besitzen. Unternehmen können dabei sogar als Motor der Globalisierung angesehen werden. Ebenfalls muss deutlich gemacht werden, dass die verschiedenen Umweltbereiche weder isoliert voneinander betrachtet dürfen noch unabhängige Variablen von Unternehmen darstellen. Vielmehr zeigt eine Betrachtung der Unternehmens- 20 Ruggie,1997, in Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 11
21 Perraton et al., 1998, S. 137
22 Trabold/Bach/Weise et al., 2001, S. 10
23 Ebenda
24 Kutschker/Schmid, 2004, S. 161
25 z.B. Schreyögg, 1999, S. 311ff.
26 Kutschker/Schmid, 2004, S. 165
landschaft eine Vielzahl von Wechselwirkungen zu anderen Faktoren auf. Insofern erscheinen sowohl eine exakte Trennung zwischen Unternehmen und Um-feldfaktoren als auch zwischen Umweltbereichen und Anspruchsgruppen problematisch. Vielmehr ergeben sich je nach Perspektive die unterschiedlichsten Konstellationen. Der Übersichtlichkeit halben wird im weiteren Verlauf eine solche Abgrenzung dennoch vorgenommen werden.
Da die Beschreibung sämtlicher für ein Unternehmen relevanter Globalisierungstendenzen jedoch den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, werden im Folgenden nur die wichtigsten Aspekte erläutert.
1.2.1. Ökonomische Dimension
Trotz der Multi-Dimensionalität der Globalisierung stehen in der Literatur oftmals ökonomische Aspekte im Vordergrund, also die Globalisierung von Märkten und Unternehmen.
Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind vor allem die Ausweitung und Verflechtung der Finanz- bzw. Kapitalmärkte, der Arbeitsmärkte sowie der Gütermärkte von Bedeutung. 27
Da sich insbesondere die Geldsphäre von der Gütersphäre abgekoppelt hat 28 , zeigt vor allem das Kapital eine hohe Faktormobilität. Das international ausgetauschte Finanzkapital ist den letzten Jahren drastisch angestiegen. Andererseits nimmt auch die Dimension des anzulegenden Kapitalvolumens zu. Dies liegt jedoch nicht nur an der Zunahme des Handels. Vielmehr entfällt der größte Anteil auf firmeninterne Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenlä nder. Aufgrund der Internationalisierung der Produktion nutzen die Unte rnehmen regelmäßig die internationalen Kapital- und Devisenmärkte für die Durchführung von finanziellen Transaktionen.
Die Globalisierung der Märkte war jedoch erst mit dem weltweiten Abbau der Kapitalverkehrsbeschränkungen möglich, die zur Bildung globaler Finanzmärkte geführt haben. 29 Dazu zählen etwa die außenwirtschaftliche Öffnung zahlreicher Staaten gegenüber Unternehmen oder die Liberalisierung des Weltha ndels im Rahmen der WTO. Schließlich spielt auch die gestiegene Bedeutung institutioneller Anleger eine Ro lle. 30
Neben den Kapitalmärkten lassen sich aber etwa auch den Güter- und Dienstleistungsmärkten wachsende Verflechtungen beobachten. So führt die Liberalisierung
27 Kutschker/Schmid, 2004, S. 157
28 Ebenda, S. 157f.
29 Erb et al., 2000, S. 24ff.
30 Kutschker/Schmid, 2004, S. 158
auch zu einem erheblichen Abbau von Handelshemmnissen innerhalb von regionalen Integrationsräumen (z.B. in der EU). 31 Im Dienstleistungssektor sei beispielhaft der Telekommunikationsbereich genannt, der durch zunehmende Deregulierung der ehemaligen Staatsmonopole gekennzeichnet ist. 32 Die Öffnung und Liberalisierung des Welthandels bewirkt eine Konvergenz der Märkte, die es Unternehmen erleichtert, „Massenproduktionsvorteile zu realisieren und ihre Wertaktivitäten in den Ländern der Welt anzusiedeln, wo diese den größten ökonomischen Nutzen erzielen“. 33
Die Globalisierung von Unternehmen kann sich in praktisch allen Bereichen der Leistungserstellung und -verwertung vollziehen (Beschaffung, Produktion, Absatz etc.) und wirkt sich auf alle betrieblichen Funktionsbereiche aus (Personal, Fina nzierung etc.). 34
Durch die geographische Ausweitung der Märkte ist das Absatzpotential der Unternehmen stark angestiegen, wobei Im Zuge der internationalen Öffnung, verbesserten IuK-Möglichkeiten oder dem wachsenden Tourismus haben die nationalen Nachfragestrukturen dabei eine gewisse Angleichung erfahren. 35 Insbesondere bei Produkten ohne kulturelle Elemente, wie z. B. aus der Unterhaltungselektronik, ist eine relative Standardisierung möglich, wodurch entspreche nde Skalenvorteile realisiert werden können.
Auf der Beschaffungsseite wird vor allem der Begriff des „Global Sourcing“ diskutiert. Dies meint eine effiziente Nutzung weltweiter Ressourcen in den Bereichen Kapital, Material, Personal, Energie und Information. Unternehmen können sich nicht nur auf internationalen Kapitalmärkten günstig mit Fremdkapital versorgen; die weltweite Marktbearbeitung ermöglicht etwa auch die Erschließung neuer Bezugsquellen von solchen Gütern und Dienstleistungen, die im Stammland des Unternehmens knapp, nicht vorhanden oder nicht in der benötigten Qualität verfügbar sind. Gleichzeitig kann die Abhängigkeit von inländischen Zulieferern reduziert und die Flexibilität erhöht werden, weil ausländische Produzenten als Puffer bei Lieferschwierigkeiten dienen. Neben einem geringeren Beschaffungsrisiko durch höhere Versorgungssicherheit bietet ein internationaler Einkauf jedoch vor allem auch eine Steigerung der eigenen Renditen durch geringere Bezugskosten.
Am Beispiel der Beschaffung wird deutlich, das durch eine regionale Diversifikation von Tätigkeitsbereichen auch das Risiko gestreut werden kann. In diesem
31 Erb et al., 2000. S. 23f.
32 Ebenda, S. 27
33 Welge/Holtbrügge, 2003, S. 26
34 Eine Übersicht der von der Globalisierung tangierten Prozesse und Strukturen findet sich etwa bei
Kutschker/Schmid, 2004, S. 160
35 Erb et al., 2000. S. 33f.
Kontext können vor allem die unterschiedlichen Wirtschaftszyklen der Welt ausgenutzt werden. So gibt es länderspezifische Unterschiede in Konjunktur, Wachstum und Kostenniveau, die zu verschiedenen Inflationsraten und zu Wechselkursschwankungen führen können. 36 Insgesamt führt ein verminderter Koste ndruck zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Neben den Bezugsmöglichkeiten von Kapital- und Sachgütern wird auch der Zugang zu Humanressourcen vergrößert. Qualifiziertes und/oder kostengünstiges Personal ist weltweit verfügbar. Dies eröffnet den Unternehmen die Gelegenheit, die Produktion in Länder mit niedrigen Arbeitskosten und weiteren günstigen Standortfaktoren zu übertragen. Allerdings sind Arbeitskräfte noch keineswegs so mobil wie das Kapital 37 . Insbesondere in wissensintensiven Bereichen würde eine Verlagerung von Arbeitsplätzen hohe Schulungskosten verursachen. Außerdem zeichnet sich ein Großteil der Arbeitskräfte durch mangelnde Mobilitätsbereitschaft aus. Andererseits verliert die Notwendigkeit der geographischen Mobilität durch Fortschritte in den IuK-Technologien zunehmend an Bedeutung.
1.2.2. Politisch-rechtliche Dimension
Obwohl die Auflösung von politischen Grenzen am wenigsten weit fortgeschritten ist 38 , hat sich das Verhältnis der Unternehmen zum Staat grundlegend geändert. Den zunehmend weltweiten Unternehmenseinheiten stehen Staaten gegenüber, die in vielen Gebieten noch ausschließlich national agieren. Zwar werden durch Vereinbarungen, internationale Verträge und zwischenstaatliche Abkommen Kompetenzen an länderübergreifende Institutionen abgegeben. 39 Dennoch gestaltet sich die Errichtung adäquater transnationaler Institutionen auf politischer Ebene aufgrund der heterogenen Ausgangslagen und Interessen als schwierig. 40 Durch die Globalisierung hat die Wirtschaft einen derartigen Vernetzungsgrad erreicht, dass es gegen politische Strategien einzelner Nationalstaaten zune hmend unempfindlicher wird. Demgegenüber hat die Handlungsfähigkeit der Staaten durch die Ausweitung von Handelsströmen und Absatzmärkten, die Entstehung globaler Kapitalmärkte und die internationale Reorganisierung der Produktion erheblich abgenommen.
In diesem Zusammenhang haben die Staaten einige strukturelle Veränderungen vornehmen müssen. Vor allem in der Steuer- und Standortpolitik wurden erhebliche Erleichterungen und Vereinfachungen umgesetzt. Diese Entwicklung ist
36 Erb et al., 2000, S. 39f.
37 Steger, 1999, S. 20
38 Ebenda, S. 17
39 Ebenda
40 Welge/Holtbrügge, 2003, S. 27
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Alexander Gerth, 2004, Einfluss der Globalisierung auf die Unternehmenskultur, München, GRIN Verlag GmbH
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