Hauptseminar: /LWHUDWXUPDUNHWLQJ
Sommersemester 2000, Germanistisches Institut, Ruhr-Universität Bochum
Nina Brunster Anja Balzer
9. Fachsemester LA/MA 7. Fachsemester M. A.-Reformmodell
Germanistik, Geschichte Germanistik, Theaterwissenschaft, Film- und Fernsehwissenschaft
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1.1 Einleitung. 6
1.2 Moderation vom 04. Juli 2000 7
1.3 Verfasserinnen dieser Arbeit. 9
2.1 Unterhaltung als Information und Bildung. 10
2.2 Unterhaltung als gesellschaftliche und soziale Funktion und Interaktion 10
2.2.1 Unterhaltung als gesellschaftskonstituierendes Mittel, Sozialisationsinstrument und
Interaktion 10
2.2.2 Unterhaltung als gesellschaftsdeterminierende Funktion 11
2.2.3 Zusammenfassende Bemerkungen 12
3.1 Welche Vor- und Nachteile haben Literatursendungen mit Magazincharakter
gegen über Sendungen mit Talkshowelementen im Hinblick auf die Vermarktung
von Literatur im Fernsehen? 13
3.2 „Das Literarische Quartett“ 15
3.2.1 Was sind die Besonderheiten des „Literarischen Quartetts“ im Gegensatz zu anderen
Literatursendungen ? 17
3.3 Welche Rolle spielt das Medium Fernsehen in den verschiedenen sozialen
Milieus bei der Vermarktung von Literatur/Belletristik? 19
4.1 Das Kapital. 22
4.1.1 Das kulturelle Kräftefeld 24
4.2 Der Ekel vor dem „Leichten“ 25
4.3 Geschmack. 27
4.3.1 Der „gute“ Geschmack 27
4.3.2 Rezension und deren gesellschaftliche Funktion 29
4
5.1 Literaturkritik 30
5.2 Welche Rolle spielt der Literaturkritiker für den Buchmarkt? 32
5.3 Lässt die empirische Untersuchung von Wilke und König wirklich
zuverl ässige Rückschlüsse auf die Wirkung der Sendung zu? 33
6.1 Hilft das Fernsehen, insbesondere „Das Literarische Quartett“ der Literatur?
34
7.1 Primärtexte. 37
7.2 Sekundärtexte. 37
7.3 Zeitungen/ Zeitschriften. 38
7.4 Internet Quellen 38
5
Das viele Tadeln - wenn sich der, der den Tadel ausspricht,
nicht für unfehlbar hält - macht zuletzt den Tadler selbst unsi-cher, und legt ihm die Frage nah, ob er nicht Unmögliches ver-
lange, ob er sich nicht allmählich in ein verstimmtes Krakehler-tum hineingeschrieben habe? Ich darf sagen, dass mir diese
Frage sehr oft kommt, und dass ich sie schließlich zu meiner
1 Theodor Fontane wird zitiert nach Reich- Ranicki 1994, S. 1
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„In der Tat kann keine Literatur auf die Dauer ohne Kritik bestehen...“ 2 Diese These von Friedrich Schlegel führen wir in der vorliegenden Arbeit weiter, indem wir fragen: hilft die Literaturkritik sogar der Literatur? Welche Rolle spielen Medien, insbesondere das Fernsehen, für die Vermarktung der Literatur? Dies soll mit der vorliegenden Studie exemplarisch am Beispiel des „Literarischen Quartetts“ dargelegt werden.
In öffentlich-rechtlichen Sendern gab es schon viele Literatursendungen, die jedoch immer recht schnell wieder eingestellt wurden, da es an Zuschauern mangelte. „Das Literarische Quartett“ konnte sich bis heute behaupten, wenn man dem Text von Jürgen Wilke und Barabara König Glauben schenkt, hat die Sendung sogar eine Wirkung auf den Buchmarkt bzw. den Absatz der jeweils besprochenen Bücher.
Dieser Frage schließen wir uns an und fragen noch genauer: Nützen Literatursendungen im TV der Vermarktung von Literatur? 3 Wird mit der Platzierung der vorzustellenden Bücher eine bestimmte Vermarktungsstrategie verfolgt? Wenn ja, welche? Kann durch die Platzierung der zu besprechenden Bücher eine Vermarktungsstrategie verfolgt werden? Können Bücher jeglichen Inhalts und jeglicher Qualität gepuscht werden? Wie und was wird im TV vermarktet und beworben: Autoren? Themen? Inhalt? Welche Präsentationsformen sind die besten und warum? Kann man den Inhalt eines Buches bewerben und somit zum Lesen motivieren, muss das Publikum des Literarischen Quartetts überhaupt motiviert werden? Welche Präsentations-form im TV wird dem Inhalt eines Buches am ehesten gerecht? Um das Feld, das durch diese vielfältigen Fragestellungen eröffnet wird, in angemessener Weise zu bearbeiten, werden wir folgendermaßen vorgehen: Ausgehend von diversen 4 Texten vornehmlich von Jürgen Wilke, Barbara König und Pierre
2 Friedrich Schlegel nach Marcel Reich-Ranicki 1994, S. 18
3 „Als ein produktiver Kritiker bewährt sich vor allem derjenige, der sich bemüht, die Sache des Au-tors zu vertreten, ihm zu dienen und ihn in seiner Entwicklung zu fördern.“ Aus: Marcel Reich-Ranicki 1994, S. 27
4 Es schien uns wichtig, diese Thematik von verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten.
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Bourdieu 5 , werden in einem ersten Schritt die möglichen Funktionen von Fernsehunterhaltung aus soziologischer Perspektive untersucht. Daran anschließend wird dieses weite Feld spezifiziert durch die Konzentration auf die Gestaltung verschiedener Literatursendungen im Fernsehen unter besonderer Berücksichtigung des „Literarischen Quartetts“. Die hier entwickelte Beschreibung wird im fünften Kapitel analysiert mit Hilfe der soziologischen Studien Pierre Bourdieus zum Thema des Geschmacks. Diese Vorgehensweise erlaubt es uns dann in einem letzten Schritt auf der bis dato erarbeiteten Basis uns der gesellschaftlich-medial relevanten Rolle des Kritikers zuzuwenden und deren Funktionen zu erläutern.
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„Hilft das Fernsehen der Literatur?", lautete die 1996 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gestellte Preisfrage, auf die der unserer Moderation 6 zugrundeliegende Wettbewerbsbeitrag von Jürgen Wilke und Barbara König eine Antwort sucht.
Die sehr offen bzw. allgemein gehaltene Frage, ob das Fernsehen der Literatur helfe, entspringt der Annahme, dass das Medium Fernsehen einen Großteil der Zeit der Deutschen in Anspruch nimmt und in seiner Programmvielfalt nahezu alle Lebensbereiche berührt. 7 Da bleibt also auch die Literatur, hier im weiteren Sinne das geschriebene Wort, nicht unberücksichtigt.
Die Frage, ob das Fernsehen der Literatur hilft, impliziert zugleich, dass die Literatur einer Hilfe bedarf und auch förderungswürdig ist. Das Autorenduo Wilke und König sieht die Hilfsbedürftigkeit der Literatur zuallererst im wirtschaftlichen Bereich. Ihr Beitrag hat sich zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, „(...) wie sich das Fernsehen auf den Absatz von Büchern und das Lesen von Literatur auswirkt“. 8 Am Bei-
5 Dawir unser Augenmerk besonders auf die soziologischen Gesichtspunkte legen, beziehen wir uns auch auf weitere Texte andrerer Soziologen.
6 Moderation vom 4. Juli 2000: „Literarisches Quartett“ (Nina Brunster/Anja Balzer) 7 Schmitz-Scholemann, Christoph/Menz, Egon/Wagener/Sybil: Hilft das Fernsehen der Literatur? Antworten auf die Preisfrage der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vom Jahr 1996, Göttingen 1997, S. 9ff. (Einleitung). (Im folgenden zitiert als: Schmitz-Scholemann/Menz)Wagener: Antworten)
8 Wilke, Jürgen/König, Barbara: Hilft das Fernsehen der Literatur?, in: Gutenberg-Jahrbuch 1997, S. 254-282, S. 254. (Im folgenden zitiert als: Wilke/König: Fernsehen)
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spiel des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) zeigen die Autoren auf, welche Literatur- und Leseförderung die seit 1963 existente öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt betrieben hat und weiterhin betreibt. Für ihre empirische Untersuchung greifen Wilke und König die Sendung „Das Literarische Quartett“ heraus, anhand derer sie Einschaltquoten und tatsächlichen Absatz der im Quartett vorgestellten Bücher in Zusammenhang bringen, um zu klären, ob sich die Sendung negativ, positiv oder gar nicht auf den Verkauf und/oder das Leseverhalten auswirkt. Auf Grundlage des allen Seminarteilnehmern vorliegenden o. g. Textes von Jürgen Wilke und Barbara König sollte es Ziel der Moderation sein, unter dem Wilke/König entlehnten Titel „Hilft das Fernsehen der Literatur?“, gemeinsam mit den Seminarteilnehmern herauszuarbeiten, ob und welche Rolle das Medium Fernsehen in den verschiedenen sozialen Milieus 9 bei der Vermarktung von Literatur/Belletristik spielt. Da Wilke und König in ihrer empirischen Untersuchung nachweisen, dass die Sendung „Das Literarische Quartett“ offensichtlich eine wie auch immer geartete Auswirkung auf den Buchmarkt hat, sollten die Besonderheiten der Sendung in Abgrenzung zu anderen im ZDF gelaufenen und weiterhin laufenden Literatursendungen herausgestellt werden. Weil das „Literarische Quartett“ im Talk-showformat jeweils fünf belletristische Neuerscheinungen diskutiert und kritisiert, lag die Frage nach Art der Bewertungskriterien für Literatur und ihr Zustandekommen nahe. Dies zog die Frage nach sich, welche Rolle dann der hier zum Fernsehstar mutierte Kritiker für seine Zuschauer und damit für den Absatz von Literatur spielt. Abschließend blieb zu klären, ob dem „Literarischen Quartett“ unter Berücksichtigung des Sendeformates, der Sendezeit, der Einschaltquote und der milieuspezifischen Zielgruppe tatsächlich der von Wilke und König scheinbar nachgewiesene Einfluss auf den Buchmarkt zugesprochen werden kann, oder ob die Argumentation des Autorenpaares Lücken aufweist. Von dieser Frage abhängig war dann auch die Beantwortung der Eingangsfrage, ob das Fernsehen in der Lage ist, der Literatur zu helfen.
Die folgenden Ausführungen sind an den tatsächlichen Ablauf der Moderation angelehnt, sollen aber keine Dokumentation der Sitzung darstellen. Vielmehr sind sie ein Versuch, die Fragestellungen und die daraus entstandenen Seminargespräche, die
9 Vgl.: Schmitz, Claudius/Kölzer, Brigitte: Einkaufsverhalten im Handel. Aufsätze zu einer kunden-orientierten Handelsmarketingplanung, München 1996, S. 180-205. (Im folgenden zitiert als: Schmitz/Kölzer: Einkaufsverhalten) Dieser Text lag den Seminarteilnehmern ebenfalls vor und war durch wiederholte Besprechung in vorangegangenen Seminarsitzungen gut bekannt.
Arbeit zitieren:
Anja Balzer, 2000, Hilft das Fernsehen der Literatur? Die Wirkung von Literaturkritik im Fernsehen - am Beispiel der Sendung 'Das Literarische Quartett', München, GRIN Verlag GmbH
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