Vorwort: Warum und für wen dieses Buch?
Fremdsprachenlernen war in früheren Zeiten ein Privileg der Kinder vermögender Leute. Man leistete sich zu diesem Zweck eine im Hause lebende englische Miss oder für das Französische eben eine Gouvernante aus Frankreich. Oder aber man gab sein Kind für eine gewisse Zeit zu Freunden oder Geschäftspartnern in das Land, dessen Sprache es lernen oder erwerben sollte.
Als das Fremdsprachenlernen dann ‚schulisch’ wurde, blieb es erst einmal ein Merkmal höherer Bildung, ganz einfach dadurch, dass es den weiterführenden Schulen vorbehalten blieb. Erst als im Jahre 1964 die Kultusminister der Länder mit dem Hamburger Abkommen a l l e n deutschen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu wenigstens einer Fremdsprache –in der Regel Englisch- eröffneten, war der Weg für ein Englisch für alle gepflastert. Aber immer noch hatte man dabei ältere Schülerinnen und Schüler im Blick, und zwar auf Grund der Tatsache, dass man mit Englischunterricht in der Regel nach der Grundschule beginnen zu müssen meinte, also in der fünften Klasse begann, von den Waldorfschulen und einigen anderen privaten Institutionen einmal abgesehen.
Nun aber hat sich ein gravierender Wandel vollzogen, der größte in der Geschichte des Englischunterrichts überhaupt. Englisch hat seinen Einzug in die Grundschule gehalten, in den meisten deutschen Bundsländern im dritten Schuljahr beginnend, in einigen Ländern aber auch schon mit dem Schuleintritt. Damit treten nun jüngere Lernende in unser Blickfeld. Und da wir alle selbst als Kinder einmal unsere Muttersprache erworben haben, die meisten dann zeitversetzt eine weitere Sprache oder gar mehrere, da wir als Eltern, Großeltern, Nachbarn, ältere Geschwister, Freunde usw. mit dem Spracherwerb von Kindern befasst waren oder es noch sind, dürfen wir uns getrost als Kenner dieser Materie bezeichnen, ausgestattet mit Wissen und Erfahrungen auf diesem Feld.
Aber natürlich gibt es inzwischen ein weiter entwickeltes und erforschtes großes neues Wissen über das Englischlernen, mit dem wir die Kinder unterstützen und ihnen beim Lernen hilfreich zur Seite stehen können. Dies alles zusammenzutragen und übersichtlich und vor allem verständlich darzustellen und dabei gezielt auf heutige Kinder und deren Lernprozesse zu beziehen ist Anliegen und auch Daseinsberechtigung dieser Buches. Und so wenden wir uns an alle, die Kinder haben, Kinder mögen, mit ihnen umgehen, sie unterrichten und fördern (auch fordern) und insgesamt daran interessiert sind, dass deren Englischlernen gut gelingen möge. Somit sind Eltern, Großeltern und alle sonstigen Lernpartner angesprochen, Lehrende, Helfende und Betreuende, erziehende, beratende oder sonst wie pädagogisch tätige Personen. Auch im Hinblick auf Lehrämter Studierende sowie deren Ausbilder und Ausbilderinnen sind in diesen Kreis einbezogen. Und jeder darf zudem auch getrost an sich selber denken, falls er oder sie mit dem Lernen noch beginnen will.
Aber es soll dabei nicht nur um das Englischlernen als solches und für sich allein gehen. Sehr wohl kommt auch das in den Blick, was die heutigen Kinder in ihrem späteren Leben einmal damit anfangen und vor allem bewirken können und sollen: Verstehen und Verständigung, weltweit Einblicke in andere Kulturen gewinnen, Vorurteile abbauen, die Enge des muttersprachlichen Raumes verlassen, denn nach Goethe weiß derjenige nichts von seiner Muttersprache, der nicht auch eine Fremdsprache erlernt hat. Englisch leistet heute das, was im Mittelalter das Lateinische zu leisten hatte, das interkulturelle, internationale, helfende und verbindende Verständigungsmittel. Aber Englisch nützt nicht nur, es bildet auch! Allen Leserinnen und Lesern dieser Publikation sei somit eine gewinnbringende und zugleich vielleicht auch vergnügliche Lektüre gewünscht. Helmut Reisener
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I n h a l t s v e r z e i c h n i s
S e i t e
Warum und für wen dieses Buch ? 2 Kapitel 1: Was Kinder (schon) können - 4
Voraussetzungen, die es zu nutzen gilt Kapitel 2: Children are born learners - 12
Aber jedes Kind lernt anders Kapitel 3: Nothing succeeds like success – 18
Wie wir Motivation schaffen und Mut machen können Kapitel 4: Hören und Lesen, Sprechen und Schreiben – 27
Das meiste lässt sich mit Lust betreiben Kapitel 5: Workshop Words – 43
Wie Wortschatz wirklich ein SCHATZ werden kann Kapitel 6: Workshop Grammar – 67
Wie Grammatik auch Spaß machen kann Kapitel 7: Happiness is found along the way, not at the end of it – 88
Aber dennoch: Was darf man nach den anfänglichen zwei bis drei Jahren des
Englischlernens zum ‚Abholen’ erwarten ? Nachlese 96
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Kapitel 1: Was Kinder (schon) können – Voraussetzungen, die es zu nutzen gilt
Kinder (und wir alle) sind heutzutage hinreichend damit vertraut, dass tagtäglich um sie herum auch andere Sprachen gesprochen werden, dass viele Gleichaltrige aus ihrer Lerngruppe, Schulklasse oder Nachbarschaft sich zu Hause mit ihren Angehörigen in einer anderen Sprache verständigen und dass aus den Medien die Musik meist mit englischen Texten ertönt. Ebenso vertraut sind Kinder heutzutage aber auch mit der Tatsache, dass viele Wörter und Namen aus anderen Ländern Bestandteil ihres eigenen Sprachschatzes sind. Freilich denken sie darüber kaum nach und nehmen es ganz gelassen hin. Da gibt es eine Hülya in der Klasse, die schon eine richtig gute Inline Skaterin ist, im Nachbarhaus gibt es einen Dimitri, der Mitglied in einem Fanclub ist, im Freundeskreis will die Jeannine einmal Modedesignerin werden, während Tarkan von gegenüber sich einen Namen als toller Basketballplayer gemacht hat. Und sie alle unterhalten sich über neue Computer Games, über schicke T-shirts, über Jeans und ihr sonstiges Outfit. Sie alle schwärmen für alle möglichen Burger und Wraps (mit viel Ketchup, versteht sich). Sie treffen sich zum Skaten, und die Tophits der neuen Boy Group können sie in englischer Sprache auswendig mitsingen und finden ihre neue software echt cool. Schwierigkeiten haben sie damit überhaupt nicht, denn auf das detaillierte Verstehen kommt es ihnen nicht so sehr an. Die Aussprache wird einfach imitiert, und auch wenn Lautung und Schriftbild nicht ganz übereinstimmen, dann nehmen sie das ebenfalls ganz gelassen hin.
Hier gilt es, gezielt anzuknüpfen. Dieser riesige Englischwortschatz, über den die Kinder ja schon ganzheitlich verfügen, kostet keine Lernanstrengungen mehr und bietet große Hilfen bei der Ausspracheschulung. Den Doppellaut [ei] von skate finden sie auch in eight oder hey oder OK oder e-mail. Das Problem ist nur, dass diese schon beherrschten Wörter und Begriffe sehr ungeordnet und gleichsam verstreut im Sprachrepertoire der Kinder vorhanden sind. Hier ist es hilfreich, erst einmal für Ordnung zu sorgen. Das lässt sich gut mit Themenpostern wie dem folgenden bewerkstelligen. Die Wörter und Begriffe zu den Themen Musik, Kleidung, Technik, Essen und Trinken, Sport, Verkehr usw. werden auf großen Postern versammelt und mit Zeichnungen und ausgeschnittenen Bildern angereichert.
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In einem zweiten Poster, etwa zum Thema Fashion und Kleidung könnt es um die Wörter
style, jeans, T-sirt, leggings, boots, make-up usw. gehen, und viele weitere solcher
Themenposter sind hier, wie oben schon erwähnt, noch denkbar.
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Das Bewusstmachen der Tatsache, dass es sich hier um die Übernahme von englischen Wörtern handelt, lässt sich dann gut und humorvoll dadurch erreichen, dass man statt der Lehnwörter die entsprechenden deutschen Wörter einsetzt. Dazu dieses Beispiel:
Nun besteht aber ein weiteres Problem darin, dass die Kinder meinen, mit dem Verfügen über solche Wörter seien sie bereits fit im Englischen. Teilweise sprechen sie solche Wörter unwissentlich ja aber falsch oder eben nicht so gut englisch aus. Sie sagen POSTER und sprechen dabei ein langes ‚O’ anstelle des Gleitlautes [ o u ]. Hier kann es dann schwer und
mühsam werden, sich die unzutreffende Aussprache abzugewöhnen und durch die andere, die englische eben, zu ersetzen.
Ohne Umwege sind wir direkt bei der englischen Sprache gelandet, obwohl doch eingangs von ‚anderen Sprachen’ die Rede war. Es wäre sicherlich ein Überforderung, unseren Kindern das Erlernen vieler Sprachen abzuverlangen. Stattdessen wollen wir für das Erlernen einer Sprache plädieren, die von vielen Menschen überall auf der Welt gesprochen oder doch wenigstens verstanden wird. Und das ist nun einmal aus vielen unterschiedlichen Gründen das Englische. Damit ist nicht eine spezielle Variante dieser Sprache gemeint, etwa wie sie in Irland, Kanada oder Australien klingt, sondern das Phänomen englische Sprache als internationales Verständigungsmittel schlechthin. In diesem Zusammenhang wird meist von WORLD STANDARD gesprochen oder auch von ICE (International Colloquial English). Hierzu ein paar Zahlen in einer grafischen Darstellung:
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Im inneren Kreis finden wir die etwa 375 Millionen Menschen, für die das Englische die Muttersprache ist. (ENL = English as a Native Language) Dabei spielt das SABE (Standard American / British English) die größte Rolle.
Eine ebenso starke Gruppe (Kreis 2) gibt es auf der Welt, die sich –wie in Indien oder Singapur- des Englischen als Zweitsprache bedient. (ESL = English as a Second Language) Englisch als Fremdsprache (EFL = English as a Foreign Language) lernen heute etwa 175 Millionen weltweit. Die genaue Anzahl der EFL-Benutzer lässt sich nur sehr schwer ermitteln, da hier die weltweit recht unterschiedlichen Beherrschungsgrade eine Rolle spielen. Insgesamt lässt sich aber festhalten, dass es überall auf der Welt immer mehr Menschen werden, die Englisch lernen, während die Zahl für die ENL- wie auch ESL- Benutzer konstant bleibt ,bzw. leicht zurück geht. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang aber auch die rezeptive Komponente: 80% aller internationalen Organisationen und Firmen bedienen sich des Englischen. Ebenfalls 80% aller Seiten im Internet sind in englischer Sprache verfasst. Und 90% aller wissenschaftlichen Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern sind englischer Sprache geschrieben. Und dazu noch ein rein wirtschaftliches Denkmodell:
Hätte die schwedische Pop-Gruppe ABBA ihre Hits nur in ihrer Muttersprache gesungen, so hätte sie mit einem rein zahlenmäßigen Abnehmermarkt von etwa 10 Millionen Menschen rechnen können, nämlich mit 8,7 Millionen in Schweden selbst und dazu noch Menschen mit Schwedischkenntnissen im übrigen skandinavischen Raum und dazu mit den Finnen mit Schwedisch als Muttersprache. Mit ihren englischsprachigen Songs konnten sie aber weltweit einen Abnehmermarkt von rund 900 Millionen Menschen erreichen.
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Die weltweite Verbreitung des Englischen wird ja auch schon in den Schulbüchern deutlich gemacht, und zwar mit speziell gestalteten Weltkarten, wie z.B. der folgenden:
(Quelle: Lehrwerk SWIFT, Bd. 1 (Klett Verlag) Stuttgart)
Wie es zu dieser Aufteilung über die Welt kam, hat viele geschichtliche, aber auch wirtschaftliche Gründe, deren Erörterung hier aus Platzgründen nicht erfolgen kann, und die auch zu weit führen würde. Der große englische Sprachwissenschaftler David Crystal hat in seinem beachtenswerten Buch THE CAMBRIDGE ENCYCLOPEDIA OF THE ENGLISH
LANGUAGE (Cambridge University Press) den ‚Familien-Stammbaum’ eines anderen
großen Linguisten, nämlich Peter Strevens übernommen. Das soll in der folgenden Abbildung gezeigt werden:
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Dies alles soll nun nicht starr und statisch als feste Gegebenheit angesehen werden. Alles ist in Bewegung und durch die neuen Medien in immer schnellerer Veränderung begriffen. So kommen jährlich etwa 5.000 neue Wörter in das ICE hinein. Neue Dinge, Geräte, Erfindungen, Entwicklungen, auch Trends und Modeartikel usw. erhalten nun einmal dort ihren Namen, wo sie entstehen oder zuerst produziert werden. Aber zu bedenken ist auch dieser Aspekt: Die Dinge werden so benannt und sprachlich so geprägt, dass die Werbung sie gut und global (und damit auch kostengünstig) auf den Märkten verankern kann. Also bekommen wir mountain bikes, inline skaters oder sweat shirts zum Kauf angeboten. Und dann und wann kommt es auch zu Irritationen, denn dass Menschen mit Englisch als Muttersprache unter dem Wort ‚handy’ etwas ganz anderes verstehen als wir hier in Deutschland, das hat sich inzwischen ja schon herumgesprochen. Über solche und andere Irritationen informiert in sehr unterhaltsamer, aber auch informativer Weise Bastian Sick in seinem Buch DER DATIV IST DEM GENITIV SEIN TOD: (Kiepenheuer & Witsch, 2004)
Unter der Überschrift Was Kinder (schon) können ist aber nun auch noch ein weiterer Aspekt wichtig, wenn wir Kindern beim Englischlernen helfen wollen. Es wird zu oft und zu leicht vergessen, dass Kinder ja schon eine Sprache, nämlich ihre Muttersprache, erworben haben. Damit haben sie bereits enorm viel geleistet. Und diese Leistungen sollten wir gezielt nutzen und darauf aufbauen. So haben die Kinder als Kleinkinder gelernt, aus einer Flut von Sprechgeräuschen bekannte, vertraute und immer wiederkehrende Einheiten (Wörter und Wortverbindungen) im wahrsten Wortsinne ‚herauszuhören’. Sodann haben sie gelernt, sich diese Einheiten in ständig wachsender Zahl zu merken, sie mit anderen zu verknüpfen und zu kategorisieren. Somit haben sie denken gelernt. Gleichzeitig haben sie gelernt, ihre Sprechwerkzeuge zu benutzen und zu immer mehr Geläufigkeit und zu gutem Funktionieren zu bringen. Auch haben sie dabei grammatische Grundstrukturen erkannt und übernommen, etwa, wie man fragt oder etwas verneint oder was man sagt, wenn Gegenstände, Tiere und Personen in der Mehrzahl auftreten. Dabei kann es dann freilich auch zu Fehlschlüssen oder Fehlkonstruktionen kommen, die dann aber schnell als untauglich verworfen und dann wieder vergessen werden. „So viele Ratten!“ rief meine Tochter als Kleinkind vor dem
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Bahnhof aus, als ihr dort die vielen abgestellten Fahrräder auffielen. Analog zu Bett – Betten hatte sie eben auch Rad – Ratten gefolgert. Wenn es also alle diese Strategien und Denkstrukturen in der Muttersprache bereits gibt, so sollten wir sie nicht umgehen oder gar vermeiden sondern sie als hilfreiche Stützen beim Lernen mit heran ziehen. Das Kind schaltet ja beim Englischlernen sein muttersprachliches Vorwissen nicht ab. Es vergleicht, kontrastiert, zieht Parallelen, will genaue (Er-)Klärungen. Deshalb tut es gut, Bestätigungen und Absicherungen schnell, ökonomisch und eben hilfreich auch in der Muttersprache anzubieten. Tagelang hatte ich im Englischunterricht in einer Grundschulklasse immer wieder zu Rate- und Fragespielen eingeladen. In einem Schuhkarton hatte ich diverse Gegenstände versammelt, nach denen die Kinder fragen sollten. Is there a ball in the box? Is there a pencil in the box? usw. Durch Zufall stellte ich später fest, dass die Kinder box mit ‘Schuhkarton’ übersetzten, aber nicht mit Schachtel, Kasten oder Kiste. Dieses von mir ungewollt hergestellte Missverständnis hätte schnell und einfach mit dem kleinen Einschub der deutschen Bedeutungsmöglichkeiten verhindert werden können. Der Aachener Psycholinguist und Fremdsprachendidaktiker Wolfgang Butzkamm ist mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen über viele Jahre hinweg nicht müde geworden, immer wieder auf die Hilfs- und Unterstützungsfunktion der Muttersprachenbeherrschung hinzuweisen. (Vgl. Wolfgang und Jürgen Butzkamm, Wie Kinder sprechen lernen, Tübingen, Francke Verlag, 1999) Dazu gehört auch, dass wir auf Ähnlichkeiten und Verwandtschaften zwischen den europäischen Sprachen hinweisen, um auch damit Lernhilfen zu nutzen. Beispiele:
In diesem Zusammenhang sind immer auch die ACH SO – Effekte wichtig. ACH SO ! ‚attic’ heißt ‚Dachboden’! Dann merke ich mir ‚cellar’ auch gleich noch mit dazu und zeichne mir ein entsprechendes kleines Bild:
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Hier nun zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei Fundstellen aus der Presse:
(Quelle: Daily Express, Wednesday August 6, 2003)
(Quelle: FMF-Mitteilungen, Nr. 18 – Sept. 2003)
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Kapitel 2: Children are born learners - Aber jedes Kind lernt anders
Trotz unzähliger Bücher und Abhandlungen tun sich Wissenschaftler schwer damit zu sagen, was denn ‚Lernen’ ist. Man kann das Lernen im Grunde nicht hinreichend definieren. Sehr wohl lassen sich aber viele Faktoren benennen, die das Lernen bestimmen, bzw. innerhalb der Lernprozesse zur Wirkung kommen können. Wir unterscheiden hier äußere (externe) und innere (interne) Faktoren. Bei den externen Faktoren sind zu nennen:
- die Tageszeit (Wann lerne ich am besten?)
- die Räumlichkeiten (Wo und in welcher Umgebung lerne ich am effektivsten und werde nicht gestört?)
- Temperatur und Klima (Wann und wie fühle ich mich am wohlsten?)
- Lernpartner (Lerne ich lieber allein oder brauche ich einen Partner? Wenn ja, wen hätte ich da am liebsten?)
- die Lernmittel (Mit welchen Mitteln und Medien lerne ich am meisten und besten?)
- die Lernziele (Was will oder soll ich –bis wann- schaffen und nachher wissen und können?)
- die Lernwege (Auf welchen Wegen und mit welchen Methoden und Hilfen komme ich am besten und schnellsten zum Ziel?)
- die Lerntechniken (Was gibt es überhaupt für Lerntechniken, und welche davon bevorzuge ich?)
Bei den internen Faktoren sind zu nennen:
- Fitness (Geht es mir gut? Bin ich gut drauf?)
- Stimmung (Wann, wie und womit bringe ich mich in Lernlaune?)
- Gedächtnis (Wie kommt es, dass ich mir manche Dinge so gut und andere wiederum nicht so gut merken kann?)
- Konzentration (Wie lange kann ich am Ball bleiben?)
- Motivation (Was regt mich an, was hält mich vom Lernen ab?)
- Interesse (Was ist für mich bedeutsam an diesem Lernstoff? Was bewegt mich?)
- Lernertyp (Lerne ich lieber durch das Sehen, durch das Hören, durch das Anfassen, durch die Logik und Ordnung, mit Bewegung, Spiel, Musik ...?)
Diese beiden Faktorenkataloge können nun fast endlos fortgeführt werden. Jeder Lerner und jede Lernerin ist sein oder ihr eigener individueller Lerntyp, und jedes einzelne Kind, jeder einzelne Jugendliche hat ja schon eine beachtliche Lerngeschichte hinter sich. Dennoch ist es ganz hilfreich, im Hinblick auf Lernertypen die folgende grobe Einteilung vorzunehmen:
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Man kann Lernen als ein von drei Tätigkeiten her bestimmtes Gesamtgeschehen betrachten, denn es geht dabei stets um das Sammeln (von Wörtern, Wendungen, Sätzen, Äußerungen, ...), um das Sortieren (Zuordnen, Kategorien bilden, ...) und um das Vernetzen (in Zusammenhänge und Kontexte bringen, mit Vor- und Weltwissen verknüpfen, unter anderen Perspektiven betrachten, ...) Dazu muss man bedenken, dass bestimmte Lerner das Lerngeschehen vorzugsweise (freilich nicht ausschließlich) über das Visuelle starten, so wie andere dann lieber über das Akustische. Manche Kinder wollen emotional oder affektiv angesprochen werden. Wieder andere mögen es mehr ganzkörperlich mit Bewegung, Rhythmus, es in die Hand nehmen, mit Tanzen, Klatschen usw. Und dann sind da noch jene, die lieber einen episodischen festen Punkt, eine bestimmte Erfahrung, ein unvergessliches Erlebnis haben möchten, von dem sie ausgehen oder an dem sie etwas fest machen können. Aber es gibt eben auch die kognitiven Lerner, die mit Ordnung, Strukturierung, System und Logik am besten vorankommen.
So sind also unsere Lernanregungen und Lernhilfen gezielter und genauer auf die unterschiedlichen Lernertypen zuzuschneiden. Wir verschaffen uns Klarheit darüber, wie die uns anvertrauten Lernenden (am besten, am leichtesten, am effektivsten) lernen. Im Hinblick auf das Lernen ist aber noch ein zweiter Aspekt in Betracht zu ziehen, denn wir müssen uns ein Bild davon machen, was in unseren Hirnen, und zwar in der linken und zugleich auch in der rechten Hirnhälfte passiert, wenn wir lernend tätig sind. Beide Hirnhälften reagieren auf Lernimpulse in ganz unterschiedlicher Weise:
Die linke Hirnhälfte will Ordnung, Gliederung, Systematik, Kategorien, Planung und Gerichtetheit.
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Die rechte Hirnhälfte will dagegen das Spontane und Intuitive. Sie liebt Bilder, Buntes, Ungeordnetes, Bewegtes, Farbiges, Musikalisches. Der Deutschdidaktiker Ulrich Liebnau hat das mit einer sehr gut nachvollziehbaren grafischen Darstellung in der folgenden Weise veranschaulicht und dazu Wesentliches aus:
(Quelle: Ulrich Liebnau, EigenSinn, Frankfurt/M., 1995, Diesterweg, S. 7)
Es kommt also bei den Lernprozessen darauf an, dass wir beide Hirnhälften der Kinder gut bedienen, um in deren Zusammenwirken zu optimalen Lernerfolgen zu gelangen.
Nun ist jedoch auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Funktioniert das Lernen, so wird das als ziemlich selbstverständlich hin genommen, und es wird nur wenig darüber nachgedacht. Wir müssen uns aber auch fragen, warum zuweilen und bei so manchen Kindern das Lernen nicht so gut vonstatten geht. Hier kommen verschiedene Aspekte von Lernschwäche und Lernbeeinträchtigungen ins Spiel. Lernschwäche ist nach wie vor
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ein sehr komplexer und auch abstrakter Begriff, der sich ebenso wenig gezielt beschreiben und definieren lässt wie das Lernen selbst. Benennen und beschreiben lässt sich allerdings eine Anzahl von Bedingungsfaktoren, die in diesem Komplex zur (leider negativen) Wirkung kommen können. Sie stehen in einer mehr oder weniger dynamischen Wechselwirkung, wobei dann immer das so wichtige Begriffspaar Motivation und Interesse mit angesprochen ist. Und dazu muss festgestellt werden: Schwächen, Störungen, Defizite und Beeinträchtigungen gibt es in jeder Schulart, auf jeder Schulstufe und auf jeder Lernebene.
Von den Bedingungsvariablen der Lernschwäche sind in der folgenden Grafik das wichtigste Dutzend in sternförmiger Anordnung zusammen gestellt. Dabei soll wiederum nicht suggeriert werden, dass alle Faktoren oder Faktorenbündel jeweils allesamt und dabei in gleicher Stärke wirksam sind. Eher soll diese Grafik das Auf- oder Ineinanderwirken dieser Faktoren und ihre gegen- oder wechselseitige Beeinflussung aufzeigen:
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Zu 1: Körperlichkeit und Bewegungsapparat bzw. –abläufe können gestört sein. Auch können gestörte Lerneingangskanäle wie z.B. Sehbehinderungen, mangelndes Hörvermögen, Störungen in der Sprechmotorik vorhanden sein.
Zu 2: Es kann Ausfälle und/oder Störungen in der Merkfähigkeit und bei der individuellen Vernetzung geben.
Zu 3: Unausgewogene Hemisphärenberücksichtigung und nicht hinreichende Beachtung des Lernertyps können ebenfalls Ursachen von Lernschwäche sein.
Zu 4: Unterentwickelter Umgang mit Sprachlichem und Abstraktem, wie z.B. auch Leseschwäche können ein weiteres Ursachenbündel darstellen.
Zu 5: Oft sind Prozess-, Produkt- und Handlungsorientierung zu mangelhaft koordiniert. Es kann zu hektischem Aktionismus ohne rechte und klare Ergebnisse kommen.. Zu 6: Gestörte interpersonale Bezüge (gespannte Atmosphäre, schlechtes Klima, die „Chemie“ stimmt nicht) können die Lernprozesse erheblich beeinträchtigen. Zu 7: Unrealistische Selbst- und Leistungseinschätzung zum Positiven wie zu Negativen hin können sich beeinträchtigend auswirken.
Zu 8: Lern- und Arbeitsstil sind oft falsch eingeschätzt oder gar unbekannt. Zu 9: Mängel in der Medienorganisation könne sich dazu gesellen.
Zu 10: Allgemeine Unsicherheit und große Vermeidungshaltung können ebenfalls zur Wirkung kommen. Man meint, man schafft es ohnehin nicht und will sich der Herausforderung erst gar nicht stellen.
Zu 11: Real- und Sachbezug können affektiv überlagert sein. Das Emotionale, z.B. der Ärger über eine vermeintlich ungerechte Bewertung gewinnt die Oberhand und bremst das Lerngeschehen ab.
Zu 12: Unterentwickelte kooperative Kompetenz kann ebenfalls noch hinzu kommen. Man ist nicht recht teamfähig. Die Zusammenarbeit mit den Anderen klappt nicht.
Wichtig für das Englischlernen ist schließlich noch die Erkenntnis, dass die Person auf der anderen Seite des Lehrertisches stets Motivations- und Impulsgebungsfaktor Nr. 1 ist. In einer schon länger zurück liegenden Befragung von Kindern an französischen Schulen hat man erstaunt festgestellt, dass die Hälfte der Motivationsbemühungen der Englischlehrkräfte gar nicht fachbezogen sondern person- und unterrichtsbezogen gewertet wurden. Entsprechende Balanceakte müssen die Lehrende jeden Tag neu vollbringen. Die folgende Grafik ist mit dem Statement einzuleiten:
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Kapitel 3: Nothing succeeds like success – Wie wir Motivation schaffen und Mut machen können
Englischlernen soll für Kinder eine Erfolgsstory werden. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, einen Blick auf das Zusammenwirken von Motivation und Lernen zu werfen. Motivation steht zunächst in einem Wechselbezug von inneren (intrinsischen) und äußeren (extrinsischen) Faktoren. Alle normal entwickelten Individuen sind von Natur aus intrinsisch motiviert, d.h. sie sind neugierig, suchen Herausforderungen und Bestätigung, genießen Aktivitäten, Freundschaft und Geselligkeit. Aber die Menschen lernen auch aufgrund von an sie herangetragenen Forderungen und Zwängen. Und dazu können auch existenzielle Antriebe wie Hunger, Durst, Ruhebedürfnis, Ängste usw. eine Rolle spielen. Optimal ist es, wenn sich innere und äußere Faktoren die Waage halten, bzw. sich im Einklang befinden oder doch wenigstens in einer Art friedlichen Koexistenz stehen.
- Sodann blicken wir auf den Dreierbezug von Wollen, Mögen und Handeln. In der folgenden Grafik ist diesbezüglich von Intentionen, Emotionen und Anstrengung die Rede. Unser Bemühen muss darauf gerichtet sein, diese drei Komponenten des Motivationsgeschehens zu einem möglichst optimalen Zusammenwirken zu bringen.
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- Es bleibt schließlich der Faktor Zeit zu bedenken, auch hier wiederum in einem Dreierbezug: Bei der Herkunft fragen wir, was die Lerner aus ihrer bisherigen Entwicklung mitbringen und was in ihnen angelegt ist. Bei der Gegenwart richten wir unser Augenmerk auf das, was der Augenblick hergibt, was hier, jetzt und sofort (gern) getan werden soll. Bei der Zukunft geht es schließlich um die Ziele, die Pläne und das Durchhaltevermögen für weiter gesteckte Vorhaben.
- Wie wir oben gesehen haben, hat Motivation immer auch etwas mit Emotionen zu tun. Verschaffen wir uns deshalb einen Überblick darüber, was Kinder mögen, brauchen, wollen und in der Regel gern tun. Der folgende Katalog ist natürlich unvollständig und nach unten hin offen, dennoch aber wohl hinreichend aussagekräftig:
Aus diesem Katalog lässt sich für das Motivationsgeschehen ein Dutzend Faktoren oder ein Faktorenbündel herleiten, die alle, manchmal die einen stärker, manchmal die anderen, in
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einem Zusammenspiel auf das motivationale Geschehen einwirken, sich dabei gegenseitig bedingen und ergänzen.
Zu 1:
Die eher kognitiv Lernenden suchen die Ordnung oder stellen sie her, stellen zusammen, was zusammen passt und Sinn ergibt, wollen Dinge geklärt haben und fragen nach Regelmäßigkeiten, um sodann zu Regeln gelangen zu können.
Zu 2:
Die mehr emotional ansprechbaren Lernenden gehen mit subjektiven Gefühlen an die Dinge heran, sind für Stimmungen empfänglich und wollen angerührt sein. Texte und Stoffe, die betroffen machen, haben bei ihnen den Vorrang.
Zu 3:
Mit humorvollen Elementen, Texten und Aktivitäten sprechen wir wohl alle Kinder gut an, denn welches Kind möchte nicht lächeln, schmunzeln oder (mit anderen zusammen) lachen. Ein solches Lachen verbindet, baut Brücken auf und Hemmschwellen ab, setzt stets positive Vorzeichen.
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Arbeit zitieren:
Dr. Helmut Reisener, 2005, Englischlernen "Kinder"-leicht, München, GRIN Verlag GmbH
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