Schon die zahlreichen bekannten Zitate und Binsenweisheiten weisen darauf hin, welch große Bedeutung Fragen der Partnerwahl im alltäglichen Leben des Menschen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die wissenschaftliche Forschung sich dieses Themas relativ ausführlich angenommen hat.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine Übersicht von psychologisch relevanten Befunden und Theorien zur menschlichen Partnerwahl zu skizzieren. Zunächst werden die wichtigsten diesbezüglichen, empirisch gesicherten Phänomene dargestellt, der folgende Teil präsentiert und diskutiert theoretische Erklärungsmodelle.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgewählte Befunde zur Partnerwahl
2.1 Psychisch-soziale Voraussetzungen für die Partnerwahl
2.2 Allgemeine Befunde der Attraktionsforschung
2.3 Befunde zur Partnerwahl hinsichtlich romantischer Beziehungen
2.3.1 Ähnlichkeit zwischen den Partnern
2.3.2 Geschlechtsspezifische Präferenzen bei der Partnerwahl
3 Erklärungsmodelle
3.1 Soziobiologie und Evolutionspsychologie
3.1.1 Paarungswert
3.1.2 Kin Recognition
3.2 Austauschtheorien
3.2.1 Prinzip der Ausgewogenheit: Das Equity-Modell
3.2.2 Equity und Partnerwahl
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über die psychologisch relevanten Befunde und theoretischen Erklärungsmodelle zur menschlichen Partnerwahl zu geben. Dabei wird untersucht, welche Faktoren die Partnerwahl beeinflussen und durch welche Theorien diese Phänomene wissenschaftlich erklärbar sind.
- Psychosoziale Einflussfaktoren und das soziale Milieu
- Empirische Befunde der Attraktionsforschung
- Evolutionspsychologische Ansätze und Reproduktionsstrategien
- Theorien des sozialen Austauschs und Equity-Modelle
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Paarungswert
Bekanntlich erfolgt die Fortpflanzung beim Menschen auf der Basis von zwei Eltern unterschiedlichen Geschlechts. Die jeweiligen Anforderungen an die Elternteile sind jedoch höchst unterschiedlich. Das Investment von Frauen bei der Gametenbildung ist ungleich höher als das von Männern (Eizelle vs. Spermien). Des weiteren bedingt die innere Befruchtung, dass es an der Frau liegt, das Kind auszutragen. Auch dies führt zu einer krassen Asymmetrie in der Fortpflanzungsaufwendung von Frau und Mann. Ein weiterer bedeutsamer Umstand ist die Tatsache, dass die Frau während der (relativ langen) Schwangerschaft keinen weiteren Nachwuchs produzieren kann, was eine zahlenmäßige Begrenztheit der Nachkommen für die Frau mit sich bringt.
Aus den genannten Umständen resultieren aus rein biologischer Sicht für die Gattung Mensch zwei unterschiedliche optimale Fortpflanzungsstrategien:
• Männchen sollten sich mit möglichst vielen Weibchen paaren um eine „breite Streuung“ des eigenen Erbguts zu erreichen und so viele Nachkommen wie möglich zu zeugen.
• Für Weibchen hingegen ist es günstiger, das Überleben des (zahlenmäßig begrenzten und unter hohem Aufwand produzierten) Nachwuchses zu sichern.
Dies führt zum Modell der intersexuellen Selektion: Sexualpartner werden jeweils nach dem Prinzip des bestmöglichen Reproduktionserfolges ausgewählt, was zu einer nach Geschlechtern differenzierten Bevorzugung bestimmter Merkmale, die auf einen hohen Paarungswert hindeuten, beim potentiellen Partner führt (vgl. Trivers´ parental-investment-Theorie, dargestellt in Olbrich & Brüderl, 1995).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Partnerwahlforschung ein und umreißt den Aufbau der Arbeit von der deskriptiven Befundlage bis hin zu den theoretischen Erklärungsmodellen.
2 Ausgewählte Befunde zur Partnerwahl: Das Kapitel beleuchtet psychosoziale Voraussetzungen, allgemeine Attraktionsfaktoren und geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Partnerwahl.
3 Erklärungsmodelle: Hier werden soziobiologische und evolutionspsychologische Ansätze sowie Austauschtheorien vorgestellt, um die zuvor beschriebenen Phänomene theoretisch zu fundieren.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses Kapitel fasst den State-of-the-Art zusammen und diskutiert die Grenzen aktueller Vorhersagemodelle zur menschlichen Partnerwahl.
Schlüsselwörter
Partnerwahl, Attraktionsforschung, Evolutionspsychologie, Soziobiologie, Paarungswert, Equity-Modell, Austauschtheorien, Geschlechtsunterschiede, Fortpflanzungsstrategien, intersexuelle Selektion, Beziehungsqualität, soziale Homogamie, psychologische Attraktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Grundlagen der menschlichen Partnerwahl, indem sie sowohl empirische Befunde als auch theoretische Erklärungsmodelle zusammenführt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Einfluss des sozialen Milieus, allgemeine Attraktionsfaktoren, geschlechtsspezifische Präferenzen sowie biologische und ökonomische Erklärungsansätze für die Partnerwahl.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung einer Übersicht, die durch die Darstellung empirisch gesicherter Phänomene und die Diskussion theoretischer Erklärungsmodelle ein tieferes Verständnis für die menschliche Partnerwahl ermöglicht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle psychologische und soziobiologische Studien und Theorien gesichtet, gegenübergestellt und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine deskriptive Darstellung der Befunde, wie etwa die Bedeutung von räumlicher Nähe oder Ähnlichkeit, sowie einen theoretischen Teil, der Evolutionspsychologie und Austauschtheorien erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Partnerwahl, Attraktivität, Paarungswert, Equity-Theorie, Evolutionspsychologie und soziale Homogamie.
Was besagt die Kin-Recognition-Hypothese im Kontext der Partnerwahl?
Sie postuliert, dass Individuen bevorzugt Partner wählen, die ihnen genetisch ähnlich sind, um das Überleben des eigenen Erbguts zu sichern, wobei die Identifizierung meist über den Phänotyp erfolgt.
Wie bewertet der Autor die Erklärungskraft der Austauschtheorien?
Der Autor schätzt den Erklärungswert der Austauschtheorien für geschlechtsspezifische Präferenzen eher als gering ein, da die These der strukturellen Hilflosigkeit empirisch nicht hinreichend belegt werden kann.
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- Thomas Glöckner (Author), 2002, Partnerwahl - Befunde und Theorien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3789