INHALT
1. EINLEITUNG 2
2. DIE PRESSE ANFANG DES 19 JAHRHUNDERTS 2
2.1 Die Ausgangssituation 3
2.2 Politische Repressionen 4
2.3 Die wirtschaftliche Situation 5
2.4 Die gesellschaftliche Situation 5
3. DAS GOLDENE ZEITALTER DER FRANZÖSISCHEN PRESSE 6
3.1 Politische Rahmenbedingungen 6
3.2 Technische Voraussetzungen 7
3.3 Gesellschaftliche Veränderungen 9
3.4 Der Beginn der kommerziellen Massenpresse 9
3.5 Die vier Großen 10
4. STAGNATION UND KRISE IM 20 JAHRHUNDERT 11
4.1 Der Einbruch Anfang des 20 Jahrhunderts 11
4.2 Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges 12
4.3 Presseindustrie und Pressekonzentration 13
4.4 Die Preisentwicklung auf dem französischen Pressemarkt 14
4.5 Die Entwicklung der französischen Zeitschriften 15
5. DIE FRANZÖSISCHE PRESSE UND IHRE BESONDERHEITEN 16
5.1 Zentralisierung versus Regionalisierung 17
5.2 Pressesubventionen 18
5.3 Die Presse in der französischen Medienlandschaft 19
5.3.1 Presse und Fernsehen 19
5.3.2 Presse und Neue Medien 20
5.4 Perspektiven 21
6. ZUSAMMENFASSUNG 22
7. LITERATUR 23
-2-
1.EINLEITUNG
Was wird im Zusammenhang dieser Arbeit unter Presse verstanden und welche Aspekte behandelt? Die heute zur Definition verwendeten Merkmale eines ungebundenen Druckwerkes vo n mäßigem Seitenumfang, das sich durch Aktualität, Universalität, Publizität und Periodizität auszeichnet, sollen als Eingrenzungen des Pressebegriffs dienen. In der französischsprachigen Fachliteratur findet man den Ausdruck „presse écrite“ 1 , ´geschriebene Presse´. Bleibt eine wahre Flut an periodisch erscheinenden Druckprodukten, seien es Zeitungen oder Zeitschriften in all ihren vielfältigen Ersche i-nungsformen.
Wie kam es zur Entwicklung dieser Masse, zur Industrialisierung der Presse in Frankreich? Um diese Frage zu beantworten, werde ich Aspekte der politischen, technischen und sozialen Entwicklung und die Besonderheiten der französischen Presse behandeln. Zum einen soll eine retrospektive Sicht Aufschluss über die geschichtliche Entwicklung geben, zum anderen soll das für die französische Presse Charakteristische g ezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich Tageszeitung. So soll gezeigt werden, wie aus der Presse als intellektuelles Produkt in kleinen Auflagen für erlesenes Publikum ein kommerzielles Massenmedium wird, wie die he utige Pressesituation in Frankreich aussieht und welche Perspektiven sich ergeben.
2. DIE PRESSE ANFANG DES 19. JAHRHUNDERTS
Auf wackligen, unerfahrenen Füßen scheint die französische Presse in dieser Zeit zu stehen. Sowohl die zeitaufwendige und komplizierte Herstellung, die aufgrund der fehlenden Infrastruktur schwierige Verteilung und schließlich der Kauf selber sind kostspielige Unterfangen. Dementsprechend hatte die Zeitung noch nicht die Bedeutung, die sie heute hat.
Sie war für einen Großteil der französischen Bevölkerung ein Luxusgut oder aber völlig bedeutungslos, da man sowieso das Lesen nicht beherrschte.
1 S. z.B. Albert, Pierre (1978): La Presse Française. Paris: La Documentation Française (=
Notes et Etudes Documentaires 4469).
-3Über politische Ereignisse gewann die Presse an Gewicht, was zur Folge hatte, dass sie stets durch Zensur im Zaum gehalten oder aber lediglich mit einer Scheinfreiheit ausgestattet wurde.
2.1 Die Ausgangssituation
Da die Entwicklung der franzö sischen Presse nicht erst Anfang des 19. Jahrhunderts beginnt, ist die Schilderung der Ausgangslage ausschlaggebend, um die Umwälzungen in der Presselandschaft Frankreichs aufzuzeigen. Die ersten Gehversuche französischer Zeitungen und Zeitschriften stehen unter der Bevormundung durch das absolutistische System. Informationen und Unterhaltsames in Druckform waren ein Exklusiv-Vergnügen für Adel und wohlhabendes Bildungsbürgertum. Die erste französische Zeitung erschien bereits 1631: die Gazette 2 von Theophraste Renaudot, quasi die Urgroßmutter der politischen Nationalzeitungen. Die ersten Zeitschriften gab es von und für Gelehrte, wie das Journal des Savants 1665, aber auch die Unterhaltungssparte ließ nicht lange auf sich warten, und belustigte in Form des Mercure Galant die ausgewählte Leserschaft mit Neuigkeiten vom Hof. 3 Erst mit der Französischen Revolution 1789 beginnt die Presse, sich zu emanzipieren. Sie wächst sprichwörtlich aus den Kinderschuhen heraus:
„La presse est sortie de l´enfance, c´est maintenant une adolescente.“ 4 Deutlichstes Zeichen für einen Fortschritt ist die Verankerung der Meinungs- und Pressefreiheit in den Droits de l´homme et du citoyen. Jeder Bürger darf frei sprechen, schreiben und drucken. Dementsprechend kommt es zu einer Explosion auf dem Pressemarkt. Zwischen 1789 und 1799 erscheinen mehr als 1300 Zeitungen aller Formen, Stilrichtungen und Te ndenzen. 5 Der aus dem Zusammentreffen der umwälzenden Ereignisse ent-standene Informationsbedarf lässt die Zahl der Tageszeitungen von drei im
2 Frz. Zeitungs- bzw. Zeitschriftennamen werden kursiv gedruckt.
3 Vgl. Albert, Pierre (1992) : Le Passé de la Presse Française. In : Französische Presse und Pressekarikaturen 1789-1992. Hg. v. Rolf Reichardt (Ausstellungskatalog der Uni Mainz 3.6.-17.7.1992). Mainz: Schmidt, S. 7-9. Und: Wilke, Jürgen (2000) : Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte : von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Weimar; Wien: Böhlau, S. 72f.
4 Bailly, Christian: De la Gazette à Internet. Les grandes étapes de la Presse Française. In : http://www.museedelapresse.org/Hp1a_E.html (26.04.2002).
5 Vgl. Albert, Pierre (1992), S. 8.
-4-Januar 1789 auf 33 im Dezember des gleichen Jahres anwachsen. 6 Das Postwesen wird 1793 verstaatlicht und ausgebaut, das Personal aufgestockt. Für den hauptsächlich über Abonnement laufenden Zeitungsabsatz werden also die besten Voraussetzungen geschaffen. 7
2.2 Politische Repressionen
Der explosionsartigen Euphorie der Französischen Revolution, die auch auf die Erkenntnis der Einflussmöglichkeiten durch das Medium Presse zurückzuführen ist, wird durch die neue Regierung mit Napoleon ein Riegel vorgeschoben.
Die „Hydra mit den tausend Köpfen“ [wird vom 1799-1804 regierenden Konsulat] „mit dem Schuhabsatz zertreten. “ 8 Sehr deutlich erkennt auch Napoleon die Bedeutung des Einflusses der Presse. Deshalb bleibt er kate-gorisch:
„Ihr die Freiheit lassen, dann könnte ich sofort abdanken, um auf einem Bauernhof weit entfernt von Paris zu leben.“ 9 Viele Zeitungen werden verboten, die verbleibenden werden mit einem Zensor aus gestattet. Der 1799 gegründete Moniteur Universel wird das offizielle Blatt des Landes. Den mehr als 170 Zeitungen der Provinz droht die Schließung, wenn sie nicht die Artikel des Propagandaorgans des „einzigen Journalisten namens Napoleon“ 10 übernehmen.
1810 beschränkt Napoleon die Zahl der Blätter pro Departement auf ein einziges, um die Kontrolle aus Paris zu erleichtern. Diese rigorose Pressepolitik führt dazu, dass neben diesen Departementszeitungen nicht mehr als vier Titel in Paris übrig bleiben: Moniteur Universel, Journal de l`Empire, Gazette de France und Journal de Paris. 11 So kommt es in dieser Zeit rein politisch betrachtet wieder zu Verhältnissen wie im Absolutismus.
6 Vgl. Feyel, Gilles (1999): La Presse en France des origines à 1944. Histoire politique et matérielle. Paris: Ellipses, S. 44.
7 Vgl. ebd., S. 50.
8 Übersetzt aus Bailly, Christian.
9 Übersetzt aus ebd.
10 Übersetzt aus ebd.
11 Vgl. Albert, Pierre (1992), S. 8. Und : Histoire de la Presse Française au 19eme siècle . In : http://members.aol.com/melinette/essai1.htm (07.05.2002).
-5-
2.3Die wirtschaftliche Situation
Aber nicht nur politische Umstände bremsen den Eifer der Neugründungen. Mangels wirtschaftlicher Erfahrungen scheitern viele auf dem glatten Parkett des Zeitungsgeschäfts. Die zaghaft beginnende Entwicklung der Werbung war durch die Revolution jäh unterbrochen worden, so dass das Budget einer Zeitung gleichzusetzen war mit der Balance zwischen Abonne-mentkunden bzw. Einzelverkauf und den anfallenden Ausgaben. Dabei waren die Preise für die Herstellung, Papier, Druck und das Falten der größte der vier Posten. 12
Schaubild 1
Quelle: Feyel, Gilles (1999), S. 52.
Zur großen Belastung durch die Ausgaben für Herstellung und Verteilung kamen die so genannten rétributions, von Napoleon auferlegte Abgaben, die nicht weniger als ein Drittel der Jahreseinnahmen ausmachten. 13 So war es nicht verwunderlich, dass Zeitungen mangels einer ausreichend großen Leserschaft in finanzielle Zwangslagen gerieten, aus denen sie sich durch krumme Geschäfte zu befreien versuchten. Dabei waren Subventionen der Regierung für gefällige Berichterstattung keine Ausnahme. 14
2.4 Die gesellschaftliche Situation
Zeitung war aufgrund des hohen Preises 15 ein Luxusgut für weniger wohlhabende Bevölkerungsschichten. Mündliche Informationsübermittlung hatte eine entscheidende Bedeutung, da die französische Gesellschaft dieser Zeit
12 Vgl. Schaubild 1, S. 5 dieser Arbeit.
13 Vgl. Feyel, Gilles (1999), S. 59.
14 Vgl. ebd., S. 53.
15 S. Schaubild 3, S. 13 dieser Arbeit.
Quote paper:
Franziska Moschke, 2002, Die Entwicklung der Presse in Frankreich ab dem 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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