Inhaltsverzeichnis
1.Einführung 1
2. Der Autor: Leandro Fernández de Moratín 1
3. Die Werke L.F. Moratíns 4
4. Die Epoche in historischer und gesellschaftlicher Hinsicht 5
5. El sí de las niñas - Handlung und Struktur 8
6. El amante’ der Ilustración im Vergleich zu anderen Epochen 9
7. Zusammenfassung 19
8. Bibliographie 20
1. Einführung
In der Seminararbeit „Die Figur des ‚Amante’ in Leandro Fernández Moratíns Werk El sí de las niñas“, werde ich mich intensiv mit dem Bild des Liebhabers im Theater der spanischen Aufklärung befassen. Der junge, vernunftbetonte Verehrer der ilustración unterscheidet sich gravierend von dem feurigen amante des Barock und der Romantik, der sich insbesondere durch seine tollkühne Unbeherrschtheit auszeichnet. Zu Beginn werde ich einen kurzen Einblick in das Leben des Autoren Leandro Fernández Moratín geben und mich dabei auch, unter besonderer Berücksichtigung auf sein Werk El sí de las niñas, auf seine literarische Hinterlassenschaft beziehen. Darauffolgend schließt sich eine Übersicht über die Epoche - sowohl in historischer als auch kultureller Hinsicht - an, die ich in Relation zu dem Zeitalter der Romantik setzen werde, um die Unterschiede zwischen diesen beiden Perioden offenkundig zu machen. Des weiteren werde ich mich im Anschluss auf Don Carlos, die Figur des amante, konzentrieren und ihn mit weiteren beispielhaften Charakteren aus der spanischen Literatur vergleichen. Abschließend werden ich die Ergebnisse der Untersuchung in einer Zusammenfassung noch einmal wiedergegeben und kommentieren.
2. Der Autor: Leandro Fernández de Moratín
Leandro Fernández de Moratín wurde 1760 in Madrid als Kind des Literaten Nicolás Fernández de Moratín und Doña Isidora Cabo Conde geboren und ist aufgrund seiner, mit der des Vaters übereinstimmenden Profession auch als der jüngere Moratín bekannt. Sein Vater Nicolás stammt aus einer Familie des niederen asturischen Adel, 1 die der jüngere Moratín als zur „clase media“ 2 zugehörig beschrieb. Die sogenannte ‚clase media’ bestand aus Intellektuellen, Beamten, Kaufleuten und selbständigen Bauern, die Eigentümer ihres Landes waren und dementsprechend nicht in Abhängigkeit von den feudalistischen Familien l ebten. Zu dieser Gruppe der selbständigen Bauern gehörte die Familie Moratín, die zugleich als „honrada familia de labradores propietarios“ 3 bezeichnet wird.
1 Väterliche Familie von nobler Herkunft und im Dienste der Königin als ‚Guardajoyas’.
2 Horst Rien, Leandro Fernández de Moratín, (Studien und Dokumente zur Geschichte der Romanischen Literatur, hrg. v. Hans-Joachim Lope, IX), Frankfurt/Bern: Lang 1982, 50.
3 Ebd.
1
Moratín wuchs allein und ohne Geschwister auf und „[a] la edad de cuatro años se vio afectado por las viruelas, enfermedad que no sólo desfiguró su rostro sino que cambió su carácter, hacié ndole retraído y silencioso con las personas que no gozaban de su intimidad”. 4 Er war ein schüchterner Junge, der praktisch keinen Kontakt mit Gleichaltrigen erfuhr und sich vermutlich aufgrund dessen (neben anderen Gründen) in die Welt der Literatur zurückzog. Schon früh wurde Moratín durch den literarischen Kreis der seinen Vater umgab - und sowohl seinen Onkel als auch seinen Großvater einschloss - stark beeinflusst, nicht zuletzt deshalb, weil eben jene Gruppierung die intellektuelle und literarische Elite Madrids in Zeiten von Carlos III. bildete. Folglich war die Kindheit des jungen Leandro fast unausweichlich von einer umfangreichen Bibliothek und zahlreichen Diskussionen, die regelmäßig im literarischen Zirkel seines Vaters stattfanden und ihn beizeiten in ihren Wirkungskreis zogen, geprägt. Darüber hinaus lehnte Nicolás F. de Moratín, wie viele seiner Gefährten und als „einer der profiliertesten Kulturkritiker der spanischen Frühaufklärung“, 5 die zeitgenössischen Methoden und Lehrinhalte der Universitäten ab und untersagte seinem Sohn die Universität zu besuchen.
Statt eines akademischen Berufs, den er vorgezogen hätte, musste Moratín einen sogenannten ‚anständigen’ Broterwerb erlernen, der ihm später seinen Unterhalt gewährleisten sollte. Moratín folgte dem Wunsch seines Vaters und begann als Angestellter in einer Werkstatt für Schmuckverarbeitung zu arbeiten;. nach dem Tod seiner Eltern gibt er diesen Beruf jedoch auf und schlägt gegen den Willen seines verstorbenen Vaters eine literarisch-akademische Laufbahn ein. 7 Im Gegensatz zu anderen Autoren fehlt ihm allerdings die universitäre Ausbildung und ein dementsprechender Abschluss, „[d]as daraus resultierende Minderwertigkeitsgefühl versuchte er [deshalb] durch ein autodidaktisches Studium zu überwinden“. 8
In den folgenden Jahren, zwischen 1792 und 1796, bot sich Moratín die Gelegenheit Europa zu bereisen und somit sowohl seine Bildung nachhaltig zu vervollständigen, als auch seinen Horizont zu erweitern. Ein Stipendium für eine Auslandsreise, vermittelt durch seinen
4 Rosalía Fernández Cabezón, Cómo leer a Leandro Fernández de Moratín, Capellades (Barcelona): Ediciones Júcar,1990, 9..
5 Rien, Leandro Fernández de Moratín, 52.
6 Ebd., 51.
7 Bereits während seiner Arbeit in der Schmuckwerkstatt hatte Moratín seine ersten literarischen Werke verfasst.
8 Rien, Leandro Fernández de Moratín, 52.
2
‚Gönner’ Manuel Godoy, ermöglichte ihm England, Frankreich und auch Italien zu bereisen und wohlmöglich darüber hinaus, die französischen Aufklärer wie Voltaire und Rousseau zu lesen, welche in Spanien verboten waren.
Die Ehe, die in den Werken Moratíns eine so wichtige Rolle spielt, nahm in seinem Privatleben nicht annähernd den gleichen Stellenwert ein - anscheinend war er zu keinen tie fgreifenderen Bindungen fähig, was sich, in Anbetracht der Tatsache, dass er nie den Bund der Ehe schloss, zumindest vermuten lässt.
Trotz dieser Verbindung heiratete Francisca Muñoz y Ortiz einen anderen Bewerber, da Moratín selbst sich nicht dazu durchringen konnte, ihr einen Antrag zu machen. Leandro war über die Entwicklung der Dinge zwar sehr unglücklich, jedoch konnte ihn alle Zuneigung und Liebe zu Francisca nicht dazu bewegen, seine Freiheit für sie aufzugeben. Mit der napoleonischen Invasion von 1808 begann in Moratíns Leben ein neuer Abschnitt: „ Colaboró con las tropas invasoras y en 1812 huyó de Madrid, donde ocupaba el cargo de bibliotecario mayor de la Biblioteca Real. Se trasladó a Valencia y de allí a Barcelona hasta finalizar la guerra.” 10 Im Jahre 1817 verlässt Moratín Spanien und lebt in den folgenden Jahren zusammen mit anderen Exilspaniern in Montpellier, Paris und Bologna. Erst drei Jahre später, [l]a restauración de la Constitución en 1820 le permitió regresar a Barcelona, pero una epidemia le obligó a marcharse a Bayona, y desde entonces ya no volvió a España”. 11
Die letzten Jahre seines Lebens verbringt Leandro Fernández de Moratín in Bordeaux und Paris; trotz Einsamkeit und schlechtem gesundheitlichen Zustand verfasst er ein weiteres Manuskript, das nach seinem Tod unter dem Namen Orígines del teatro español 1883 veröffentlicht wird. 1825 erleidet er einen schweren Schlaganfall der es ihm fast völlig unmöglich macht sich zu bewegen. Moratín stirbt 1828 in Paris und wird neben Molière begraben.
9 Ebd., 81.
10 http://www.cervantesvirtual.com/bib_autor/Mortin/
11 Ebd.
3
3. Seine Werke
Bereits 1790 veröffentlichte Moratín sein erstes Werk El viejo y la niña, welches am 22. Mai uraufgeführt wird. In den folgenden Jahren publiziert Leandro F. Moratín weitere Werke, unter anderen La comedía nueva (1792), ,La mojigata (1793); Él barón (1803) und letztlich, im Jahr 1806, El sí de las niñas, welches sich zu seinem größten Erfolg entwickelte.
Eines der zentralen Themen des Theaters von Moratín beschäftigt sich explizit mit den sogenannten casamientos desiguales - den Ehen zwischen einem alten Mann und einem jungen Mädchen - die der Autor energisch kritisiert. Mit dem Stück El sí de las niñas, „donde expone el tradicional motivo del casamiento entre el viejo y la niña en unos términos ligados con las circunstancias sociales e ideológicas de su tiempo” 13 erreichte Moratín schließlich den Höhepunkt seines Schaffens 14 und seiner Kritik. 15
In der Gesellschaft dieser Epoche waren die casamientos desiguales nichts ungewöhnliches, diese Art der Eheschließung war im Gegenteil äußerst populär. Auch im Freundes- und Familienkreis L.F. Moratíns fand eine Reihe dieser ‚ungleichen Hochzeiten’ statt und schon
Moratín entwickelte sich zu einem der größten Kritiker dieser Freiheitsberaubung der Frau, der so verweigert wurde selbständig zu entscheiden welchen ihrer Bewerber sie anne hmen oder ablehnen wollte, und macht dies in seinen Werken deutlich. In dieser Seminararbeit werde ich mich jedoch nicht mit diesem äußerst interessanten Aspekt der gesellschaftlichen Kultur und der Werke Leandro Fernández Moratíns auseinan-
12 Ebd.
13 Ebd.
14 „El sí de las niñas se mantuvo en cartel 26 días seguidas, más que cualquier comedia popular [...]”, Cabezón, Como leer a Leandro Fernández Moratín, 25.
15 Bei Cabezón wird das Thema der ‚bodas desiguales’ sogar als „tema obsesiva en dramaturgia moratiniana“ bezeichnet, vgl. ebd., 26.
16 Rien, Leandro Fernández Moratín, 83.
4
Arbeit zitieren:
Ilka Kreimendahl, 2003, Die Figur des "Amante" in Leandro Fernández de Moratíns Werk "El sí de las niñas", München, GRIN Verlag GmbH
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