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Inhaltsangabe
Seite
1 Einleitung 2
2 Enzensbergers Europabild 3
2.1 Die Europäer 5
3 Collage bzw Collageroman 6
3.1 Ach Europa als Collageroman 6
4 Interkulturelle Fragestellungen 7
4.1 Das Fremde und das Eigene 7
4.2 Der Kulturbegriff des Erzählers 8
4.3 Stereotypen 9
4.4 Kulturvermittlung 10
5 Der Epilog 12
6 Schlussbetrachtung 13
7 Literaturangaben 14
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1 Einleitung
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem 1987 erschienenen Roman Ach Europa! von Hans Magnus Enzensberger. Zu Beginn, bevor ich auf den eigentlichen Text eingehen werde, möchte ich zunächst einige, über Ach Europa! hinausgehende, Anmerkungen über Enzensbergers Europabild und seine Sicht auf die Einwohner des Kontinents machen. Dies erscheint mir wichtig, da der Roman keineswegs die erste Veröffentlichung Enzensbergers zum Thema Europa darstellt. Bereits 1965 veröffentlichte Enzensberger im gerade neu gegründeten Kursbuch einen Essay über die Gefahren des Eurozentrismus in Europa und über die Grenzen Europas hinaus. Ich werde Enzensbergers Europabild umreißen und dessen Entwicklung anhand verschiedener Veröffentlichungen bis zum vorläufigen Ende mit Ach Europa! nachzeichnen.
Daran möchte ich einen Exkurs zur literarischen Gattung des Collageromans anschließen und aufgrund der aufgeführten Charakteristika zeigen, dass Ach Europa! zur Gattung des Collageromans gezählt werden kann.
Nach diesen Überlegungen möchte ich den Text aus dem Blickwinkel der interkulturellen Germanistik untersuchen. Zunächst soll allgemein auf die Beziehung zwischen Fremd- und Selbstbild eingegangen werden, um dann den Umgang mit der Alterität in Enzensbergers Buch zu bestimmen. Hierbei möchte ich im Wesentlichen auf Enzensbergers Kulturbegriff, seine Umgang mit Stereotypen, sowie auf die Art der Kulturvermittlung, wie sie in Ach Europa! praktiziert wird, eingehen.
Die Forschungsliteratur zu Ach Europa! ist nicht sehr umfang reich. Für die Arbeit am Text habe ich mich im Wesentlichen an den Arbeiten von Lützeler und einigen, nach dem Erscheinen des Buches, verfasste n Kritiken in relevanten Presseorganen, wie dem Spiegel oder der Neuen Zürcher Zeitung, orientiert. Für den Exkurs zum Collageroman habe ich Volker Hages Definition von Collage in Unterscheidung zur Montage benutzt. Ausgangspunkt für meine Überlegungen zur Interkulturalität und zum Umgang mit Alterität in Ach Europa! sind die Arbeiten von Wierlacher und Thum. Am Ende dieser Hausarbeit sollen dann Enzensbergers verschiedene Beiträge zum Europadiskurs benannt und mit Ach Europa! verglichen worden sein und dem Leser somit ein umfassendes Bild von Enzensbergers Europabild und seinem Umgang mit Alterität vermittelt werden.
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2 Enzensbergers Europabild
Hans Magnus Enzensbergers Buch Ach Europa! trägt den Untertitel: Wahrnehmungen aus sieben Ländern. Mit einem Epilog aus dem Jahre 2006. Schon dieser Untertitel macht die Intention des Autors deutlich, ein umfassendes Bild, nicht nur der europäischen Gegenwart, sondern auch der europäischen Zukunft zu entwerfen. Der seufzende Titel Ach Europa! zeigt nicht nur die Skepsis des Autors gegenüber dem Kontinent Europa, sondern auch die Schwierigkeit, einen Kontinent in seiner ganzen Komplexität in literarischer Form adäquat darzustellen.
Europa erscheint hier nicht als eine homogene Einheit, sondern als eine Vielfalt von verschiedenen Kulturen, Stimmen und Traditionen. Enzensberger versucht nicht Europa als G anzes aufzuzeigen, sondern greift sich einige Länder heraus und beschreibt sie als einzelne Teile eines großen „patchworks“ 1 , das zusammengesetzt einen Kontinent – Europa - bildet.
Das Bild des „patchworks“ vermittelt Enzensbergers Buch nicht nur i nhaltlich, sondern auch formal. Wie im Untertitel schon angekündigt, handelt es sich um sieben verschiedene Länder, denen jeweils ein Essay gewidmet ist und einen Epilog, ebenfalls in Essayform. Genauso wie sich also Europa aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen zusammensetzt, entsteht auch dieses Buch aus verschiedenen, nicht zusammenhängenden Essays, die nur aufgrund der gemeinsamen, übergeordneten Thematik Europa miteinander vernetzt sind.
Enzensberger wählt die Form des modernen Collageromans, um sein Europabild nicht nur inhaltlich, sondern auch formal zu vermitteln. Auf die Technik der Collage und deren Anwendung werde ich in einem späteren Exkurs noch näher eingehen. Zunächst erscheint es mir jedoch wichtig, Enzensbergers Europabild näher zu beleuchten. Ach Europa! stellt einen der wichtigsten literarischen Beiträge zum Europadiskurs in den 90er Jahren dar. Nicht nur mit dem Ziel, dem Leser die vielen verschiedenen Kulturen und Länder Europas näher zu bringen. Enzensberger macht in diesem Buch auch seinen Standpunkt gegenüber dem politischen Europa deutlich. Somit reiht sich Ach Europa! in eine ganze Reihe kritischer Beiträge Enzensbergers zum Europadiskurs ein. Bereits 1965 beklagte er den Eurozentrismus der Europäer die „ein ruhiges Leben führen – an der europäischen Peripherie“ 2 .
1 Drouin, Pierre: Le patchwork européen de Hans Magnus Enzensberger. In: Le Monde. 7.10.1988. S. 24.
2 Enzensberger, Hans Magnus: Europäische Peripherie. In: Kursbuch 2. 1965. S. 173.
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Diese Kritik am Eurozentrismus bekräftigt Enzensberger n och einmal in seinem Aufsatz „Eurozentrismus wider Willen“ 3 , indem er nicht nur den Europäern Eurozentrismus vorwirft, sondern auch vor allem den Vertretern der Dritten Welt. Den blinden Lerneifer der Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika empfindet Enzensberger als „traurig“ 4 , da er nur eine Wiederholung all jener Fehler, über die sich die westlichen Länder allmählich bewusst werden, zur Folge hat. Die Ablehnung des Eurozentrismus ist somit eines der zentralen Anliegen Enzensbergers. Seine K ritik ist jedoch nicht eindimensional, sondern greift auf mehreren verschiedenen Ebenen an. „Sie reicht von der Ablehnung europäischer bzw. westlicher politisch-militärisch-wirtschaftlicher Vorherrschaft über die philosophische poststrukturalistische Kritik am abendländischen Logozentrismus bis hin zu den erziehungswissenschaftlichen Debatten über den Kanon und die Unterrichtsgestaltung an Schulen und Universitäten“ 5 .
Am deutlichsten formuliert Enzensberger seine Ablehnung gegen die europäischen Institutionen auf politischer Ebene. Ihnen fehlt „nämlich entweder die politische Kompetenz oder die demokratische Legitimation“ 6 , da die Regierung der europäischen Gemeinschaft weder durch das Volk noch durch ein Parlament ernannt wird. Europa „wird sich nie, wie ein Großkonzern, von einer Zentrale aus steuern lassen. […] das eurokratische Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Brüssel oder Europa – vor diese Alternative gestellt, wird den Europäern die Wahl nicht schwerfallen“ 7 .
Anhand diese Essays wird deutlich, dass Enzensberger Europa nicht als das Europa der großen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bündnisse betrachtet, sondern für ihn besteht Europa aus einem großen Stimmengewirr, das sich zu einem, nicht immer harmonischen Ganzen zusammenfügt.
Genau diese Ansicht wird auch in Ach Europa! deutlich. Auch hier gehört die Sympathie Enzensbergers nicht der von Großmachtsambitionen geprägten bürokratischen EG, sondern den kulturell höchst unterschiedlichen und teilweise
3 Enzensberger, Hans Magnus: Eurozentrismus wider Willen. In: Enzensberger, Hans Magnus: Politische Brosamen. Frankfurt am Main, 1982. S. 31 – 52.
4 Vgl. Enzensberger ( 1982 ). S. 48.
5 Lützeler Paul Michael (Hg.): Hoffnung Europa. Deutsche Essays von Novalis bis Enzensberger. Frankfurt am Main, 1994. S. 15.
6 Enzensberger, Hans Magnus: Brüssel oder Europa – eins von beiden, In: Enzensberger, Hans Magnus: Der fliegende Robert. Gedichte. Szenen. Essays. Frankfurt am Main, 1989. S. 122.
7 Vgl. Enzensberger (1989). S. 125.
Quote paper:
B.A. Yvonne Hoock, 2004, Hans Magnus Enzensberger: Ach Europa!, Munich, GRIN Publishing GmbH
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