Gliederung:
A) Einleitung
Parallelen der Figur Ulenspiegel’ zum Leben Hermann Botes. 1
B) Hauptteil
1. Ulenspiegel zerstört jede Art von Gemeinschaft und wird
ausgegrenzt 2
1.1. Historie 2 : Das nackte Gesäß als Zeichen seiner Abkehr
Ausgrenzung aus der Gemeinschaft 3
2. Spott an der Handwerkerzunft als Beispiel für den Spott an
der Gesellschaft 4
2.1 Historie 40 : Dils Rache an einem geizigen Schmied
Empfindung der Furcht und Abneigung gegenüber Ulenspiegel 4
3. Ulenspiegel als Gaukler und Landstreicher - Müßiggang als
Lebensform 5
3.1 Historie 25 : Der des Landes verwiesene Ulenspiegel entgeht
durch List der drohenden Tötung 6
)C Schlussteil
Dil Ulenspiegel - Ein mittelalterlicher Rebell. 7
II
A) Einleitung
Parallelen der Figur ‚Ulenspiegel’ zum Leben Hermann Botes.
Noch immer ist der Autor des Schwankromans „Ein kurtzweiliges Lesen von Dil Ulenspiegel“ von 1511 nicht eindeutig zu benennen. Doch alle Hinweise im Volksbuch 1 sprechen für den, schon vom Verfasser (Christian Walter) erwähnten, niedersächsischen Dichter und Zollschreiber Hermann Bote. Dieser Braunschweiger Zollbeamte und Landrichter rief wahrscheinlich die fiktive Figur des schalkhaften Landstreichers namens ‚Ulenspiegel’ ins Leben 2 . Zwar sind Hermann Botes genaue biographische Daten unbekannt, so wird sein Tod, aufgrund seiner datierten beruflichen Tätigkeit 3 , etwa in der Zeit von 1520 und 1525 vermutet. Aus seinem hohen und verantwortlichen Amt resultierte auch der gesellschaftliche Hass gegen ihn, denn das Bürgertum des 15. und 16. Jahrhunderts litt unter der herrschenden Ungerechtigkeit zwischen den Ständen. Oftmals wurde Bote misshandelt, mit Gefängnisstrafe und Amtsenthebung konfrontiert. Bote befand sich stets in einem Zwiespalt zwischen dem herrschenden Patriziat, dessen Fehler ihm wohl bekannt waren, und der um Gerechtigkeit flehenden Bevölkerung. Während der Braunschweiger Unruhen, der so genannten „Aufruhr der Armut“ um 1500 4 nahm der politisch und geschichtlich 5 interessierte Bote eine eher konservative Haltung ein. Ziel dieser Widerstände und städtischer Verschwörungen war die Ankündigung der frühbürgerlichen Revolution. Vielleicht liegt der Ursprung des individuellen und geradlinigen Ulenspiegel -Charakters 6 , für den Adel, Klerus und Bürger gleichgestellt sind, im Wesen Hermann Botes. Für Bote ist die mittelalterliche Gesellschaft ein Räderwerk einer Mühle, wobei jedes Rad seine spezifische und notwendige Funktion besitzt. Es herrscht ein System des Gebens und Nehmens zwischen den Menschen, woraus sich eine Abhängigkeit zwischen den Zünften und auch Ständen ableiten lässt. Die Moral als Inbegriff für Normen, Werte und Institutionen einer Gesellschaft determiniert das Verhalten von Personen in ihrer Gemeinschaft. Hermann Bote lässt seine Ulenspiegel - Figur entgegen dieser bestehenden Normen, Pflichten, Traditionen und Konventionen agieren. Trotz des scheinbar unmoralischen Handelns, welches zumeist die Verletzung und indirekte Belehrung seiner Gegenüber und der folgenden Schadenfreude zum Ziel hat, schafft es Ulenspiegel jeden Schwank schadlos zu überstehen. Lediglich die
1 Ulenspiegel kann als Volksbuch bezeichnet werden, da sein Inhalt aus den Leben gegriffen ist und sich
für alle Schichten der Gesellschaft zu lesen eignet, obwohl die Figur absolut fiktiv ist.
2 Dieser wurde in Kneitlingen geboren und starb um 1350 in Mölln.
3 Bote verfasste 1502 ein Zollbuch, welches sich bis heute im Stadtarchiv Braunschweigs befindet.
4 Aufstände der Plebejer in Braunschweig um 1445, 1448 und 1513.
5 Bote verfasste das „Schichtbuch“, ein Geschichtsbuch und sein wohl berühmtestes Werk.
6 Im ‚Ulenspiegel’ finden sich auch viele Übereinstimmungen zu Strickers ‚Pfaffen Amis’.
1
normorientiert Handelnden werden enttäuscht, da ihr ungerechtes Handeln bestraft werden muss. Im folgenden Text werde ich mich auf Ulenspiegels Freude am Leid anderer und der daraus resultierenden Wandlung der Moral an drei Beispielen beziehen.
B) Hauptteil
1. Ulenspiegel zerstört jede Art von Gemeinschaft und wird ausgegrenzt
Der Mensch an sich neigt zur sinnvollen Vergesellschaftung, sei es im kleinen Familienverband, in der Dorfgemeinschaft oder der Stadt. 7 Verbände haben in der Regel 4 Hauptfunktionen. Eine wirtschaftliche, soziale, rechtliche und kultische Funktion. Alle Gemeinschaften bilden sich mit der Basis einer sozialen und ökonomischen Struktur, wobei jedes Mitglied die Unterstützung der anderen erhält und gleichberechtigt ist, dafür aber auch die öffentlich geltenden Regelungen befolgen muss. Ziel von sozialen Zusammenschlüssen sind Interessenvertretung, Orientierung und Schutz innerhalb einer Gruppe. Der Ausübung dieser so genannten ‚gesellschaftlichen Harmonie’ dienen kirchliche Feste, Jahrmärkte oder Zünfte und Gilden, in denen gemeinsam gebetet, gegessen und gearbeitet wird. Im Verband eines Dorfes übernimmt der Nachbar zugleich die Funktion des brüderlichen Helfers, da er davon ausgeht das alle anderen Nachbarn das gleiche für ihn in einer Notsituation tun würden. Das Prinzip von Botes Räderwerk greift hier. In der mittelalterlichen Dorfgemeinschaft war die Verteilung der Aufgaben für eine organisierte Nutzung des gemeinsamen Bodens, am Beispiel der Dreifelderwirtschaft, unerlässlich. Es wird deutlich, dass der Mensch in der Feudalgesellschaft von seiner sozialen Zugehörigkeit in seinem ganzen Leben bestimmt und unterdrückt wird. Eigentlich scheint es unmöglich die zugeordnete soziale Rolle zu verlassen und aus diesem System auszubrechen. Wer dies dennoch wagt gilt als Gefährdung für die ganze Gesellschaft. Dil Ulenspiegel ist jedoch ein Individualist, welcher sich stets treu bleibt und sich keinesfalls unterwerfen würde. Aus diesem Grund zeigt er in vielen Historien offen seine Abscheu gegenüber Gemeinschaften, er verspottet die Scheinheiligkeit dieser Harmonie indem er wörtlich sein ‚Inneres nach Außen kehrt’. Obwohl er sich immer wieder neuen Gruppen anschließt führt sein rebellisches Verhalten jedes Mal zur gewollten Isolation aus der Gemeinschaft.
7 Die Stadtentwicklung blühte im Spätmittelalter auf, und war Zeichen für den Beginn der Neuzeit.
2
Arbeit zitieren:
Michel Meier, 2005, Dil Ulenspiegel - Moral eines Rebellen, München, GRIN Verlag GmbH
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