Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
1. Vorwort 1
2. Theoretische Grundlagen und Definitionen 4
2.1 Definitionen 4
2.1.1 Motiv und Bedürfnis 4
2.1.2 Motivation 5
2.2 Inhaltstheorien der Motivation 8
2.2.1 Bedürfnispyramide nach Maslow 8
2.2.2 ERG-Theorie nach Alderfer 11
2.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg 13
2.2.4 Theorie der gelernten Bedürfnisse nach McClelland 15
2.3 Prozesstheorien der Motivation 17
2.3.1 Kognitive Gleichgewichtstheorie nach Adams 17
2.3.2 VIE-Theorie nach Vroom 19
2.3.3 Erwartungs-Wert-Modell nach Lawler und Porter 20
2.4 Fazit: Inhalts- und Prozesstheorien 21
3. Materielle Instrumente der Motivation 23
3.1 Entlohnungssysteme 23
3.1.1 Vergütung nach Leistung 24
3.1.2 Vergütung nach Erfolg 24
3.1.3 Team- und gruppenorientierte Entlohnung 25
3.2 Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter 25
3.3 Sozialleistungen 26
3.3.1 Gesetzliche Leistungen 26
3.3.2 Tarifliche Leistungen 26
3.3.3 Freiwillige Leistungen 27
4. Immaterielle Instrumente der Motivation 28
4.1 Motivationsfördernde Arbeitsorganisation 28
4.1.1 Teamarbeit 29
4.1.2 Betriebliches Vorschlagswesen. 30
4.2 Personalentwicklung 30
4.3 Personalführung 32
4.3.1 Delegation 33
5. Kommunikation als immaterielles Mittel der Motivation………………. 36
5.1 Grundbegriffe der Kommunikation……………………………………….. 36
5.2 Besonderheiten der Kommunikation in Unternehmen…………......... 38
5.3 Medien der betrieblichen Kommunikation und Interaktion……………. 39
5.4 Instrumente der kommunikativen Motivation……………………………. 46
6. Die Rolle von Führungskräften bei der Motivation/Kommunikation 51
6.1 Kommunikation als Sicherheitsbedürfnis (Maslow)……………………. 51
6.2 Kommunikation als Hygienefaktor (Herzberg)…………………………. 52
6.3 Kommunikation im Führungsprozess……………………………………. 53
6.4 Kommunikationsstörungen und Möglichkeiten zur Verbesserung……. 54
6.5 Anforderungen an Führungskräfte bei der
Motivation / Kommunikation………………………………………………. 56
7. Konzept der Integrierten Kommunikation………………………………… 59
7.1 Gründe und Ziele der Integrierten Kommunikation…………………….. 59
7.2 Gestaltungsmittel der Integrierten Kommunikation…………………….. 61
7.3 Probleme bei der Umsetzung Integrierter Kommunikation……………. 63
7.4 Integrierte Kommunikation am Beispiel „Basler Securitas“……………. 66
8. Fazit
Kommunikation im Unternehmen ist ein unterschätztes Potenzial….. 75
9. Literaturverzeichnis ………………………………………………………….. 78
10. Anlage
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Phasen des Motivationsprozesses
Abbildung 2: Bedürfnispyramide nach Maslow
Abbildung 3: Das Konzept der Zufriedenheit
Abbildung 4: Der Zielvereinbarungsprozess
Abbildung 5: Gründe der Integrierten Kommunikation
Abbildung 6: Formen der Integrierten Kommunikation
Abbildung 7: Beispiel für die Markeneinführungs-Kampagne der
„Basler Securitas Versicherungs-AG“
Abbildung 8: Wie fühlen sich Mitarbeiter bei einer Fusion?
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AG Aktiengesellschaft
bzw. beziehungsweise
d.h. das heißt
ebd. ebendar
ERG Existence, Relatedness, Growth
Vgl. Vergleiche
VIE Valenz, Instrumentalität, Erwartung
1. Vorwort
„Das Gras wächst nicht schneller,
wenn man daran zieht.“ 1
Erfolgreiche Unternehmen brauchen motivierte Mitarbeiter. Das ist allerdings nicht so einfach wie es klingen mag, denn Menschen lassen sich nicht auf Befehl für die Ziele des Unternehmens programmieren. Zwar kann man Menschen befehlen, etwas zu tun, man kann sie aber nicht dazu zwingen, dies auch wirklich zu wollen. 2 Unternehmen, die das volle Potenzial ihrer Mitarbeiter nutzen wollen, dürfen sich nicht darauf beschränken, Befehle zu erteilen, sondern müssen motivieren, d.h. die Lust des Einzelnen an der Arbeit fördern. Hohe Produktivität ist nicht alleine abhängig von moderner Technologie, sondern vor allem auch von der persönlichen Einstellung der Mitarbeiter. Die zentrale Frage lautet demnach: Wann sind Mitarbeiter bereit, sich zu engagieren? Dabei ist die heute noch weit verbreitete Auffassung, dass Geldanreize genügen, um Motivation zu erzeugen, weit verfehlt. 3 Neben den finanziellen Anreizen muss auch die intrinsische Motivation, und hier vor allem die Freude an der Arbeit an sich, geweckt und erhalten werden. Dafür stehen den Unternehmen bzw. den Führungskräften zahlreiche Instrumente zur Verfügung, deren wohldosierter und abgestimmter Einsatz die Motivation der Mitarbeiter positiv beeinflussen kann.
Besondere Beachtung muss in diesem Zusammenhang der Beziehung zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitern zukommen, da die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen in einem Unternehmen letztendlich auch über das ökonomische Resultat entscheidet. Erfolgreiche Führungskräfte setzen nicht alleine auf die Autorität, die ihnen durch Stellung und Position gegeben wird, sondern nutzen ihre Persönlichkeit, und hier besonders die Fähigkeit, mit Menschen umgehen zu können, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und das Leistungsergebnis zu optimieren. 4 Um die Mitarbeiter für die Unternehmensziele zu gewinnen, ist es wichtig, klare Ziele zu formulieren, einen freien Informationsfluss in alle Richtungen zu gewährleisten und die Mitarbeiter an der Entscheidungsfindung mitwirken zu lassen. Dabei muss es aus führungsorientierter Sicht das Ziel sein, ein Optimum zwischen materiellen und immateriellen Motivationsanreizen zu erreichen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Mitarbeiter aller Ebenen in einem Unternehmen miteinander kommunizieren und sich Vorgesetzte nicht von den Mitarbeitern distanzieren, während diese ihrem Ärger zum Beispiel in Form von Gerüchten Luft machen. 5 Eine zentrale Bedeutung bei der Mitarbeitermotivation kommt demnach der Kommunikation zu. Mitarbeiterinformation ist zu einem wichtigen Element im Führungsprozess geworden
1 Afrikanisches Sprichwort
2 Vgl. Osterloh, Margit; Frey, Bruno S.: Managing Motivation, 2. Auflage, Gabler, Wiesbaden 2002, Seite 7
3 ebd.
4 Vgl. Hagemann, Gisela: Die Hohe Schule der Motivation, Verlag Moderne Industrie, Landsberg/Lech 1990, Seite 9
5 Vgl. Hagemann, Gisela: Die Hohe Schule der Motivation, Verlag Moderne Industrie, Landsberg/Lech 1990, Seite 10
und gewinnt auch als Motivationselement immer weiter an Bedeutung. Einige Unternehmen fordern mittlerweile in ihren Betriebsvereinbarungen ihre Führungskräfte dazu auf, eine vertrauensvolle und offene Kommunikation zu praktizieren. Führung ist ein stark kommunikativ angelegter Prozess, mit dessen Hilfe das Verhalten der Mitarbeiter zielorientiert gelenkt und die Motivation gefördert werden soll. 6 Die Bedeutung moderner Mitarbeiterkommunikation ergibt sich im Wesentlichen aus drei Komponenten 7 :
In den modernen Industriegesellschaften erfolgt ein Wertewandel weg von der materiellen Motivation hin zu einer Befriedigung der immateriellen Bedürfnisse im Hinblick auf eine Steigerung der Leistungsbereitschaft. Mitarbeiter wollen stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und fordern die entsprechenden Informationen ein. Außerdem stehen Mitarbeiter dem Unternehmen, seinen Zielen und Werten im Gegensatz zu anderen Zielgruppen prinzipiell positiv bejahend gegenüber. Unternehmensleitungen unterschätzen diese Einstellung häufig und lassen diese Einstellung bzw. Unterstützung ungenutzt und ihre Mitarbeiter damit allein.
Als dritte Komponente ist die Außenwirkung effektiver interner Kommunikation zu nennen. Gut informierte und loyale Mitarbeiter nehmen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als Meinungsmultiplikatoren eine besondere Position ein.
Eine effektive Weiterentwicklung dieser Komponente stellt die Strategie der Integrierten Kommunikation dar, die den Informationsfluss auf allen Ebenen des Unternehmens aber auch die Kommunikation nach außen harmonisiert. Ziel der Integrierten Kommunikation ist es, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens nach innen und nach außen zu steigern und gleichzeitig das Ergebnis der Unternehmung zu verbessern.
Diese Arbeit soll die unterschiedlichen immateriellen und materiellen Instrumente der Mitarbeitermotivation darstellen und ihre Wirkungsmöglichkeiten aufzeigen. Als theoretische Grundlagen dienen die Inhaltstheorien und Prozesstheorien der Motivation. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet innerhalb der immateriellen Instrumente das Thema Kommunikation und hier besonders die Integrierte Kommunikation als Instrument der Mitarbeitermotivation. Als Beispiel dient der Kommunikationsplan der „Basler Securitas Versicherungs-AG“ zur Fusion im Jahr 2003. Die theoretischen Annahmen dieser Diplomarbeit sollen durch die Darstellung der Ergebnisse eines Interviews mit dem Leiter der Abteilung Kommunikation der „Basler Securitas“ unterstütz werden.
6 Herbst, Dieter: Interne Kommunikation, Cornelsen Verlag, Berlin 1999, Seite 3
7 Vgl. Jung, Hans: Personalwirtschaft, 3. Auflage, Oldenbourg, 1999, Seite 458
2. Theoretische Grundlagen und Definitionen
Um der Frage nachgehen zu können, wie Mitarbeiter dauerhaft motiviert werden können, ist es notwendig, die wissenschaftlichen Grundlagen mit ihren theoretischen Ansätzen und Definitionen der im Mittelpunkt der Thematik stehenden Begriffe zusammenzufassen. Besondere Bedeutung kommt hierbei den unterschiedlichen Motivationstheorien zu, da diese zu einem besseren Verständnis über das „Wie“ und „Warum“ des menschlichen Handelns verhelfen. Als Problemgebiete lassen sich dabei das Motiv, die Motivation und die Handlung abgrenzen.
2.1 Definitionen
2.1.1 Motiv und Bedürfnis
Das vielfach verwendete Schlagwort der Motivation stammt aus dem lateinischen „movere“ gleich „bewegen“ 8 und soll Auskunft über die Beweggründe des Handelns und Verhaltens eines Menschen geben. Das Motiv ist die zentrale Variable des Motivationsprozesses, für die sich in der Literatur zahlreiche Definitionen finden lassen. Um eine möglichst umfassende Erläuterung zu erhalten, ist es sinnvoll, verschiedene Ansätze miteinander zu verbinden: Im „Gabler Fremdwörterbuch Wirtschaft“ wird das Motiv als Antrieb des Verhaltens beschrieben, wobei zwischen dem Trieb, der das Verhalten aktiviert und lenkt und der bewussten bzw. willentlichen Zielsetzung, die Wahrnehmung und Interpretation von Handlungsalternativen umfasst, unterschieden wird. 9 Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Bernd Fakesch, wenn er von dem Motiv als Antriebsgrund des Handelns spricht, der oftmals von bestimmten Zielvorstellungen geprägt ist, wie zum Beispiel dem Drang, Bedürfnisse oder Triebe zu befriedigen. Motive können bewusst oder unbewusst sein und aus der Umwelt des Menschen oder in ihm selbst auf ihn wirken. 10 Eine zentrale Rolle bei der Definition des Motivs spielt der Begriff des Bedürfnisses, der einerseits der Bezeichnung biologischer Notwendigkeiten, wie zum Beispiel dem Bedarf an Flüssigkeit, und andererseits der dient. 11 Bezeichnung psychologischer Mängelzustände Dabei werden vitale
Grundbedürfnisse wie Durst und Hunger aber auch Neugierde als primäre Bedürfnisse und in Lernprozessen erworbene Bedürfnisse nach Ansehen, Geld oder Macht als sekundär bezeichnet. 12 Motive beinhalten somit ein durch das Empfinden eines Mangels hervorgerufenes Bedürfnis wie auch die Erwartung, diesen Mangel durch ein bestimmtes Handeln ausgleichen zu können. 13
Dabei muss ein Bedürfnis allerdings nicht zwingend zu einem Motiv führen, ein Motiv muss aber umgekehrt stets aus einem Bedürfnis resultieren. 14 Motive und Bedürfnisse stehen
8 Vgl. www.wikipedia.de
9 Vgl. Gabler Fremdwörterbuch Wirtschaft, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1998, Seite175
10 Vgl. Fakesch, Bernd: Führung durch Mitarbeiterbeteiligung, Florentz GmbH 1991, Seite 18
11 Vgl. Tewes, Uwe; Wildgrube, Klaus: Psychologie Lexikon, Oldenbourg, 1999, Seite 234
12 ebd.
13 Vgl. Jung, Hans: Personalwirtschaft, Oldenbourg, 1999, Seite 359
14 Vgl. Fakesch, Bernd: Führung durch Mitarbeiterbeteiligung, Florentz GmbH, 1991, Seite 18
demnach in einem sehr engen Verhältnis zueinander und lassen sich in ihren Definitionen nur schwer voneinander abgrenzen.
2.1.2 Motivation
Zu trennen sind allerdings die Begriffe Motivation und Motiv. Ein Motiv - auch Bedürfnis, Wunsch, Begehren, Trieb oder Streben - ist ein einzelner noch nicht umgesetzter Beweggrund des Verhaltens. In der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Literatur wird unter Motivation die Summe dieser aktivierenden und orientierenden Beweggründe (Motive) für Handeln, Verhalten und Verhaltenstendenzen verstanden. 15 Wichtig ist auch hier wieder die Unterscheidung zwischen den in ihrer Gesamtheit begrenzten biologischen, physikalischen Motiven und den Motiven, die durch die Sozialisierungsprozesse neu erlernt werden. Der Mensch wird von frühester Kindheit an von seiner Umwelt bzw. seinen Mitmenschen beeinflusst, was ebenso Auswirkungen auf seine Motive und damit seine Motivation hat. Besonders geprägt wird die Motivstruktur durch den Sozialisierungsprozess der frühen Kindheit bzw. in erster Linie den persönlichen Kontakt mit den Eltern und anderen an der Erziehung beteiligten Personen wie Geschwistern oder Großeltern. Auf Grund der gesammelten Erfahrungen lernt der Mensch, welche Ziele für ihn im Leben erstrebenswert scheinen. 16
Gleichzeitig wird die Motivstruktur, die das Handeln eines Menschen ein Leben lang beeinflusst, individuell geprägt. Ausschlaggebend für das Verhalten ist dabei die Frage, welche Handlung die größtmögliche individuelle Befriedigung der angestrebten Ziele verschaffen kann. 17 Motivation entsteht dabei durch einen Zustand der Spannung, der nach Auflösung drängt. Ausgelöst wird dieser Spannungszustand durch die Triebe, Wünsche und Bedürfnisse (Motive) eines Menschen, der daraufhin sein Handeln so ausrichtet, dass der Spannungszustand gelöst wird. Ziel ist dabei der Zustand der Erfüllung. Wird dieses Ziel nicht erreicht, existiert der Spannungszustand weiter und der Mensch wird zu weiteren Handlungsstrategien bewegt. 18
Grundsätzlich lässt sich der Motivationsprozess in fünf Schritte einteilen:
1. Ein Bedürfnis entsteht.
2. Eine Bedürfnisspannung wird aufgebaut. 3. Energien, die Handlungen auslösen, werden freigesetzt. 4. Mit zunehmender Bedürfnisbefriedigung erfolgt ein Spannungsabbau. 5. Andere / Neue Bedürfnisse entstehen. 19
Eine alternative Darstellung dieser Phasen des Motivationsprozesses zeigt die folgende Abbildung:
15 Vgl. Gabler Fremdwörterbuch Wirtschaft, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1998, Seite175
16 Weiner, Bernard: Motivationspsychologie, 3. Auflage, Beltz Psychologie Verlags Union, Weinheim 1994, Seite 182
17 Vgl. Richter, Manfred: Personalführung im Betrieb, Carl Hanser Verlag, München 1989
18 ebd.
19 Vgl. Stroebe, Rainer: Motivation, I.H. Sauer Verlag GmbH, Heidelberg 1979, Seite23
Anreizen der Umwelt. In diesem Zusammenhang werden unmittelbare und weitere Folgen vorweg überdacht und beurteilt. Sind diese Folgen erstrebenswert und ist die Erreichbarkeit persönlich angemessen, entsteht die Entscheidung: Ich will handeln. In der Phase der Ausführung wird dieser Entschluss in die Tat umgesetzt. Darauf folgt die Phase der unmittelbaren Folgen, in der der Zustand der Zufriedenheit einsetzt, zum Beispiel über einen Informationsgewinn, eine erworbene Fähigkeit oder die Erhöhung des Selbstwertgefühles. Während der Phase der weiteren Folgen setzen der berufliche Vorteil, Anerkennung, Karriere oder soziale Geltung als Folgen ein. 20 Bestimmt wird das Verhalten bzw. Handeln dabei von vier verschiedenen Einflussgrößen 21 :
Persönliche Bestimmungsgrößen:
• Persönliches Wollen ( Motive und Erwartungen)
• Individuelles Können (zeitstabile Fähigkeiten wie Intelligenz oder erlernte Fertigkeiten wie Fremdsprachen)
Situationsgrößen:
• Soziales Dürfen (Gesetze, Normen und Regelungen)
• Situative Ermöglichung (objektiv fördernde oder hindernde Bedingungen)
In der Motivationspsychologie sind unterschiedliche Theorien der (Arbeits-) Motivation entwickelt worden, die sich zum größten Teil in die Hauptgruppen der Inhaltstheorien und der Prozesstheorien gliedern lassen. Der Schwerpunkt der Inhaltstheorien ist auf die Motivinhalte gerichtet, während die Prozesstheorien etwas darüber aussagen, wie Verhalten initiiert, erhalten und beendet wird. 22 Hier sollen nun einige wichtige Inhaltstheorien und Prozesstheorien behandelt werden.
20 Vgl. Jung: Personalwirtschaft, Oldenbourg, 1999, Seite 361
21 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 116
22 ebd.
2.2 Inhaltstheorien der Motivation
Die Inhaltstheorien suchen nach Taxonomien von Motivinhalten und versuchen zu beschreiben und zu erklären, welche Motivziele (Endhandlungen), ob angeboren oder erlernt, von Menschen angestrebt werden. Dabei bezieht sich das Interesse der Forschung auf die individuellen Zielzustände und die Anreizwirkungen, die abzielen auf die Variablen, die bei Individuen Verhalten auslösen und bewirken. 23
Zu den wichtigsten dieser Ansätze zählen die Bedürfnishierarchie nach Maslow, die ERG-Theorie von Alderfer, die Leistungsmotivationstheorie nach McClelland sowie die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg.
2.2.1 Die Bedürfnishierarchie nach Maslow
Abraham H. Maslow, amerikanischer Professor für Psychologie, veröffentlichte 1954 eine der bekanntesten Motivationstheorien aus dem Bereich der Inhaltstheorien. Basierend auf seinen klinisch-psychologischen Erfahrungen entwickelte er darauf aufbauend die so genannte Maslowsche Bedürfnispyramide. Maslow geht in seiner idealtypischen Klassifikation der Bedürfnisse davon aus, dass die menschlichen Grundbedürfnisse in einer Hierarchie relativer Vorherrschaft geordnet sind, die in Abhängigkeit von der Entwicklung der Persönlichkeit nach Befriedigung verlangen. 24
Die Stärke der einzelnen hierarchischen Bedürfnisse leitet sich aus der evolutionären Entwicklung ab: Je höher das Bedürfnis ist, desto spezifisch menschlicher ist es. 25 Die Bedürfnisklassen bestehen aus fünf Stufen, wobei das jeweils höher stehende Bedürfnis an Bedeutung gewinnt, wenn das niedrigere Bedürfnis im Grundsatz befriedigt ist. Jede einzelne Bedürfnisklasse umfasst dabei eine breite Palette von Einzelmotiven. Folgende hierarchisch aufgebauten Bedürfnisklassen lassen sich unterscheiden (siehe auch nachfolgende Abbildung) 26 27 :
(1) Physiologische Bedürfnisse
Hierbei handelt es sich um die Grundbedürfnisse des Organismus nach Sauerstoff, Nahrung, Getränken, Ruhe, Schlaf und Sexualität. Können diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, fühlt sich der Mensch krank oder unwohl und kann im schlimmsten Fall nicht weiter existieren.
(2) Sicherheitsbedürfnisse
Zu ihnen zählen unter anderem die Sicherheit vor physischer Existenzbedrohung, Schutz der Gesundheit, ein gesicherter Arbeitsplatz, gesichertes Einkommen, Sparverhalten, Altersversorgung oder auch eine stabile Umwelt.
23 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 124
24 ebd. Seite 125
25 ebd.
26 Vgl. Jung: Personalwirtschaft, Oldenbourg, München, Wien 1999, Seite 361 27 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 125
(3) Soziale Bedürfnisse/Bindungen
In dieser Bedürfnisebene hat der Mensch den Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit und Geselligkeit, nach Freundschaft, Zuneigung und Liebe. Dazu gehört auch das Bedürfnis nach einem guten Arbeitsklima. Der Mensch möchte einer Gruppe, einer Gemeinschaft, einer Familie, einem Club oder einem Verein zugehören. Zu diesen Bedürfnissen wird auch das Bedürfnis nach Kommunikation gezählt.
(4) Bedürfnis nach Wertschätzung
In dieser Gruppe werden das Streben nach Selbstachtung oder Selbstwertschätzung, aber auch nach Anerkennung durch Andere, hohes soziales Ansehen, Macht, Prestige, Lob und Anerkennung für geleistete Arbeit zusammengefasst.
(5) Bedürfnis nach Selbstverwirklichung
Hierunter wird das Streben des Menschen nach Erfüllung eines Selbstkonzeptes, Kreativität und Verwirklichung der eigenen Möglichkeiten verstanden.
Innerhalb dieser fünf Bedürfnis- oder Motivklassen werden zwei Bedürfnis- oder Motivarten unterschieden. Maslow bezeichnet die Bedürfnisse innerhalb der vier unteren Bedürfnisgruppen als Defizitmotive, die Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung der höchsten Stufe allerdings als Wachstumsmotive.
Defizitbedürfnisse werden laut Maslow lediglich bei Mangelzuständen aktiviert. Der Mensch strebt daraufhin danach, diesen Zustand der Spannung durch die Befriedigung seiner Bedürfnisse abzubauen. Nach der Befriedigung verlieren diese Bedürfnisse ihre antreibende Kraft. 28 Eine vollständige Befriedigung der Wachstumsbedürfnisse ist laut Maslow allerdings ausgeschlossen - dies wiederum führt zu einer fortschreitenden Verwirklichung der eigenen
28 Vgl. Schneider: Mensch und Arbeit, Wirtschaftsverlag Bachem, Köln 1997, Seite 209-210
Potenziale. Die Bedürfnisse der obersten Stufe der Pyramide rücken allerdings nur dann in den Vordergrund, wenn psychische und physische Gesundheit gegeben sind. 29 Wichtig hierbei ist jedoch die Feststellung, dass nicht die aktuelle Befriedigung einer Bedürfniskategorie zu einer Veränderung der Motivstruktur führt, sondern dass eine dauerhafte Bestätigung eine relativ zeitstabile motivationale Struktur bedingt. Dies bedeutet, dass Menschen mit einer ausgeprägten Dominanz höherer Ziele sich nicht durch einen kurzfristigen Entzug der Erfüllung von Mangel- bzw. Defizitbedürfnissen auf ein niedrigeres Niveau zurückführen lassen. 30
Andererseits kann ein permanentes Nicht-Erfüllen aufkommender Bedürfnisse, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Macht, zu einer dauerhaften Fixierung auf dieses Ziel führen. Damit ist ein Wechsel der Motivdominanzen nicht mehr möglich. Gleichzeitig wird das Wachstumsziel durch ein Defizitziel ersetzt. 31
Maslows Erkenntnisse wurden durch Chris Argyris erstmalig auf die Welt der Arbeit übertragen: Arbeitsverhalten und Arbeitsleistung können beeinflusst werden, indem Arbeit und Arbeitsbedingungen derart gestaltet werden, dass sie der jeweils dominanten Bedürfnis-Kategorie der Mitarbeiter entsprechen. 32
In verschiedenen Forschungsprojekten wurde versucht, die Gültigkeit dieses Modells nach Maslow empirisch zu überprüfen. Dabei wurde häufig die Festlegung der Bedürfnisklassen, das stufenweise Auftreten der Bedürfnisse sowie die Allgemeingültigkeit kritisiert. 33 Maslow stützt sich in seinem Ansatz auf die Ergebnisse der philosophischen Studien und klinischen Erfahrungen. Empirische Untersuchungen können die Bedürfnisschichtung und ihre vermutete Reihenfolge allerdings nicht belegen. 34 Trotzdem lassen sich aus Maslows Grundannahmen und der Motivpyramide Anregungen und neue Ideen ableiten. 35 Infolge der teils massiven Kritik wurden zahlreiche Modifikationen entwickelt, die auf der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow basieren. Zu ihnen zählt auch die ERG-Theorie von Alderfer.
2.2.2 ERG-Theorie von Alderfer
Clayton P. Alderfer, amerikanischer Professor, kritisierte in seinen Ausführungen (1969/1972) die willkürliche Überlappung der fünf Bedürfnisschichten nach Maslow und reduzierte aus dieser Erkenntnis heraus die Bedürfnishierarchie auf lediglich drei Bedürfnisklassen:
E = Existence (Existenzbedürfnisse: physiologische Bedürfnisse, Sicherheit)
29 ebd.
30 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 127
31 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 127
32 ebd.
33 ebd. Seite 128
34 Vgl. Staehle: Management: Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive, Verlag Vahlen, München 1991, Seite 203
35 Vgl. von Rosenstiel, Lutz: Führung durch Motivation, C.H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München 1995, Seite 13
R = Relatedness (Interpersonelle Beziehungsbedürfnisse: Kontakt, Achtung) (Entfaltung, Selbstverwirklichung) 36 G = Growth
Dabei reduzierte Alderfer jedoch nicht nur die Anzahl der Bedürfnisklassen. Auch der Gedanke der Hierarchie war für seine Theorie nicht von Bedeutung. Das Ziel des Ansatzes von Alderfer war ausschließlich die offene Darlegung der Beziehung zwischen der Bedürfnisbefriedigung und der Bedürfnisaktivierung. 37 Aus seiner Theorie leitete Alderfer folgende sieben Hypothesen ab:
1. Je weniger die Existenzbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden sie. 2. Je weniger die Beziehungsbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden die Existenzbedürfnisse.
3. Je mehr die Existenzbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden die Beziehungsbedürfnisse.
4. Je weniger die Beziehungsbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden sie. 5. Je weniger die Wachstumsbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden die Beziehungsbedürfnisse.
6. Je mehr die Beziehungsbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden die Wachstumsbedürfnisse.
7. Je mehr die Wachstumsbedürfnisse befriedigt sind, desto stärker werden sie. 38
Anders als Maslow, der davon ausgeht, dass die nächst höheren Bedürfnisse erst zum Ziel werden, wenn die niedrigeren erfüllt sind, lauten Alderfers Prinzipien wie folgt: Die Aussagen 1 und 4 basieren auf der klassischen Frustrationshypothese. Diese besagt, dass ein nicht befriedigtes Bedürfnis dominierend wird. Die Aussagen 2 und 5 lassen sich von der so genannten Frustrations-Regressions-Hypothese ableiten. Der Mensch zieht sich demzufolge immer dann auf ein niedrigeres Bedürfnisniveau zurück, wenn er es nicht schafft, ein Bedürfnis zu befriedigen. Den Aussagen 3 und 6 liegt die Befriedigungs-Progressions-Hypothese zu Grunde. Diese ist vom Ansatz her identisch mit der Grundannahme Maslows, wonach ein befriedigtes Bedürfnis ein anderes, höheres Bedürfnis in den Vordergrund treten lässt. Die Aussage 7 basiert auf der Annahme, dass Erfolgserlebnisse meist zu einer Erhöhung des Anspruchsniveaus führen und entsprechendes Verhalten bewirken. 39
Ebenso wie Maslow wird aber auch Alderfer für die mangelnden empirischen Beweise seiner Theorien kritisiert, wobei Letzterem im Allgemeinen ein größerer Informationsgehalt als dem Maslowschen Konzept zugeschrieben wird. 40
36 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 133
37 ebd.
38 Vgl. Maslow: Motivation und Persönlichkeit, Freiburg 1969, Seite 147 ff; z.n. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 133 (nicht selber eingesehen)
39 Vgl. Hentze, Kammel, Lindert: Personalführungslehre, Verlag Paul Haupt, Wien 1997, Seite 134
40 ebd.
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Holger Schmidt, 2004, Materielle und immaterielle Instrumente der Mitarbeitermotivation, München, GRIN Verlag GmbH
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