Universität des Saarlandes
4.1 Germanistik/ Neuere Deutsche Sprachwissenschaft
Hauptseminar: Phraseologie II: Form und Funktion
Sommersemester 2001
Phraseologie: Form und Funktion
(am Beispiel der Risiko-Forschung)
Germanistik/Erziehungswissenschaften
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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S.1
2. Buchvorstellung: „Risiko und Gesellschaft“ S.1-3
3. Phraseme in „ Risiko und Gesellschaft“ S.3-11
4. Buchvorstellung: „ Sicherheit und Risiko“ S.12
5. Phraseme in „ Sicherheit und Risiko“ S.13-20
6. Vergleiche S.21
7. Literaturverzeichnis S.22
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Risiko, Gefährdung und Unsicherheit sind drei Faktoren die in unserer Gesellschaft ganz groß geschrieben werden und uns ein Leben lang begleiten. Als Kleinkinder werden wir noch von der elterlichen Hand behütet und von allen Gefahren und Risiken fern gehalten. Können wir dann mit zunehmendem Alter selbst denken und handeln werden uns langsam aber sicher alle Gefährdungen und Unsicherheiten selber klar und wir schützen uns, sofern es geht, mit eigenen Kräften. Doch manche Risikofaktoren sind so groß, dass ein Selbstschutz kaum noch möglich ist. Dann brauchen wir die Unterstützung der Gesellschaft, der Politik und der Wissenschaft um auftretende Unsicherheiten zu überwinden, um zu lernen mit Risiken umzugehen und um sie im Notfall auch einfach akzeptieren zu können. Welche Risiken es gibt, wie man sie vermeiden kann oder wie man sie ohne Ängste akzeptieren kann und wie die Gesellschaft mit Risiken umgeht, wird in folgendem Text behandelt.
Als Basis dienen hier die Bücher : „Risiko und Gesellschaft“ herausgegeben von Gotthard Bechmann (1993) und „ Sicherheit und Risiko“ redigiert und herausgegeben von Johannes Anderegg ( 1987).
Ich habe mich auf die sprachlichen Stilmittel konzentriert und die enthaltenen Phraseologismen herausgearbeitet. Die für das Thema relevanten Phraseme habe ich näher bestimmt.
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Als erstes werde ich das Buch „ Risiko und Gesellschaft“ von Gotthard Bechmann kurz vorstellen und dann eine Auswahl der darin enthaltenen Phraseme näher erläutern.
Das Buch „ Risiko und Gesellschaft“ herausgegeben von Gotthard Bechmann, „dokumentiert die Ausweitung der Risikoforschung von einem naturwissenschaftlichen Ansatz der Risikoanalyse über stärker ökonomisch orientierte Untersuchungen bis hin zu psychologischen und soziologischen Aspekten.“(Umschlag, Gotthard Bechmann). Verschiedene Autoren haben sich zusammengeschlossen und ihre Beiträge zu dem Thema
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„ Interdisziplinäre Risikoforschung“ in dem Buch „Risiko und Gesellschaft“ vereint. Gegliedert ist das Buch in drei Kapitel. Beginnend mit den Wurzeln der Risikoforschung, daraufhin folgen die Beiträge zu den Konzepten der Risikoforschung und zum Schluß wird das Risiko in gesellschaftlicher Perspektive dargestellt. Einige Autoren der verschiedenen Kapitel habe ich mir herausgegriffen, deren Beiträge ich jetzt vorstellen werde.
Der Autor Roland Kollert befasst ich in Kapitel I mit den systematischen Unterbewertungen von Katastrophenrisiken. Der Autor beleuchtet die wichtigsten Situationen in der Entwicklung von Risikobegriffen und Risikovergleichen in nicht veröffentlichten Studien über Reaktorunfälle. Die wichtigsten Methoden zur Analyse und Quantifizierung von Unfallrisiken, die technologiepolitischen Handhabungen des Instrumentes „ Risikoanalyse“ samt den enthaltenen Systematischen Verkürzungen, werden vorgestellt. Kollert macht auch nicht halt davor „ die Risikobewertung des Bundesverfassungsgerichtes in seinen Kalkar-Urteilen vor dem Hintergrund der zur Zeit bekannten Folgen des als sehr unwahrscheinlicheingestuften Reaktorunfalls von Tschernobyl“ (Gotthard Bechman, S. 25), zu kritisieren. Die Autoren Stanley Kaplan und B. John erläutern in Kapitel II die quantitative Bestimmung von Risiko. Einige Vorschläge zu einer begrifflich und sprachlich einheitlichen Verwendungsweise des Risikokonzeptes werden vorgetragen, die dessen quantitative und präzise Bestimmung gestatten. Außerdem liefern die beiden Autoren viele Begriffe und Definitionen, die in verschiedenen praktischen Anwendungen nützlich sind, z.B. bei Gerichtsverhandlungen und anderen Situationen in denen es zu Verwirrungen und Streitereien kommt, was die politische Entscheidung über risikobehaftete Probleme anbelangt. Die vorgeschlagenen Definitionen und Begriffe sollen die Kommunikation verbessern und Streitereien mindern. Der Autor Klaus-Dieter Nowitzki hingegen, befasst sich in seinem Beitrag in Kapitel II mit den Kosten, Risiken und Nutzen. Konzepte zur Risiko-Abschätzung und Risiko-Bewertung werden vorgestellt und die wichtigsten Ansätze der Risikoakzeptanzforschung werden anhand ihrer Entwicklung nachvollzogen. Daraus werden dann ableitbare Entscheidungsregeln geliefert. Wichtig ist zu erwähnen, dass der Autor sich mit den Risikogrenzen befasst. In Kapitel III behandelt Niklas Luhmann, neben anderen Autoren das Thema „ Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral“. Unterschiede zwischen Risiko und Gefahr werden aufgeführt. Luhmann spricht in seinem Beitrag auch über die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Politik, Medien und durch spektakuläre Einzelfälle.
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Allgemein kann man sagen, dass das Buch sehr wissenschaftlich verfasst ist und aufgrund der verschiedenen Autoren kein einheitlicher Stil zu erkennen ist. Phraseme sind hier rar, da es sich um wissenschaftliche Texte handelt mit hohem Informationswert und großer Wissensvermittlung.
Dennoch sind Phraseme enthalten, von denen ich jetzt einige näher erläutern werde.
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Phrasem: nicht ohne tiefen Grund Kontext: Nicht ohne tiefen Grund hängt die Entstehung der Risikoforschung mit dem Ausbau der Kernenergie zusammen. Paraphrasierung: verständlicher weise; mit Absicht; berechtigt Bedeutung: Risikobewusstsein / Risikobewertung Besonderheiten: Durch dieses Phrasem wird die Verknüpfung der Risikoforschung mit der Kernenergie hergestellt. Automatisch verbindet man als Leser Kernenergie mit gefährlicher Strahlung und großem gesundheitlichem Risiko für Mensch, Tier und Natur. Kernenergie wird als Risikofaktor für den Menschen dargestellt und das hier angewandte Phrasem unterstreicht die Selbstverständlichkeit des Risikobewusstseins des Menschen.
Phrasem: etwas wird zum großen Geschäft Kontext: „Die Risikoforschung ist- wie ein prominenter Kritiker meint- zum großen Geschäft für die Wissenschaftler geworden.“(Johnston 1979) Paraphrasierung: finanziellen Gewinn aus etwas ziehen oder etwas zur Hauptangelegenheit erklären Bedeutung: Risikobewusstsein / Risikobewertung/ Risikoakzeptanz Besonderheiten: Durch dieses Phrasem wird gezeigt, wie aus dem Risiko für den Menschen noch ein finanzieller Nutzen gewonnen wird, was ein negatives Licht auf die Wissenschaftler wirft. Es wird ausgesagt, dass sowohl den Wissenschaftlern als auch der Gesellschaft bewusst
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ist, welche Risiken es gibt und dass es nötig ist zu erforschen wie groß welche Risiken sind und was sie für den Einzelnen bedeuten. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Gesellschaft ist beruhigt durch die Arbeit der Wissenschaftler und diese können dann aus ihren Untersuchungen, die sie sich als Hauptaufgabe gesetzt haben, noch einen finanziellen Nutzen ziehen. Eine Risikoakzeptanz, sowohl ausgehend von den Wissenschaftlern als auch von der Gesellschaft, wird angedeutet.
Phrasem: einen (hohen )Preis zahlen. Kontext: Welchen Preis will unsere Gesellschaft für Sicherheit bezahlen? Paraphrasierung: finanziell hohe Ausgabe oder; auf etwas verzichten, etwas unangenehmes einfach hinnehmen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Bedeutung: Risikobewertung/ Frage nach der Risikoakzeptanz Besonderheiten: Im Kontext ist ein Phrasem nicht deutlich zu erkennen, aber es wird angedeutet. Als Antwort auf die Frage: Welchen Preis will die Gesellschaft zahlen? Wird automatisch eine rhetorische Frage angedeutet. Die Antwort ist also allein schon durch die Frage und das versteckte Phrasem gegeben. Sie könnte lauten: So viel wie nötig ist, oder auch: nicht mehr als nötig ist will die Gesellschaft für Sicherheit bezahlen. Durch die Frage wird deutlich, dass eine Risikobewertung der Gesellschaft als auch das Risikobewusstsein da sind. Allerdings wird auch ausgedrückt, dass Sicherheit für die Gesellschaft als Selbstverständlichkeit angesehen wird und das es nicht nötig sein sollte, dass die Gesellschaft für ihre Sicherheit einen Preis zahlen muss. Zahlt die Gesellschaft für ihre eigene Sicherheit einen hohen Preis, dann ist damit nicht nur eine finanzielle Ausgabe gemeint, sondern auch das verzichten auf Dinge, auf die die Gesellschaft eigentlich nicht verzichten möchte.
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Arbeit zitieren:
Ina Thiesen, 2001, Phraseologie: Form und Funktion (am Beispiel der Risiko-Forschung), München, GRIN Verlag GmbH
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