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Tanja Kemmerling
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1 Einleitung. 3
2 Franziskus - der Gottergebene 3
3 Franziskus - der Christusähnliche oder Christusgleiche. 6
4 Franziskus - der Häretiker? 9
5 Kommentar 13
6 Quellen. 15
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Diese Hausarbeit befaßt sich mit dem heiligen Franz von Assisi und zwar dergestalt, daß ich drei verschiedene Merkmale untersuchen möchte, die mir als Wesenspunkte in der Person des Franziskus aufgefallen sind.
Da wäre zum einen seine tiefe Gottgläubigkeit, die er vorbildhaft in die Welt hinaustrug und der viele folgten. Ich denke derart gottliebende Menschen, die ihre Liebe zum Herrn durch solch positive Charismatik ausdrückten, gab es wenige.
Der zweite Teil meiner Arbeit wird sich mit der Angleichung an Jesus Christus beschäftigen. Diese Angleichung ist im Verlauf von Franziskus’ Leben erkennbar, beginnt meines Erachtens mit der Erfahrung vor dem Kruzifix in der Kirche San Damiano und findet seine Vollendung in der Stigmatisierung.
Im dritten Punkt möchte ich zeigen, daß Franziskus durch die kirchliche Legitimation des Ordens dem Ketzereivorwurf entkam. Die Spiritualen jedoch, die sich später auf die ursprüngliche „Reinheit“ der Gebote des Franziskus besannen, fanden keine Zustimmung durch den Papst.
Aufgrund des begrenzten Umfangs, der mir für diese Hausarbeit vorgegeben ist, muß ich darauf verzichten, jedes Kapitel allzu detailliert zu behandeln. Es ist mir jedoch wichtig, verschiedene Punkte zu bearbeiten, um ein umfassendes Bild der Person und Wirkung des Franziskus darzustellen.
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Eigentlich hätte Franziskus in der Gesellschaft ein relativ unbesorgtes Leben führen können. Sein Vater hätte ihm wahrscheinlich einigen Reichtum vererbt, er hätte geheiratet und vielleicht das Geschäft seines Vaters weitergeführt oder er wäre, wie es zunächst sein Wunsch war, Ritter geworden.1 Da er aber seine Träume als Visionen erkannte und die Inhalte, bzw. Aufträge darin befolgte, fand Franziskus seine Erfüllung fernab von weltlicher Gier, Verschwendungssucht und Erbfragen. Er widmete sein Leben und all seine Gedanken Gott. Kaum eine andere Person kann mit einer Einfachheit die Schönheit des Glaubens an Gott demonstrieren, wie Franziskus es tat. Er lobpries Gott in allem, was er sah. Ein Beispiel für
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die grenzenlose Liebe zu all dem, was Gott geschaffen hat, findet man in seinem Sonnengesang2: [...]Gepriesen seist du mein Herr mit all deinen Geschöpfen zumal der Herrin, Schwester Sonne [...] durch Bruder Mond und die Sterne [...] durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken [...] durch Schwester Wasser [...] durch Bruder Feuer [...] durch unsere Schwester, Mutter Erde [...]
Man erkennt Franziskus’ Demut und Ergebenheit vor der Schöpfung. Franziskus überzeugt nicht durch endlose Gottesbeweise oder hochstilisierte Auslegungen des Evangeliums. Er bezeichnet sich selbst als Illiteratus. Als Sohn eines Tuchhändlers genoß er eine gewisse Bildung, stellt diese aber nicht aus, um seine Gottergebenheit intellektuell zu stützen. „er rihtet allen sîn gedanc / wie daz er rehte lebet alsô / als Jesus Krist gelêret hât. / der gap im den sin und ouch den rât / daz er durh in lebet alsô / als stuont am evangelio.“ 3 Er richtet sich allein nach dem Evangelium und nach dem, was er von Gott selbst als Auftrag vernimmt. Letzteres findet sich in einem Fresko Giottos dargestellt4: Franziskus kniet in der kleinen Kirche von San Damiano und betet. Nach der Legendenerzählung spricht Jesus zu ihm, bittet ihn, er möge die Kirche wiederaufbauen.5 Ob man diese Bitte wörtlich nimmt, denn Franziskus hat San Damiano persönlich wieder aufgebaut, oder ob man sie im übertragenen Sinne mit dem Traum Innozenz III vergleicht, in dem Franziskus als Retter die Lateranensische Basilika mit dem Arm stützt6 - Franziskus folgt den Worten, die er vernommen hat. Oft ist ja bei einer Bekehrung zum geistlichen Leben vom „Ruf“ die Rede. Dies kann man wohl in dieser Szene annehmen, denn Franziskus entsagt allem Weltlichen und stellt sein Leben in den Dienst Gottes „eins grôzen küneges scherge ich bin“.7
Er trägt nur eine Kutte, trennt sich von allem Überflüssigen und hat noch nicht einmal einen Wanderstab.8 Bald schart er Jünger um sich, denn „diz ist daz ich wil / und daz ich suoche.“9 und zieht aus, um zu predigen. Franziskus baut mehrere Kirchen wieder auf, unter anderem auch Portiuncula10, die er später als seinen „Ordenssitz“ betrachtet. Durch die Einfachheit seiner Lehre und beinahe naive Liebe zu Gott und zu allem von Gott
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Geschaffenen folgen ihm bald viele andere.
Wo er anfangs für verrückt erklärt wurde, verzaubert Franziskus die Menschen durch seine ernsthafte Liebe zu Gott und zur Schöpfung. Jeder ist ihm Bruder oder Schwester, niemand mehr oder weniger wert, er hat ein allwährendes Verständnis für jeden, womit er gleichzeitig seinen Respekt vor der Schöpfung beweist. Neben der Regel, lediglich nach den Worten des Evangeliums zu leben, befolgt er das Gesetz der Armut, wie es im Matthäusevangelium 10,5 -14 geschrieben steht. Er betrachtet die Armut sogar soweit, daß er behauptet, er sei mit ihr vermählt. Auch dazu gibt es ein Fresko in Assisi.11 In der Mitte steht eine Frau, der Franziskus einen Ring an den Finger steckt. Unter der Frau steht der Schriftzug: „die heilige Armut“. Es handelt sich hierbei um die bildliche Darstellung der Verlobung zwischen Franz und Frau Armut. Zwischen dem Heiligen und der Armut steht Jesus Christus und wohnt der Zeremonie bei. Dazu gibt es eine Legende, in der eine Angleichung des heiligen Franz an den Gottessohn innerhalb dieses Freskos ersichtlich wird. Das Thema der Angleichung an Jesus werde ich an anderer Stelle besprechen. Christus soll demnach Gestalt angenommen haben und sich mit der Frau Armut vermählt haben. Als Jesus am Kreuz starb wurde diese Witwe. Franziskus in der Nachfolge Christi erkannte die Schönheit der Frau Armut und nahm daraufhin diese ebenfalls zur Frau.12 Ähnlich wie in der Bilddarstellung, antwortet er auf die Frage, ob er sich ein Weib nehmen wolle antwortet er mit „jâ“, aber „daz wîp daz er dâ meinte, daz waz daz geistliche leben, daz er sich wold ergeben.“13
Eigentlich pocht Franziskus nicht auf bestimmt Ordensregeln, da das Evangelium ihm ja vorgibt, wie er zu leben hat: „[...] so gehe hin verkaufe, was du hast und gib’s den Armen.“14, dennoch läßt er sich 1210 von Papst Innozenz III eine am Evangelium ausgerichtete Protoregula mündlich zusichern, welche leider verlorengegangen ist. Es handelt sich hierbei um eine weniger ausführliche Form der späteren Regula non bullata.15 Später läßt er von Papst Honorius seine Ordens-regeln absegnen, nachdem er von ihm Kardinal Ugolino von Ostia als Ordensprotektor erbeten und mit diesem gemeinsam oben erwähnte Ordensregeln verfaßt hatte.16
Franziskus zeigt seine Gottverbundenheit und sanfte Demut in der Form der Armen- und Krankenpflege, Wiederaufrichten von Kirchen, Seelsorge und Predigen. Einige Legenden um Franziskus zeigen Beispiele seiner Nächstenliebe.
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Arbeit zitieren:
Tanja Kemmerling, 2001, Franziskus von Assisi - zwischen Demut, Gottgleichheit und Häresie, München, GRIN Verlag GmbH
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