Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die normannische Invasion von 1066
2.1 Mögliche Erbfolgeregelungen 3
2.2 Rechtfertigungen der Invasion 4
3. Herrschaftslegitimation in einer Quelle:
Beispiel des Teppichs von Bayeux 7
4. Bilanz 10
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellenverzeichnis 11
5.2 Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Gründe Herzog Wilhelm II. zur Legitimierung seiner Invasionsziele der britischen Inseln heranzog. Die Bedeutung dieser Frage ist zentral, da es, ohne ausreichende Begründung und Rechtfertigung, Wilhelm dem Eroberer vermutlich nicht gelungen wäre, eine derartig effiziente Herrschaft in England zu installieren, falls seine Beweggründe nicht als moralisch richtig von Gesellschaft und Kirche angesehen worden wären. Zuerst soll gezeigt werden, welche anderen Möglichkeiten der Erbfolge es in England nach dem Tode Edward des Bekenners gab und wie Harald Godwinson von Wessex zum Monarchen gekrönt wurde. Ich beziehe mich in meiner Arbeit auf eine Darstellung von Richard Allen Brown 1 , nach der ich auch die nach meiner Meinung zentralen Quellen 2 zu dieser Frage zitiere. Weiterhin wird eine umfassende Überblicksdarstellung von Kurt-Ulrich Jäschke 3 Verwendung finden, die sich eingehend mit dem Problem der Legitimierung des normannischen Herrschaftsanspruches befaßt. Abschließend nehme ich Szenen aus dem Teppich von Bayeux als Beispiel für die quellenkritische Methode. Ich gehe der Frage nach, auf welche Weise und mit welchen Mitteln, der Teppich den Herrschaftsanspruch Wilhelms legitimiert. Der Teppich wird deshalb gewählt, weil er, neben den bekannten schriftlichen Quellen, zu den am schwersten zu
interpretierenden Quellen gehört.
1 Brown, Richard, Allen, The Norman Conquest, London 1984.
2 William of Jumièges: Gesta Normannorum Ducum
in: Brown, Richard Allen, The Norman Conquest, London 1984.
William of Poitiers: Gesta Guillelmi ducis Normannorum et regis Anglorum,
in: Brown, Richard Allen, The Norman Conquest, London 1984.
Vita Edwarde Regis: The Life of King Edward who rests at Westminster,
in: Brown, Richard, Allen, The Norman Conquest, London 1984.
3 Jäschke, Kurt-Ulrich, Die Anglonormannen, Stuttgart 1981.
2
2. Die normannische Invasion von 1066
2.1 Erbfolgeregelungen
Hauptursache für die Streitigkeiten um die Thronnachfolge war, daß König Edward von England keinen direkten Nachkommen hatte. Verwandtschaftliche Beziehungen machten Edgar Etheling, Urenkel von König Ethelred II., zu einem potentiellen Kandidaten. Da er aber noch ein Kind war und in Ungarn lebte, waren seine Chancen, König von England zu werden, gering 4 . Herzog Wilhelm II. von der Normandie leitete für sich das Recht auf den Thron aus der Ehe des englischen Königs Ethelred II. mit Emma von der Normandie, seiner Großtante 5 , ab. Hinzu kam die frühere Zusicherungen König Edwards, daß Wilhelm ihm auf dem Thron nachfolgen solle. Herzog Harald wiederum beruft sich auf die Zusicherung Edwards des Bekenners an dessen Sterbebett, hierauf beziehen sich alle wichtigen englischen Quellen. Die „Vita Edwardi Regis“ gibt einen detaillierten Bericht über die letzten Worte Edwards: „[...] Then he addressed his last words to the queen who was sitting at his feet, in this wise, ‘May God be gracious to this my wife for the zealous solicitude of her service. For she has served me devotedly, and has always stood close by my side like a beloved daughter. And so from the forgiving God may she obtain the reward of eternal happiness.’ And stretching forth his hand to his governor, her brother, Harold, he said, ‘I commend this woman and all the kingdom to your protection. Serve and honour her with faithful obedience as your lady and sister, which she is, and do not despoil her, as long as she lives, of any due honour got from me.’[...].“ 6
Diese Übertragung der Königswürde wurde sowohl von Wilhelm von Poitiers, als auch auf dem Teppich von Bayeux als Tatsache akzeptiert
2 nach: Krieger, Karl-Friedrich, Geschichte Englands, München 1990, S.83.
5 „[…] der recht zweifelhafte Erbanspruch über seine Großtante Emma […]“
in: Jäschke, Kurt, Anglonormannen, S. 76.
6 Vita Edwarde Regis, Part II, S. 74f.,
zitiert nach: Brown, R. A., Norman Conquest, S. 92f.
3
und „zitiert“, gleichwohl aber als ungültig betrachtet. Ein Einwand gegen die rechtliche Legitimität sprach für die Normannen wohl aus der Tatsache heraus, daß Haralds Vater als einflußreicher angelsächsischer Adeliger stets in Opposition zu Edward dem Bekenner gestanden hatte, er war sowohl an der Ermordung seines Bruders Alfred als auch an verschiedenen politischen Intrigen gegen ihn beteiligt gewesen war. Man nahm also seitens der normannischen Darstellungen von einer unrechtmäßigen Einsetzung aus.
Als vierter beanspruchte der norwegische König Harold Hardrada als Erbe Knuts des Großen (995-1035) den englischen Thron. Als Helfer benutzte er Haralds Bruder Tostig, um ihn als Garant für eine skandinavienfreundliche Politik auf dem englischen Thron zu installieren.
2.2 Rechtfertigungen der Invasion
Herzog Wilhelm II. der Normandie (auch bekannt als „Wilhelm der Bastard“, aufgrund seiner nichtehelichen Herkunft) begründete sein Recht auf den englischen Königsthron aus zwei wesentlichen Aspekten. Zum einen war er mit Edward dem Bekenner verwandt (siehe 2.1), weshalb dieser ihm während eines Aufenthalts in der Normandie den Thron versprochen haben soll. Die eigentliche Legitimation, ist aber der Treueeid des Herzogs Harald von Wessex, der dann auch eine zentrale Position im Teppich von Bayeux einnimmt. Harald von Wessex setzte 1064 in die Normandie über, vermutlich um Geiseln freizukaufen 7 , unter anderem seinen Bruder Wulfnoth 8 , wurde dann aufgrund von schwierigen nautischen Bedingungen an die Sommemündung an der Küste von Ponthieu gezwungen. Dort wurden er und seine Gefolgsleute gefangengenommen und von Graf Wido I. auf Burg Beaurain festgehalten. Graf Wido I. war jedoch Herzog Wilhelm II. lehnsverpflichtet und mußte Harald an ihn ausliefern. Harald war bis
7 Nach: Jäschke, Kurt, Anglonormannen, S. 75.
8 Nach: ebenda, S. 77.
4
Arbeit zitieren:
Thomas Crämer, 2005, Die Eroberung Englands 1066 - Rechtfertigungen einer Invasion, München, GRIN Verlag GmbH
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