,QKDOWVYHU]HLFKQLV
1.Ein Überblick..................................4
2.Geschichte der Ethnostruktur....................4 2.1 Die Rolle der Ethnostruktur 2.2 Überblick über die nationalen Geschichtsbilder 2.3 Vom Mittelalter zur frühen Osmanenzeit 2.4 Mittlere Osmanenzeit 2.5 Entwicklungen im 19. Jahrhundert 2.6 Der Konflikt im 20. Jahrhundert
3.Die Konfliktgeschichte in der neueren Zeit.....10 3.1 Der Kosovo im politischen Mythos 3.2 Serbische Strategien im Umgang mit den Albanern 3.3 Der Weg in den Konflikt von 1998/99
4.Wirtschaft und Gesellschaft seit 1945..........12 4.1 Entwicklung der wirtschaftlichen Struktur 4.2 Entwicklungen in der Gesellschaft 4.3 Ein Ausblick
5.Kultur und Konflikt............................14 5.1 Territorium und Siedlungsgeschichte 5.2 Kulturelle Zeugnisse und Bildung
6.Ein Fazit......................................15
7.Literaturverzeichnis....................................17
1. Ein Überblick
Die Begründung territorialer Konflikte erlebte im 19. Jahrhundert einen grundlegenden Wandel: In den „alten Zeiten des ‚Länderschachers‘“(S.17) 1 waren sie noch durch die Geltendmachung von dynastischen Rechtsansprüchen geprägt. Im Unterschied dazu hat sich, bedingt durch die Veränderung des Verständnisses, was ein Staat ist, danach eine neue Art von Gebietsansprüchen durchgesetzt, die Bevölkerung und deren Ethnie in den Vordergrund stellt 2 . So wurde auch im Kosovo im Rahmen des Krieges von 1998/99 die Ethnostruktur der Region zum Ausgangspunkt für dessen Begründung. Die Kosovaren behaupteten einen 90-prozentigen Bevölkerungsanteil zu haben, während die Serbische Seite deutlich niedrigere Zahlen anführte und auch auf ihre „historischen Rechte“(S.18) verwies. In der Sprachregelung der Internationalen Staatengemeinschaft fixierte man den Kosovo schließlich als „multiethische Region“(S.17). In dieser Arbeit sollen im Folgenden die historischen Grundlagen dieses Konfliktes im Mittelpunkt stehen. Dazu wird aus dem Werk „Der Kosovo Konflikt“, herausgegeben von Jens Reuter und Konrad Clewing, 3 das erste Kapitel mit seinen vier Aufsätzen herangezogen und dessen Gesichtspunkte zusammengefasst.
2.Geschichte der Ethnostruktur
Die Arbeit von Konrad Clewing „Mythen und Fakten zur Ethnostruktur im Kosovo - ein geschichtlicher Überblick“ vermittelt die historischen Grundlagen des Konfliktes im besonderen Hinblick auf die Bevölkerungsstruktur und deren geschichtlichen Wandel.
1 Konrad Clewing (2000): Mythen und Fakten zur Ethnostruktur im Kosovo -Ein geschichtlicher Überblick, in: Jens Reuter, Konrad Clewing (Hrsg.): Der Kosovo Konflikt/Ursachen - Verlauf - Perspektiven, Klagenfurt; alle folgend eingefügten Seitenangaben beziehen sich darauf.
2 Ebd., S.17.
Jens Reuter, Gustav Clewing (Hrsg.) (2000): Der Kosovo Konflikt/ 3
Ursachen - Verlauf - Perspektiven, Klagenfurt.
4
2.1Die Rolle der Ethnostruktur
„Der Streit um die Entwicklung der Ethnostruktur Kosovos“, so schreibt Konrad Clewing, „ist ein Streit um dessen Geschichte überhaupt“(S.19). Als politisches Territorium existierte der Kosovo erstmals in den 1870er als
Verwaltungseinheit und, etwa in den heutigen Grenzen, erst seit 1945. Trotzdem handelt es sich bei dieser Region um eine eigenständige Geschichtslandschaft, die gekennzeichnet ist, durch das Aufeinandertreffen der Serben und Albaner. 4 Um aktuelle Ansprüche zu rechtfertigen verweisen beide Seiten heute auf „ihre“(S.19) Geschichte und legen dabei den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Struktur der
Bevölkerung. So existieren zwei Argumentationslinien: Die albanische, die behauptet man sei schon immer da gewesen und die serbische, die den Kosovo als „Zentrallandschaft des mittelalterlichen Serbiens“(S.19) betrachtet und in den Albanern Eindringlinge sieht.
2.2 Überblick über die nationalen Geschichtsbilder Die albanische Seite erklärt ihre Geschichte sehr einfach: Sie seien demnach Nachfolger der antiken Illyrer und somit direkte Erben des Kosovo. Sie hätten, dieser Idee zufolge, deshalb in dieser Gegend auch immer die Mehrheit gestellt, wären aber seit dem Mittelalter von den zugewanderten Serben unterdrückt worden 5 . Die Serben dagegen behaupten, der Kosovo wäre als
„serbisches Kernland“(S.21) im Mittelalter und auch nach der Schlacht auf dem Amselfeld 1389, „praktisch rein serbisch besiedelt“(S.21) gewesen. Erst mit den osmanischen Vorstößen von 1690 und 1737 wäre der Wendepunkt gekommen, an dem die Albaner als „Profiteure“(S.21) serbischer Fluchtbewegungen ins Kosovo eingedrungen wären. Doch hätten sie erst sehr spät, im 19. oder 20 Jahrhundert, dort die
Bevölkerungsmehrheit erreicht 6 . Es stehen sich hier also zwei „konkurrierende
Nationalhistoriografien“(S.22) gegenüber, die den Charakter
4 Vgl. Konrad Clewing (2000), S.19.
5 Ebd., S.21.
6 Ebd., S.22.
5
von „Mythen“(S.22), so Clewing, hätten, da ihnen eine „kritisch begegnende Vergangenheitsbewältigung“(S.23) fehle. Gemeinsam ist ihnen ein „Glaubens-Dreisatz“(S.22):
„a) Wir waren zuerst da; b) wir waren seitdem immer in der Mehrheit bzw. sollten dies von Rechts wegen sein; und c) wir sind diejenigen, denen das Land gehört, denn wenn es jemanden gibt, dem die Geschichte übel mitgespielt hat, dann sind das wir“(S.22-23).
Den nationalen Historikern ist es zu keiner Zeit gelungen diese „geistige Selbstisolation“(S.24) zu überwinden, was auch heute eine friedliche Koexistenz gefährdet. 7
2.3Vom Mittelalter zur frühen Osmanenzeit
Das erste Zeugnis für die Existenz von Albanern in Südosteuropa stammt aus einer Quelle von 1095, worin im Kosovo ansässige Dardanen (ein Zweig der Illyrer) genannt werden. 8 Doch auch die Slawen (die späteren Serben) sind seit dem sechsten Jahrhundert in dieser Region. Erste verwertbare schriftliche Quellen über die Bevölkerungsstruktur liegen jedoch erst seit dem Spätmittelalter vor. Darin lassen sich weitere Belege für das Vorhandensein von Albanern in diesem Gebiet finden, entgegen serbischer Lehrmeinung. Besonderes Gewicht haben hierbei das
„osmanische Katasterverzeichnis“(S.27) von 1455 sowie die auf Steuerlisten gestützte Namensforschung. Besonders Letzteres verweist auf einen „nicht unerheblichen albanischen Bevölkerungsanteil“(S.28) im 15./16.
Jahrhundert. Jedoch widerlegen diese Dokumente auch die albanische Historiografie, denn von einer Mehrheit kann in dieser Epoche nicht die Rede sein. 9
2.4Mittlere Osmanenzeit
Somit ist dargelegt, dass es Kosovo-Albaner schon seit dem Mittelalter in dem umstrittenen Territorium gibt. Das steht im Gegensatz zur serbischen Lehrmeinung, die in den Daten 1690 und 1737 den Beginn der Albanisierung des Kosovo sehen. Geschichtlicher Hintergrund dieser beiden Jahreszahlen ist
7 Ebd., S.25-26.
8 Ebd., S.25.
9 Ebd., S.28-29.
6
Arbeit zitieren:
Felix Hessmann, 2002, Der Kosovo-Konflikt und seine historischen Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Konfliktentstehung im Kosovo
Ein Versagen präventiver Maßna...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 15 Seiten
Dialektik als Grundlage der Geschichtsdarstellung und des Geschichtsbi...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Wirtschaft der Perestroika
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Gorbatschow und die Deutschen im Entscheidungsjahr 1989.
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Albert Camus: une comparaison de L'etranger avec La peste
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 29 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Seminararbeit, 18 Seiten
Philosophische und politische Ethik von Albert Camus und ihr Niedersch...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Bertolt Brecht: Vita und Oeuvre in Zeiten des Nationalsozialismus
Kritik und Perzeption des deut...
Seminararbeit, 27 Seiten
Die Bedeutung der großen Migration von 1690 für die Ethnostruktur des ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Gender als Forschungsbereich in der Marketingtheorie
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 24 Seiten
Felix Hessmann's Text Der Kosovo-Konflikt und seine historischen Grundlagen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Felix Hessmann hat den Text Der Kosovo-Konflikt und seine historischen Grundlagen veröffentlicht
Felix Hessmann hat einen neuen Text hochgeladen
Das Recht und seine historischen Grundlagen
Festschrift für Elmar Wadle zu...
Tiziana J. Chiusi, Thomas Gergen, Heike Jung
Geschichte und Geschehen. Historische Grundbegriffe. Methodenschlüssel
Ein Unterrichtswerk für Geschi...
0 Kommentare