Inhalt:
0. Einleitung. 2
1. Zur Person Georges-Arthur Goldschmidts. 3
2. Das Judentum. 3
2.1. Das Judentum im Elternhaus und den Generationen zuvor. 3
2.2. Die Erfahrungen Georges-Arthur Goldschmidts mit dem Judentum während des
Krieges. 6
2.3. Die Bedeutung des Judentums nach dem Krieg. 10
3. Verhältnis zu Deutschland und Frankreich und die Frage der Identität. 13
4. Verhältnis zur deutschen und zur französischen Sprache. 17
5. Goldschmidts Verhältnis zu Gott und zum Glauben. 20
6. Schlußwort. 21
7. Literaturverzeichnis. 23
7.1. Primärtexte. 23
7.2. Sekundärtexte. 23
7.3. Internetquellen. 23
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0. Einleitung
Im Anschluß an das Seminar „Schreiben nach dem Holocaust“, möchte ich anlehnend an mein Referat einen Punkt herausgreifen und diesen analysieren. In meiner Arbeit „Die Bedeutung des Judentums für Georges-Arthur Goldschmidt und die Frage der Identität“ wird es darum gehen, die Bedeutung des Judentums für Georges-Arthur Goldschmidt festzumachen. Ferner wird untersucht, inwiefern seine Erfahrungen mit dem Judentum seine Identität mit Deutschland und Frankreich bzw. mit der deutschen und der französischen Sprache beeinflußt haben. Zur Klärung dieser Problematik werden besonders seine größtenteils autobiographische
Schrift, „ Über die Flüsse“ (2001) (Original: La traversée des fleuves, 1999), und die Erzählungen „Die Absonderung“ (1991) und „Der unterbrochene Wald“ (1992) (Original.: La Forêt interrompue“, 1991) Beachtung finden; denn zum Werk Goldschmidts liegen abgesehen von den Werken Asholts keine übergreifenden Studien vor. Darüber hinaus werden Interviews mit Georges-Arthur Goldschmidt und Schriften aus seiner Hand zur Erreichung eines höchstmöglichen Grades an Authentizität hinzugezogen. Zu Beginn der Arbeit werden ein paar Angaben zur Person Georges-Arthur Goldschmidts gemacht. Im Anschluß daran wird die Bedeutung des Judentums für die Familie Goldschmidt herausgearbeitet. Der Umgang der Eltern Goldschmidts und deren Vorfahren mit dem Judentum vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sowie das Verhältnis von dem Kind Georges-Arthur zu dem jüdischen Glauben werden hier dargestellt. Anschließend wird die Bedeutung des Judentums für die Überlebenden des Holocaust erläutert und insbesondere das Verhältnis Georges-Arthur Goldschmidts zum Glauben und zu Gott dargestellt. Ferner möchte ich das Verhältnis Georges-Arthur Goldschmidts zu Deutschland und zu Frankreich darstellen, da dieses mit seinem Glauben und den sich daraus während des Zweiten Weltkrieges ergebenden Konsequenzen zu erklären ist. Hierbei wird besonders sein Verhältnis zu der deutschen und der französischen Sprache eine Rolle spielen.
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1. Zur Person Georges-Arthur Goldschmidts
Geboren wurde Georges-Arthur Goldschmidt unter dem Namen Jürgen-Arthur am 2. Mai 1928 in Reinbek bei Hamburg. Seine Familie, wohlhabend und weltoffen, ist jüdischer Herkunft, und bereits im 19. Jahrhundert zum Protestantismus konvertiert. Der Junge wächst in den ersten Jahren behütet auf, doch bald gibt es deutliche Anzeichen für die Gewalt und den Terror des Naziregimes. 1938 beschließen die Eltern, ihre Söhne, den zehnjährigen Georges-Arthur und dessen vier Jahre älteren Bruder, zunächst nach Florenz zu schicken. Als auch dort die Lage gefährlich wird, bringt man beide in einem Internat in den Savoyen unter, wo der jüngere Georges-Arthur, vor den Nationalsozialisten zwar gerettet, jedoch körperlich gepeinigt und sexuell mißbraucht wird. Die Mutter stirbt und der Vater wird nach Theresienstadt deportiert. Der einzige Halt des Jungen sind seine Leseabenteuer, in die er immer wieder untertaucht und in die er sich zurückzieht.
2. Das Judentum
Im folgenden soll analysiert werden, welche Bedeutung das Judentum für die Familie Goldschmidt und besonders für Georges-Arthur spielte und heute noch spielt. Hierzu werden drei verschiedene Zeiträume dargestellt, die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die Zeit während und die Zeit nach dem Krieg bis zur Gegenwart.
2.1. Das Judentum im Elternhaus und den Generationen zuvor
In seiner größtenteils autobiographischen Schrift „ Über die Flüsse“ erzählt der Autor Georges-Arthur Goldschmidt von seinen Vorfahren, alteingesessen Hamb urger Juden. Seine Ahnen waren liberale Juden, die jedoch die Grundlagen der jüdischen Tradition aufgegeben haben (vgl. S. 13/14). Er berichtet, daß schon sein Großvater im Jahre 1868 aus der Jüdischen
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Gemeinde austrat. Vor allem mütterlicherseits brach die Familie alle Beziehungen zur Jüdischen Gemeinde ab (vgl. S. 30). Statt dessen konvertierte die Familie zum Protestantismus und schon der Vater Georges-Arthur Goldschmidts, 1873 geboren, wurde im lutherischen Glauben erzogen. Folglich hatte die Familie kaum noch Beziehungen zum Judentum. Das Judentum diente für sie nur noch als Herkunftsbezeichnung (vgl. Über die Flüsse, 13, 14). Die Anpassung an Deutschland und die deutsche Kultur soll sogar fast bis zum Antisemitismus gegangen sein (vgl. Über die Flüsse, 33). Der englische Teil der Familie des Vaters bot seinen Kindern aus diesem Grunde auch keine Unterkunft, als dieser seine Kinder vor den Nationalsozialisten schützen wollte.
Auch das Jiddische wurde bei den Goldschmidts nie gebraucht. Das Deutsche hingegen war von Anfang an ihre natürliche Sprache (vgl. Über die Flüsse, 25). Die ersten zehn Jahre seines Lebens, so sagt Georges-Arthur Goldschmidt in der Osnabrücker Rede, seien „derart von der Deutschheit durchdrungen gewesen, daß [er sich] das Leben nicht anders vorstellen konnte als in der körperlichen Zugehörigkeit, die aus Landschaft, Sprache und Lebenswelt bestand“ (Asholt, Grenzgänge der Erinnerung, 19).
Die Goldschmidts wollten als Deutsche voll akzeptiert werden und vermieden daher alles, was in den Augen konservativer Deutscher als inakzeptabel gelten könnte oder als unvereinbar mit dem Deutschtum hätte erscheinen können (vgl. Über die Flüsse, 29). „Ich glaube, dass niemand sie als Juden betrachtete, jedenfalls bis zur Nazizeit, da sie sich doch selber nicht als solche empfanden“ (Über die Flüsse, 130). So beschreibt ein Freund Georges-Arthur Goldschmidts mit zeitlichem Abstand, warum die gesamte Familie Goldschmidt in Hamburg immer mehr zum Stadtleben dazugehörte. „Es ging [der Familie] nicht mehr um Integration, denn die war schon lange gewährleistet, sondern um ein vorbehaltloses Verschmelzen mit dem Vaterland“ (Über die Flüsse, 29).
Georges-Arthur Goldschmidts Vater, Dr. Arthur Goldschmidt, war Richter am Amtsgericht Hamburg und arbeitete dann am Hamburger Oberlandesgericht. Was seine politische Anschauung betraf, so war er ein Nationalliberaler und wählte die Deutsche Volkspartei (vgl. Über die Flüsse, 42). Daß auch er nicht mehr an dem Judentum und dessen Traditionen hing, beweist seine Mitgliedschaft im evangelischen Kirchenrat (vgl. Über die Flüsse, 40). Er hatte die deutsche Kultur als die seine anerkannt. Seine Identifikation mit den Deutschen war so weit vorangeschritten, daß er sich während des Zweiten Weltkrieges nicht unbedingt mit den
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Opfern solidarisch fühlte (vgl. Über die Flüsse, 46). Vor allem Dr. Arthur Goldschmidt vermied alles, was von den Nationalsozialisten als ‚undeutsch‘ hätte abgetan werden können. Er konnte kein Hebräisch, war Monarchist und Patriot. Seine patriotische Haltung drückte er in Sätzen wie „Alle anderen machen es gut, die Deutschen machen es besser“ aus (http://www.spiegel.de/0,1518,183955,00.html ). Dies zeigt, daß er sich mehr als deutlich auf die Seite der Deutschen gestellt hat und damit automatisch gegen jene Menschen, die seine Herkunft teilen. Georges-Arthur Goldschmidt beschreibt, daß sein Vater sogar zunehmend an „jüdischem Selbsthaß“ litt (Über die Flüsse, 46). Während des Ersten Weltkrieges wurde er zu seinem Bedauern aufgrund einer Krankheit nicht an die Front geschickt. Er fühlte sich in Deutschland so wohl und so zugehörig, daß er mit seiner Familie während des Zweiten Weltkrieges dort blieb, obwohl er von Tag zu Tag mit mehr Einschränkungen leben mußte. Er bezeichnete sich auch nicht als Jude und w ar nie auf die Idee gekommen, das Land zu verlassen, das für ihn sein Vaterland war. Er sah sich geborgen in der evangelischen Kirche und identifizierte sich mit der Kultur, deren Teil er nach eigener Meinung war. Doch sowohl von der Kirche als auch vom Staat, für die er sich so stark machte, wurde er später enttäuscht, denn keine von beiden Institutionen setzte sich für ihn und seine Familie ein, als sie um ihr Leben fürchtete (vgl. Asholt, Grenzgänge der Erinnerung, 38/ 39). Als der Krieg dann zeitlich immer näher rückte, bekam auch Georges-Arthur Goldschmidt als Kind schon die vielen Einschränkungen mit, denen sich seine Familie fügen mußte. Dennoch, so sagt er rückblickend, konnte er die Gründe für den plötzlichen Ausschluß seines Vaters aus dem Berufsleben zum Beispiel als damals Zehnjähriger nicht verstehen. Nicht-Ariern - laut nationalsozialistischer Definition - wurde ferner der Zutritt zu Klubs untersagt, ihnen wurde das Halten von Personal verboten und seine Eltern durften seit den Nürnberger Gesetzen nicht deutsch flaggen. Es folgten der Ausschluß aus dem Golfklub und das Verbot, Freibäder zu besuchen. Die Mutter, Katharina Horschitz, durfte dann nicht einmal mehr ins Sanatorium gehen. Infolge des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde Dr. Arthur Goldschmidt im Jahre 1933 arbeitslos.
Die Familie wurde wegen ihres Nicht-Ariertums, wegen ihrer ursprünglich jüdischen Herkunft aus der nationalen Gemeinschaft ausgeschlossen, zu der sie sich so sehr hingezogen fühlte (vgl. Über die Flüsse, 114). „Meine Familie“, so schreibt Georges-Arthur in „Über die Flüsse“, „die sich ihrer Herkunft so schämte, war stark angepaßt, alles wurde überbetont, um
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Arbeit zitieren:
Julia Hansens, 2004, Die Bedeutung des Judentums für Georges-Arthur Goldschmidt und sein Verhältnis zu Deutschland und Frankreich, München, GRIN Verlag GmbH
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