Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmung 2
3. Konsequenzen der Ungewißheit 3
4. Grad der Ungewißheitsvermeidung 5
5. Methoden der Ungewißheitsverringerung in Joint Ventures 8
5.1. Zielvereinbarung 8
5.1.1 Ungewißheitsreduktion durch Verträge 8
5.1.2 Ungewißheitsreduktion durch Beziehungen 10
5.2 Zielumsetzung 12
5.2.1 Reduktion der relationalen Ungewißheit durch Vertrauen 12
5.2.2 Kontrolle 14
6. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
Anhang
Abbildungen A-1
Befragung :
Fragebogen A-3
Deskriptive Statistiken A-5
Varianzanalyse (Oneway ANOVA) A-6
Abbildungsverzeichnis Seite
Abb. 1: Ungewißheit als Wahrnehmung einer Situation abhängig
vom Grad der Ungewißheitsvermeidung A-1
Abb. 2: Ungewißheitsreduktion in Abhängigkeit der perzipierten
relationalen Ungewißheit A-1
Abb. 3: Relationale Ungewißheit und Reduktionsmethoden als Teil der
Wechselwirkung zwischen Beziehungsklima und Interaktion A-1
Abb. 4: Wirkungsweise von Beziehungsnetzen A-1
Abb. 5: Ungewißheitsverringerung in der Zielvereinbarungsphase A-2
Abb. 6: Ungewißheitsverringerung in der Zielumsetzungsphase A-2
Ungewißheitsvermeidung in deutsch-chinesischen Joint Ventures 1
1. Einleitung
Die für Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in der Volksrepublik China am häufigsten gewählte Investitionsform des Equity-Joint-Ventures wird in dieser Hausarbeit im Hinblick auf die Kulturdimension der Ungewißheitsvermeidung (uncertainty avoidance) aus dem Kulturkonzept von HOFSTEDE analysiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung der relationalen Ungewißheit, also der Ungewißheit im Verhältnis der Joint- Venture-Partner. Diese von den Partnern perzipierte relationale Ungewißheit ist einerseits ein Teil der Wahrnehmung des Beziehungsklimas. Andererseits ist sie der Ausgangspunkt für Maßnahmen zu ihrer Reduktion, welche Teil der Partnerinteraktion sind.
Zielsetzung dieser Arbeit ist die Untersuchung der relationalen Ungewißheit im interkulturellen Kontext deutsch-chinesischer Joint Ventures unter den Aspekten des Grades der Ungewißheitsvermeidung, der sich aus der Ungewißheit ergebenden Konsequenzen und insbesondere der in der deutschen und chinesischen Kultur angewandten Methoden der Ungewißheitsvermeidung und ihrer Auswirkungen.
Die Hausarbeit gliedert sich in fünf Hauptteile: Zunächst erfolgt eine Bestimmung der relevanten Begriffe, der sich die Modellierung eines allgemeinen, d.h. kulturübergreifenden Zusammenhangs zwischen der objektiven Ungewißheit, dem Grad der Ungewißheitsvermeidung, der tatsächlich wahrgenommenen (perzipierten) Ungewißheit und dem Beziehungsklima anschließt.
Im dritten Teil wird versucht, den Grad der Ungewißheitsvermeidung der chinesischen und deutschen Kultur in Form eines Uncertainty Avoidance Index (UAI) zu bestimmen. Der vierte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Methoden der Ungewißheitsvermeidung, ihrem kulturell unterschiedlichen Einsatz sowie den Folgen ihres Einsatzes. Hierbei erfolgt eine Differenzierung zwischen Zielvereinbarung und Zielumsetzung in Joint Ventures, wobei die relevanten Zusammenhänge in beiden Phasen in jeweils einem Modell dargestellt werden.
Im letzten Teil der Arbeit erfolgt eine abschließende Zusammenfassung und kritische Würdigung der gewonnen Erkenntnisse.
Ungewißheitsvermeidung in deutsch-chinesischen Joint Ventures 2
2. Begriffsbestimmung
Ungewißheit ist nach HOFSTEDE (1991: 111) ein subjektives Erlebnis, ein Gefühl. durch welches bestimmte Situationen als mehr oder weniger angenehm empfunden werden. Wenngleich demnach identische Situationen von verschiedenen Personen als unterschiedlich ungewiss eingestuft werden können, geht HOFSTEDE davon aus, daß dieses Gefühl erlernt wird und somit innerhalb einer Gesellschaft zumindest teilweise gleich ist.
Die Ungewißheitsvermeidung einer Gesellschaft gibt somit wieder, in welchem Ausmaß die Angehörigen einer Kultur sich durch unbekannte oder ungewisse Situationen bedroht fühlen (Hofstede 1991: 113). Als Maß für die Ungewißheitsvermeidung benutzt HOFSTEDE den Uncertainty Avoidance Index (UAI). In Abb. 1 wird die in einer bestimmten Situation enthaltene objektive Ungewißheit mit der perzipierten Ungewißheit verknüpft. Die Geraden geben exemplarisch unterschiedliche UAI wieder. Die hier benutzten linearen Funktionen sind willkürlich gewählt. Andere Zusammenhänge sind ebenfalls denkbar. Ob die objektive Ungewißheit überhaupt bestimmbar ist oder ob es sich um ein theoretisches Konstrukt handelt, welches letztendlich nur bestimmte Eigenschaften einer Situation wiederspiegelt, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant.
Von der Ungewißheit muß das Risiko unterschieden werden (Hofstede 1991: 116; Kumar/Mohr 2000: 3): Risiko läßt sich im Gegensatz zu Ungewißheit quantifizieren, indem man sämtlichen möglichen zukünftigen Ereignissen Eintrittswahrscheinlichkeiten zuweist. Es lassen sich somit keine allgemeinen Aussagen über die Ungewißheitsvermeidung und die Risikoaversion einer Gesellschaft treffen. HOFSTEDE führt als Beispiel den positiven Zusammenhang zwischen dem UAI und den erlaubten Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen an. Schnelleres Fahren ist zwar c.p. mit einem höheren Risiko verbunden, das Risiko ist aber nicht unbekannt.
Im Bereich internationaler Joint Ventures läßt sich Ungewißheit in Anlehnung an KUMAR/MOHR (2000) in zwei Bereiche aufteilen: Zunächst besteht für das internationalisierende Unternehmen Ungewißheit insbesondere über die Reaktionen der Umwelt des Gastlandes auf den Markteintritt. Diese Ungewißheit kann sich auf sämtliche relevante Interaktionspartner des Unternehmens im Bereich der engeren
Ungewißheitsvermeidung in deutsch-chinesischen Joint Ventures 3
ökonomischen Umwelt. beziehen. Es ist offensichtlich, daß vorhandene Kenntnisse des Unternehmens bezüglich dieses Bereiches die Ungewißheit reduzieren können. Im Fall eines Joint Ventures erfolgt die Reduktion dieser Umweltungewißheit allerdings hauptsächlich durch die Aufnahme eines lokalen Partners, von dem Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten erwartet werden (Post/Bergmann 1997). Dieser Reduktion der Umweltungewißheit steht die nun entstandene relationale Ungewißheit in der Beziehung zu dem Kooperationspartner gegenüber.
Relationale Ungewißheit bezieht sich nach KUMAR/MOHR (2000) auf zukünftige Aktionen des Partners, die sich nicht vorhersehen lassen und deren Eintrittswahrscheinlichkeit sich nicht bestimmen läßt. Unter ”zukünftige Aktionen” würden auch opportunistische Handlung des einen Partners fallen, die den anderen Partner schädigen.
Neben der Betrachtung der relationalen Ungewißheit als der entscheidenden Dimension für Joint Ventures wäre auch die Betrachtung der Ungewißheitsvermeidung der relevanten Länder und ihrer Auswirkungen auf die Organisationsstruktur des Joint Ventures im Sinne einer Kontingenztheorie möglich (Hofstede 1980: 155). Dieser Ansatz wird hier allerdings nicht weiter verfolgt. Die Gründe liegen einerseits in der hohen Abhängigkeit eines solchen Ansatzes von der zuverlässigen Bestimmung des UAI für die betrachteten Länder und andererseits in der dieser Arbeit zugrundeliegenden Auffassung, daß deutsch-chinesische Joint Ventures nicht als ein Unternehmen mit einer Hierarchie betrachtet werden können, sondern ”faktisch immer als Doppelwesen” (Trommsdorff, 1991: 52) agieren. Diese Auffassung entspricht auch die Anwendung des Begriffs der relationalen Ungewißheit auf das Verhältnis zwischen beiden Joint-Venture-Partnern.
3. Konsequenzen der Ungewißheit
Die relationale Ungewißheit stellt wie erwähnt zunächst unmittelbar die Perzeption und Bewertung einer Situation in einer Geschäftsbeziehung dar. Dies entspricht der oben genannten Definition von Ungewißheit als einem Gefühl, d.h. der subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung des Ungewißheitsaspektes einer Situation.
Daraus abgeleitet ergibt sich ein mehr oder minder große verspürte Notwendigkeit zur
Ungewißheitsvermeidung in deutsch-chinesischen Joint Ventures 4
Reduktion der relationalen Ungewißheit, wie in Abb. 2 dargestellt.
Zur Reduktion der relationalen Ungewißheit lassen sich generell zwei Möglichkeiten unterscheiden: Einerseits könnte der Versuch unternommen werden, unangenehmen weil (zu) ungewissen Situationen durch Vermeidung zu entgehen. Andererseits könnte die Anwendung bestimmter Methoden im Rahmen der Partnerinteraktion die relationale Ungewißheit verringern. Im Zusammenhang mit Joint Ventures wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, daß die Vermeidung die ultima ratio darstellt, da ihre Durchführung in der Praxis nur durch einen Abbruch der Geschäftsbeziehung möglich wäre.
Beide Möglichkeiten finden sich auch bei KUMAR/MOHR (2000): Der Zusammenhang zwischen perzipierter relationaler Ungewißheit und der Neigung zur Kooperation in der Entscheidungsphase eines Joint-Ventures wird als negativ unterstellt (Vermeidung). Der Erweb von Kenntnissen über den Partner (Methode) führt dagegen zur Ungewißheitsverringerung, was den Partner unter diesem Aspekt gesehen für eine Kooperation attraktiver macht. Gewonnene Erkenntnisse über über unerwünschte Eigenschaften des Partners wären dieser Attraktivität natürlich wiederum abträglich. Analog läßt sich für die Aufbau- und Betriebsphase vermuten, daß eine höhere perzipierte Ungewißheit c.p. zur Verringerung des ”commitments” der Partners und langfristig zur Beendigung der Kooperation führen kann (Vermeidung) bzw. daß Methoden zur Verringerung der relationalen Ungewißheit zum Einsatz kommen werden.
Diese situative Betrachtung der relationalen Ungewißheit läßt sich auch in ein komplexeres System der Partnerinteraktion integrieren (Abb. 3). Hierbei wird die perzipierte relationale Ungewißheit als ein Teil der perzipierten und damit ebenfalls subjektiven Wahrnehmung des Beziehungsklimas (”atmosphere, Gauri 1996: 6) gesehen. Die Methoden der Verringerung der perzipierten Ungewißheit sind dagegen Teil der Interaktion. Zwischen Beziehungsklima und Interaktion besteht ein wechselseitiger Zusammenhang. Für die Ungewißheit bedeutet das: Die perzipierte relationale Ungewißheit beeinflußt die Interaktion, indem die Methoden der Ungewißheitsverringerung c.p. mit steigender Ungewißheit verstärkt angewandt werden. Die Interaktion zwischen den Partnern wird allerdings wieder wahrgenommen
Arbeit zitieren:
Stephan Lechner, 2000, Ungewissheitsvermeidung in deutsch-chinesischen Joint Ventures, München, GRIN Verlag GmbH
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