Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Die historische Rahmenbedingungen Seite 4
3. Theorie des Realismus nach Hans J. Morgenthau Seite 5
3.1 Die Philosophische Grundlage des Realismus Seite 5
3.1.1 Niccolò Machiavelli Seite 5
3.1.2 Thomas Hobbes Seite 6
3.2 Die Theoretische Begründung des Realismus Seite 7
3.2.1 Anthropologische Begründung Seite 7
3.2.2 Soziologische Begründung Seite 8
3.2.3 Historische Begründung Seite 9
3.3 Die Internationale Politik in der realistischen Erklärung Seite 9
3.3.1 Der Realismus als Kritik des ideologischen Handelns Seite 10
3.3.2 Der Machtbegriff Seite 10
3.3.3 Der Kampf um Macht Seite 12
3.3.4 Die Begrenzung der Macht durch die Moral Seite 12
4. Zur Problematik der realistischen Theorie Seite 14
5. Schlussbemerkung Seite 16
6. Verwendete Literatur
2
In einer von Bertolt Brechts Geschichten über Herrn Keuner begrüßt diesen ein Mann, der ihn lange nicht gesehen hatte, mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte. 1
Sollte eine politische Theorie mit dieser Scham konfrontiert werden, sie würde zu Recht ebenfalls erbleichen. Diese Theorien sind eine Erscheinung, stark geprägt von gesellschaftlichen Einflüssen, politischen Ersche inungen und historischen Entwicklungen. Insbesondere die der internationalen, sind stets von Dynamik, Veränderung und Weiterentwicklung geprägt. Paradigmenwechsel im Verständnis gesellschaftlichen Zusammenlebens, Werte- und Normenmobilität oder veränderte Grundbedürfnisse machen es nötig, aktuelle Sichtweisen immer wieder zu reflektieren, zu überarbeiten und Prüfungen zu unterziehen. Stets beeinflussen sich hier die verschiedenen Strömungen gegenseitig, lernen, bzw. übernehmen voneinander oder orientieren sich gar am Gegenteil. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer dieser Theorien der internationalen Politik. Der Realismus gilt als eine der einflussreichsten Erklärungen internationaler Beziehungen. Ziel soll es hierbei sein, auf der Basis von Hans Joachim Morgenthaus Ausführungen, die Prinzipien und Mechanismen des realistischen Verständnisses offen zu legen, die philosophischen Grundlagen auf zu zeigen und die verschiedenen Begründungen dieser Theorie zu erläutern. Besonderes Augenmerk soll in der Folge auf dem Einfluss des Machtaspektes im internationalen Geschehen liegen.
1 vgl.:Brecht, Berthold: Geschichten, Aufbau Verlag, Berlin, 1973, S. 261
3
Um die Entwicklung der realistischen Theorie in ihrer Gesamtheit zu erfassen und nachzuvollziehen, ist es unabdingbar, sie auch im Kontext des geschichtlichen Verlaufs zu betrachten. Einen exakten Nullpunkt zu datieren und auf ein bestimmtes Ereignis zu reduzieren ist sicherlich nicht möglich, spielt doch die Summe von historischen Entwicklungen die entscheidende Rolle, welche die bisherige Sichtweise der internationalen Politik veränderte. In den 20er Jahren war das internationale Geschehen geprägt von den Ideen des Universalismus und des Multilateralismus, die ihre Umsetzung mit dem Völkerbund fanden. Im Verlauf der 30er Jahre wurde dieses Gedankengut allerdings von einer zunehmenden Selbstorientierung der Staaten überlagert. Mit dem Scheitern der Genfer Abrüstungskonferenz, sah sich das gerade von den Schrecken des ersten Weltkrieges erholte Europa mit einer neuen Militarisierung der Großmächte konfrontiert. Die Remilitarisierung des Rheinlandes zeigt hier das endgültige Scheitern des Völkerbundes als System der kollektiven Sicherheit und die Ohnmacht der kantschen Ideale auf europäischer Ebene. Zur Verschärfung dieser Zustände trugen auch maßgeblich die Folgen der Weltwirtschaftskrise bei. Der Versuch der Nationalstaaten, dies durch wirtschaftliche Autarkie zu kompensieren, führte allerdings zu großen politischen und sozialen Spannungen innerhalb der Staaten. „An die Stelle des analytischen Bezugsmodells der Völkergemeinschaft trat das Modell eines offenen, multipolaren, zentraler Sanktionsmöglichkeiten entbehrenden internationalen Staatensystems.“ 2
2 Meyers, Reinhard: Die Lehre von den internationalen Beziehungen, Droste-Verlag, Düsseldorf, 1981, S.47
4
Hans J. Morgenthau gilt mit seinem Werk Politics Among Nations 3 als Vater der realistischen Theorie. Er verstand seine Ausführungen allerdings eher als Basis einer Theorie der internationalen Beziehungen, da sich in der Folgezeit die übrigen Vertreter des Realismus auf keine einheitliche, in sich geschlossene Theorie des Realismus einigen konnten. Den gordischen Knoten der internationalen Politik versucht Morgenthau mittels seines Fundamentalbegriffes des im Sinne von Macht verstandenen Begriffes des Interesses zu lösen. 4 „Durch diese Gleichsetzung von Macht und Politik gewinnt Morgenthaus Theorie eine Wucht und Geschlossenheit des Ansatzes, die sie leichter erklärbar und anwendbar erscheinen läßt als manche anderen Theorien.“ 5
Philosophische Grundlagen fanden die Realisten vor allem bei zwei Autoren. Niccolò Machiavellis pessimistische Sicht der menschlichen Natur, sowie dessen Hervorhebung des Machtbegriffes und Thomas Hobbes Schilderungen des Naturzustandes prägten maßgeblich i hr Verständnis über die Mechanismen der internationalen Politik.
Zentraler Kern bei Machiavelli ist die Begrifflichkeit der Macht. Eng verbunden damit sind deren Erhalt und Vergrößerung. Der Erhalt des Staates und der Staatsmacht wird damit zur Maxime erklärt. Machiavelli empfiehlt, im Hinblick auf die Schlechtigkeit des Menschen, vorausschauend zu handeln und nicht auf Versprechungen, sondern Vorkehrungen zu bauen. Grundintention ist, sich nur auf das zu verlassen, was man selbst beeinflussen kann. Es gilt somit, nicht nur „gegenwärtigen Gefahren, sondern auch den zukünftigen [...] mit allem Fleiß
3 Morgenthau, Hans Joachim: Politics Among Nations, Kopf-Verlag, 1973
4 vgl.: Morgenthau, Hans Joachim: Macht und Frieden, C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh, 1963, S. 51
5 Kindermann, Gottfried-Karl; Grundelemente der Weltpolitik, Piper Verlag, München, 1986, S. 16
5
Arbeit zitieren:
Fabian Will, 2005, Internationale Politik in der realistischen Erklärung nach Hans Joachim Morgenthau, München, GRIN Verlag GmbH
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