Inhalt Seite
1. Einleitung 3
2. Entstehungsgeschichte des Romans und Inhaltsüberblick 3
3. Manifestation des Künstlermotivs im Protagonisten Felix Krull 5
4. Analyse verschiedener Kapitel in Hinblick auf das Künstlermotiv 6
4.1 Erstes Kapitel im ersten Buch 7
4.2 Fünftes Kapitel im ersten Buch 8
4.3 Fünftes Kapitel im zweiten Buch 10
4.4 Neuntes Kapitel im zweiten Buch 11
4.5 Viertes Kapitel im dritten Buch 13
4.6 Fünftes Kapitel im drittes Buch 15
5. Resümée 16
6. Literaturangaben 18
2
1. Einleitung
Felix Krull wird nach Intention Thomas Manns als eine „Art von Künstlernatur“ 1 gesehen. Nach Lektüre des Romans Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull könnte diese Ansicht einem heutigen Publikum gewiss etwas befremdlich erscheinen. Auch ist mir bei einem Vergleich mit verschiedenen anderen Romanen und Erzählungen Thomas Manns, wie beispielsweise Die Buddenbrooks, Tonio Kröger, Der Tod in Venedig, Mario und der Zauberer und Tristan die verschiedenartige Darstellung des Künstlermotivs aufgefallen.
Daher möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit der Darstellung des Künstlermotivs auseinandersetzen, wie es Thomas Mann zum Zeitpunkt der Entstehung des Romans angelegt hat. Desweiteren werde ich näher darauf eingehen, wie sich dieses Motiv im Protagonisten Felix Krull manifestiert.
Ich werde mit einer kurzen Beschreibung der Entstehungsgeschichte und einer Inhaltsübersicht über den Roman, der aus drei Büchern besteht, beginnen. Dem soll eine genaue Beschreibung des Künstlermotivs, wie es in diesem Roman angelegt ist, folgen und schließlich möchte ich an Hand verschiedener Kapitel, zwei Kapitel aus jedem der drei Bücher, die Ausführung dieses Motivs zeigen, um mich mit der Fragestellung auseinander zu setzen, ob Felix Krull als Künstler im Sinne Manns dargestellt wird.
2. Entstehungsgeschichte des Romans und Inhaltsüberblick
Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann ist das Ergebnis Jahrzehnte langer Arbeit, da zwischen dem Beginn und der Vollendung des Romans 40 Jahre liegen. Tatsächlich stammen die ersten Notizen schon aus dem Jahre 1905, die Arbeit am Werk beginnt aber erst fünf Jahre später. „Ich sammle, notiere und studiere für die Bekenntnisse des Hochstaplers, die wohl mein Sonderbarstes werden. Ich bin manchmal überrascht, was ich dabei aus mir heraushole“, schreibt Thomas Mann an seinen Bruder Heinrich am 10.1.1910. 2 Nachdem er die Arbeit im Sommer 1911 unterbricht, um Tod in Venedig zu schreiben, beendet er das erste Buch zwei Jahre später, welches dann 1922 unter dem Titel Buch der Kindheit veröffentlicht wird. In der diesmal sehr langen Phase der Unterbrechung, die auch im Roman am Anfang des Zweiten Buches thematisiert wird,
1 Mann (Nachwort von Hans Wysling), 1985, S.426
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„Lange haben diese Papiere unter Verschluß geruht; wohl ein Jahr lang hielten Unlust und Zweifel an der Ersprießlichkeit meiner Unternehmung mich ab, in treusinniger Folge Blatt auf Blatt schichternd, meine Erkenntnisse fortzuführen.“ schreibt er den Zauberberg.
Dem folgt 1937 eine weitere, um ein fragmentarisches zweites Buch erweiterte Ausgabe. Als dann der heute vorliegende Roman 1954 ve röffentlicht wird, trägt er in Erwartung einer Fortsetzung, die jedoch nie zu einer Ausführung gelangt, den Untertitel Der Memoiren erster Teil 3 .
Als „Bekenntnisroman“, wie der Titel ihn postuliert, schließt er an eine Tradition autobiografischer Literatur an, wobei jedoch Goethes Dichtung und Wahrheit maßgeblich den Stil vorgibt 4 . Desweiteren gilt auch Georges Manolescu mit seinem Hochstaplerroman Memoiren als Anregung für die Anlage der Hochstaplerfigur Felix Krull 5 . Hochstapler-Figuren tauchen in der Zeit des Umbruchs immer wieder auf, und die Entstehungszeit des Romans fällt in eine solche.
Der Roman ist in drei Bücher gegliedert, wobei die ersten beiden jeweils aus neun, das dritte aus elf Kapiteln bestehen.
Das erste Buch, das zuerst unter dem Namen Buch der Kindheit erscheint, bezieht sich auch auf die Kindheit und Jugend Felix Krulls. Diese Jahre werden daher als Lehrjahre 6 bezeichnet.
Im zweiten Buch werden die Wanderjahre 7 , die Zeit in der Krull den Weg von Frankfurt nach Paris zurücklegt, dargestellt. Dort beginnt er als Liftboy im Hotel „Saint James and Albany“ zu arbeiten. Durch Betrug zuerst, dann durch Charme gelingt es ihm, sehr viel Geld zu erwerben, dessen er sich später bedienen wird. Das dritte Buch schließlich widmet sich den Meisterjahren 8 . Nun führt er ein Doppelleben zwischen ‚Herr von Distinktion‘ und Kellner, zu welchem er sich bereits hochgearbeitet hat. Durch den Rollentausch mit dem Marquis Venosta, an dessen Stelle Krull eine Weltreise machen soll, gelangt er nach Lissabon. Die Begegnung mit Professor Kuckuck, später mit dessen Frau und Tochter, bilden den Abschluss. Dem immer wieder im Roman angedeuteten Aufenthalt im Zuchthaus wird nicht Rechnung getragen, sowie auch die geplante Weltreise nie schriftlich zu ihrer
2 Mann (Nachwort von Hans Wysling), 1985, S.425
3 Ebd. S.444
4 Meid, 1988, S.627
5 Wysling, 1982, S.18
6 vgl. Frizen, 1988, S.24
7 Ebd. 1988, S.30
8 Ebd. 1988, S.34
4
Ausführung gelangt, obwohl beides geplant ist, wie aus dem Titelzusatz der Memoiren erster Teil zu ersehen ist.
3. Manifestation des Künstlermotivs im Protagonisten Felix Krull
Den Protagonisten Felix Krull als Künstler aufzufassen, dürfte einem heutigen Publikum sicher widerstreben, daher ist es als notwendig zu erachten, den Künstlerbegriff Thomas Manns etwas näher zu bestimmen.
Krull ist nicht mit Manns früheren Künstlerfiguren wie Tonio Kröger, Gustav von Aschenbach oder Thomas aus dem Roman Die Buddenbrooks zu vergleichen, die selbstquälerisch zwischen Leben und Künstlertum umherirren 9 . Damit wird die Künstlerproblematik verändert, ja eigentlich kann gar nicht mehr von Problematik gesprochen werden, da hier der Versuch unternommen wird, Künstlertum und lebensfähige Begabung zu vereinigen. Krull bejaht das Leben in allem was dieses ihm zugedacht hat und zugedenken wird. Somit wirkt Krull eher wie eine Parodie auf die Künstlergestalten Manns früherer Werke. Er statuiert das Exempel von Nietzsches Künstlerbegriff, welcher den Künstler als „Schauspieler und Komödiant“ begreift. Auch die Wagner-Kritik Nietzsches, derer Mann- als großer Wagner-Verehrer, der diese Verehrung einer Revision unterziehen will- sich anschließt, ist ausschlaggebend für die Anlage der Figur des Felix Krull. Nietzsche bezeichnet Wagner als modernen Künstler par excellence 10 und dessen Kunst sei kein schöpferisches Werk mehr sondern vielmehr ein Aneinanderreihen von Details, ohne dass diese eine Einheit bildeten. Wagner selbst wird von Nietzsche als „historio, der größte Mime, das erstaunlichste Theatergenie, das die Deutschen gehabt haben, unser Sceniker par exellence“ 11 bezeichnet. Weiterhin sagt Nietzsche, dass der Charakterverfall, welcher sich wiederum auf Wagner bezieht, zur „Heraufkunft des Schauspielers in der Musik“ führe und somit Kunst lediglich als Rollen- und Maskenspiel und als Parodie verstanden werden kann. Damit wäre der Künstlerbegriff, welcher der Anlage der Krull- Figur zu Grunde liegt erklärt- nicht mehr die Kreativität ist das Hauptcharakteristikum des „modernen Künstlers“ sondern derjenige, der den Mangel derselben gut zu überspielen weiß und einen guten Schauspieler darstellz.
So ist auch Krull ein Erlebniskünstler, der nicht eigene Werke schafft sondern die anderer imitiert, wobei die Kunst aus der Selbstinszenierung besteht.
9 Frizen, 1988, S. 10
10 Nietzsche, VIII, 18: Der Fall Wagner
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Arbeit zitieren:
Steffi Kny, 2003, Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Der Memoiren erster Teil - Der Aspekt des Künstlermotivs, München, GRIN Verlag GmbH
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Schelmenroman - Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
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