Partnerwahl - Befunde und Theorien -
von Thomas Glöckner
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Ausgewählte Befunde zur Partnerwahl 3
2.1 Psychisch-soziale Voraussetzungen für die Partnerwahl 3
2.2 Allgemeine Befunde der Attraktionsforschung 5
2.3 Befunde zur Partnerwahl hinsichtlich romantischer
Beziehungen 6
2.3.1 Ähnlichkeit zwischen den Partnern 6
2.3.2 Geschlechtspezifische Präferenzen bei der Partnerwahl 8
3 Erklärungsmodelle 10
3.1 Soziobiologie und Evolutionspsychologie 10
3.1.1 Paarungswert 11
3.1.2 Kin Recognition 13
3.2 Austauschtheorien 14
3.2.1 Prinzip der Ausgewogenheit: Das Equity-Modell 14
3.2.2 Equity und Partnerwahl 15
4 Zusammenfassung und Ausblick 17
Literatur 19
"Drum prüfe, wer sich ewig bindet."
"Gegensätze ziehen sich an."
"Gleich und Gleich gesellt sich gern."
"Der stärkere Hund kriegt die Hündin."
1 Einleitung
Schon die zahlreichen bekannten Zitate und Binsenweisheiten weisen darauf hin, welch große Bedeutung Fragen der Partnerwahl im alltäglichen Leben des Menschen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die wissenschaftliche Forschung sich dieses Themas relativ ausführlich angenommen hat.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine Übersicht von psychologisch relevanten Befunden und Theorien zur menschlichen Partnerwahl zu skizzieren. Zunächst werden die wichtigsten diesbezüglichen, empirisch gesicherten Phänomene dargestellt, der folgende Teil präsentiert und diskutiert theoretische Erklärungsmodelle.
2 Ausgewählte Befunde zur Partnerwahl
2.1 Psychisch-soziale Voraussetzungen für die Partnerwahl
Es ist klar, dass vor der eigentlichen Partnerwahl der Kontakt, das Zusammentreffen der potentiellen Partner stehen muss . Die Wahrscheinlichkeit dieses Zusammentreffens wird jedoch bereits von einer Reihe von Faktoren beeinflusst.
Hier sind als erstes Aspekte der räumlichen Nähe wie z.B. der Wohngegend zu nennen. Personen, die in unterschiedlichen Städten, Ländern oder gar Erdteilen leben haben eine weitaus geringere Kontaktwahrscheinlichkeit als solche, die in der gleichen Stadt, dem gleichen Viertel oder der gleichen Straße wohnen. Ebenfalls von großer Bedeutung sind auch Ausbildungsstätte (Schule, Uni etc.) bzw. Arbeitsplatz. Auch gemeinsame bzw. ähnliche Hobbies erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens zweier Personen.
Neben der einleuchtenden rein physischen Möglichkeit des Wahrnehmens und der Kontaktaufnahme (z.B. beim Zusammentreffen im Hausflur oder im Sportverein) nennt Buunk (1996) vor allem für häufige Kontakte noch Effekte der mere exposure ("Kontakt schafft Sympathie.") und des möglichen Entdeckens von Gemeinsamkeiten als für die Partnerwahl förderliche Faktoren.
Bei den o.g. Einfußgrößen wird deutlich, dass, es sich bei dem Pool von "zur Auswahl stehenden" potentiellen Partnern nicht um eine zufällige Auswahl handelt, sondern dass hier bereits eine gewisse systematische Selektion nach sozioökonomischen Kriterien getroffen wurde. Es gibt "teuere" Wohngegenden und Arbeiterviertel; die Ausbildung an der Universität bedingt einen gewissen Bildungsstatus; gleiches gilt für den Arbeitsplatz, insbesondere die bekleidete Position. Auch Freizeitaktivitäten sind Ausdruck der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen (z.B. Schafkopfstammtisch vs. Golfclub). Zwar werden diese sozialen Merkmale vom Individuum nicht bewusst d.h. aktiv selektiert, dennoch wird durch die soziale Schichtung die Variation in zahlreichen Merkmalen deutlich verringert, so dass innerhalb einer sozialen Schicht - innerhalb der das Individuum ja hauptsächlich interagiert - schon eine gewisse Homogenität, also Grundähnlichkeit hinsichtlich bestimmter Merkmale besteht (vgl. Klein 1995).
Dies kann - im Vorgriff auf Punkt 3 dieser Arbeit - bereits als eine mögliche Erklärung für die festgestellte Ähnlichkeit von Partnern gelten, zumal die Zugehörigkeit zu und das Aufwachsen in einer sozialen Schicht ja auch das Entstehen und Persistieren bestimmter Einstellungen, Interessen und Verhaltensweisen beeinflusst.
Abschließend sei auch das familiäre Umfeld als Einflussfaktor für die Partnerwahl genannt. Dies kann sich kulturabhängig (vgl. Trommsdorff, 1995) durch die verpflichtende Auswahl von (Ehe-) Partnern durch die Familie äußern oder auch durch implizit oder explizit von der Familie gemachte "Vorschriften" wie z.B. "Ein Ausländer kommt mir nicht ins Haus." oder "Dein Partner sollte aus einer angesehenen Familie stammen."
Die genannten Faktoren machen deutlich, dass von einer völlig "freien" Partnerwahl also keine Rede sein kann. Vielmehr kommt es schon vor der eigentlichen Partnerwahl zu einer starken Auslese, die hauptsächlich durch das einbettende soziale Milieu bestimmt wird.
[...]
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Thomas Glöckner, 2002, Partnerwahl - Befunde und Theorien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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