Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geist und Gehirn
2.1 Psychophysischer Parallelismus
2.2 Interaktionistischer Dualismus
2.3 Eigenschaftsdualismus
2.4 Erklärungslückenargument
2.5 Epiphänomenalismus
3. Monistische Theorien
3.1 Cartesianischer Materialismus
3.2 Eliminativer Materialismus
3.3 Identitätstheorie
4. Phänomenales Bewusstsein
5. Fazit
6. Literatur
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1. Einleitung
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob die Möglichkeit besteht, phänomenales Erleben, also mentale Bewusstseinszustände auf neurologische Prozesse zu reduzieren oder ob eher dualistische Theorien zur Darstellung von Gehirn und Bewusstsein die bessere Variante sind.
Seit jeher erscheint das Bewusstsein als etwas Mystisches, nicht Fassbares, obwohl ein „normal“ gesunder Mensch es jeden Tag bei sich erlebt.
Es mag nicht einfach sein, etwas nicht Greifbares für den Verstand greifbar darzustellen. Bewusstsein wird von den meisten Menschen immer noch getrennt vom Gehirn betrachtet und als immateriell bezeichnet, so dass in diesem Zusammenhang auch häufig der Begriff der Seele fällt. Philosophisch bzw. wissenschaftlich betrachtet, ist die Entwicklung zur Erklärung des Bewusstseins mittlerweile jedoch so weit vorangeschritten, dass es zu Zeiten der modernen Hirnforschung und der rasanten Entwicklung in Bereichen wie Neurophilosophie und -psychologie logisch sein sollte, zu denken, dass das Bewusstsein mehr ist als die Gedanken in unserem Kopf; dass es an Neuronen und an die graue Masse unter der Schädeldecke gebunden sein muss und nicht ohne diese zur Existenz gelangen könnte und auch nicht ohne diese weiterexistieren kann.
Die These, dass die Bedingung zur Existenz des Bewusstseins darin besteht, dass es an das Gehirn gebunden ist und dass wir ein Körperbewusstsein besitzen, das phänomenales bzw. mentales Erleben erst ermöglicht, soll im Folgenden ebenfalls einem Erklärungsversuch unterliegen.
Zu einem besseren Verständnis werden dabei verschiedene Positionen wie unter anderen der traditionelle Dualismus, der Eigenschaftsdualismus, der Epiphänomenalismus und verschiedene Formen des Monismus, wie z.B. der eliminative Materialismus und die Identitätstheorie zunächst erklärend dargestellt.
Auch der Begriff des phänomenalen Bewusstseins wird unter der vorherrschenden Thematik und der zu beweisenden These näher dargestellt werden, um so zu einer möglichen Erklärung gelangen zu können.
Aufgrund der großen Anzahl an Bewusstseinstheorien wird es jedoch leider nicht möglich sein, auf alle Theorien detailliert einzugehen, da es den Rahmen dieser Hausarbeit in einem weiten Ausmaß sprengen würde.
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2. Geist und Gehirn
Die Idee, dass der Geist vom Gehirn unterschieden werden muss und nicht aus gewöhnlicher Materie besteht, sondern aus einem speziellen, nicht wirklich zu erfassendem Stoff, ist dualistisch.
Nach Popper und Eccles sei es ganz natürlich an „das Ich und sein Gehirn“ 1 als an zwei verschiedene Dinge mit unterschiedlichen Merkmalen zu denken, auch wenn sie gegenseitig voneinander abhängen, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit eben herausgestellt werden soll 2 .
Auch Descartes schreibt in seiner Abhandlung über die Methode im Jahre 1637, dass das Ich nicht materiell sei und daher auch zur Existenz keines Ortes bedürfe: „Ich erkannte daraus, daß Ich eine Substanz sei, deren ganze Wesenheit und Natur bloß im Denken besteht und die zu unserem Dasein weder eines Ortes bedürfe noch von einem materiellen Ding abhinge“ 3 .
Auch für die platonisch-christliche Tradition ist es klar, dass die Seele oder der Geist nicht vom Körper bzw. Gehirn abhängig ist, sondern sich vom Körper lösen kann und ohne ihn weiterexistiert. Platons Auffassung, dass der Mensch nicht nur aus einem Körper, sondern einem Körper und einer Seele besteht, dass die Seele das eigentliche Selbst des Menschen ausmacht und sie (die Seele) für ihre Existenz auf keinen Körper angewiesen ist, dass der Körper und die Seele des Menschen nur während seines Erdenlebens zusammengespannt sind und sich beim Tode die Seele vom Körper löst, welche dann unsterblich ist, wohingegen der Körper vergeht, wird unter der Theorie des Substanz-Dualismus behandelt 4 und als Glaube oder - etwas abgeschwächt - als Meinung immer noch von vielen Menschen vertreten.
Eine weitere Form des Dualismus findet man in der prästabilierten Harmonie und im Okkasionalismus wieder. Der Okkasionalismus geht davon aus, dass jedes Mal bei gegebenem Anlass, sei es im physischen, sei es im psychischen Bereich, eine höhere Instanz, Gott oder ein Geist regulierend eingreift und den dazugehörigen Zustand im ergänzenden Bereich herstellt. In dieser Theorie, die in der französischen Philosophie des 17. Jahrhunderts von Geulincx und Malebranche vertreten wurde, ist die physikalische Kategorie der Wechselwirkung in der metaphysischen Annahme eines zwischen beiden
1 Eccles/Popper, 1977.
2 Vgl. Dennett 1994, S. 48.
3 Vgl. Dennett 1994, S. 49.
4 Vgl. Beckermann 1999, S. 19-20.
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Bereichen vermittelnden Dritten aufgefangen. Eine solche Theorie ist jedoch unverständlich als Interaktionismus, weil er auf einer nicht verifizierbaren metaphysischen Hypothese beruht. Der Begriff der prästabilierten Harmonie ist auf Leibniz zurückzuführen und besagt, dass Gott nicht jedes Mal anlässlich eines Ereignisses regulierend in die Prozesse der physischen oder psychischen Welt eingreift, sondern nur ein einziges Mal bei der Erschaffung der Welt. Doch auch diese Theorie beruht auf einer metaphysischen Hypothese, die somit wiederum unbeweisbar ist 5 . In der Alltagspsychologie wird über das Bewusstsein von sich selbst immer noch aus der Erste-Person-Perspektive gesprochen und somit zumeist als eigene Instanz - unabhängig vom Gehirn, das neurobiologisch zu erklären ist, - betrachtet. Um dieser Problematik ein wenig näher zu kommen, wird im Folgenden der Begriff des Geistes durch den Begriff des Bewusstseins ersetzt, da in der fortschrittlichen Philosophie hauptsächlich von Bewusstsein als Geist gesprochen wird.
Es sollen nun einige wichtige zum Dualismus gehörende Theorien im Einzelnen dargestellt werden, bevor zum Bereich des Monismus übergegangen wird.
2.1 Psychophysischer Parallelismus
Die Grundidee des Parallelismus besteht in der Annahme, dass geistige und körperliche Phänomene kausal unabhängig voneinander ablaufen. Ähnlich wie bei der prästabilierten Harmonie geht man davon aus, dass Gott die Dinge so eingerichtet hat, dass bestimmten neuronalen Zuständen im Gehirn eines Menschen immer bestimmte mentale entsprechen und vice versa. Gott ist hier mit einem Uhrmacher gleichzusetzen, der zwei Uhren synchronisiert, so dass sie beide zur gleichen Zeit dieselbe Zeit anzeigen, ohne dass zwischen ihnen ein kausaler Zusammenhang bestünde. Diese von Leibniz vertretene Position ist auch unter dem Begriff des radikalen Determinismus bekannt: so ist die Theorie der prästabilierten Harmonie nur dann möglich, wenn der gesamte Ablauf der Welt im Schöpfungsprozess bis in die kleinsten Details vorherbestimmt werden kann -anderfalls müssten die Uhren sehr bald voneinander abweichen 6 . Der Parallelismus verzichtet allerdings auf eine Erklärung und umgeht wie der Okkasionalismus das Problem der psychophysischen Interaktion, indem er einen gegenseitigen Einfluss von Geist und Gehirn bzw. Bewusstsein und Gehirn ausschließt.
5 Vgl. Gloy 1998, S. 68f.
6 Vgl. Pauen 2001, S. 42f.
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Hier greift nun die Position des psychophysischen Parallelismus ein; denn trotz dieser Unabhängigkeit besteht jedoch eine direkte Korrespondenz zwischen der psychischen und der physischen Ebene, so dass ein bestimmtes physisches Ereignis immer parallel mit dem passenden psychischen Ereignis eintritt und umgekehrt. Also gleichzeitig mit einem Willensakt würde dann immer genau die neuronale Aktivität stattfinden, die zur physischen Realisierung des Willensaktes nötig ist.
2.2 Interaktionistischer Dualismus
Der interaktionistische Dualismus geht davon aus, dass sich Geist/Bewusstsein und Körper, obwohl sie Substanzen völlig verschiedener Art sind, gegenseitig kausal beeinflussen. Der Körper wirkt auf das Bewusstsein ein und umgekehrt, wie z.B. Gewebeverletzungen am oder im Körper einer Person Schmerzen verursachen. Aber auch Zustände im Bewusstsein führen zu Zuständen im Körper, so können z.B. Wünsche Handlungen auslösen.
Die Probleme des interaktionistischen Dualismus liegen darin, dass man sich fragte bzw. fragt, welche geistigen Prozesse welche körperlichen Vorgänge verursachen und umgekehrt. Man nahm auch an, dass die kausale Interaktion einen „Ort“ benötigt, um stattzufinden; doch fragte man sich an welcher Stelle des Körpers diese Interaktion wirklich ablief. Descartes, der ebenfalls ein Vertreter des interaktionistischen Dualismus ist, hat bereits auf das Problem des Ortes hingewiesen und vermutete, dass die kausale Interaktion zwischen Geist und Körper nur an einer Stelle, nämlich in der Zirbeldrüse, die im Mittelhirn liegt, stattfindet: Wahrnehmungen entstehen demnach dadurch, dass die von den Sinnesorganen kommenden Nerven auf der Zirbeldrüse ein „Abbild“ der wahrgenommenen Dinge erzeugen, das seinerseits im Bewusstsein einen entsprechenden Wahrnehmungseindruck hervorruft und willentliche Handlungen werden dadurch zum Leben erweckt, indem das Bewusstsein die Zirbeldrüse so dreht, dass sie aus dieser Drüse ausströmenden spiritus animales sich gerade in die Nerven bewegen, die zu den entsprechenden Muskeln führen. Auch Eccles vermutet einen bestimmten Ort im Gehirn für die Geist-Materie-Interaktion. Er meint, dass dieser Ort in den Dendronen, also in Einheiten, die noch wesentlich kleiner sind als die Module, die vom Bewusstsein abgetastet werden, wobei die Module gemeinsam auf geringfügige Änderungen reagieren und diese Reaktion durch Assoziations- und Kommissurenfasern weiterleiten, zu finden
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Arbeit zitieren:
Sabrina von der Heide, 2005, Dualismus oder Monismus - ist es möglich, mentale Phänomene auf neuronale Prozesse zu reduzieren?, München, GRIN Verlag GmbH
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