INHALTSVERZEICHNIS
1 Abgrenzung des Themas und Überblick über den Aufbau der Arbeit 1
2 Die Fallstudie in theoretischer Betrachtung 1
2.1 Der Begriff „Fallstudie“ 1
2.2 Varianten der Fallstudie 2
2.3 Idealtypische Verlaufsstruktur und Ziele des Lernprozesses nach einer Fallstudie 3
3 Die Fallstudie als konstruktivistisches Element des Unterrichts 5
3.1 Grundlagen der Lerntheorie des Konstruktivismus im didaktischen Kontext 5
3.2 Prinzipien einer konstruktivistischen Unterrichtsgestaltung mit Fallstudien 6
3.2.1 Realitätsbezug 6
3.2.2 Lernen als aktiver und selbstgesteuerter Prozess 7
3.2.3 Kollektives Lernen 8
3.2.4 Bedeutung von Fehlern 8
3.2.5 Vorerfahrungen und Interessen der Lernenden 8
3.2.6 Identifikation der Lernenden mit den Lerninhalten 9
3.2.7 Evaluation des Lernerfolgs 9
4 Fazit 10
Literaturverzeichnis 11
Ehrenw örtliche Erklärung 14
1 Abgrenzung des Themas und Überblick über den Aufbau der Arbeit
Durch die zunehmende Komplexität der Tätigkeiten in kaufmännischen Berufen sowie das damit verbundene veränderte Anforderungsprofil an Auszubildende rücken Qualifikationen wie Entscheidungsfähigkeit, das selbständige Bearbeiten komplexer Sachverhalte, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und Kreativität immer mehr in den Vordergrund der Ausbildung. Eine Veränderung der Qualifikationsanforderungen muss jedoch auch eine methodische Neuorientierung des Unterrichts zur Folge haben. 1 Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob die Fallstudie als didaktische Großform diesen neuen Anforderungen an Unterricht gerecht wird. Hierfür werden im zweiten Abschnitt dieser Arbeit nach der Klärung des Begriffs „Fallstudie“ die häufigsten Varianten von Fallstudien kurz vorgestellt, bevor auf die idealtypische Verlaufsstruktur des Lernprozesses nach einer Fallstudie näher eingegangen wird. Dabei werden die Ziele sowie die Rolle der Lehrenden in den einzelnen Phasen herausgearbeitet und kurz dargestellt.
Im dritten Abschnitt dieser Arbeit wird die Fallstudie als didaktische Großform vor dem Hin-tergrund der Lerntheorie des Konstruktivismus näher beleuchtet. In den letzten Jahren hielten konstruktivistische Ideen immer mehr Einzug in die Didaktik, die als solche in dieser Arbeit nicht hinterfragt oder kritisiert werden sollen. Vielmehr soll die Frage im Mittelpunkt stehen, ob der Einsatz der Fallstudie im Unterricht mit den konstruktivistischen Grundideen in Einklang zu bringen ist. Um dies zu beantworten, soll ausgehend von der Erläuterung der Grundzüge der Lerntheorie des Konstruktivismus erarbeitet werden, wie eine konstruktivistische Lernumgebung unter Einsatz einer Fallstudie im Unterricht gestaltet werden sollte.
Diese Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse und einer Schlussfolgerung für den Einsatz der Fallstudie im Unterricht.
2 Die Fallstudie in theoretischer Betrachtung
2.1 Der Begriff „Fallstudie“
In der Literatur finden sich häufig die Begriffe Fallstudie, Fallmethode oder Fall, die synonym gebraucht werden aber meist unterschiedliche Bedeutungen haben. Dieser Arbeit liegt der Fallstudienbegriff von KAISER zu Grunde, der im Folgenden näher erläutert wird.
Das Kernstück einer Fallstudie ist für KAISER der Fall, den er in Anlehnung an STAEHLE als eine „wirklichkeitsgetreue Aufzeichnung eines Problems, mit dem ein oder mehrere Manager tatsächlich konfrontiert wurden, zusammen mit den dazugehörigen Fakten, Meinungen und Erwartungen, die die Entscheidungssituation determinieren“ 2 sieht. „Zusätzlich zum Fall, also neben der Fallschilderung“ 3 enthalten didaktisch aufbereitete Fallstudien jedoch noch „weitere Basisinformationen sowie Lern- und Arbeitshilfen in Form von Leitfragen und Arbeitsan-
1 Vgl.WOLFF 1992a, S. 159; WOLFF 1992b, S. 324.
2 STAEHLE 1974, S. 116.
3 KAISER/KAMINSKI 1999, S. 153.
1
weisungen“ 4 . Für KAISER ist die Fallstudie folglich nicht bloß eine Lehrmethode, sondern „Lehrmethode, Lernstrategie, Lehrstoff und Medium zugleich“ 5 , die in besonderer Weise dazu geeignet ist, die immer komplexer werdende Realität anhand eines Falles zu analysieren. 6
Ausgehend von dieser Definition sollen nun im Folgenden die unterschiedlichen Ausprägungen der Fallstudie dargestellt werden.
2.2 Varianten der Fallstudie
Da die Fallstudie als Unterrichtsmethode in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, haben sich durch unterschiedliche Einflüsse zahlreiche Varianten der Fallstudiendidaktik herausgebildet, die zu verschiedenen Fallstudientypen geführt haben. 7 Ziel dieser Arbeit ist es nicht, einen umfassenden Überblick über alle Erscheinungsformen zu geben. Im Folgenden sollen lediglich die für den Wirtschaftslehreunterricht relevanten, idealtypischen Arten der Fallstudie vorgestellt werden, die sich aufgrund unterschiedlicher Lern-voraussetzungen der Schüler im Hinblick auf Informationsgewinnung, Problemerkennung, Problemlösung, Entscheidungsfindung und Lösungskritik unterscheiden. 8
Die klassische, an der Harvard Business School entwickelte Case-Study-Method liefert eine verhältnismäßig umfangreiche Falldarstellung, da nicht nur der Fall an sich geschildert wird, sondern dem Lernenden auch das gesamte, sehr umfassende Informationsmaterial zur Verfügung gestellt wird. 9 Bei dieser Methode steht die Analyse der gegebenen Fallsituation und das „Erkennen, Identifizieren bzw. Aufdecken der (verborgenen) Probleme“ 10 im Vorder-grund. Darauf aufbauend ist es Aufgabe der Lernenden, Lösungsvorschläge zu erarbeiten und zu diskutieren sowie Entscheidungen zu treffen.
Die Case-Problem-Method ist neben der vollständigen Verfügbarkeit aller Information durch eine spezifische Problembenennung gekennzeichnet. Im Mittelpunkt stehen folglich die Erarbeitung von alternativen Lösungswegen und die Diskussion der getroffenen Entscheidungen. 11
Bei der am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge entwickelten Case-Incident-Method wird lediglich ein zu bearbeitendes Problem benannt, während der zu bearbeitende Fall meist unvollständig und ergänzungsbedürftig dargestellt wird. Schwerpunkt dieser sehr praxisnahen, aber zeitintensiven Methode ist somit die zur Bearbeitung des Falls
4 KAISER/KAMINSKI 1999, S. 153.
5 KAISER 1979, S. 20ff.
6 Vgl. KAISER 1999, S. 150.
7 Für detaillierte Ausführungen zu den historischen Quellen und Ursprüngen der Fallstudiendidaktik, wie beispielsweise der Entscheidungstheorie, der Reformpädagogik, der emanzipatorischen Didaktik, dem situations-theoretischen Ansatz in der Didaktik oder der Betriebswirtschaftslehre und Kasuistik vgl. KAISER 1983, S. 11ff., KAISER/KAMINSKI 1999, S. 137 und GROHMANN 1997, S. 53ff.
8 Vgl. KAISER/KAMINSKI 1999, S. 148.
9 Vgl. SCHMIDT 1958, S. 27; KAISER/KAMINSKI 1999, S. 149; KAISER 1983, S. 21.
10 GROHMANN 1997, S. 56.
11 Vgl. GROHMANN 1997, S. 56; KAISER/KAMINSKI 1999, S. 149; KAISER 1983, S. 21.
2
relevante Informationsbeschaffung durch die Lernenden. Nach der Recherche sollen Lösungsvarianten erarbeitet und diskutiert werden. 12
Die Stated-Problem-Method verfolgt einen völlig anderen Ansatz als die soeben dargestellten Varianten der Fallstudienbearbeitung, denn nicht nur sämtliche Informationen und Probleme, sondern auch deren Lösungen und Begründungen sind vorgegeben. Ausgehend von den Angaben ist die kritische Beurteilung von Entscheidungen, die Suche nach alternativen Lösungswegen und die Einsicht in die Entscheidungsstruktur realer Entscheidungsvorgänge Aufgabe der Lernenden. 13
2.3 Idealtypische Verlaufsstruktur und Ziele des Lernprozesses nach einer Fallstudie
Für den Einsatz der Fallstudie im Unterricht hat sich eine in sechs Phasen gegliederte, idealtypische Verlaufsstruktur herausgebildet, bei der je nach Fallvariante Schwerpunkte auf unterschiedliche Phasen gelegt werden. Ziel des Einsatzes einer Fallstudie im Wirtschaftslehreunterricht ist die Förderung der Handlungskompetenz 14 der Schüler, deren Ausprägungen Fach-, Human(Selbst-) und Sozialkompetenz mit den Akzentuierungen Methoden-, Lern- und Kommunikative Kompetenz in den einzelnen Phasen unterschiedlich gewichtet sind. Der im Folgenden vorgestellte idealtypische Phasenablauf ist flexibel zu handhaben. So sind Vor-und Rückgriffe, das Wiederholen oder Überspringen einzelner Phasen ebenso wie ein Verlangsamen oder Beschleunigen des Prozesses erlaubt. 15
Die erste Phase des als Entscheidungs- und Problemlösungsprozess strukturierten Lernprozesses, die Konfrontation, beinhaltet eine im Klassenverband stattfindende „Problem- und Konfliktanalyse, eine Situationsanalyse und eine Normen- und Zielanalyse“ 16 . Nachdem die Lehrkraft den Lernenden relevante und irrelevante Daten zum Fall, den agierenden Personen und Firmen, den Rahmenbedingungen usw. gegeben hat, müssen diese selbständig wesentliche von unwesentlichen Informationen trennen und Suchschemata entwickeln. 17 Durch das Erfassen der Problem- und Entscheidungssituation sollen die Methoden- und Fachkompetenzen der Schüler gefördert werden. Hierbei ist es Aufgabe des Lehrenden, die Schüler mit Leitfragen und konkreten Arbeitsanweisungen zu unterstützen. 18
Je nach gewählter Fallvariante ist die zweite Phase der Fallstudienarbeit, die Informationsphase, unterschiedlich stark ausgeprägt. Ausgehend vom vorhandenen Informationsmaterial
12 Vgl. SCHMIDT 1958, S. 27; KAISER/KAMINSKI 1999, S. 149; GROHMANN 1997, S. 56f.; KAISER 1983, S. 21f.
13 Vgl. KAISER/KAMINSKI 1999, S. 149; GROHMANN 1997, S. 56; KAISER 1983, S. 23.
14 Dieser Arbeit liegt das Kompetenzmodell von BADER und MÜLLER zu Grunde. Vgl. hierzu BADER/MÜLLER 2002. Unter Handlungskompetenz verstehen sie die „Fähigkeit und Bereitschaft des Menschen, in beruflichen, privaten und gesellschaftlichen Situationen sach- und fachgerecht, persönlich durchdacht und in gesellschaftlicher Verantwortung zu handeln, d.h. anstehende Probleme zielorientiert auf der Basis von Wissen und Erfahrungen sowie durch eigene Ideen selbständig zu lösen, die gefundenen Lösungen zu bewerten und seine Handlungsfähigkeit weiterzuentwickeln.“ (BADER/MÜLLER 2002, S. 177).
15 Vgl. KAISER/KAMINSKI 1999, S. 142; KAISER 1983, S. 30.
16 KAISER/KAMINSKI 1999, S. 139.
17 Vgl. GROHMANN 1997, S. 63; KAISER 1973, S. 45f.
18 Vgl. KAISER/KAMINSKI 1999, S. 139; GROHMANN 1997, S. 65f.
3
Arbeit zitieren:
Monika Urlberger, 2003, Die Fallstudie - Theoretische Grundlagen und Gestaltung nach konstruktivistischen Prinzipien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Widerstände im Rahmen eines Organisationsentwicklungsprozesses
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 31 Seiten
Zahlungsverkehr / Überweisung - Unterrichtsentwurf
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Praktikumsbericht / -arbeit, 24 Seiten
Theoretische Modelle der Angst
Ein Überblick über Definition,...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 13 Seiten
Motivation, Lernen und Angst – Zusammenhänge der psychologischen Begri...
Hausarbeit (Hauptseminar), 50 Seiten
Möglichkeiten der Evaluation von Veranstaltungen der Erwachsenenbildun...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Die Anlage-Umwelt-Kontroverse im Hinblick auf Intelligenz und Begabung...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 16 Seiten
Bewertung von Weiterbildungseffekten mit der Kapitalwertmethode
Eine Simulationsstudie im Bild...
Diplomarbeit, 78 Seiten
Überblick über die Entwicklung der Interkulturellen Pädagogik in Deuts...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Behandlung von funktionell...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 16 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Lernmotivation aus pädagogischer Sicht
Motivationstheorien, motivatio...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Widerstände im Change Management - Partizipation und Kommunikation als...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 24 Seiten
Die gesellschaftliche Kohärenz der Mystik
Eine Darstellung D. Sölles Wer...
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 29 Seiten
Angst und Burnout im Lehrberuf
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Seminararbeit, 24 Seiten
Stiftungen als Ergänzung der Produktpalette bei Banken
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Bachelorarbeit, 69 Seiten
Monika Urlberger hat den Text Die Fallstudie - Theoretische Grundlagen und Gestaltung nach konstruktivistischen Prinzipien veröffentlicht
Monika Urlberger hat einen neuen Text hochgeladen
Logistikkonzeptionen Band 1: Theoretische Grundlagen und Modellierung
Theoretische Grundlagen und Mo...
Thomas Schake
Theoretische Grundlagen der bankgeschäftlichen Kreditgewährung
Kritischer Beitrag zur Kredits...
Martin Scheytt
Theoretische Grundlagen der Elektrotechnik 1
Roland Süße, Peter Burger, Ute Diemar, Bernd Marx, Tom Ströhla
Theoretische Grundlagen der Elektrotechnik 2
Roland Süße, Peter Burger, Ute Diemar, Eberhard Kallenbach, Bernd Marx, Tom Ströhla
Theoretische Grundlagen der zerstörungsfreien Materialprüfung mit Ultr...
Karl-Jörg Langenberg, René Marklein, Klaus Mayer
Konstruktivistisch orientierte Aufbereitung mathematikdidaktischer Inh...
Entwicklung einer modellhafte...
Astrid Ernst
0 Kommentare