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Freie Universität Berlin
FB Erziehungswissenschaft und Psychologie
S „Depressionen bei Kindern und Jugendlichen“
WS 2003/ 04
Depressionen bei Kindern und Jugendlichen
- ein Einblick
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1 EINLEITUNG
Wahrscheinlich hat jeder selbst schon einmal die Erfahrung gemacht, dass besonders zur kalten Jahreszeit dunkle, trübe Tage auf das Gemüt schlagen und ebenso dunkle und triste Gedanken verursachen können. Tatsächlich erhöht sich bei einigen saisonal die Vulnerabilität für depressive Störungen. Man sollte jedoch nicht gleich jedes Stimmungstief als echte Depression bewerten. Es ist ganz natürlich, dass sowohl trübe und negative Gefühle, wie Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, als auch Glück und Freude Bestandteile unseres emotionalen Erlebens sind, und somit keinen pathologischen Wert haben. Da besonders die Pubertät durch Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist, ist es sehr schwierig in dieser Lebensphase eine Depression zu diagnostizieren und zu der ganz normalen Entwicklung Jugendlicher abzugrenzen.
Seit den 70er Jahren wurden „Depressionen“ überhaupt erst als wissenschaftlicher Gegenstand betrachtet. Demzufolge rückte die Tatsache, dass auch Kinder und Jugendliche an depressiven Störungen leiden können erst viel später in den Blickpunkt der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Acht Prozent aller Jugendlichen und ca. 2, 5 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter depressiven Störungen. Der ermittelte Altersdurchschnitt für das erstmalige Auftreten einer Depression liegt bei 15 Jahren. Aufgrund der Schwierigkeit der Abgrenzung der kindlichen Depression zur Erwachsenendepression, wurde die kindliche Affektstörung lange Zeit als entwicklungsspezifisches Merkmal, und somit nicht als behandlungsbedür ftig angesehen. Erst seit den letzten Jahren erkannte man die Kinder- und Jugenddepression als eigenständiges Krankheitsbild an.
Die vorliegende Arbeit soll über diese umfangreiche Thematik einen Einblick, nicht jedoch ein vollständiges Gesamtbild, vermitteln.
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2 DEFINITION UND KLASSIFIKATION DEPRESSIVER
STÖRUNGEN
Der Begriff „Depression“ ist vom lateinischen „deprimere“ abzuleiten, was
„niederdrücken, bedrücken“ bedeutet. Eine allgemeingültige Definition für die
Depression gibt es nicht, da sie sich aus einer Gruppe von Symptomen - dem
depressiven Syndrom- zusammensetzt, deren verschiedenartigen Merkmale ich im
Kapitel 3 aufzeigen werde. Wie schwierig das Krankheitsbild einzugrenzen ist
zeigt folgender Definitionsversuch: „ [...] eine der verbreitetsten seelischen
Erkrankungen, deren Störungen je nach Schwere und Art unterschiedlich
ausgeprägt sind und sich auf verschiedene Merkmalsbereiche erstrecken.“ 1 Eine recht gute Beschreibung liefern Davidson und Neale: „Depression ist ein
emotionaler Zustand, der durch starke Traurigkeit und Niedergeschlagenheit,
Gefühle der Wertlosigkeit und Schuld, sozialen Rückzug, Schlafstörungen,
Verlust von Appetit und sexuellem verlangen oder dem Verlust von Interesse und
Freude an alltäglichen Handlungen gekennzeichnet ist.“ 2
Diagnostisch gehören Depressionen zu den affektiven Störungen und werden nach
ICD- 10 ( international code disease ), welcher verbindlich für die WHO- Staaten
ist, oder dem DSM-IV ( diagnostic standard manual), dem amerikanischen
diagnostischen Manual, klassifiziert. Depressive Störungen werden auch als
unipolare Störungen bezeichnet, welche sich von den bipolaren Störungen, wie
z. B. den manisch- depressiven Störungen abgrenzen.
Zu den unipolaren depressiven Störungen zählen die Major Depression und die
dysthyme Störung. Die Major Depression ist das schwerwiegendere
Zustandsbild, welches zwei Hauptmerkmale aufweisen muss: Erstens müssen die
Affekte gestört sein, d. h., d die betroffene Person muss eine komplett negative
Grundeinstellung haben, und zweitens muss das Aktivitätslevel enorm
herabgesetzt sein. Ein ganz bedeutendes Merkmal ist hierbei die extreme
morgendliche Antriebsschwäche.
1 SCHÜLERDUDEN, „Die Psychologie“. Hrsg. Karl- Heinz Ahlheim. Mannheim, 1981. S. 66
2 DAVIDSON/ NEALE, Klinische Psychologie. 4. Auflage. Weinheim, 1996. S.252.
Quote paper:
Stefanie Stiemerling, 2004, Depressionen bei Kindern und Jugendlichen - ein Einblick, Munich, GRIN Publishing GmbH
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