Inhaltsangabe
1. Vo rwort 2
2. Theoretische Überlegungen zur Sammlungsstrategie 3
3. Probleme bei der Umsetzung in die Praxis 5
4. Lösungsansätze 8
4.1 Das Projekt Bodenstanduhren in Westfalen 8
4.2 Das schwedische Museumsnetzwerk SAMDOK 9
4.2 Das Schaumagazin des Focke Museums 11
5. Fazit 13
6. Literatur 14
2
1. Vorwort
Was ist eine museale Sammlung? Wodurch unterscheidet sie sich von einer privaten Sammlung? Wie gelangt ein Museum zu einer Sammlung und wie geht es mit dieser um?
Diese Fragen gehören alle in das Gebiet der so genannten Sammlungsstrategie eines Museums. Das Thema der Sammlungsstrategien kam in der Mitte der 1970er Jahren in Deutschland auf und hat sich zu einem Diskurs entwickelt, in dem sehr konträre Posit i- onen vertreten werden.
Um diesen weitläufigen Gegenstand ein wenig einzugrenzen, befasst sich diese Arbeit mit Sammlungsstrategien einiger ausgewählter volkskundlicher Museen in Deutschland, da insbesondere diesen Museen auf Grund der Dokumentation der Gegenwart in den letzten Jahren ein sehr großes Wachstum widerfahren ist, was sowohl die Zahl der Insti- tute als auch deren Sammelaktivitäten angeht. Daraus resultiert das Problem, wie Muse- en in Zeiten von Raum-, Geld- und Personalnot mit den vorhandenen und immer größer werdenden Sammlungen umgehen sollen.
Ob es dabei überhaupt möglich ist, sich als Museum an ein vorgegebenes Konzept zu halten oder ob die Sammeltätigkeit ganz anderen Faktoren unterliegt, wird im Folgen- den zu klären sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, die gegensätzlichen Positionen des Diskurses aufzuzeigen, die oben angeführten Fragen zu beantworten und Lösungsansätze aus der Museumspraxis zu präsentieren und zu analysieren.
3
2. Theoretische Überlegungen zur Sammlungsstrategie
Eine private Sammlung besteht meistens aus Objekten, für die der Sammler im Laufe seines Lebens ein besonderes Faible entwickelt hat oder die für ihn eine besondere Be- deutung haben. Was er sammelt und wie er dabei vorgeht, bleibt ganz dem Sammler überlassen. Wahrscheinlich entwickelt er dabei im Laufe der Zeit eine eigene Strategie. Diese wird aber in den seltensten Fällen schriftlich festgehalten und kann sich mit den Lebensumständen verändern. Dabei ist der Sammler in erster Linie nur sich selber ver- pflichtet.
Das unterscheidet einen privaten Sammler vom Museum, welches den öffentlichen Auf- trag hat zu sammeln. Was gesammelt wird, hängt mit der Ausrichtung des Instituts ab. Wie ein Museum sammeln sollte, wird in den „Ethischen Richtlinien für Museen“ fest- geha lten. Das sind moralische Richtlinien, die am 4. November 1986 in Buenos Aires bei der Generalkonferenz des Internationalen Museumsrates (ICOM) verabschiedet und am 6. Juli 2001 in Barcelona ergänzt worden sind. Darin heißt es unter Punkt 3.1 zum Thema „Sammlungen“: 1 Jeder Museumsträger sollte seine eigene Sammlungspolitik festlegen und sie in schriftlicher Form zugänglich machen. Dabei werden Fragen behandelt, die für Pflege und Nutzung der bestehenden öffentlichen Sammlungen des Museums von Bedeutung sind. Das Regelwerk nennt klar die Sammlungsbereiche und enthält Richtlinien für deren Bewahrung. Es umfasst auch Anweisungen über Bedingungen und Einschränkungen beim Neuerwerb […] Die An- schaffung von Objekten oder Exemplaren außerhalb der festgelegten Richtlinien sollte nur in Ausnahmefällen und nur nach gründlicher Prüfung durch den Träger des Museums erfol- gen.
Das bedeutet, dass jedes Museum Strategien für das eigene Sammeln entwerfen und in einem Sammlungskonzept festhalten sollte. Allerdings sind seit der Entstehung des ICOM-Kodex kaum Entwicklungen von Sammlungsstrategien in Deutschland zu fin- den. In der Praxis und im Diskurs über dieses Thema wird sogar bezweifelt, ob Sam- meln nach einer festgelegten Strategie überhaupt sinnvoll und möglich sei.
Die Hauptaufgabe eines Museums ist der Umgang mit seiner Sammlung. Dabei stehen nach der klassischen Vorstellung der Aufbau und die Vervollständigung der Sammlung an vorderster Stelle. Erst danach rangieren die Aufgaben Forschen, Bewahren und Ver- mitteln. Außerdem ist „die jeweilige Sammlung ein entscheidender Faktor in der Her- ausbildung einer unverwechselbaren Identität eines Museums […].“ 2 Wenn nun aber benachbarte und themenverwandte Museen ohne ein festgelegtes Konzept Objekte an- 1 ICOM – Ethische Richtlinien für Museen (Code of Ethics for Museums), S. 8.
2 Thomas Overdick: Sammlung statt Sammelsurium – Zur Entwicklung des Sammelkonzepts für das Freilichtmuseum am Kiekberg. In: Mitteilungsblatt Museumsverband Niedersachsen Bremen, Nr. 62, Hannover 2002, S. 45. (Overdick, 2002.)
4 häufen, „verwischt nicht nur das Sammlungsprofil des eigenen Hauses, sondern führt häufig zu unnötiger Konkurrenz […].“ 3 Thomas Overdick schlägt deshalb folgende Fragen vor, mit Hilfe derer ein Sammlungskonzept entwickelt werden kann: 4
• Was sammeln wir?
• Wie entscheiden wir, ob ein Objekt angenommen wird?
• Was passiert mit einem Objekt, das in die Sammlung aufgenommen wird (Inventarisati- on, Dokumentation)?
• Wie pflegen und lagern wir unsere Sammlung (Konservierung, Restaurierung, Magazi- nierung etc.)?
• Wie machen wir unsere Sammlung zugänglich (Ausstellung, Leihverkehr, Schaudepot, Studiensammlung etc.)?
• Dürfen Sammlungsgüter ausgesondert werden? Wenn ja, wie?
Man sollte sich also bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen klar werden, welche Ziele man anstrebt und dann in schriftlicher Form darlegen, welche Grundprinzipien verfolgt und welche Verfahrensweisen dabei angewendet werden sollen. Das Samm- lungskonzept dient somit „sowohl als Leitfaden für die Museumspraxis als auch als Medium der Information, Selbstdarstellung und Kommunikation des Museums nach innen und außen [...]“ und „sollte so konkret wie nötig und so offen wie möglich formu- liert sein.“ 5 Allerdings ist diese letzte Definition kritisch zu betrachten, da die sehr weit
gefasst ist, wodurch Probleme entstehen können, die unter Punkt 3 noch eingehend erör- tert werden.
Ein einheitliches Bild, wie ein Sammlungskonzept verfasst werden soll, gibt es in Deutschland noch nicht. Thomas Overdick schlägt vor, ein bestehendes System zu a- daptieren, das bereits seit den 1980er Jahren in amerikanischen, englischen und australi- schen Museen verwendet wird, die so genannte Collections Managment Policy. 6 Diese
ist zwar museumsspezifisch, besteht aber immer aus den gleichen Aufgaben und Eck- punkten: 7
• Definition des Museumsleitbildes
• Beschreibung der Sammlungen
• Verbindliche Definition von Sammlungsschwerpunkten anhand einer thematisch ge- gliederten Systematik
• Definition der Methoden und Kriterien der Akquisit ion von Objekten (Eingangsarten, Selektionskriterien, Abstimmungen und Kooperationen mit anderen Museen und Insti- tutionen im Hinblick auf eine Spezialisierung der eigenen Sammeltätigkeit, Verantwort- lichkeiten, Ethische Grundsätze)
• Standards und Verfahrensweisen von Dokumentation und Inventarisierung
• Regelung des Zugangs zur Sammlung
3 Overdick, 2002, S. 46.
4 Ebd.
5 Ebd. S. 47.
6 Vgl. ebd. S. 46f.
7 Vgl. ebd. S. 47 und Thomas Overdick: Richtlinien für das Sammeln – Reflexion anglo-amerikanischer Ansätze. http://www.focke -museum.de/thomas_overdick.htm .
Quote paper:
Nicole Giese, 2005, Überlegungen zum Problem der Sammlungstrategien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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