Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1 - 3
2. Die Theorie der Wissensgemeinschaften 4
2.1 Definition von Wissensgemeinschaften 4
2.2 Die Bedeutung und der Einfluss von
Wissensgemeinschaften 5
3. Konstruktivismus 5
3.1 Grundannahmen des Konstruktivismus Seite 5 - 7
3.2 Die Ausformungen des Konstruktivismus 7
3.2.1 Der Radikale Konstruktivismus Seite 7 - 8
4. Ein Vergleich beider Theorien 9
4.1 Tabelle: Vergleich beider Theorien
5. Das Walfang - Regime 10
5.1 Die Entstehung der Internationalen Walfang - 10
kommission
5.2 Die Entwicklung der Internationalen Walfang - Seite 10 - 12
kommission
6. Eine Erklärung aus Sicht der Wissensgemeinschafts -
Theorie
Wissen ist nicht Macht. Seite 12 - 13
6.1 Konsens und Dissens im Wissenschafts - Seite 13 - 14
ausschuss der Internationalen Walfangkommission
7. Eine konstruktivistische Erklärung
Alles Erfindungen 15
7.1 Konstrukteure und Erfindungen Seite 15 - 16
7.2 Kulturrechte und Umweltrechte Seite 16 - 17
8. Schlussfolgerungen Seite 17 - 18
9. Literaturverzeichnis Seite 19 - 20
II
1. Einleitung
Nach 14 Jahren hat Island im August 2003 den Walfang wieder aufgenommen. Zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken sollen zunächst 38 Minkewale sterben. Schon dieses Jahr ist mit dem jährlichen Abschuss von 250 Großwalen, darunter 100 Minke -, 100 Finn - sowie 50 Seiwale, begonnen werden. 1 Greenpeace hat deshalb eine Kampagne gestartet, bei der die Walfanggegner der isländischen Regierung mitteilen können, dass sie mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit ihren Urlaub in Island verbringen würden, sollte die Regierung den Walfang beenden:
"I would seriously consider taking a vacation in Iceland rather than somewhere else if the Government of Iceland stopped whaling. I would be willing to receive an email about the options available for Icelandic tourism, an email that would be sent to me if the Government of Iceland ends its whaling program". 2
Im Jahr 2000 wurden etwa 80 - 90 Millionen Tonnen an Meerestieren gefangen. 3 Meerestiere stellen mit Abstand die wichtigste Nahrungsquelle dar und bieten Millionen von Menschen, die in den Küstenzonen leben, ein Auskommen. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit intensiver internationaler Bemühungen, die lebenden Ressourcen der Meere vor Arten gefährdender Übernutzung zu schützen. 4
Das Schicksal der Wale spiegelt jedoch den zerstörerischen Umgang des Menschen mit der Natur wieder: Greenpeace schätzt, dass im Zeitraum von 1925 - 1975 etwa 1,5 Millionen Wale getötet wurden. 5 Viele Walarten wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. Der Walfang konzentrierte sich seit jeher auf die ertragreichen großen Wale: Blau -, Finn -, Sei -, Pott - und Buckelwale.
Das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs (ICRW), das am 10. November 1948 in Kraft trat, verfolgt nicht nur den Schutz der von der Ausrottung bedrohten Walbestände. Es will gleichzeitig für einen Wiederaufbau der Bestände mit dem Ziel der Nutzung sorgen. Dafür wurde die Internationale Walfang - Kommission (IWC) 1946 gegründet.
1 http://www.greenpeace.org/deutschland/?page=/deutschland/fakten/meere/wale -und -
walfang (Zugriff am 20.04.2004)
2 http://act.greenpeace.org/col/get?i=959&sk=is&la=en (Zugriff am 14.04.2004)
3 http://www.unep.org/wed/2004/Downloads/PDFs/Key_Facts_E.pdf (Zugriff am 10.04.2004)
4 http://www3.verbraucherministerium.de/index-
000CF2EA5AB21F7193546521C0A8D816.html (Zugriff am 20.04.2004)
5 http://www.greenpeace.org/international_en/campaigns/intro?campaign_id=4017
(Zugriff am 24.04. 2004)
Wesentliche Walbestände sind nach wie vor in einer schlechten Verfassung, so dass derzeit der Schutzgedanke ganz eindeutig im Vordergrund steht. 6 Dieser Schutzgedanke erlebte seinen Höhepunkt 1982, als die Internationale Walfangkommission ein Walfang - Verbot (Moratorium) beschloss. Damit wurde dem Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs hauptsächlich Arterhaltungscharakter verliehen. Das Moratorium trat 1986 in Kraft und ist unbefristet. Norwegen, Japan und die ehemalige UdSSR entzogen sich von Anfang an einer Bindung an dieses Moratorium durch ausdrückliche Widerspruchserklärungen. Walfang aus Forschungszwecken wurde ebenfalls fortgesetzt. Bekräftigt wurde der Schutzgedanke durch die sogenannte
"Berliner Initiative", die auf der 55. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission vom 16. - 19. Juni 2003 in Berlin beschlossen wurde. Diese sieht vor, dass innerhalb der Internationalen Walfangkommission ein Ausschuss gegründet wird, der sich mit den Gefährdungen für die
Walbestände auseinandersetzen wird, die durch menschliche Aktivitäten hervorgerufen wird. Dazu gehören Umweltverschmutzung, Klimaveränderung, Beifang in der Fischerei, Schiffsverkehr, Unterwasserlärm. Der Ausschuss wird den gleichen Rang einnehmen wie die anderen Ausschüsse in der Internationalen Walfangkommission, wie zum Beispiel der Wissenschaftsausschuss. 7
Die Walschutzländer haben sich in Berlin in aller Deutlichkeit gegen den kommerziellen Walfang Norwegens und den wissenschaftlichen Walfang Japans ausgesprochen. Sie haben auch gegenüber Island deutlich gemacht, dass sie dem isländischen Programm für wissenschaftlichen Walfang sehr kritisch gegenüber stehen, denn Island hat den Walfang hauptsächlich deshalb wieder aufgenommen, um das Walfleisch nach Japan zu exportieren. Die Internationale Walfangkommission ist heute geteilt zwischen den Nationen, welche einen bedingungslosen Walschutz fordern und denen, die eine nachhaltige Nutzung vertreten. Die Mehrheit der Staaten in der Internationalen Walfangkommission vertritt den Standpunkt, dass der Fang von Walen zu kommerziellen Zwecken unter keinen Umständen je wieder zu
6 http://www3.verbraucherministerium.de/index-
000CF2EA5AB21F7193546521C0A8D816.html (Zugriff am 24.04.2004)
7 http://www3.verbraucherministerium.de/index-
000CF2EA5AB21F7193546521C0A8D816.html#01 (Zugriff am 24.04.2004)
gestatten sei. Ihr Ziel ist ein bedingungsloser Schutz aller Walpopulationen in allen Weltmeeren. Die Bestimmungen des Übereinkommens sehen aber unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich eine Nutzung von Walbeständen vor; das Übereinkommen wurde eben auch dazu geschaffen, "die ordentliche Entwicklung der Walfangindustrie zu ermöglichen". 8 Island, Japan und Norwegen und einige von Japan erkaufte Inselstaaten 9 stehen nach wie vor zum kommerziellen Walfang im Sinne des Übereinkommens. Die Staaten, die einen bedingungslosen Walschutz vertreten, sind jedoch nicht bereit, Beschlüsse zu unterstützen, welche die Nutzung der Walbestände regeln. Deshalb herrscht innerhalb des Walfangregimes seit Jahren eine unfruchtbare Pattsituation.
Die Fragestellung, die meiner Hausarbeit zugrunde liegt, lautet daher:
Warum ist es so schwierig, eine Einigung innerhalb des Walfang - Regimes zu erzielen?
Meine Arbeitshypothese lautet, dass die Theorie der Wissensgemeinschaften, die allein auf den Faktor Wissen baut, für die Erklärung dieses Problems nur unzureichende Aussagekraft besitzt. Ein konstruktivistischer Ansatz hingegen kann die Komplexität des Problemfelds besser beleuchten, denn er berücksichtigt den sozialen Kontext, in dem sich die Akteure befinden.
Zur Überprüfung dieser These werde ich in den Gliederungspunkten zwei und drei zunächst die Theorie der Wissensgemeinschaften und den Konstruktivismus vorstellen. In Gliederungspunkt vier vergleiche ich dann beide Theorien tabellarisch. Eine Beschreibung des Walfangregimes und des Konflikts zwischen den Walfang - und Walschutznationen erfolgt in Gliederungspunkt fünf. In den Gliederungspunkten sechs und sieben wende ich dann beide Theorien auf das Walfangregime an. Im Schlussteil werde ich Aussagen über die Erklärungskraft beider angewandten Theorien treffen.
8 "The Governments whose duly authorised representatives have subscribed hereto, having
decided to conclude a convention to provide for the proper conservation of whale stocks and
thus make possible the orderly development of the whaling industry".
http://www.iwcoffice.org/Convention.htm (Zugriff am 15.04.2004)
9 http://archiv.greenpeace.de/GP_DOK_3P/HINTERGR/C10HI106.PDF
(Zugriff am 20./30.04.2004)
2. Die Theorie der Wissensgemeinschaften
Die Theorie der Wissensgemeinschaften stellt Ideen, vor Allem aber Wissen in ihren Mittelpunkt. Sie hat keine materialistische Betrachtungsweise. Es ist eine der kognitiven Theorien in der Internationalen Politik, die kritisch gegenüber rationalistischen Theorien der Internationalen Politik ist
(Hasenclever 1997: 136). Die Stärken des Ansatzes liegen darin, dass er Lernprozessse betrachtet, die durch das Einbringen neuer Informationen mittels Wissensgemeinschaften entstehen (Adler 1992: 368).
2.1 Definition von Wissensgemeinschaften
„Epistemische Gemeinschaften (Wissensgemeinschaften) setzen sich aus Experten zusammen, die hinsichtlich der Ursache - Wirkung - Zusammenhänge in einem bestimmten Problemfeld über konsensuales Wissen verfügen“ (Zangl 1999: 301). Peter Haas definiert sie als „Kanäle, durch die neue Ideen von Gesellschaften zu Regierungen als auch von Staaten zu Staaten zirkuliert werden" (Haas 1992: 27). Emanuel Adler bezeichnet sie als “vehicle for the development of insightful theoretical premises about the creation of collective interpretation and choice” (Adler 1992 : 368). Epistemische Gemeinschaften treten in Erscheinung, wenn starke Unsicherheiten bei politisch Handelnden bestehen (Hasenclever 1997: 150). Die Experten in der epistemischen Gemeinschaft haben Interesse an einem gemeinsamen Thema und wollen Wissen gemeinsam aufbauen und austauschen, um bestehende Unsicherheiten zu minimieren. Damit deckt sich die Funktion der Wissensgemeinschaften mit der eines Regimes: der Reduzierung von Unsicherheiten.
Ähnliche Probleme an unterschiedlichen Orten, Wissensintransparenz, vermutete Synergien durch Erfahrungsaustausch und ein menschliches
Grundbedürfnis nach Wissensteilung sind Gründe für das Entstehen von Wissensgemeinschaften. Die Experten identifizieren, sammeln,
systematisieren, entwickeln und verbreiten dann ihr Wissen zu fachspezifischen Themen. Ebenso erarbeiten sie Innovationen und Best Practices (North 2000: 55).
Arbeit zitieren:
Christian Schulz, 2004, Warum ist es so schwierig, eine Einigung im Walfangregime zu erzielen? Eine vergleichende Analyse zur Erklärungskraft von Konstruktivismus und der Theorie der Wissensgemeinschaften in der Internationalen Walfangpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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