Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Der Minnebegriff 3
3. Der Prolog 4
4. Nacherzählung des Hauptteils 5
5.1. Die Ausgangssituation der Liebenden 5
5.2. Die Trennung der Liebenden 8
5.3. Leid und Tod des Ritters 10
5.4. Das letzte Mahl 12
6. Der Epilog 14
7. Schlussbemerkung 15
8. Quellenverzeichnis 15
2 NA
1. Vorwort
Konrad von Würzburg gilt als einer der vielseitigsten Dichter des 13. Jahrhunderts und war nach eigener Bezeugung kein Adliger, sondern entstammte einer bürgerlichen Familie. Er arbeitete eine Zeit lang als fahrender Sänger und ließ sich später als Berufsdichter nieder. Seine Gönner und Auftraggeber entstammten vermutlich den damals neuen Kultur tragenden Schichten Basels und Straßburgs.
Mit dem Herzmaere griff er „den Stoff einer Wandererzählung auf, die um 1100 aus Indien nach Europa kam und zuerst in Frankreich mehrmals bearbeitet wurde. Die verbreitetste Fassung verbindet sich mit dem Kastellan von Coucy, einem historisch bezeugten Troubadour, der auf einem Kreuzzug den Tod fand“ 1 .
Konrad von Würzburg entwickelte in seiner Version des Stoffes eine idealisierte Auffassung des klassischen Minnebegriffs, die sich durch eine besondere Koppelung von Liebe und Leid auszeichnet. Wie genau die beiden Begriffe im Herzmaere miteinander verknüpft sind, soll nach einer ersten Definition des Minnebegriffs die Textanalyse zeigen.
2. Der Minnebegriff
Minne ist eine Vorstellung von Liebe, die im Hochmittelalter entstand und eine mentale als auch emotionale Beziehung ausdrückt - zu Gott wie auch zu anderen Menschen. Wesentlicher Bestandteil der hohen Minne ist das ungelohnte und unerwiderte Dienen, das der werbende Mann der erhöhten Geliebten entgegenbringt; die Sehnsucht nach Liebe und ihre gleichzeitige Unerfüllbarkeit sind also auf paradoxe Art und Weise aneinander gekoppelt.
Minne besitzt darüber hinaus Gewaltpotenzial, das sich u. a. in Leid manifestieren und den Betroffenen großen seelischen Schmerz zufügen kann. Man darf hier allerdings nicht zum Fehlschluss gelangen, dass Liebe generell zerstörerisch wirkt. Sie ist etwas durch und durch Positives, kann in ihren Auswirkungen aber dennoch negativ sein. Diese offenbar unauflösbare Spannung von Liebe und Leid ist im Herzmaere von besonderem Interesse.
1
Kindlers neues Literaturlexikon
3
3. Der Prolog
Konrad von Würzburg huldigt im Prolog vergangenen Zeiten und Traditionen und beklagt
gleichzeitig die Verunreinigung und zunehmende Bedeutungslosigkeit der wahren Minne.
„Ich prüeve in mîme sinne
daz lûterlîchu minne
2
der werlte ist worden wilde“
Tristan
ebenfalls eine beispielhafte Liebesgeschichte verfasst hat, jeden, der von seiner Erzählung
erfährt, auf, sie als Musterbeispiel wahrer und reiner Minne zum Vorbild zu nehmen
„ein bilde daz der minne tüge,
diu lûter unde reine
3
sol sîn vor allem meine“
und damit die eigene Fähigkeit zu unverfälschter Liebe zu steigern.
„er minnet iemer deste baz
swer von minnen etewaz
4
hoeret singen oder lesen“
Dem lehrhaften Charakter seiner Erzählung wird besonders durch das Verb „schouwen“ (V.
6) Ausdruck gegeben: Seine Geschichte soll sprichwörtlich zeigen, wie wahre Minne
aussieht. Was genau Konrad von Würzburg darunter versteht, geht aus dem Prolog noch
nicht hervor, weshalb der Übergang zur eigentlichen Verserzählung fließend ist.
V. 1-3
V. 26-28
V. 19-21
4
4. Nacherzählung des Hauptteils
Konrad von Würzburg erzählt die Geschichte zweier Liebenden, die sich aufgrund gesellschaftlicher Hindernisse nicht offen zu ihrer Liebe bekennen können. Tragischerweise schöpft der Ehemann der Geliebten Verdacht und beschließt, gemeinsam mit seiner Frau ins Heilige Land zu fahren, um so ihre Affäre mit dem Nebenbuhler zu unterbinden und einem öffentlichen Ehrverlust zu entgehen. Die Dame aber bittet den namenlosen Ritter, ihrem Gatten zuvorzukommen und an ihrer Stelle nach Jerusalem zu reisen, um dem Misstrauen ihres Gemahls die Grundlage zu entziehen. Der Plan geht auf und der verliebte Ritter wartet am anderen Ende der Welt auf das ersehnte Zeichen zur Rückkehr. Der Trennungsschmerz wird jedoch übermächtig und rafft den Edelmann dahin. Der treusorgende Knappe entnimmt seinem verstorbenen Herrn, wie vor dessen Tod angewiesen, das sehnsuchtskranke tote Herz und verstaut es zusammen mit dem Ring der Geliebten in einem goldenen Kästchen, um es der Angebeteten zu überbringen. Leider erreicht er sein Ziel nicht und verliert das Geschenk an den Ehemann, der ihm im Burghof unverhofft begegnet. Als dieser im Kästchen das tote Herz des Ritters zusammen mit dem Ring der eigenen Frau entdeckt, reagiert er verärgert und überlasst das Herz seinem Koch, der daraus eine Speise für die Gemahlin bereitet. Ahnungslos nimmt diese anschließend das einzigartige Gericht zu sich und genießt es mehr als alles andere, was sie bisher hat kosten dürfen. Als ihr Ehemann sein böses Geheimnis preisgibt, stürzt der Dame schon das Blut aus dem Mund und sie formuliert den Wunsch, nie mehr etwas anderes als den Tod kosten zu wollen. Ihr Herz bricht und sie folgt dem Geliebten in den Tod.
5.1. Die Ausgangssituation der Liebenden
Auffälligerweise werden die Liebenden im
Herzmaere
lediglich als ein „ritter unde ein frouwe guot“
5
vorgestellt. Der Verzicht auf Namen unterstreicht den exemplarischen Charakter der Erzählung. Darüber hinaus wird die Liebe des Paares als schlicht gegeben und sich selbst begründend dargestellt. Die Erzählung macht hier keine ausführlichen Angaben, was aber wohl in der Textgattung begründet liegt.
5
Konrad von Würzburg:
Das Herzmaere,
V. 29
5
Arbeit zitieren:
Florian Andelfinger, 2004, Liebe und Leid im Herzmaere, München, GRIN Verlag GmbH
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