Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Quellenwert 5
2. Quelleninhalt 7
3. Quellenkritik. 8
4. Ergebnis 13
Literaturverzeichnis 15
3
Einleitung
In den 70er Jahren vor unserer Zeitrechnung wurde die römische Republik durch eine Reihe von Kriegen erschüttert. Zum einen hatte der frühere Proprätor Q . Sertorius in Spanien eine eigene Herrschaft errichtet, von der aus er seit 80 v. Chr. den römische n Staat bedrohte. 1 Zum anderen waren auch die römischen Besitzungen in Kleinasien in Gefahr, wo im Herbst 74 ein neuer Krieg mit König Mithridates VI. von Pontus begonnen hatte. 2 Diese beiden Konflikte banden bereits drei der angesehensten Feldherren der Republik - Q. Metellus Pius und Cn. Pompeius in Spanien, L. Licinius Lucullus in Kleinasien - als noch ein drittes Problem auftauchte. Denn zu allem Überfluss brach nun, im Jahre 73, in Süditalien ein Sklavenaufstand unter der Führung des thrakischen Gladiators Spartacus aus. Dieser Aufstand entwickelte sich mehr und mehr zum Flächenbrand und wurde schließlich zum gefährlichsten Sklavenkrieg in der römischen Geschichte. 3 Nachdem bereits mehrere Proprätoren und dann die Konsuln des Jahres 72 an Spartacus' Sklavenheer gescheitert waren, trat im Herbst 72 ein neuer Mann auf den Plan: Marcus Licinius Crassus. 4 Ausgestattet mit einem proconsularischen Imperium sowie acht Legionen gelang es Crassus, die Armee des Spartacus in die südöstliche Ecke Bruttiums zu drängen. Dort verfiel der neue Feldherr auf den Plan, die Sklaven mit Hilfe eines von Küste zu Küste reichenden Walles von jeglicher Versorgung abzuschneiden. Gleichzeitig machte eine verstärkte Bewachung der gegenüber liegenden Küste Siziliens ein Entweichen auf dem Seeweg unmöglich. Spartacus gelang es zwar noch, mit seinen Truppen den Wall zu durchbrechen (Januar 71). Doch Crassus' Armee nahm umgehend die Verfolgung auf und fügte den Sklaven schließlich im Norden Lucaniens die entscheidende Niederlage zu, in einer Schlacht, in der auch Spartacus ums Leben kam. Nun hätte Crassus der alleinige Ruhm des Siegers über die Sklaven gebührt - wäre nicht kurz zuvor ein Hilferuf an den aus Spanien zurückkehrenden Cn. Pompeius ergangen, der diesen aufforderte, sich am Kampf gegen Spartacus zu beteiligen. Angesichts des letztlich überzeugenden Erfolges von Crassus stellt sich die Frage, weshalb Pompeius überhaupt noch zur Hilfe gerufen wurde. Wie also kam es zum Eingreifen des Pompeius in den
1 RE IIa 2 (1923), 1747 ff., s.v. Q. Sertorius 3 (Schulten, Peter).
2 RE XV 2 (1932), 2181, s.v. Mithridates VI. Eupator Dionysos 12 (Münzer, Friedrich).
3 Onken, Björn, Spartacus, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, herausgegeben v. Hubert Cancik u.
Helmuth Schneider (im Folgenden "DNP"), Bd. 11, Stuttgart und Weimar 2001, 795.
4 Die folgende Zusammenfassung des Aufstandes folgt der Darstellung M. Gelzers, in: RE XIII 1 (1926), 303 ff.,
s.v. M. Licinius Crassus Dives 68 (im Weiteren: "Gelzer, Crassus").
4
Spartacus-Aufstand? Um diese Frage beantworten zu können, soll im Folgenden der Bericht des antiken Historikers Appian untersucht werden, der den Spartacus-Aufstand in seinen Bürgerkriegen geschildert hat. 5
1. Quellenwert
Appians Schilderung des Spartacus-Aufstandes findet sich in Buch I, Kapitel 116-121 seiner Bürgerkriege. Die für unsere Fragestellung entscheidenden Abschnitte sind die Kapitel 118-121, die sich dem Kommando des Crassus widmen. 6 Zum Quellenwert: Appian von Alexandria lebte von etwa 95-160 n. Chr. 7 Er schlug schon früh eine Laufbahn als kaiserlicher Beamter ein und war erst in Alexandria, dann, ab 120 n. Chr., in Rom tätig, zuletzt als procurator Augusti. 8 Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst wandte sich Appian der Schriftstellerei zu. Mit der Historia Romana hinterließ der Alexandriner ein umfangreiches historisches Werk, dessen 24 Bände allerdings nur zum Teil überliefert sind. 9 Hierzu gehören auch die Bürgerkriege, aus denen die zu untersuchende Schilderung des Spartacus-Aufstandes stammt.
Da es sich bei den Bürgerkriegen um ein historisches Werk handelt, haben wir es hier mit einer Traditionsquelle zu tun. Zudem lebte Appian mehr als 160 Jahre nach den von ihm geschilderten Ereignissen und war somit kein Zeitzeuge. Wir müssen also außerdem von einer Sekundärque lle sprechen, die für die heutige Forschung aber dennoch von Interesse ist, weil Appian auf Quellenmaterial zurückgegriffen hat, das uns heute nicht mehr zur Verfügung steht. Seine Bürgerkriege sind "die einzige umfangreiche und ausführliche Quelle" 10 zu dieser Epoche. Welche Quellen es waren, die Appian als Vorlage dienten, ist bis heute heftig umstritten. 11 Die diesbezüglichen Ansätze reichen von einer "Ein-Quellen-Theorie" 12 bis zur Auffassung, Appian habe sich für jeden Abschnitt seiner Historia Romana zwar auf jeweils eine Quelle gestützt, zusätzlich aber noch andere Vorlagen berücksichtigt. 13 Letztere Sicht wird dadurch gestützt, dass der Autor selbst an verschiedenen Stellen
5 Appian, Bürgerkriege I, 116-121, in: Ders., Römische Geschichte, Bd. 2, übersetzt v. Otto Veh, durchgesehen,
eingeleitet und erläutert v. Wolfgang Will, Stuttgart 1989. Im Weiteren: "Appian".
6 S. Anm. 5.
7 Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 903, 1996.
8 Ebd. Vergl. a. Brodersen, Kai, Einleitung, in: Appian, Römische Geschichte, Bd. 1, durchgesehen, eingeleitet
und erläutert v. Kai Brodersen, Stuttgart 1987, 1.
9 Vergl. Brodersen, 2f.
10 Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 905, 1996.
11 Brodersen, 4.
12 Brodersen, 5f.
5
seine Vorbilder benannt hat. 14 Für die Benutzung mehrerer Quellen spricht außerdem, dass Appians Arbeitsweise durchaus quellenkritisch war und Vergleiche zwischen verschiedenen Vorlagen anstellte. 15 Ein Hinweis hierauf findet sich auch im vorliegenden Text: Nachdem der Historiker geschildert hat, wie Crassus die von Spartacus geschlagenen konsularischen Legionen dezimieren 16 ließ, räumt er ein: "Einige stimmen freilich dieser Darstellung nicht zu…", worauf er dem Leser eine Version anbietet, nach der Crassus nicht die konsularischen, sondern seine eigenen Truppen nach einer ersten verlorenen Schlacht dezimiert habe. 17 Genauso umstritten wie die Quellenproblematik ist die Frage, welchen Stellenwert Appians Werk überhaupt einnimmt. S chwächen des antiken Autors bei chronologischen und Namensangaben 18 steht dabei eine zu seiner Zeit keineswegs selbstverständliche Einbeziehung sozialer und ökonomischer Faktoren gegenüber. 19 Im Übrigen hat es den Anschein, als habe Appian sich mehr für die psychologischen Hintergründe als für die harten Fakten der von ihm geschilderten Ereignisse interessiert. 20
Fragen wir nun nach der Interessenlage des Autors, so dürfte diese keinen Einfluss auf seinen Bericht gehabt haben. Eine gewisse Objektivität lässt sich schon aus der Tatsache ableiten, dass Appian im Spartacus-Aufstand weder Partei noch überhaupt Zeitzeuge war. Stattdessen schrieb er als pensionierter Beamter der Kaiserzeit, vermutlich aus Liebhaberei. Von seinen Überzeugungen wissen wir, dass Appian sowohl Anhänger der Monarchie 21 als auch ägyptischer Patriot gewesen ist 22 , doch beides ist für unsere Fragestellung ohne Bedeutung. Zumindest lässt Appian in seiner Schilderung der konkurrierenden Feldherren Pompeius und Crassus keine Vorlieben erkennen. Dies kann man u.a. ablesen an seiner abschließenden Beschreibung des Konfliktes der beiden, wo er die Angst des Volkes vor einem
13 Brodersen, 6.
14 Will, Wolfgang, Einleitung, in: Appian, Römische Geschichte, Bd. 2, 3.
15 Vergl. Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 905, 1996.
16 Die Dezimierung (decimatio) war eine selten angewandte, da äußerst drastische Form der Bestrafung einer
ganzen Einheit. Dabei wurde jeder zehnte Mann durch Stockschläge hingerichtet (vergl. Le Bohec, Yann,
Decimatio, in: DNP, Bd. 3, 345f., 1997).
17 Appian, 118, (549-551). Zahlen in Klammern bezeichnen die Kapitelunterteilungen der vorliegenden
Übersetzung.
18 Brodersen, 6f.
19 Will, 8f. Zu beachten ist außerdem die ethnographische Gliederung von Appians Werk (ebd.).
20 Vergl. Will, 8.
21 Brodersen, 8.
22 D.M., in: DNP, Bd. 1, 904, 1996.
6
Arbeit zitieren:
Arne Friedemann, 2004, Pompeius' Eingreifen in den Spartacus-Aufstand, München, GRIN Verlag GmbH
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