Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 4
2 Hauptteil. 5
2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin. 5
2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie 5
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege 6
2.2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits 8
2.2.3 Theorie der Pflegesysteme 9
2.3 Der Pflegeprozess. 11
2.4 Typologisierung der Selbstpflegedefizittheorie 12
2.4.1 Das Metaparadigma der Pflege nach Fawcett 12
2.4.2 Die Denkschulen nach Meleis. 15
2.5 Die Anwendung der Selbstpflegedefizittheorie 16
2.5.1 Die Anwendung in der Ausbildung. 16
2.5.2 Die Anwendung in der Praxis. 17
2.5.3 Pflegeforschung. 17
2. 6 Bedeutung und Kritik 19
3 Fazit 21
Literatur 23
3
1 Einleitung
Im Gegensatz zu den USA und vielen europäischen Ländern steckt die
Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland noch in den Anfängen. Die Entwicklung von Pflegetheorien hat in den USA schon eine längere Tradition und Pflegestudiengänge sind an den Universitäten etabliert.
Der Prozess der Professionalisierung und der Verwissenschaftlichung von Pflege hat in Deutschland gerade erst begonnen. Die Etablierung von
Pflegestudiengängen hauptsächlich an Fachhochschulen, aber auch Universitäten ist in den letzten Jahren einen weiten Schritt vorangegangen. Damit ist die Grundlage für den wissenschaftlichen Diskurs geschaffen. Die Diskussion über die Nützlichkeit und Anwendbarkeit amerikanischer Pflegetheorien für die deutsche Pflege stellt einen aktuellen Diskussionspunkt dar.
Die Selbstpflegedefizittheorie von Orem ist in den USA, Belgien und Niederlanden und anderen Ländern weit verbreitet.
Die Bedeutung der Theorie für die deutsche Pflegewissenschaft und inwieweit sie in der Pflegepraxis angewendet wird, ist ein Thema dieser Arbeit.
In dieser Arbeit werden nach einem kurzen Abriss des beruflichen Werdegangs der Theoretikerin die Konzepte der Theorie vorgestellt. Der Pflegeprozess als wichtige, systematische Methode zur Problemlösung wird in einem eigenen Abschnitt behandelt. Die Einordnung in Typologien durch die Metatheoretikerinnen Fawcett und Meleis sind für die Analyse der Theorie von Bedeutung und werden deshalb ebenso behandelt.
Die Anwendung in Ausbildung, Praxis und Forschung spiegeln die Möglichkeiten eines Einsatzes der S elbstpflegdefizittheorie wieder und dokumentieren ihre Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit.
Die abschließende Zusammenfassung der Bedeutung und der diskutierten Kritikpunkte repräsentiert einen Ausschnitt aus dem derzeitigen Diskussionstand.
4
2 Hauptteil
2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin
Orem absolvierte die Krankenpflegeausbildung Anfang der dreißiger Jahre in Washington D.C. .1939 erwarb sie den „Bachelor of Science“ in Pflegebildung an der katholischen Universität von Amerika. Sie setzte ihr Studium fort und erhielt 1945 den „Master of science“.
Nach diesem Abschluss wirkte Orem als Direktorin der Krankenpflegschule des Providenz-Hospitals und Direktorin des Pflegedienstes des Krankenhauses in Detroit.
Von 1949 bis 1957 war sie als Beraterin der Gesundheitsbehörde im Bundesstaat Indiana tätig. Anschließend arbeitet sie zwei Jahre beim US-Gesundheitsministerium als Curriculum -Beraterin. Hier ging es um die Verbesserung der praktischen Ausbildung von Krankenschwestern. 1959 veröffentlichte Orem ihren Bericht „Guides for Developing Curricula for the Education of Practical Nurses“ (Ratschläge zur Curriculumentwicklung in der Krankenpflegeausbildung). In dieser Zeit entwickelte sie die Grundidee ihrer Selbstpflegedefizittheorie.
An die katholische Universität von Amerika kehrte sie 1959 als Professorin für Pädagogik der Krankenpflege zurück.
Orem arbeitete weiterhin an ihrer Konzeption von Pflege und veröffentlichte 1971 ihr grundlegendes Buch „Nursing: Concepts of Practice“ (Pflege: Konzepte für die Praxis). Ihr Buch wurde mehrfach in weiterentwickelten Fassungen aufgelegt. Für ihr Werk erhielt sie mehrere Ehrendoktortitel.
1970 gründete Orem ihre eigene Firma für Beratung im Bereich P flege und Pflegeausbildung.
2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie
Orem arbeitete ihre Theorie über mehrere Jahrzehnte aus und entwickelte sie weiter. Orems Ziel war die Entwicklung und Systematisierung von Pflegewissen und somit die Forcierung der Professionalisierung der beruflichen Pflege. 1
1 vgl. Schaeffer et al, S. 85
5
Außerdem wollte sie an der Konzeptualisierung der Pflegeausbildung mitwirken. 2 Den Fokus ihrer Theorie richtet sie auf die Motivation und die Befähigung jedes Menschen für sich selbst zu sorgen. 3 Sie unterstreicht damit die Autonomie des Menschen.
Orems konzeptueller Rahmen besteht aus drei miteinander in Beziehung stehenden Teilkonzepten. 1. Theorie der Selbstpflege 2. Theorie des Selbstpflegedefizits 3. Theorie der Pflegesysteme
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege
In der Theorie der Selbstpflege erfasst Orem die Ausgangssituation und beschreibt wie Menschen sich pflegen, welche Bereiche es umfasst und durch was die Selbstpflege beeinflusst wird.
Selbstpflege definiert Orem als „Verhalten, das sich in konkreten
Lebenssituationen auf das Selbst oder die Umwelt richtet, um diejenigen Faktoren zu regulieren, welche die eigene Entwicklung und Funktionalität im Interesse von Leben, Gesundheit oder Wohlbefinden beeinflussen“. 4 Das Selbst ist nach Orem „das eigene ganzheitliche Wesen“. 5
Ein weiterer Aspekt der Selbstpflege ist, dass sie bewusst und zielgerichtet ausgeführt wird.
Benötigt eine Person Hilfestellung bei der Durchführung der Selbstpflege, und wird dies durch Angehörige oder Bezugspersonen übernommen, spricht Orem von Abhängigenpflege. Hier gehören auch Kinder dazu, da sie naturgemäß noch nicht vollständig unabhängig sind.
Die Erfüllung des therapeutischen Selbstpflegebedarfs ist das Ziel der Selbstpflege und der Abhängigenpflege. Er ist Schwankungen unterworfen.
2 vgl. Cavanagh, S. 9
3 vgl. Schaeffer et al, S. 85
4 Orem (1991), S. 64, nach Fawcett, S. 294
5 Orem (1991), S. 117, nach Fawcett, S. 294
6
Der therapeutische Selbstpflegebedarf umfasst alle selbstpflegerischen Vorgänge, die durchgeführt werden um den Selbstpflegeerfordernisse zu genügen. Dies geschieht in einem begrenzten Zeitrahmen unter Einbezug von spezifische n Beschwerden und der aktuellen Lebenssituation. 6
Orem formuliert drei Arten von Selbstpflegeerfordernissen: allgemeine, gesundheitsbedingte und entwicklungsbedingte.
Zu den allgemeinen Selbstpflegeerfordernissen gehören:
- angemessene Zufuhr von Nahrung , Flüssigkeit und Sauerstoff - Körperpflege und Ausscheidungen
- Balance bei Aktivität und Ruhe; ausgeglichenes Verhältnis zwischen sozialer Interaktion und Alleinsein
- Vorsorge treffen gegen Gefahren für Wohlbefinden und Gesundheit - Unterstützung der Gruppenintegration unter Einbezug des Strebens nach Normalität 7
Gesundheitsbedingte Selbstpflegeerfordernisse sind:
- Beobachtung von Krankheitszeichen und der Effektivität von Behandlungen - Sicherstellung von angemessener medizinischer Unterstützung - korrekte Durchführung medizinischer Verordnungen - Anpassung der Lebensweise und des Selbstbildes 8
Abschließend die entwicklungsbedingten Selbstpflegeerfordernisse:
- ungestörter Ablauf der menschlichen Entwicklungsstadien
- nachteilige Auswirkungen von Lebensereignissen lindern bzw. verbessern 9
Die Selbstpflegekompetenz meint das Vermögen eines Menschen zur Selbstpflege. 10
6 vgl. Fawcett, S. 294-296
7 vgl. Evers, S. 109
8 Ebenda
9 Ebenda
7
Arbeit zitieren:
Ulrike Natour, 2005, Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem, München, GRIN Verlag GmbH
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