Gliederung
A) Einleitung
Der Boden und seine Variatio nen am Beispiel Laterit 1
B) Hauptteil
1 Grundlegende Kenntnisse der allgemeinen Pedogenese 2
1.1 Bodenbildende Faktoren 2
(Klima, Relief, Wasser, Ausgangsgestein, Fauna/ Flora, Mensch, Zeitdauer)
1.2 Bodenbildende Proze sse 4
( Bodendurchmischung, Salzverlagerung, Verbraunung, Tonverlagerung,
Podsolierung , Vergleyung/ Pseudovergleyung und Ferralisierung/
Lateritisierung / Rubefizierung)
2 Die bodenbildenden Faktoren : Spezialisierung auf Laterite 5
2.1 Faktor Klima und Wasser in der Tropen 5
2.2 Faktor Ausgangsgestein 6
2.2.1 Chemische Verwitterung von Feldspäten bei der Lateritbildung 7
2.3 Faktor Relief und Zeit 8
2.4 Faktor Flora und Fauna in den Tropen 9
2.4.1 Bodenfruchtbarkeit und Bodenbewertung von lateritischen Böden 10
2.5 Anthropogener Einfluss 11
2.5.2 Bodendegration bei Lateriten 12
3 Vorausgehende bodenbildende Prozesse zur Lateritentstehung 13
3.1 Laterit - Kategorie der Oxisole / Oxid e 13
4 Lateritisierung - Bildung des Lateritprofils 14
4.1 Phase 1 der Lateritisierung : Zersetzung 14
4.2 Phase 2 der Lateritisierung : Desilifizierung (Entkieselung) 15
4.3 Phase 3 der Lateritisierung : Ferrallisation (Ferrallitisierung) / Plinthisation 16
4.3.1 Lateritische Landformen in der Savannenregion: Beispiel Bornhardt 17
4.3.2 Abbaubare Erze im Lateritprofil : Plinthit und Bauxit 17
4.4 Hypothesen und Theorien zur Bildung von Plinthit (Laterit) 18
4.4.1 Residualhypothese 18
4.4.2 Vergleyungshypothese und Grundwassertheorie 18
4.4.3 Stau- und Grundwasserhypothese 19
4.4.4 Seifentheorie 19
4.4.5 Hanggley - Theorie 19
4.4.6 Karsthypothese 20
)C Schlussteil
Die Suche nach einer wirtscha ftlichen Verwendung von Laterit 20
II
A) Einleitung
Der Boden und seine Variationen am Beispiel Laterit
Als Boden wird die dünne Verwitterungsschicht der Erde zwischen Lithosphäre und Atmosphäre bezeichnet, er bildet den grundlegenden Teil der Biosphäre. 1 Geologen bezeichnen den Boden auch als „unverfestigte mineralische Substanz“ 2 gegenüber dem widerständigen Gestein. Jeder Boden ist zunächst im Laufe der Zeit durch exogen bedingte, dynamische Verwitterungsprozesse aus dem darunter l iegenden Gestein entstanden. Dabei sind die mechanische Verwitterung, wie eine durch Temperaturunterschiede herbeigeführte Gesteinssprengung, und die chemische Verwitterung, sie führt zur Lösungsverwitterung und Oxidation, maßgeblich beteiligt. Die Verbindung von Wasser und Kohlenstoff zu Kohlensäure ist beispielsweise in der Lage kaum löslichen Kalkstein auszulaugen, Karstlandschaften entstehen. Zum dritten wird jeder Bodentyp durch die Vegetation und Tierwelt beeinflusst, wobei die Zersetzung und Arbeit von Bodenwühlern abgestorbener organischer Substanz zur Humusbildung führt. Dies wird als so genannte biologische Verwitterung bezeichnet. Erst die Wechselwirkungen zwischen mineralischen und organischen Komponenten bilden das Solum 3 , die zumeist nährstoffhaltige Bodenschicht. Das Objekt Boden stellt dem Geologen zahlreiche Informationen über klimatische Bedingungen oder Entstehung bereit, woraus ein möglicher Nutzen gezogen werden kann. Die Erde mit ihren unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, und damit verbundenen hydrologischen Gegebenheiten, weist ein Variantenreichtum an Bodentypen auf. Die Verbreitung der Bodentypen ist gleichzusetzen mit dem Wechsel der Klimate. Besonders die Böden der tropischen Klimaregionen müssen hervorgehoben werden, welche sich in einem Gürtel von 5° südlich und nördlich des Äquators erstrecken. 4 Diese Böden entstanden aus einer sehr langen Pedogenese, welche vor etwa 65 Millionen (bis 2,6) Jahren im Tertiär begann. Geprägt von hohen Temperaturen und immerfeuchten oder wechselfeuchten Bedingungen vollzog sich eine beschleunigte tiefgründige Verwitterung des Gesteins in dieser Klimaregion. Alte Kontinental - Rumpfflächen, aus Graniten, Gneisen oder Sandsteinen, stellten hierbei die Basis der Verwitterung dar. Das Endprodukt der Pedogenese ist der, in allen Tropenregionen, weit verbreitete Laterit, oder auch Plinthit genannt. Der Name stammt aus dem lateinischen
1 Abbildung 1: Bodenbildungsprozesse in zeitlich fortschreitender Entwicklung, In: Fischer,P.; Erdkunde
(2000), Cornelsen Skriptor.
2 Strahler / Strahler, S.506.
3 Abbildung 2: Konzept des Pedons und Polypedons, In: Strahler / Strahler, S.506.
> Pedon = säulenförmiger Ausschnitt des Bodens
4 Abbildung 3: Verbreitung der tropischen Klimaregion und ihrer Böden.
1
und griechischen, und bedeutet ‚Ziegelstein’, wobei diese Namensgebung auf die Nutzung der unauflöslichen Verkrustung nach der Austrocknung bezogen ist. Dieser rote und unfruchtbare Verwitterungsboden gehört zur Bodengruppe der Oxisole, welche durch die lange und intensive chemische Verwitterung der eisen- und aluminiumreichen Gesteine eine Mächtigkeit in Extremfällen bis zu 60 Metern erreichen kann. Laterite zählen als chemisch biogene Sedimenten, zur Gruppe der tonerdehaltigen Verwitterungsrückstände. Im nun folgenden Text werde ich mich zunächst mit den allgemeinen Gegebenheiten der Pedogenese auseinandersetzen und dann in der Spezialisierung auf Laterit genauer eingehen.
1 Grundlegende Kenntnisse der allgemeinen Pedogenese
1.1 Bodenbildende Faktoren
(Klima, Relief, Wasser, Ausgangsgestein, Fauna/ Flora, Mensch, Zeitdauer)
Wie schon erwähnt ist Boden das Verwitterungsprodukt von Gestein. Doch bis das Ausgangsgestein zum endgültigen Boden wird, muss dieses eine Reihe von Umwandlungsvorgängen 5 , und den damit verbundenen exogenen Faktoren, durchlaufen. Zu dem wohl wichtigsten bodenbildenden Faktor gehört das Klima und die die dem entsprechende Temperatur, sowie die hydrologischen Gegebenheiten. Chemisch gesehen wird die Verwitterung durch erhöhte Temperatur und Luftfeuchtigkeit enorm beschleunigt, wie man an der tiefgründigen Verwitterung der Böden in den feuchten tropischen Klimaten erkennen kann. Die physikalische Verwitterung wird jedoch in Klimaten mit starken Temperaturschwankungen deutlicher ausgeprägt sein, da diese vor allem durch die unterschiedlichen Aggregatzustände des Wassers erhebliche Gesteinzerstörungen hervorrufen. Die Zerkleinerung von großen Gesteinsblöcken durch Frostsprengungen (Kryoklastik) zählt zu den geläufigsten Prozessen dieser exogenen Dynamik, da sich Wasser beim gefrieren ausdehnt. Aber auch die Desorption und Adsorption von Wasser am Gestein kann den Gesteinszerfall bewirken. Das Element Wasser spielt die entscheidende Rolle im chemischen, wie auch physikalischen Verwitterungsprozess. Dabei bestimmt die jeweilige Durchfeuchtung des Bodens die Tiefe der Verwitterung. Denn unter der Einwirkung von Stauwasser, Sickerwasser, Haftwasser und Kapillarwasser entwickeln sich alle terrestrischen Bodentypen. Ein weiterer bodenbildender Faktor ist das Relief, welches die Merkmale von Temperatur,
5 Abbildung 4: Umwandlungsvorgänge bei der Bodenbildung. In: Fischer,P., Erdkunde 2000.
2
Windeinfluss und Wasserhaushalt grundlegend verändern kann. Die Hangneigung ist eine wichtige Komponente, da die Erosion durch Niederschläge und Wind in höheren Lagen ausgedehnter ist als in flacheren. Eine ständige Abtragung macht die Entstehung eines tiefgründigen Bodenprofils unmöglich. Damit verbunden ist die Ausprägung der Vegetation, da sie sich im steileren Anbaugebiet teilweise als weniger fruchtbar erweist. Aber auch das Ausgangsgestein ist mit seiner mineralogischen Homogenität oder Inhomogenität für die Pedogenese entscheidend. Zu der physikalischen Beschaffenheit zählen Klüftung, Korngröße, Porosität und die Einteilung in Fest- oder Lockergesteine. Die drei Gesteinsarten, Magmatit, Sedimentit und Metamorphit verwittern unterschiedlich. Wobei grobkörnige Magmatite, wie der Plutonit, leichter verwittern als der feinkörnige Vulkanit. Bei Sedimenten verwittern Lockergesteine schneller als feste. Letztlich bei den Metamophiten verwittern beispielsweise die groben kristallisierten Gneise schneller als feine Tonschiefer. Die Verwitterung des Ausgangsgesteins verändert dessen Zusammensetzung und kann zu Stoffneubildungen führen. Auch die Vegetation ist ein bodenbildender Faktor, sie reguliert den Bodenwasserhaushalt, wirkt als Befestigungsmaterial und dient zudem auch der Nährstoffanreicherung im Boden durch abgestorbene organische Substanz. Die Zersetzung durch Mikroorganismen und die Durchwühlung von Tieren werden bestimmte Humusverbindungen geschaffen, welche allerdings von den klimatischen und hydrologischen Bedingungen abhängig sind und der chemischen Verwitterung des Bodens beitragen. Denn die im Humus enthaltenen Huminstoffe, wie Fulvosäuren und Huminsäuren, lösen chemische Reaktionen bei den bodenbildenden Prozessen aus. Als vorletzten Faktor bezeichnet man die bewussten und unbewussten Tätigkeiten des Menschen in der Natur, welcher somit die bodenbildenden Faktoren aus dem Gleichgewicht bringen kann. Eine Agrarwirtschaft geprägt durch Monokulturen und Rodungen sind dabei die wichtigsten Ursachen, und können eine bestimmte regionale Pedogenese umkehren, so dass sich völlig neue Böden entwickeln. Alles in Allem sind die bodenbildenden Faktoren an die Zeitdauer gebunden, denn nur mit ausreichender Zeit kann das „Gleichgewichtsstadium“ der Bodenentwicklung erreicht werden, dabei sind die Entstehungszeiten von Boden zu Boden unterschiedlich. 6 Eine schnelle Veränderung der Bodenentwicklung kann sich aber auch in recht kurzer Zeit abspielen, denn Zeit ist stark an die Wechsel des Klimas gekoppelt. 7
6 Beispiel Parabraunerde: aus Schwarzerde in den letzten 2000 Jahren hervorgegangen.
7 Beispiel Periglazialklima wechselt zu einem gemäßigten Klima innerhalb von 10000 Jahren.
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1.2 Bodenbildende Prozesse
( Bodendurchmischung, Salzverlagerung, Verbraunung, Tonverlagerung, Podsolierung, Vergleyung/ Pseudovergleyung und Ferralisierung/ Lateritisierung/ Rubefizierung)
Der Einfluss der bodenbildenden Faktoren, in Verbindung mit der physikalischen, wie auch der chemischen und biologischen Verwitterung, führt zu den bodenbildenden Prozessen, welche individuelle Bodenentwicklungen und differenzierte Bodenprofile entstehen lassen. Die Bodendurchmischung ist der erste Prozess in der Pedogenese. Dabei kann je nach klimatischer Gegebenheit der Boden von Wurzeln durchsetzt, von Bodenwühlern gelockert oder durch Kryoturbation aufgefroren werden. Aber auch anthropogene Einflüsse, wie Pflügen, sorgen im Boden für Durchmischung. Zum Zweiten stellt die Salzverlagerung im Boden einen wichtigen Prozess dar, denn durch die Anreicherung und Wegnahme von Salzen können sich Farben und Korngrößen im bestehenden Boden verändern. Die Eisenfreisetzung bei der Mineralverwitterung mit anschließender Oxidation führt zum dritten Prozess, der Verbraunung. Die im Boden befindlichen Quarze (Siliziumdioxid) umgeben sich mit einer Eisenoxidhülle, welche die Braunfärbung (Goethit) verursacht. Die Verbraunung ist eng mit der Verlehmung verbunden, durch Tongehalterhöhung oder Neubildungen im Boden. Beim vierten bodenbildenden Prozess, der Lessivierung, wird die Verlagerung des Oberboden -Tons in den Unterboden vollzogen, wobei dies eine Bodenverdichtung zur Folge haben kann. Der Transport von Ton vollzieht sich in Hohlräumen wie Poren und Schrumpfungsrissen. Der fünfte Prozess umfasst die Bleichung, oder auch Podsolierung, des Bodens. Hierbei erfolgt eine Verlagerung der organischen Stoffe, sowie Eisen und Aluminium, in den Unterboden. Die Fulvosäuren im Rohhumus, eine Gruppe saurer Huminstoffe, lösen die Reaktion aus und Siliziumdioxid reichert sich mit braunem Eisenoxid an und bildet die typische grau - weiße Oberfläche aus. Die ausgewaschenen Eisen-, Mangan- und Humusverbindungen lagern sich im B - Horizont an, sie verfestigen sich zu wasserundurchlässigem Ortstein 8 . Die minderwertigen Podsolböden sind in den kaltgemäßigten Klimaten verbreitet. Die Vergleyung und die Pseudovergleyung, der sechste bodenbildende Prozess, führen zu gebleichten Bereichen im Boden, wobei durch Grundwasser hervorgerufene Wassersättigung und Sauerstoffmangel Eisen- und Manganoxide im Boden gelöst und verlagert werden. Als siebter bodenbildender Prozess wird die Lateritisierung, oder auch Ferralisierung und Rubefizierung, betrachtet, auf die ich allerdings später eingehen werde.
8 Ortstein, eine durch Witterrungseinflüsse verfestigte Bodenschicht.
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2 Die bodenbildenden Faktoren : Spezialisierung auf Laterite
2.1 Faktor Klima und Wasser in der Tropen
Grundsätzlich sind alle tropischen Böden Produkte einer sehr langen Pedogenese, welche im Tertiär begann. Da diese Pedogenese aber klimatologischen Veränderungen unterworfen war, befinden sich heute Laterite auch in wechselfeuchten und teilweise trockenen Gebieten, da an deren Stelle in den pleistozänen Pluvialzeiten 9 immerfeuchte Regionen ihren Platz hatten. Laterite, heute als Plinthit bezeichnet, ist die stark verbreitete Bodena rt des tropischen Regenwaldes, circa die Hälfte des Regenwaldbestandes wächst auf diesem Roterdeboden. Es handelt sich um eine extrem allitische Pedogenese, in semihumiden bis semiariden Klima, die zur Bildung von Aluminiumhydroxyden und Eisenoxyden führt. Laterit ist der umfassende Begriff für den roten Verwitterungsboden der immerfeuchten und periodisch - feuchten Tropen, welche sich über einen Gürtel von 5° nördlich und südlich vom Äquator um die Erde erstrecken. Die letzte Geozone des Festlandes, oder auch als inneren Tropen bezeichnet, ist an den östlichen Rändern von Südamerika und Afrika schwach ausgebildet, da diese Gebiete den trockenen und kontinentalen Passatströmungen unterliegen. Der Faktor Klima war und ist entscheidend für die intensive chemische Verwitterung der Feldspäte im Boden, als Vorraussetzung für die Bildung von lateritischem Boden, den Latosolen oder Plinthosolen. In den tropischen Klimaten herrscht eine Jahresmitteltemperatur von etwa 25°C, es bestehen als keine jahreszeitlich bedingten Temperaturschwankungen wie es in den gemäßigten Klimaten üblich ist. Lediglich tägliche und regelmäßige Schwankungen von 6°C bis 12°C können eintreten. Im dauerfeuchten Gebiet der Tropen spielt natürlich der Faktor Wasser eine entscheidende Rolle für die beschleunigte chemische Gesteinsverwitterung. Hohe Niederschläge von 1000 bis 15 000 mm (Durchschnitt 3000mm) im Jahr sind normal, wodurch ein humides Klima erzeugt wird. Es kann jedoch auch in einzelnen Gebieten zu längeren Regenzeiten kommen, welche anschließend durch eine trockenere Periode unterbrochen werden. Im Boden herrscht, infolge der hohen Luftfeuchtigkeit, ein geringes Wassersättigungsdefizit, wodurch die Verdunstung von Bodenwasser nach außen vermindert wird. Der Bodenwasserhaushalt und dessen Wasservorrat sind konstant, so dass kein
9 Pluvialzeit bezeichnet eine Periode der Erdgeschichte mit kühlerem Klima und stärkeren
Niederschlägen. Heute sind dies die trockenen Subtropen. In Verbindung mit der allitischen
Pedogenese, also einer Art Winterzeit der Bodenbildung.
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Arbeit zitieren:
Michel Meier, 2004, Laterit - Wichtigster Bodentyp der Tropen, München, GRIN Verlag GmbH
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