Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Verfall Verfall
1.2. Grodek
2. Der Vergleich der Gedichte Verfall und Grodek
2.1. Form
2.2. Thematik
2.3. Stil
2.3.1. Farbmetaphorik
3. Fazit
4. Bibliographie
3
1. Einleitung
Georg Trakls Lyrik zeichnet sich durch ihre besondere Stimmung und ihren Stil aus. Die Gedichte des Österreichers strahlen eine tiefe Schwermut aus, die den Leser zum einen befremden, zum anderen aber faszinieren.
In seinem kurzen Leben 1 hat Trakl viele Gedichte zu verschiedenen Themen verfasst. Seine Lyrik wird zur Strömung des Expressionismus gezählt, obwohl seine frühen Werke auch impressionistische Elemente enthalten.
In dieser Arbeit möchte ich zwei seiner Gedichte vergleichen. Ich habe bewusst ein Gedicht seines Frühwerks, Verfall, und eines seiner letzten Gedichte, Grodek (von manchen Wissenschaftlern als sein letztes Gedicht bezeichnet), ausgewählt.
1.1. Verfall 2
In Trakls Sonett „Verfall“, das zu seinen frühen Arbeiten gehört 3 und 1913 veröffentlicht wurde, geht es um Verfall und Vergänglichkeit.
Die Quartette beschreiben eine Abendszene, in der das lyrische Ich in einem Garten spazieren geht. Die Glocken läuten und die Vögel ziehen in der Dämmerung Richtung Süden.
Die Terzette beschreiben eine Veränderung in dieser harmonischen Szene: ein Wind kommt auf; der vorher positiv wirkende Garten wird in negativen Bildern des Verfalls beschrieben.
1.2. Grodek 4
Trakl schrieb das Kriegsgedicht „Grodek“ im September 1914 nach der Schlacht von Grodek, bei der er für eine Scheune mit neunzig verwundeten Soldaten zuständig war. Das letzte Gedichts Trakls wurde um 1915 posthum in der Zeitschrift Der Brenner veröffentlicht 5 und handelt von den Schrecken des ersten Weltkriegs. Das Gedicht beschreibt eine Kriegsszene in einem Herbstwald und geht zunächst auf Waffengeräusche, Soldaten, die fallen, und das vergossene Blut ein. Dann bezieht sich das Gedicht auf eine Gespensterebene. In dieser wird das Gefühl der Trauer und Hoffnungslosigkeit beschrieben, das der Krieg hervorruft. 1 Trakl wurde 1887 in Salzburg geboren und starb 1914 in der psychiatrischen Abteilung einer
Klinik in Krakau an einer Kokainvergiftung.
2 Dieser Titel wird in Quellenangaben mit S (Sonett) abgekürzt.
3 Eine erste Version des Gedichts erschien 1909 unter dem Titel „Herbst“ in Gedichte.
4 Dieser Titel wird in Quellenangaben als G abgekürzt.
4
2. Der Vergleich
Verfall und Grodek sind sehr verschieden in Form und Stil, jedoch sehr ähnlich ihn ihrer Grundstimmung. Im Folgenden möchte ich auf formelle, thematische und stilistische Aspekte der beiden Gedichte eingehen.
2.1. Form
Betrachtet man die beiden Gedichte, fällt dem Leser gleich der Unterschied in der Form ins Auge. Der streng vorgegeben Sonettform von Verfall gegenüber wirkt Grodek formlos. D as Metrum des Kriegsgedichts ist unregelmäßig und die Verslängen variieren, zudem sind keine Reime zu finden. Die Tatsache, dass Verfall ein Sonett ist, das aus traditionellen jambischen Pentametern besteht, ist im Kontext von Trakls Gesamtwerk außergewöhnlich, denn:
Die Form des Sonetts gebraucht Trakl im ganzen sechsmal […]. Das erscheint erstaunlich bei einem Dichter, der so wenig auf metrische Linienführung bedacht ist, bei dem die aus Farbtönen gebildete Melodie mehr bedeutet als Versmaß und
6
Reim.
Die nähere Untersuchung zeigt, dass Grodek zwar frei geschrieben ist, jedoch zwei Substantive mit den dazugehörigen Attributen durch ihre Position im Gedicht betont werden. Sie bilden die zwei kürzesten Verse und sind vom Rest des Gedichtes abgetrennt.
„Ihrer zerbrochenen Münder“ (G, V.6) bildet die Schwelle von der Realitäts- beschreibung zu der Darstellung einer Geisterwelt und trennt damit das Gedicht in zwei Teile. Der zweite Teil widerspricht dem ersten mit der Konjunktion „doch“ (G, V.7). Dies ist die einzige Konjunktion, die verwendet wird. Grodek ist eine unlogische Zusammenstellung verschiedener Gedanken, die syntaktisch und semantisch nicht verbunden sind; selbst der Gebrauch der Satzzeichen ist unlogisch.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. (G, V.7ff.)
6 Eduard Lachmann (1954, S.67)
5
Quote paper:
BA, MA Kathrin Gerbe, 2004, Vergleich von Georg Trakls Gedichten "Verfall" und "Grodek", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Georg Trakls "Verfall" - Eine Interpretation
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 35 Pages
Die Darstellung der Großstadt in der Lyrik des Expressionismus
German Studies - Modern German Literature
Bachelor Thesis, 43 Pages
Erörterung der Literaturauffassung Georg Büchners und auf deren Hinter...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 36 Pages
Novellentheorien des 19. u. 20. Jahrhunderts und neue Ansätze in der N...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 48 Pages
Vergleich der beiden Gedichte „Zwielicht“ von Joseph von Eichendorff u...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 17 Pages
Herzog Ernst und die monstra des Orients
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 23 Pages
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Schulreife und Schulfähigkeit - Über das Kieler Einschulungsverfahren
Termpaper, 26 Pages
Die Rolle der Naturwissenschaften in Gerhart Hauptmanns Drama 'Vor...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Analyse der Grippia-Episode im Herzog Ernst B (V.2177-3882)
Kreuzzug und Aventiure des Her...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Zu Georg Büchners "Woyzeck" – Wegweiser zur Moderne?
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Georg Trakl - Leben, Geisteszustand und Gedichtinterpretation 'An ...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Problemgeschichtliche Analyse ...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Die Idee der Just Community als realisierte Alternativschulen
Ein Ansatz nach Lawrence Kohlb...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Termpaper, 19 Pages
zu: Christine Nöstlinger: Wir pfeifen auf den Gurkenkönig
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Kathrin Gerbe's text Vergleich von Georg Trakls Gedichten "Verfall" und "Grodek" is now available as a printed book
Kathrin Gerbe has published the text Vergleich von Georg Trakls Gedichten "Verfall" und "Grodek"
Kathrin Gerbe has uploaded a new text
0 comments