Inhaltsverzeichnis Seite
I. Einleitung: Glück in der Gegenwart. 2
II. Hauptteil 2
II.1 Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks. Streifzüge durch die Eventkultur 2
II.1.1 Der Imperativ des schönen Lebens und die Eigenverantwortlichkeit des Subjekts 2
II.1.2 Die Eigenverantwortlichkeit des Subjekts 3
II.1.3 Die Glücksindustrie 4
II.1.4 Das Paradox der gegenwärtigen Kultur 5
II.1.5 Die Eventgesellschaft 6
II.1.6 Der wahre Weg zum Glück 7
II.2 Mechanismen und Entwicklungen der Eventkultur 7
II.2.1 Kafkas Kuriere. Steigerung und Sinnillusion in der Entwicklung der Medien 8
II.2.2 Die Paradoxie des Lachens in unsere Zeit 8
II.2.3 Jenseits der Kulissenwelt. Bemerkungen über das Bett 10
III. Bezug zum Erziehungswissenschaftlichen Studium 10
IV. Schluss 11
V. Literatur 12
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I. Einleitung: Glück in der Gegenwart
Eines zumindest haben Arme allen Reichen voraus: Sie wissen ganz genau, was sie wirklich wollen. Die Bedürfnisse der Menschen in armen Ländern sind leicht zu fassen: Diese Menschen kämpfen ums Überleben, jeden Tag aufs Neue. In den Überflussgesellschaften der westlichen Welt hingegen muss sich schon lange keiner mehr Sorgen ums Überleben machen. Auch Deutschland hat die Schwelle zu wirtschaftlicher Prosperitä t und sozialer Sicherheit überschritten, und seine Einwohner mussten mit diesem Schritt ihre Maßstäbe für ein geglücktes Leben völlig neu definieren. In seinem Essayband Kulissen des Glücks. Streifzüge durch die Eventkultur 1 begleitet Gerhard Schulze das g lücksuchende Subjekt bei seinem täglichen Kampf um Glück, der sich oftmals sehr viel schwieriger gestaltet, als man vermuten möchte. Er zeigt auf, worin die Schwierigkeiten bei der Suche nach dem guten Leben liegen und führt uns zu typischen Schauplätzen der deutschen Kulturlandschaft, die der Mensch auf seiner Sinnsuche als Weg zum Ziel erkannt haben will.
II. Hauptteil
II.1 Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks. Streifzüge durch die Eventkultur
II.1.1 Der Imperativ des sc hönen Lebens
Nachdem der Frage ums Überleben heute keine große Beachtung mehr zukommen muss, orientiert sich e ine Existenz im Überfluss an neuen, ganz anderen Fragen: Wie wird man glücklich? Wie bekommt man das Beste vom Leben ab? Und was ist eigentlich das Beste? Früher genügte es, reichlich zu essen zu haben und gesund zu sein, um sich glücklich schätzen zu können. Das Leben heute aber fordert mehr: totale Aufopferung und Hingabe des Selbst auf der Suche nach dem Glück.
Die Frage danach, wann man ein wie gestaltetes Leben als gelungen und glücklich bezeichnen darf, beschäftigt in unserer Zeit nahezu jeden. Dies zeigt deutlich, wie das Individuum selbst seine Existenz einschränkt auf etwas, das es vermeintlich zum Glück führen soll. 2 Das Leben wird von uns als eine Art Gott betrachtet, dem es zu dienen gilt. Dieser Gott fordert von uns nur noch jenes: „Fang etwas mit mir an und verpfusch mich nicht!“ Das Leben nicht im Sinne
dieses Gottes zu führen wäre eine große Sünde, und so ist es Aufgabe und Antrieb des modernen Menschen geworden, auf Biegen und Brechen glücklich zu werden. 3 Doch was steckt dahinter, was ist der wahre Grund der uns veranlasst, der Erfüllung dieses Gebotes täglich wie wahnsinnig hinterher zujagen? Warum unterwerfen wir uns einer Gesetzmäßigkeit, die uns nicht selten Zwänge auferlegt und uns Entscheidungen aufzwingt, hinter denen wir womöglich gar nicht stehen? Die Antwort darauf ist in einer Gesellschaft zu suchen, deren Lebensinhalt vornehmlich auf einem Imperativ des schönen Lebens basiert: Wer keine schönen Erlebnisse hat, der hat nun mal auch kein sinnerfülltes Leben. Genauer betrachtet, liegen d ie Wurzeln für diesen Imperativ also in unserer existierenden Gesellschaftsordnung begründet. 4
Die Vorraussetzung, um ein Teil d ieser Ordnung sein zu dürfen, ist die folkloristische Formensouveränität. Wo einst Bildung über die kulturelle Kompetenz des Subjekts entschied, kommt es heute darauf an, mit einem ganzen Archiv von Ereignismustern vertraut zu sein. 5 Will man dazugehören, ist es wichtig, sich mit neu angelaufenen Fernsehserien und den neuesten Methoden der Schönheitschirurgie ebenso gut auszukennen wie mit den Namen der neuesten Popbands. Bildung bedeutet heute somit, mitreden zu können, wenn es sich um Themen aller Art des schönen Lebens handelt. Als bezeichnendes Beispiel dafür möchte ich etwas anführen, das ich vor kurzem bei einem Privatsender des deutschen Fernsehens gesehen habe: Bei einer Straßenumfrage waren 90% aller Befragten nicht in der Lage, den deutschen Bundesländern ihre Hauptstädte zuzuordnen, wohl aber wussten sie ausnahmslos alle, was Botox ist und wie die Lebensgefährtin von Dieter Bohlen heißt…
II.1.2 Die Eigenverantwortlichkeit des Subjekts
Ein Lebensentwurf, der sich beinahe ausschließlich am schönen Leben orientiert, setzt die Individuen der Spaßgesellschaft unter großen Druck. Die moderne und hochgerühmte Entscheidungsfreiheit zwingt den Menschen zur Selbsterfindung. Unter diesem schwer wiegenden Zwang wird ein Leben gelebt, das von keiner höheren Instanz vorgegeben wird, für das man allein verpflichtet und - noch entscheidender - verantwortlich ist. 6 Die Verbote, an denen sich der Mensch früher orientieren konnte, existieren nicht mehr. Und das Gebot
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Arbeit zitieren:
Pia Scherb, 2005, Zu: Gerhard Schulze, Kulissen des Glücks: Glück in der Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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