1. Einleitung
Seit Ende November 2003 ist es beschlossene Sache: In Deutschland können Anleger vom nächsten Jahr an ihr Geld ohne Umwege in Hedge Funds investieren. Der Bundesrat stimmte dem Investmentmodernisierungsgesetz zu, nachdem bereits Anfang November der Bundestag geschlossen grünes Licht gegeben hatte.
In Deutschland existierte für diese Produkte bisher keine rechtliche Grundlage. Mit dem Inkrafttreten des InvModGes am 1. Januar 2004, als Bestandteil des Finanzmarktförderprogrammes 2006, wurde jedoch der Weg für Hedge Funds am Finanzstandort Deutschland geebnet. 1
Die Hedge Funds können als Publikumsfonds aufgelegt werden wie andere Investmentfonds auch. Als einzige Einschränkung dürfen im Interesse des Anlegerschutzes Single Hedge Funds nicht öffentlich vertrieben werden.
Ziel und Anspruch dieser Ausarbeitung ist es, dem Leser die Strukturen und Eigenschaften von Hedge Funds darzustellen und die geläufigsten Stilrichtungen von Hedge Funds vorzuführen sowie die in Hedge Funds verwendeten Instrumente zu erläutern. Vorab wird der Begriff der Hedge Funds definiert und erläutert sowie ein kurzer Einblick in die Geschichte sowie die Struktur von Hedge Funds gewährt.
Den Kern dieser Arbeit bildet die Darstellung einzelner, typischer Hedge Funds Strategien. Aufgrund der Vielfalt der Strategien ist diese Ausarbeitung keineswegs vollständig, sie spiegelt vielmehr die typischen, in der einschlägigen Literatur wiederkehrenden Taktiken wider. Der letzte Teil dieser Hausarbeit bietet ein Ausblick auf die Hedge Funds Branche in Deutschland. Die Möglichkeiten für Privatanleger, ein Investment in diese Asset-Klasse zu tätigen, bilden dabei einen Schwerpunkt in der Analyse.
1 Vgl. PwC Deutsche Revision; Die Novellierung des Investmentrechts 2004 nach dem InvModG. Frankfurt am Main, Verlag Moderne Wirtschaft, Mai 2004. S.1
2
2. Eigenschaften und Struktur von Hedge Funds
2.1 Was sind Hedge Funds?
Hedge Funds investieren in derivative Finanzinstrumente wie Optionen, Optionsscheine, Futures, Forwards und Swapgeschäfte. Neben solchen Geschäften tätigen sie ebenfalls Leerverkäufe. 2
Da es eine Vielzahl von verschiedenen Hedge Funds Definitionen gibt, sollte man sie anhand ihrer Charakteristika erläutern. Wichtig dabei sind die Zielrichtungen der Fonds, verwendete Instrumente, die Gebührenstruktur sowie die Person und die Involvierung des Hedge Funds Managers. Demnach
- zielen Hedge Funds auf eine positive und risikoeffiziente Wertentwicklung unter alle n Umständen (absolut positive Rendite), unabhängig vom Marktumfeld ab,
- verwenden sie zu diesem Zweck verschiedene Anlageinstrumente und Hilfsmittel, wie alle Arten von Wertpapieren und Derivaten einschließlich Leerverkäufe zur Erzielung von Hebelwirkung durch Fremdfinanzierung (Leverage),
- profitieren Hedge Funds Manager durch eine gewinnabhängige Vergütung mehr von guter Wertentwicklung als vom Wachstum des Fonds und
- investieren Hedge Funds Manager eigenes Kapital zu gleichen Bedingungen wie die restlichen Anleger. 3
Wichtigstes anlagepolitisches Merkmal von Hedge Funds ist ihre Ausrichtung auf die Erwirtschaftung absoluter Erträge. Das Hauptziel der Fonds ist es dabei, eine absolut positive Rendite zu erzielen, die nicht von Benchmarks wie Indizes abhängig ist. Traditionelle Fonds orientieren sich hingegen an Referenzwerten, wie etwa dem Dax. Sie streben relative Renditen an. Ihre Aufgabe ist erfüllt, wenn sie den zugrunde liegenden Index übertroffen haben. Da sich traditionelle Fonds i.d.R. an Benchmarks wi e Indizes orientieren, ist eine negative Performance für sie nicht beunruhigend, wenn sich der zugehörige Index ebenfalls negativ entwickelt hat.
2 Vgl. A.-K. Achleitner; Handbuch Investment Banking. 2,. überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden, Verlag D. Th. Gabler GmbH, 2000. S. 610
3 Vgl. T. Weber; Das Einmaleins der Hedge Funds: Eine Einführung für Praktiker in hoch entwickelte Investmentstrategien. Frankfurt/Main, Campus Verlag, 1999. S. 20ff
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Aufgrund der Tatsache, dass Hedge Funds eine absolut positive Rendite anstreben, ist auf eine deutlich höhere Motivation des Fondsmanagements zu schließen. 4
Von Leerverkäufen (Shortpositionen) ist die Rede, wenn man einen Vermögenswert verkauft, den man nicht besitzt und später zurückkauft. Für einen Leerverkauf kommen verschiedenste Investment-Vermögenswerte in Betracht, wie Aktien oder Derivate. 5 Eine Shortposition führt zu einem Gewinn, wenn der Preis eines leerverkauften Vermögenswertes fällt, da der Verkäufer den zuvor leerverkauften Posten am Markt günstiger wieder erwerben kann, um seine Verkaufsposition glattzustellen. Zu einem Verlust führt sie, wenn der Preis des leerverkauften Vermögenswerts am Markt steigt, da der Gewinn des zuvor leerverkauften, also „geliehenen“ Finanztitels, nicht die Kosten der Glattstellung deckt. Die folgende Abbildung verdeutlicht diesen Zusammenhang:
Abbildung 1: Gewinn und Verlust aus einem Leerverkauf
Die blaue Linie beschreibt die Abhängigkeit des Gewinnes bzw. des Verlustes aus dem Leerverkauf. Der Verkäufer, der die Shortposition eingegangen ist, macht demnach so lange Gewinn aus dem Verkauf, bis der Marktpreis des leerverkauften Finanztitels den Verkaufspreis übersteigt (grün markierter Bereich).
4 Vgl. A. Rutkis; Hedge-Fonds als Alternative Investments: Stilrichtungen, Risiken, Performance. 1. Auflage, Frankfurt/Main, Bankakademie-Verlag GmbH, 2002. S. 16 ff
5 Vgl. J. C. Hull..; Optionen, Futures und andere Derivate. 4. Auflage, München, R. Oldenbourg Verlag GmbH, 2001. S. 74 ff
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Einen Verlust erleidet er aus dem Geschäft, wenn der Preis am Markt, zu dem er den Titel zur Glattstellung erwerben muss, den Verkaufspreis der Shortposition übersteigt (rot markierter Bereich).
Die Erhöhung der Eigenkapitalrentabilität durch Fremdfinanzierung wird in der angelsächsischen Literatur als Leverage Effekt bezeichnet. 6 Er basiert auf dem funktionalen Zusammenhang zwischen Eigenkapitalrendite und Verschuldungsgrad. Aus dieser Beziehung folgt, dass die Eigenkapitalrendite mit steigender Verschuldung zunimmt, solange die Gesamtkapitalrendite größer ist als der Fremdkapitalzinssatz. 7
Wesentliche Besonderheit von Hedge Funds ist die erfolgsabhängige Vergütung des Managements, abhängig von der Wertentwicklung des Fondsvermögens. Eine gewinnabhängige Vergütung von 10 bis 20 Prozent ist durchaus üblich. Einige Studien haben gezeigt, dass die Wertentwicklung eines Fonds umso höher ist, je größer die Gewinnbeteiligung des Managements ist. Mögliche Begründung liegt darin, dass eine höhere Verdienstmöglichkeit bessere Fondsmanager anzieht und diese zu intensiveren Analyseprozessen bei der Anlageentscheidung tendieren. 8
Der Hedge Fundsmanager investiert einen Teil seines Vermögens in seinen Fonds. Demnach verliert er bei einem Performance-Fiasko nicht nur seine Arbeit, sondern auch Teile seines eigenen Vermögens. Dies und der zuvor genannte Punkt führen dazu, dass der Manager seine eigenen persönlichen Ziele besser mit denen seiner Kunden in Einklang bringt als bei traditionellen Anlagevehikeln. 9
Abschließend soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Name „Hedge Funds“ ein wenig irreführend ist. Im Allgemeinen wird das Wort „hedge“ im Sinne von absichern verstanden. Verbreitet hat sich daher die Bezeichnung „Risikofonds“, weil die Fondsmanager bei ihren Investitionsentscheidungen gezielt hohe Risiken eingehen, um eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Diese Bezeichnung ist aber ebenfalls nicht ganz treffend, da im Grunde jedes Investment risikobehaftet ist. Es bietet sich daher der Name „Absolut Return Investments“ an,
6 Vgl. G. Wöhe; J. Bilstein; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9. überarbeitete und erweiterte Auflage, München, Verlag Franz Vahlen, 2002. S. 351
7 Vgl. L. Perridon; M. Steiner; Finanzwirtschaft der Unternehmung. München, Verlag Franz Vahlen, 2002. S. 487
8 Vgl. A. Rutkis; Hedge-Fonds als Alternative Investments: Stilrichtungen, Risiken, Performance. 1. Auflage, Frankfurt/Main, Bankakademie-Verlag GmbH, 2002. S. 75
9 Vgl. T. Weber; Das Einmaleins der Hedge Funds: Eine Einführung für Praktiker in hoch entwickelte Investmentstrategien. Frankfurt/Main, Campus Verlag, 1999. S. 21 ff
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da Hedge Funds aufgrund ihrer Strategien versuchen, eine a bsolut positive Rendite zu erzielen. 10
2.2 Geschichte
Der erste Hedge Funds wurde von Alfred Winslow Jones im Januar 1949 aufgelegt. Mit der Hilfe von Short Positionen wollte er eingegangene Marktrisiken reduzieren. Weiterhin setzte er Fremdkapital zur Verstärkung seiner Investitionsstrategien ein und führte für sein Management ein personenbezogenes Preis-Anreizsystem ein. 11 Mitte der 50er Jahre folgten andere Fondsgesellschaften, die Short-Selling Strategien einsetzten. 12 17 Jahre, nachdem der erste Hedge Funds aufgesetzt wurde, erschien im Fortune Magazine ein Artikel über Jones und seinen Hedge Funds. Damit wurde der Begriff der „Hedge Funds“ geprägt. Die Verfasserin des Artikels wunderte sich über die Tatsache, dass Jones, trotz seiner 20-prozentigen Vergütung, den besten Anlagefonds im Zehnjahresvergleich um 87% geschlagen hatte. Dies rief einige traditionelle Manager auf den Plan, und im Jahr 1968 gab es bereits 140 bei der amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) registrierte Fonds. 13
Viele dieser neugegründeten Fonds überstanden jedoch die turbulenten Börsenjahre von 1969 bis 1970 und 1973 bis 1974 nicht, was dazu führte, dass dem Hedge Funds Boom ein jähes Ende bereitet wurde, da einige Firmen insolvent wurden. 14
Als Gewinner aus dieser Krise traten die bekannten Manager Michael Steinhardt und Georg Soros hervor (Quantum Fonds), die noch heute als berühmteste Fonds Manager gelten. Insbesondere Georg Soros erlangte eine zweifelhafte Berühmtheit, da er 1992 beschuldigt wurde, mit seinem Fonds gegen das Britische Pfund spekuliert zu haben und damit den Ausstieg der Währung aus dem Wechselkursmechanismus des EWS erzwungen zu haben. Weiterhin machte der malaysische Ministerpräsident die Hedge Funds Branche für die Währungskrise im Jahr 1997 in Asien verantwortlich. 15
10 Vgl. A. Pichel; Hedge Funds: Eine praxisorientierte Einführung. Stuttgart, Schäffer-Poeschel Verlag, 2001. S. 5
11 Vgl. A. Rutkis; Hedge-Fonds als Alternative Investments: Stilrichtungen, Risiken, Performance. 1. Auflage, Frankfurt/Main, Bankakademie-Verlag GmbH, 2002. S. 11 12 Vgl. Ebenda, S. 12
13 Vgl. T. Weber; Das Einmaleins der Hedge Funds: Eine Einführung für Praktiker in hoch entwickelte Investmentstrategien. Frankfurt/Main, Campus Verlag, 1999. S. 24ff
14 Vgl. Ebenda, S. 24 ff
15 Vgl. A. Rutkis; Hedge-Fonds als Alternative Investments: Stilrichtungen, Risiken, Performance. 1. Auflage, Frankfurt/Main, Bankakademie-Verlag GmbH, 2002. S. 12 ff
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Arbeit zitieren:
Michael Ohmann, 2005, Hedge Funds: Darstellung typischer Strategien, München, GRIN Verlag GmbH
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