Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort 2
1. Einleitung 2
2. Begriffsklärung und Forschungsstand 3
3. Risikogruppe. 5
4. Ursachen und Rahmenbedingungen für die Entstehung von Burnout 5
5. Symptomatik. 8
6. Prophylaxe. 11
7. Therapie 12
8. Fazit 16
9.Bibliographie 18
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0. Vorwort
Ich habe mich im Zuge meiner Diplomarbeit, die sich mit der Thematik „Work-Life-Balance“ auseinandersetzt, entschlossen, auf die kritischen Folgen der veränderten Arbeitswelt einzugehen. Dabei stellt die Burnout-Symptomatik eine zunehmend verschärfende Problematik dar. Da ich im Rahmen meiner Diplomarbeit nur eingeschränkt auf diese Erscheinung, als Folge von Dauerstress und Überforderung, eingehen konnte, möchte ich dies nun im Rahmen dieser Hausarbeit ausführlich betrachten. Mein Interesse an der Burnout-Problematik begründet sich auf der Tatsache, dass unsere Lebens- und Arbeitswelt immer schnelllebiger, vielfältiger, verdichteter und damit schließlich für jedes Individuum immer riskanter wird. Jeder ist heute im Zuge der Individualisierungstendenzen, die nicht nur die Freizeit, sondern auch zunehmend den Arbeitsalltag bestimmen, für sich selbst verantwortlich, d.h. „jeder ist seines Glückes Schmied“. Versagen wird damit zum individuellen Problem und die Angst vor dem Versagen dreht die Spirale der Leistungsverausgabung immer schneller. Verschärfend wirken zudem die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, steigender Leistungsdruck, Mobbing und unfähige Führungskräfte (vgl. LIFELINE o.J., o.S.). Die logische Folge sind psychische Beeinträchtigungen wie Burnout, die schließlich ihre pathologische Wirkung prozesshaft auch auf die physische Ebene ausdehnen. Es gilt also frühzeitig, die individuelle Gefahr von Burnout zu erkennen, die letztendlich auch „zur heimlichen Bedrohung unserer Gesellschaft werden“ kann (FAUST 1999, S.117).
1. Einleitung
Burnout ist heute in aller Munde und ist dabei schon lange nicht mehr nur auf Angehörige der helfenden Berufe 1 oder Manager beschränkt. Jüngsten Pressemeldungen zufolge scheinen nun sogar Fußballspieler und Sänger potentiell gefährdet zu sein. Auch muss man, um Burnout zu erleiden, nicht grundsätzlich berufstätig sein. Untersuchungen haben ergeben, dass auch Arbeitslose infolge fehlender sozialer Anerkennung, Verlust der Ko ntakte und Minderwertigkeitsgefühlen Burnout gefährdet sind (vgl. LIFELINE o.J., o.S.). Der Begriff Burnout ist bisher noch nicht gleichbedeutend mit einer Diagnose, vielmehr ist es ein „beklagenswerter Zustand, der immer häufiger wird und der verhängnisvolle Konsequenzen für den Betroffenen und sein Umfeld hat: für berufliche Aufgaben und Position, für Partnerschaft, Familie und Freundeskreis, nicht zuletzt für die Gesundheit.“ (FAUST 1999, S. 117) Das Krankheitsbild ist bisher nicht klar abgegrenzt zu Erscheinungen wie die Depression oder das Chronische Müdigkeitssyndrom (CFS 2 ), da die Symptome große Ähnlichkeiten aufweisen. Mehr als 130 verschiedene Symptome können für Burnout charakt eristisch sein: von Anspannung, Einschlafstörungen und Gereiztheit über Magenbeschwerden und Schweißausbrüchen bis hin zu manifestem Zynismus reichen die Begleiterschei-
1 Zuden Angehörigen der helfenden Berufe werden u.a. Krankenhauspersonal, Lehrer, Rechtsanwälte gezählt. Entscheidend ist dabei die Klientenbeziehung, die den Helfer auf der psychischen Ebene zu besonderen Anstrengungen und damit schließlich zur übermäßigen Verausgabung veranlasst.
2 Chronic Fatigue Syndrom
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nungen. (vgl. T ROTT-WAR 2003, o.S.) So ist es nicht verwunderlich, dass der Begriff Burnout-Syndrom in den medizinischen Lehrbüchern meist noch keinen Eingang gefunden hat. Hellhörig sollte man allerdings werden, wenn man von den Zahlen der betroffenen Personen hört. Diese bewegen sich zwischen 300.000 bis zu 1,5 Millionen Menschen, wobei die Spanne durch die unterschiedliche Auslegung des Krankheitsbildes bedingt ist. MASLACH/LEITER (2001, S.1) sprechen bereits von „seuchenartige[n] Ausmaße“ der Krankheit. Auch die Kosten sind dabei nicht zu vernachlässigen: „ […]Gesundheitliche Probleme von Führungskräften belasten die Wirtschaft im Jahr durchschnittlich mit fünf Milliarden Euro, hat die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände errechnet.“ (SCHMITZ 2002, S.8)
2. Begriffs klärung und Forschungsstand
Unter Burnout, aus dem Englischen: to burn out = ausbrennen, verstand man ursprünglich die „negativen Folgen der beruflichen (Über-) Beanspruchung mit gemütsmäßiger Erschöpfung, innerer Distanzierung und schließlich Leistungsabfall.“ (FAUST 1999, S.117). Erstmals wurde die Erscheinung des vollständigen Motivationsverlustes bei Angehörigen der helfenden bzw. Sozialberufe beschrieben. „Tatsache ist, daß HerlferInnen ihre Arbeit zunehmend als problematisch empfinden, d.h. es häufen sich die Berichte von negativ empfundenen Gefühlen und Verhaltensweisen in Zusammenhang mit psychosozialer Arbeit: Dies sind u.a. Distanzierungswünsche gegenüber dem KlientInnen, Hilflosigkeitsgefühle, Kompetenzprobleme, schwindenden Engagement, Zynismus den KlientInnen g egenüber, D epressivität sowie Erschöpfung und Arbeitsunlust.“ ( WAGNER 1993, S.1, Herv.i.O.)
Dieser Zustand wurde 1974 vom amerikanischen Psychoanalytiker FREUDENBERGER und gleichzeitig von GINSBERG als Burnout (engl.: to burn out = ausbre nnen) bezeichnet (vgl. BURISCH 1994, S.4). FREUDENBERGER bezog sich bei seinen Beobachtungen auf ehrenamtliche Mitarbeiter alternativer Selbsthilfe- und Kriseninterventionseinrichtungen. Der Verlauf stellte sich im Wandel „von anfänglich aufopferungsvollen, engagierten und pflichtbewußten, zu schnell erschöpften, leicht reizbaren, mißtrauischen, den KlientInnen gegenüber zu zynischen bis negativen Einstellungen und rigiden Verhalten neigenden MitarbeiterInnen“ dar (WAGNER 1993, S.5).
Doch das Phänomen Burnout, welches er noch auf Angehörige in helfenden Berufe bezog, war keineswegs neu, nur das wissenschaftliche sowie das öffentliche Interesse wurde nun durch seine Arbeit geweckt (vgl. WAGNER 1993, S.5). „[D]as Phänomen des "Ausgebranntseins" [ist] letztlich uralt“, so FAUST (1999, S.117; Einfügung: M.B.). FAUST (ebd.) verweist diesbezüglich auf Belegstellen im Alten Testament, „das als Beispiel den Propheten Elias anführt, dessen Burnout unter Fachleuten als "Elias-Müdigkeit" bekannt geworden ist“ und weiterhin auf Goethe, „der sein Burnout-Syndrom durch die Italienreise behoben haben
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soll“ sowie schließlich auf den „Senator Thomas Buddenbrock in Thomas Manns Roman "Buddenbrocks".“
Besondere wissenschaftliche Beachtung erfuhr der Begriff des Burnouts allerdings in den späten Siebziegern und frühen Achtzigern des 20.Jahrhunderts durch die Arbeiten von Maslach und Pines. Seit dem hat der Begriff einen ungeahnten Aufschwung gefunden und ist zu einem Begriff der Alltagssprache geworden. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden auch in Deutschland theoretische und empirische Arbeiten zur Thematik erstellt. Kleiber, Duhr, Burisch und Schmi dbauer seie n hier stellvertretend genannt. Aber trotz einer 30-jährigen Forschungsgeschichte liegt bisher noch keine geschlossene, umfassende Theorie vor. „Viele Definitionen bestehen aus einer Zusammenstellung der beobachteten Symptome (deskriptiver Charakter der Definitionen). Die Definitionen sind somit von der unmittelbaren Symptomatik wenig abstrahiert.“ (WAGNER 1993, S.11) Sie beziehen sich meist auf Supervisions- und Selbsterfahrungsgruppen und den dort behandelten konkreten Fällen.
Aus meiner Sicht dieser Arbeit interessiert vor allem Burnout im Beruf, was auch ein durchaus viel untersuchtes Forschungsgebiet darstellt. Ich bevorzuge daher folgende Definition:
Burnout ist ein Zustand emotionaler Erschöpfung im Beruf. Er geht einher mit negativen Einstellungen zum Beruf, zu den Inhalten oder den Mitteln des Berufs (Zynismus) oder zu den Partnern oder Klienten im Beruf (Depersonalisation). Hinzu kommt ein erheblich reduziertes Selbstwertgefühl in bezug[!] auf die eigene berufsbezogene Leistungsfähigkeit. Burnout ist ein sich langsam entwickelndes Belastungssyndrom, das nicht selten wegen der kreisförmigen, gegenseitigen Verstärkung der einzelnen Komponenten (emotionale Erschöpfung führt zu geringem Selbstwertgefühl, welches nur zu mehr emotionaler Erschöpfung führt usw.) zur Chronifizierung neigt. (RÖSING 2003, S.20)
RÖSING (2003, S.68, Einfügung: M.B.) weist in ihren Ausführungen schließlich auf den gemeinsamen Fokus aller Definitionsversuche hin: die „innere Erschöpfung, die Desillussionierung, die negative Arbeitseinstellung und der Verlust an Selbstvertrauen, an Mut, an Hoffnung [stehen] im Mittelpunkt.“ Auch WAGNER (1993, S.12) stellt als Minimalkonsens vieler Definitionsversuche folgende drei Punkte heraus: „1. Burnout erscheint auf der individuellen Ebene und ist folglich empirisch messenbar[!]. 2. Burnout ist eine interne psychologische Erfahrung, die Gefühle, Einstellungen und Erwartungen einschließt. 3. Burnout ist eine negative Erfahrung für die Betroffenen, weil mit ihr Disstress, Unannehmlichkeiten und negative Konsequenzen für Helfer und Klient verbunden sind.“ Er lehnt sich dabei an Maslachs Burnout Inventory (MBI) - dem derzeitig wissenschaftlichen Begriff von Burnout
- an, dessen drei Komponenten die emotionale Erschöpfung, die entfremdete Beziehung zu Klienten und negativen Einstellungen zum Beruf sowie die negative Bewertung der eigenen beruflichen Leistungsfähigkeit sind (vgl. dazu RÖSING 2003, S.78).
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3. Risikogruppe
In Anlehnung an FREUDENBERGER spricht sich CASSENS (2003, S.54) dafür aus, „dass nur jemand "ausbrennen" kann, der schon einmal "entflammt" war.“ Mit anderen Worten: besonders hochengagierte, aufopferungsvolle, erfolgs- bzw. karrierestrebende Menschen sind langfristig Burnout gefährdet (vgl. dazu auch RÖSING 2003, S.34f). Somit versteht er unter Burnout einen „Zustand emotionaler Erschöpfung, reduzierter Leistungsfähigkeit und eventueller Depersonalisierung infolge von Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Realität, vornehmlich bei Personen, die mit Menschen arbeiten; häufig wird das Burnout-Syndrom auch als Endzustand eines Prozesses von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung, Frustration und Apathie gesehen.“ (CASSENS 2003, S.55; vgl. zur Darstellung des Prozesses auch WAGNER 1993, S.24ff) Auch MASLACH/LEITER (2001, S.21) sprechen von besonderer Burnout-Gefährdung für Personen, die in sogenannten „Hightouch-Berufen“ tätig sind. Charakteristisch dafür sind der direkte Kontakt zu anderen Menschen und die Kundennähe bzw. -orientierung. Aber auch andere Personengruppen, die nicht in direkten Kontakt zu Klienten o.ä. stehen, können betroffen sein (vgl. FAUST 1999, S.119). So zeigt sich Burnout bei Büroangestellten, Fabrikarbeitern, Studenten und auch bei Arbeitslosen. Jüngsten Medienberichten zufolge scheinen nicht einmal Fußballspieler und Musiker davor gefeit zu sein.
Hinsichtlich der Burnout-Betroffenen unterscheidet FAUST (1999, S.118, Herv.i.O.) verschiedene Typen. Da sind die „echten Ausbrenner“ oder auch „Selbstverbrenner“: u rsprünglich hochmotiviert, engagiert und zielstrebig gehen diese Typen an den Arbeitsbedingungen, am selbstverschafften Stress und schließlich an der Unfähigkeit, Nein sagen zu können, zu Grunde. Weiterhin existieren die „Verschlissenen“, die „wenig durchsetzungsfähig und passiv sind, nicht Nein zu anderen sagen können und dann tatsächlich die Opfer äußerer Umstände werden.“ (ebd.) Und schließlich die „Eingerosteten“ oder auch „Durch- gerosteten“, dienie wirklich gebrannt haben und sich ihr eigenes „edles Selbstbild“ auf Kosten anderer gezimmert haben (ebd.).
Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass schon alleine aufgrund des schillernden Krankheitsbildes heute jeder Burnout gefährdet ist. Welche Ursachen Burnout hat, werde ich nachfolgend betrachten.
4. Ursachen und Rahmenbedingungen für die Entstehung von Burnout
Das Burnout sich epidemisch in der westlichen Welt ausbreitet, hat natürlich bestimmte Ursachen. Die Wurzeln der modernen Burnout-Problematik liegen in dem wirtschaftlichen Trend der letzten Dekaden. Globalisierungsdynamiken mit entsprechender Verflechtung der Märkte und die rasante Entwicklung der Technologie sind maßgebliche Einflussfakt oren dieser Entwicklung. Durch neue Organisationskonzepte und eine neue Managementphilosophie versuchten die Unternehmen, ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt zu sichern. Der einzelne Arbeitnehmer hat dies in der Abkehr vom tayloristisch-
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Arbeit zitieren:
Michael Baerwald, 2004, Burnout - Die Seuche des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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