Inhaltsverzeichnis
2
Inhaltsverzeichnis
I Abkürzungsverzeichnis 6
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis 11
III Allgemeine Vorbemerkung 16
IV Danksagung 17
1. Einleitung 18
1.1 Gegenstand der Arbeit 18
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung 20
1.3 Aufbau der Arbeit 21
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 22
2.1 Der Forschungsstand: Ausgewählte Ansätze und Ergebnisse 23
2.1.1 Die Untersuchungen von Barbara Baerns und die
Determinationshypothese 23
2.1.2 Weitere auf der Determinationshypothese basierende Studien 26
2.1.2.1 René Grossenbacher über die Transformationsleistungen
der Journalisten 26
2.1.2.2 Romy Fröhlich und ihre Studie zum qualitativen Einfluß
von Pressearbeit auf die Berichterstattung 29
2.1.2.3 Torsten Rossmanns Untersuchung zur
Öffentlichkeitsarbeit und ihrem Einfluß auf die Medien
am Beispiel von Greenpeace 32
2.1.2.4 Aktivität und Passivität von Journalisten gegenüber Public
Relations am Beispiel von Pressekonferenzen zu
Umweltthemen eine Analyse von Henrike Barth und
Wolfgang Donsbach 35
2.1.2.5 Claudia Schweda und Rainer Opherden und ihre
Untersuchung zu Journalismus und Public Relations 37
2.1.3 Die Weiterentwicklung der theoretischen Ansätze 42
2.1.3.1 Das Intereffikationsmodell von Bentele Liebert Seeling 43
2.2 Entwickelte Fragestellungen zur Beantwortung der Forschungsfrage 47
3. Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Leipzig 49
3.1 Die Öffentlichkeitsarbeit 49
3.1.1 Die Öffentlichkeitsarbeit nach innen 49
3.1.2 Die Öffentlichkeitsarbeit nach außen 49
Inhaltsverzeichnis
3
3.2 Die Pressestelle und ihre Aufgaben 50
3.2.1 Die Polizei-Pressemitteilung 51
3.2.2 Besondere Anforderungen beim Schreiben einer Presseinformation 52
3.3 Aktive und reaktive Pressearbeit 53
3.4 Pressearbeit in besonderen Situationen 54
3.5 Das Verhältnis zwischen Medien und Pressestelle 54
4. Methode und Auswahl des Untersuchungsmaterials 56
4.1 Die Inhaltsanalyse 56
4.2 Das Leitfadeninterview 57
4.3 Auswahl der Zeitungen 58
4.3.1 Die Leipziger Volkszeitung 59
4.3.1.1 Ein kurzer historischer Abriss 59
4.3.1.2 Auflage Reichweite und Leserkreis 60
4.3.1.3 Inhalt Layout und Aufbau der LVZ 61
4.3.2 Die BILD-Zeitung 61
4.3.2.1 Die Geschichte der Boulevardzeitung 61
4.3.2.2 Auflage Reichweite und Leserkreis 63
4.3.2.3 Themen Methoden und Layout 64
4.4 Methodische Planung und Durchführung der Studie 65
4.4.1 Grundgesamtheit und Stichprobe 65
4.4.2 Das Kategoriensystem 66
4.4.3 Schwierigkeiten beim Erstellen des Kategoriensystems 67
4.4.4 Der Pretest 68
4.4.5 Gütekriterien der Messung 69
4.4.6 Codierung und Auswertung 71
5. Ergebnisse der Inhaltsanalyse 72
5.1 Organisationsdaten 72
5.1.1 Anzahl der von der Pressestelle ausgesendeten Meldungen pro Tag 72
5.1.2 Anzahl der von LVZ und BILD veröffentlichten Mitteilungen pro
Tag 73
5.1.3 Veröffentlichung der Pressemitteilungen in LVZ und BILD 74
5.1.4 Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemeldungen in LVZ und
BILD 75
5.2 Formale Ebene 76
5.2.1 Umfang der Überschriften der Pressemitteilungen und der Artikel in
LVZ und BILD 76
5.2.2 Anzahl bzw Art der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD 78
5.2.3 Umfang der Texte der Pressemeldungen und der Artikel in LVZ und
BILD 79
5.2.4 Form der Presseinformationen und der Artikel in LVZ und BILD 81
5.2.5 Redaktionelle Gewichtung der Artikel in LVZ und BILD 83
Inhaltsverzeichnis
4
5.2.6 Darstellungsformen der Hauptbeiträge in LVZ und BILD 84
5.2.7 Typografische Hervorhebungen der Artikel in LVZ und BILD 86
5.2.8 Verhältnis von Text und Bild der Artikel in LVZ und BILD 87
5.2.9 Größe der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD 88
5.3 Inhaltliche Ebene 89
5.3.1 Themen der Pressemeldungen und der Artikel in LVZ und BILD 89
5.3.2 Häufigkeit der Beantwortung der W-Fragen in den
Polizeipressemeldungen und in den Artikeln von LVZ und BILD 94
5.3.2.1 Beantwortung der W-Fragen in den Artikeln im
Vergleich zu den Pressemeldungen 96
5.3.2.2 Reihenfolge der W-Fragen in den Artikeln im Vergleich
zu den Pressemeldungen 97
5.3.3 Handelnde die in den Pressemeldungen und in den Artikeln von
LVZ und BILD genannt werden 98
5.3.3.1 Nennung der Handelnden in den Artikeln der LVZ und
BILD im Vergleich zu den Pressemeldungen 102
5.3.3.2 Reihenfolge der Handelnden in den LVZ und BILD
Artikeln im Vergleich zu den Polizeipressemeldungen 103
5.3.4 Nähere Angaben zum Täter Tatverdächtigen in den Pressemeldungen
und in den Beiträgen von LVZ und BILD 104
5.3.5 Nähere Angaben zum Opfer in der Pressemeldung und in der LVZ
sowie in der BILD 112
5.3.6 Zitate in den Pressemitteilungen in den Artikeln der LVZ und denen
der BILD 118
5.3.6.1 Veränderungen der Zitate in den Artikeln der LVZ und der
BILD im Vergleich zur Pressemitteilung 120
5.3.6.2 Anzahl der Zitate in den Artikeln der LVZ und der BILD
im Vergleich zur Pressemeldung 120
5.3.6.3 Reihenfolge der Zitate in der LVZ und BILD im Vergleich
zur Pressemeldung 121
5.3.7 Zusatzinformationen der Journalisten in den Artikeln von LVZ und
BILD 121
5.3.8 Schwere des Deliktes in der Pressemitteilung und im Zeitungsbeitrag
von LVZ und BILD 125
5.3.9 Quellennennung in den Artikeln von LVZ und BILD 126
5.3.10 Emotionalisierung in der Pressemitteilung und in der LVZ und BILD 128
5.3.10.1 Details der Emotionalisierung der Artikel in LVZ und
BILD 130
5.3.11 Quantität der Übernahme durch die Journalisten 131
5.3.12 Qualität der Übernahme durch die Journalisten 132
5.3.13 Journalistische Standardisierung der Pressemitteilungen und der
Zeitungsartikel 133
6. Zusammenfassung und Überprüfung der Fragestellungen 138
Inhaltsverzeichnis
5
7. Anhang 159
7.1 Transkripte der Leitfadeninterviews 159
7.1.1 Leitfadengespräch mit Birgit Schlegel amtierende Leiterin der
Pressestelle der Polizei (vom 13 Juli 2004 gekürzt) 159
7.1.2 Leitfadengespräch mit Saskia Grätz Redakteurin bei der Leipziger
Volkszeitung und verantwortlich für die Polizeiberichterstattung
(vom 17 August 2004 gekürzt) 166
7.1.3 Leitfadengespräch mit Angela Wittig Redakteurin bei der BILD
Zeitung und verantwortlich für die Polizeiberichterstattung (vom 15
September 2004 gekürzt) 174
7.2 Das Codebuch 181
7.2.1 Codeplan für die Pressemitteilungen 181
7.2.2 Codeplan für die Artikel in LVZ und BILD 193
7.2.3 Kommentar zu den Codeplänen 209
7.3 Gesetzestexte 239
7.3.1 Auszug der Grundrechte aus dem Grundgesetz 239
7.3.2 Auszug aus dem Sächsisches Gesetz über die Presse (SächsPresseG) 240
7.4 Übersicht zur Struktur der Polizeidirektion Leipzig 242
8. Literatur und Quellenverzeichnis 243
8.1 Primärquellen 243
8.2 Sekundärliteratur 243
8.3 Aufsätze aus Zeitschriften 250
8.4 Weitere Quellen 252
8.5 Internetadressen 253
I. Abkürzungsverzeichnis 6
Symbol Zeichenbedeutung
[…] Eigene Auslassungen bzw. nachträgliche Kürzungen eines
[Einfügung] Einfügungen, Zusätze oder Ergänzungen in ein Zitat zur
§ Paragraph
[sic!] [lat.]: wirklich so; erkannte Fehler im Original
Abkürzung Erklärung
Abo Abonnement
Abk. Abkürzung
Abs.
and. andere
Ankünd. Ankündigung
Anz.
Anz. Ü Anzahl der Überschriften
1 Tobias Liebert weist in seinem Heft zum Zitieren und Belegen von Quelle auf Seite 8 darauf hin, dass es
in der Literatur zwei verschiedene Empfehlungen für die Benutzung der Ausklammerungen „[…]“ bzw.
„(…)“ gibt. In dieser Arbeit werden eckige Klammern „[…]“ sowohl für Zitatkürzungen von Worten als
auch für Auslassungen ganzer Sätze verwendet.
I. Abkürzungsverzeichnis 7
Anz. Z Anzahl der Zitate Art. Artikel
Aufl.
ausgeschr. beantw. beantwortet Betäubungsmittelkrim. Betäubungsmittelkriminalität
BtmG B. W Darst D.bes dt. deutsch Emo Emotionalisierung
emo/emotional. Emo spr Emo bild Emo gra FLZ gen.
Gesch.
Geschl Geschlecht
I. Abkürzungsverzeichnis 8
Gewicht Gewichtung
Größe Ü Hand Hauptüberschr. IPÖ IVW
LNr laufende Nummer LPG Landespressegesetz
LVZ Nation Nationalität Nenn. H Nennung der Handelnden
Nicht-Emo ÖA Öffentlichkeitsarbeit öff. öffentlich(e)
PD Polizeidirektion PK Pressekonferenz
PM PR Public Relations Präv. Prävention
pyramidenf. Quali Quanti relev. relevant R. H Reihenfolge der Handelnden
I. Abkürzungsverzeichnis 9
R. W Reihenfolge der „W-Fragen“
R. Z SächsDSG
Schild.
Servicehinw. Servicehinweis sex. Selbstbest. sexuelle Selbstbestimmung
Tatv./Tatverd. tz Ü.
übern.
Umf. Ü Umf. T umf. umformuliert Unf. Unfall/Unfälle
unterstr. unterstreichen/unterstrichen Unterüber. Unterüberschrift
UO v. von/vom Veränd. Veränderung(en)
V. T/B Verhältnis von Text und Bild V. Z Veränderungen der Zitate
I. Abkürzungsverzeichnis 10
Veröff Veröffentlichung
VO Waffenanw. weggel.
ZA Z. Zitat Zeit Zeitpunkt
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis
11
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Das Intereffikationsmodell von Bentele Liebert Seeling 45
Tabelle 1: Induktions und Adaptionsbeziehungen zwischen PR und
Journalismus in Anlehnung an Bentele Liebert Seeling 44
Tabelle 2: Anzahl der von der Pressestelle ausgesendeten Meldungen pro Tag 73
Tabelle 3: Häufigkeitsverteilung der von der Pressestelle ausgesendeten
Meldungen pro Tag 73
Tabelle 4: Anzahl der von LVZ und BILD-Zeitung veröffentlichten
Pressemeldungen pro Tag 74
Tabelle 5: Häufigkeitsverteilung der von LVZ und BILD-Zeitung
veröffentlichten Meldungen pro Tag 74
Tabelle 6: Veröffentlichung der Pressemitteilungen in LVZ und BILD-Zeitung 75
Tabelle 7: Zeitpunkt der Veröffentlichung von Pressemeldungen in LVZ und
BILD 75
Tabelle 9: Häufigkeitsverteilung der Umfänge der Überschriften der
Pressemitteilungen 77
Tabelle 10: Umfang der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD in
Wörtern 78
Tabelle 11: Häufigkeitsverteilung der Umfänge der Überschriften der Artikel in
LVZ und BILD 78
Tabelle 12: Anzahl bzw Art der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD 78
Tabelle 13: Häufigkeitsverteilung der Textumfänge der Pressemeldungen und
der Artikel von LVZ und BILD 79
Tabelle 14: Umfang der Texte der Pressemeldungen und der Artikel von LVZ
und BILD in Wörtern 80
Tabelle 15: Form der Presseinformationen 82
Tabelle 16: Form der Artikel in LVZ und BILD 83
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis
12
Tabelle 17: Redaktionelle Gewichtung der Artikel in LVZ und BILD 84
Tabelle 18: Darstellungsformen der Hauptbeiträge in LVZ und BILD 85
Tabelle 19: Typografische Hervorhebungen der Artikel in LVZ und BILD 86
Tabelle 20: Typografische Hervorhebungen der Artikel in LVZ und BILD 87
Tabelle 21: Verhältnis von Text und Bild der Artikel in LVZ und BILD 87
Tabelle 22: Größe der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD 88
Tabelle 23: Themen der Pressemeldungen 91
Tabelle 24: Themen der Artikel in LVZ und BILD 93
Tabelle 25: Häufigkeitsverteilung der beantworteten W-Fragen in der
Polizeipressemeldung 95
Tabelle 26: Häufigkeitsverteilung der beantworteten W-Fragen in den
Artikeln der LVZ 95
Tabelle 27: Häufigkeitsverteilung der beantworteten W-Fragen in den
Artikeln der BILD 95
Tabelle 28: Beantwortung der W-Fragen in den Artikeln im Vergleich zur
Pressemeldung 97
Tabelle 29: Reihenfolge der W-Fragen in den Artikeln im Vergleich zu den
Pressemeldungen 97
Tabelle 30: Zahl der Handelnden die in den Pressemeldungen genannt werden 98
Tabelle 31: Handelnde die in den Pressemeldungen genannt werden 99
Tabelle 32: Zahl der Handelnden die in den LVZ-Artikeln genannt werden 100
Tabelle 33: Zahl der Handelnden die in den BILD-Artikeln genannt werden 100
Tabelle 34: Handelnde die im LVZ-Artikel genannt werden 101
Tabelle 35: Handelnde die im BILD-Artikel genannt werden 102
Tabelle 36: Nennung der Handelnden in den Artikeln der LVZ im Vergleich zu
den Polizeimeldungen 102
Tabelle 37: Nennung der Handelnden in den Artikeln der BILD im Vergleich
zu den Pressemitteilungen 102
Tabelle 38: Reihenfolge der Handelnden in den LVZ-Artikeln im Vergleich zu
den Polizeimeldungen 103
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis
13
Tabelle 39: Reihenfolge der Handelnden in den BILD-Artikeln im Vergleich zu
den Pressemeldungen 103
Tabelle 40: Zahl der Täter Tatverdächtigen in der Pressemeldung 104
Tabelle 41: Geschlecht der Täter Tatverdächtigen in der Pressemeldung 105
Tabelle 42: Nationalität der Täter Tatverdächtigen in der Pressemeldung 105
Tabelle 43: Alter der Täter Tatverdächtigen in der Pressemeldung 106
Tabelle 44: Zahl der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der LVZ 107
Tabelle 45: Geschlecht der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der LVZ 108
Tabelle 46: Nationalität der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der LVZ 108
Tabelle 47: Alter der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der LVZ 109
Tabelle 48: Zahl der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der BILD 109
Tabelle 49: Geschlecht der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der BILD 110
Tabelle 50: Nationalität der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der BILD 111
Tabelle 51: Alter der Täter Tatverdächtigen in den Artikeln der BILD 111
Tabelle 52: Zahl der Opfer in den Polizeipressemeldungen 112
Tabelle 53: Geschlecht der Opfer in den Polizeipressemeldungen 112
Tabelle 54: Nationalität der Opfer in den Polizeipressemeldungen 113
Tabelle 55: Alter der Opfer in den Polizeipressemeldungen 113
Tabelle 56: Zahl der Opfer in den Artikeln der LVZ 114
Tabelle 57: Geschlecht der Opfer in den Artikeln der LVZ 114
Tabelle 58: Nationalität der Opfer in den Artikeln der LVZ 115
Tabelle 59: Alter der Opfer in den Artikeln der LVZ 116
Tabelle 60: Zahl der Opfer in den Artikeln der BILD 116
Tabelle 61: Geschlecht der Opfer in den Artikeln der BILD 117
Tabelle 62: Nationalität der Opfer in den Artikeln der BILD 117
Tabelle 63: Alter der Opfer in den Artikeln der BILD 118
II Abbildungs und Tabellenverzeichnis
14
Tabelle 64: Zitate in der Pressemitteilung 118
Tabelle 65: Zitate in den Artikeln der LVZ 119
Tabelle 66: Zitate in den Artikeln der BILD 119
Tabelle 67: Veränderungen der Zitate in den Artikeln der LVZ im Vergleich
zur Pressemitteilung 120
Tabelle 68: Veränderungen der Zitate in den Artikeln der BILD im Vergleich
zur Pressemitteilung 120
Tabelle 69: Anzahl der Zitate in den Artikeln der LVZ und der BILD im
Vergleich zur Pressemitteilung 121
Tabelle 70: Reihenfolge der Zitate in den Artikeln der LVZ und der BILD im
Vergleich zur Pressemitteilung 121
Tabelle 71: Zusatzinformationen der Journalisten in den Artikeln von LVZ und
BILD 122
Tabelle 72: Schwere des Delikts in der Pressemitteilung und in den Artikeln
von LVZ und BILD 125
Tabelle 73: Quellennennung in den Artikeln von LVZ und BILD 126
Tabelle 74: Emotionalisierung in der Pressemitteilung 128
Tabelle 75: Emotionalisierung in den Artikeln der LVZ und BILD 129
Tabelle 76: Details der Emotionalisierung in den Artikeln der LVZ und BILD 131
Tabelle 77: Details der Emotionalisierung in den Artikeln der LVZ und BILD 131
Tabelle 78: Details der Emotionalisierung in den Artikeln der LVZ und BILD 131
Tabelle 79: Quantität der Übernahme durch die Journalisten 132
Tabelle 80: Qualität der Übernahme durch die Journalisten 133
Tabelle 81: Journalistische Standardisierung der Pressemitteilungen 134
Tabelle 82: Journalistische Standardisierung der Artikel in LVZ und BILD 134
Tabelle 83: Journalistische Standardisierung der Pressemitteilungen 134
Tabelle 84: Journalistische Standardisierung der Artikel in LVZ und BILD 135
Tabelle 85: Journalistische Standardisierung der Pressemitteilungen 136
Tabelle 86: Journalistische Standardisierung Artikel in LVZ und BILD 137
II. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 15
Tabelle 87: Häufigkeitsverteilung der beantworteten „W-Fragen“ in den 95 von der LVZ übernommenen Polizeipressemeldungen..................................141
Tabelle 88: Häufigkeitsverteilung der beantworteten „W-Fragen“ in den 95 von der LVZ publizierten Artikeln .................................................................141
Tabelle 89: Häufigkeitsverteilung der beantworteten „W-Fragen“ in den 74 von der BILD übernommenen Polizeipressemeldungen ................................142
Tabelle 90: Häufigkeitsverteilung der beantworteten „W-Fragen“ in den 74 von der BILD publizierten Artikeln................................................................142
Tabelle 91:
Häufigkeit der Nennung der Handelnden in den 95 von der LVZ übernommenen Pressemeldungen und in den 95 abgedruckten
Artikeln ....................................................................................................148
Tabelle 92: Häufigkeit der Nennung der Handelnden in den 74 von der BILD übernommenen Pressemeldungen und in den 74 darauf basierenden
Artikeln ....................................................................................................148
III. Allgemeine Vorbemerkung 16
Grammatikalisch maskuline Form
Wird in dieser Diplomarbeit die grammatikalisch maskuline Form verwendet, gilt die Bezeichnung gleichermaßen für natürliche Personen des männlichen und weiblichen Geschlechts.
Hinweise zu Zitaten, Abbildungen und Buchtiteln
Alle besonderen Schreibweisen in Zitaten, Abbildungen und Buchtiteln (fett gedruckt, kursiv, falsche Orthographie oder Grammatik, alte Rechtschreibung) wurden vom Original unverändert übernommen und sind daher im Text nicht noch einmal gesondert ausgewiesen.
Rundungsdifferenzen
Alle Prozentzahlen in den Tabellen dieser Arbeit weisen den Wert der berechneten Ergebnisse bis maximal eine Stelle nach dem Komma aus. Durch mathematische Rundungen können daher geringe Abweichungen von dem Wert 100,0 Prozent auftreten. Auch die Angaben zum Durchschnitt, zur Standardabweichung und Häufigkeitsverteilung sind gerundet und ohne Nachkommastelle ausgewiesen.
Synonyme Begriffe
Die Wörter „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Public Relations“ sind in dieser Arbeit gleichbedeutend und werden synonym verwendet. Auch die Wörter „publizieren“ und „veröffentlichen“ sind sinnverwandt und werden grundsätzlich nur im Zusammenhang mit den Zeitungsartikeln und nicht in Verbindung mit den Pressemitteilungen verwendet. In der Literatur liest und in der Praxis hört man verschiedene Bezeichnungen für die verschiedenen Überschriften eines Zeitungsartikels. Hier werden die Begriffe „Dachzeile“, „Hauptüberschrift“ (anstatt „Hauptzeile“) und „Unterüberschrift“ (anstatt „Unterzeile“) verwendet.
IV. Danksagung 17
Die vorliegende Untersuchung wäre ohne die tatkräftige Unterstützung von Barbara Schunke, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Präsidium der Bereitschaftspolizei Sachsen, nicht möglich gewesen. Mit ihrer fachlichen Kompetenz hat sie mir in vielen Gesprächen geduldig Rede und Antwort gestanden. Mein weiterer Dank gilt auch den Mitarbeitern der Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig und der Polizei-Fachhochschule Rothenburg, aber vor allem meiner Freundin Annika.
1. Einleitung 18
1.1 Gegenstand der Arbeit
Nachrichtenagenturen, Public-Relations-Verlautbarungen beziehungsweise Pressemitteilungen 2 und eigene Recherchen stellen jene Informationsquellen dar, derer sich Journalisten hauptsächlich bedienen. Nutzungsanteil und Nutzungsgrad sind dabei von Medium zu Medium und auch von Ressort zu Ressort meist sehr unterschiedlich. Der Mangel an finanziellen und redaktionellen Ressourcen, aber auch der Mangel an Zeit durch zusätzlich zu erledigende Aufgaben 3 und das enorm gestiegene Informationsangebot schränken die Journalisten häufig ein. So bleibt ihnen weniger Zeit selbst zu recherchieren oder eigenständige Beiträge zu verfassen. Stattdessen greifen sie verstärkt auf die von außen angebotenen Texte zurück, selektieren, passen sie – entsprechend dem Zeitungstyp – inhaltlich, formal und stilistisch an, fassen zusammen und kürzen. Aus diesem Grund ist der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit von Behörden für den Journalismus sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht sehr wichtig. Die Zulieferung großer Mengen copyrightfreien Materials entlastet die Journalisten in ihrer täglichen Informationsbeschaffung und ist in einigen Ressorts sogar die Voraussetzung zur Aufrechterhaltung des journalistischen Betriebs geworden. Die Texte werden nicht nur von kommerziellen Unternehmen, Verbänden und Kulturbetrieben herausgegeben, sondern auch von Behörden, wie beispielsweise der Polizei.
In der Polizeidirektion Leipzig beschäftigen sich derzeit drei Mitarbeiter mit der Öffentlichkeits- bzw. Pressearbeit. Täglich geben sie zwischen drei und fünf Pressemeldungen an die Medien heraus, zahlreiche weitere Informationen werden telefonisch oder persönlich von Redakteuren und Mitarbeitern der Zeitungen sowie von Radio- und Fernsehsendern erfragt und später vorwiegend zu Meldungen, Nachrichten und Berichten
2 Die Pressemitteilung ist die universellste Form der Weitergabe von Informationen an die Presse. Sie bezeichnet alle umfangreicheren Äußerungen, Erklärungen, Stellungnahmen, Mitteilungen und Hinter-grundnachrichten aus dem Unternehmen/der Behörde an die Presse und Öffentlichkeit. Neben den Hauptkriterien der Aktualität, Verständlichkeit, Wahrheit und Zuverlässigkeit und der Beantwortung der „W-Fragen“ hat die Presseinformation immer einen konkreten Hintergrund und Anlass, den sie zu erklären, zu beantworten oder zu beschreiben sucht. Werden Daten und Zahlen angeben und verwendet, müssen diese belegt sein.
3 Seitenplanung, Layoutgestaltung oder Korrekturlesen
1. Einleitung 19
verarbeitet. Was die Journalisten und ihre Leser, Hörer und Zuschauer vor allem interessiert, sind die schlechten Nachrichten, nach dem Motto: „Bad news are good news“. Ein Handtaschenraub hier, ein Wohnungseinbruch da, Zeugen hierfür gesucht, Hinweise dafür erbeten. Darauf, dass die Polizei mit solchen Pressemeldungen bzw. die Medien als deren Transporteur das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger beeinflussen, sei hier nur am Rande hingewiesen.
Pressemitteilungen der Polizei sind eine wichtige Informationsquelle auch für die Journalisten von Leipziger Volkszeitung und BILD-Zeitung, den einzigen in der Stadt Leipzig ansässigen Tageszeitungen. 4 Sie dienen einerseits als Informationsquelle, andererseits der Überprüfung der Relevanz vieler Ereignisse sowie der Überprüfung von In-formationen auf deren Richtigkeit. Das bedeutet, dass die Journalisten in quantitativer und qualitativer Hinsicht auf die Arbeit der Pressestelle angewiesen sind, denn das Interesse an polizeilichen Themen ist groß. Die Abhängigkeit beruht jedoch auf Gegenseitigkeit: Karl Beele sagt, dass sich die Pressearbeit der Polizei an den gestiegenen Bedürfnissen dieser Mediengesellschaft orientieren müsse, wenn die Polizei mit ihrer Arbeit in der Gesellschaft richtig wahrgenommen werden wolle. 5
Die hier beschriebene gegenseitige Abhängigkeit führt zu einer wechselseitigen Beeinflussung. 6 Die Öffentlichkeitsarbeiter verändern und beeinflussen auf der einen Seite die Berichterstattung, indem sie Journalisten gezielt informieren und so versuchen, sie zu einer bestimmten Themenselektion anzuregen. Eine Vielzahl empirischer Studien konstatiert z. B. die Bestimmung journalistischer Themen und ihrer Veröffentlichungszeitpunkte durch die PR. 7 Auf der anderen Seite müssen sich Öffentlichkeitsarbeiter an den journalistischen Standards und Produktionsroutinen orientieren, um PR-Themen gezielt
4 LVZ-Polizeireporterin Saskia Grätz erklärt im Leitfadeninterview (S. 167), dass sie stark auf die Polizeipressemeldungen angewiesen ist. BILD-Reporterin Angela Wittig misst den Presseinformationen eine nicht so große Bedeutung bei (S. 175).
5 Vgl. Beele, Karl: Pressearbeit der Polizei: Ein Leitfaden für die Praxis. 1. Auflage. Hilden/Rhdl.: Verlag Deutsche Polizeiliteratur, 1999, S. 6.
6 Bentele/Liebert/Seeling nennen diese gegenseitige Abhängigkeit auch „Intereffikation“ (siehe Kapitel 2.1.3.1 auf S. 43 dieser Diplomarbeit). Vgl. Bentele, Günter/Liebert/Thomas/Seeling, Stefan: Von der Determination zur Intereffikation. Ein integriertes Modell zum Verhältnis von Public Relations und Journalismus. In: Bentele, Günter/Haller, Michael (Hrsg): Aktuelle Entstehung von Öffentlichkeit. Akteure – Strukturen – Veränderungen. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft; Band 24. Konstanz: UVK Medien, 1997, S. 240ff.
7 Siehe Kapitel 2.1.1 (S. 23), 2.1.2.2 (S. 29) oder 2.1.2.3 (S. 32).
1. Einleitung 20
in der Berichterstattung zu platzieren. Diese Anpassung kommt einer Simulation der journalistischen Arbeitsweise gleich, und infolgedessen übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit in einem gewissen Rahmen die Funktion des Journalismus. Die journalistische Berichterstattung wiederum hat einen großen Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit. Diese Wechselbeziehungen zwischen PR und Journalismus stehen im Mittelpunkt des Interesses dieser Diplomarbeit. Sie werden am Beispiel der Pressearbeit der Polizeidirektion Leipzig und der Berichterstattung von LVZ und BILD untersucht. Eine ähnlich umfassende Untersuchung von Polizeipresseinformationen und den darauf basierenden Zeitungsartikeln wurde bisher – soweit es die Literaturrecherche ergab – für den lokalen Raum noch nicht durchgeführt.
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
Den Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Erforschung der Wechselbeziehungen bildet die Frage, in welcher Weise die Pressemitteilungen der Polizeidirektion Leipzig von den Mitarbeitern der LVZ und der BILD-Zeitung (zwei Medien mit unterschiedlichem Leserkreis und unterschiedlichem Informationsanspruch) behandelt werden. Das heißt, es muss zunächst herausgearbeitet werden, wie viele der angebotenen Texte überhaupt im Blatt veröffentlicht werden. Anschließend kann untersucht werden, welche Transformations- oder Zusatzleistungen die Journalisten erbracht, ob sie ihre Quellen genannt haben etc., um dann daraus schließen zu können, in welchem Umfang die von der Pressestelle ausgesendeten Informationen Einfluss auf die Berichterstattung über die Arbeit der Polizei haben. Über die Analyse der Induktionen hinaus, also den gerichteten Kommunikationsanregungen oder -einflüssen, interessieren auch die Adaptionen, das organisatorische Anpassungshandeln, auf beiden Seiten. Damit bezieht sich das Erkenntnisinteresse auf ein ganz bestimmtes Wissensdefizit. Auch das Entdeckungspotenzial, wie Früh es nennt, wäre damit bereits vordefiniert und kann so in einzelne prüfbare Behauptungen übersetzt werden (vgl. Kapitel 2.2, Seite 47f.). 8
8 Vgl. Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. 5. überarbeitete Auflage. Konstanz: UVK Ver-
lagsgesellschaft, 2001, S. 76.
1. Einleitung 21
Die Ergebnisse der Analyse der Pressemitteilungen und der darauf basierenden Zeitungsartikel werden nicht nur einzeln vorgestellt, sondern auch miteinander verglichen und ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich gemacht. Die Diplomarbeit soll dazu beitragen, einen Einblick in die Arbeitsweisen der Pressestelle und der Redaktionen zu erhalten, Verständnis für die jeweils andere Seite zu wecken und die Zusammenarbeit zu verbessern.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit ist in sechs Teile gegliedert. An den Einleitungsteil schließt sich die Darlegung der theoretischen Grundlagen zum Thema an. In diesem zweiten Teil wird das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus betrachtet, indem zunächst verschiedene Studien vorgestellt und diskutiert werden. Anschließend werden die entwickelten Fragestellungen dargelegt, die mittels Inhaltsanalyse geklärt werden und zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen sollen. Der dritte Teil der Arbeit beschäftigt sich allgemein mit der Öffentlichkeitsarbeit der Leipziger Polizeidirektion und bringt dem Leser danach speziell die Pressearbeit dieser Dienststelle näher. Die in dieser Diplomarbeit angewandte Methodik, Inhaltsanalyse und Leitfadeninterview, wird im vierten Teil erläutert. Des Weiteren werden hier die beiden Leipziger Tageszeitungen, Leipziger Volkszeitung und BILD-Zeitung, porträtiert und die methodische Planung und Durchführung der Studie erklärt. Im fünften Teil werden die Ergebnisse der Inhaltsanalyse der Pressemitteilungen und der daraufhin publizierten Artikel vorgestellt, mitein-ander verglichen und interpretiert. Im letzten Teil der Diplomarbeit werden zum einen die Ergebnisse zusammengefasst und zum anderen die in Kapitel 2.2 genannten Fragestellungen bestätigt oder widerlegt.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 22
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und
Zahlreiche Studien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Thema „Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus“ beschäftigt. Frühere Arbeiten und theoretische Ansätze sind geprägt von der Darlegung eines Konflikts zwischen Öffentlichkeitsarbeit auf der einen und Journalismus auf der anderen Seite. Die diesbezügliche Auseinandersetzung ist dadurch gekennzeichnet, jeweils einer der beiden Seiten Dominanz über die andere zuzuschreiben. Unter die theoretischen Ansichten, die eine Dominanz von Öffentlichkeitsarbeit über Journalismus postulieren, lässt sich die auf Baerns 9 zurückgehende Determinierungshypothese oder auch die im Bereich politischer Kommunikation so genannte Instrumentalisierungsthese subsumieren. Demgegenüber stehen solche Ansätze, die das Einflussverhältnis umgekehrt sehen. Die Macht der Medien über den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit beschreibt die Mediatisierungs- bzw. Dependenzthese. 10 Erst später wurden Untersuchungen durchgeführt, die nicht die Dominanz einer Seite darstellen, sondern die Möglichkeit zur Kooperation zum gegenseitigen Nutzen und auch gegenseitigen Einfluss anerkennen.
In diesem Kapitel sollen einige der Untersuchungen mit ihren wichtigsten Forschungsergebnissen und den eventuell dazu geführten kontroversen Diskussionen vorgestellt werden. Gleichzeitig geben die ausgewählten Analysen einerseits einen Überblick über die einzelnen Etappen der Erforschung des Verhältnisses zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalistik, andererseits bilden sie auch den Ausgangspunkt für einige der Forschungsfragen zur Analyse der Polizeipressemeldungen und der darauf folgenden Berichterstattung, die am Schluss dieses Kapitels vorgestellt werden sollen.
9 Vgl. Baerns, Barbara (2): Öffentlichkeitsarbeit als Determinante journalistischer Informationsleistungen. Thesen zur realistischeren Beschreibung von Medieninhalten. In: Publizistik. 24. Jg. 1979, S. 301-316 und Baerns, Barbara (1): Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus? Zum Einfluß im Mediensystem. Köln: Verlag Wissenschaft und Politik, 1991.
10 Vgl. Donsbach, Wolfgang: Legitimität und Effizienz von Public Relations. In: Donsbach, Wolfgang (Hrsg.): Public Relations in Theorie und Praxis. Grundlagen und Arbeitsweise der Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Funktionen. München: Fischer, 1996, S. 11.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 23
2.1 Der Forschungsstand: Ausgewählte Ansätze und Ergebnisse
2.1.1 Die Untersuchungen von Barbara Baerns und die Determinationshypothese Das Verhältnis zwischen den beiden publizistischen Teilsystemen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus stand für die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns in den 70er und 80er Jahren im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen. Im Jahre 1974 analysierte sie zunächst alle mündlichen und schriftlichen Pressemitteilungen eines Essener Industrieunternehmens und verglich sie mit der Berichterstattung von fünf Zeitungen mit unterschiedlicher Reichweite. 11 Sie nahm an, „[…] dass Öffentlichkeitsarbeit publizistische Aussagen tagesaktueller Medien determiniert“ 12 und für die Konsonanz der PR- und der Medieninhalte mitverantwortlich ist. Es stellte sich heraus, dass fast jeder zweite Beitrag über das Unternehmen auf schriftlichen PR-Mitteilungen basierte, die entweder wörtlich, inhaltlich vollständig oder gekürzt wiedergegeben wurden. Nur für jeden fünften Artikel wurde seitens der Journalisten selbstständig recherchiert. Damit wurde die Annahme der Autorin bestätigt. Allerdings gelang es ihr nicht, über den Nachweis des PR-Einflusses auf die Medieninhalte die Strukturen und die Beziehungen zwischen den beiden journalistischen Teilsystemen offen zu legen.
Weil die Seite der Öffentlichkeitsarbeit demzufolge nicht nur den Journalismus determinierte, sondern ihn in zentralen Leistungen ihrer Meinung nach sogar wesentlich bestimmte, wurde damals (allerdings nicht von ihr selbst) der Begriff „Determinationshypothese“ 13 geprägt. Dieser ist trotz aller kontroversen Diskussionen in die Publizistik-und Kommunikationswissenschaft eingegangen. Baerns’ Untersuchungen waren der Auslöser für zahlreiche weitere empirische Studien, die ebenfalls die Öffentlichkeitsarbeit in den Blickpunkt der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft rückten. Einige dieser Folgeuntersuchungen, deren Ergebnisse im Sinne der Determinationshypothese ausgefallen sind, sollen anschließend vorgestellt werden. Gleichzeitig veränderten Baerns’ Erkenntnisse zur PR-Journalismus-Beziehung auch das jeweilige Selbst- und Berufsbild der Öffentlichkeitsarbeiter und Journalisten.
11 Vgl. Baerns (2), S. 301-316.
12 Ebd., S. 312.
13 Teilweise stößt man in der Literatur auch auf den synonym verwendeten Begriff „Determinierungs-
hypothese“.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 24
In einer weiteren Studie, in der Barbara Baerns 1985 die Folgeberichterstattung von Landespressekonferenzen in Nordrhein-Westfalen analysierte, erweiterte sie das Medienspektrum, indem sie nicht nur die in den Tageszeitungen abgedruckten Pressemitteilungen untersuchte, sondern auch Agentur-, Hörfunk- und Fernsehbeiträge mit einbezog. 14 Sie wollte herausfinden, über welche Wege Informationen Eingang in die Medien finden und welche massenmedialen Transformationsleistungen vor ihrer Publikation durch Journalisten erbracht werden. Diese inhaltsanalytische Untersuchung hat – trotz der veränderten Untersuchungsanlage – zu ähnlichen Ergebnissen geführt, wie die erste. Mit durchschnittlich 62 Prozent „[…] zeigten sich konstant hohe Anteile von Beiträgen, die auf Öffentlichkeitsarbeit basieren. Öffentlichkeitsarbeit dominierte nicht nur journalistische Recherche, sondern alle Quellentypen.“ 15 Nach Baerns bestand somit die Leistung der Journalisten vor allem in der Selektion, Interpretation und schnellen Verarbeitung des Stoffes, den ihnen die Öffentlichkeitsarbeit geliefert hatte. Sie kritisierte, dass Medienvertreter die Quellen der verarbeiteten Informationen trotz hoher Übernahmequoten verschweigen bzw. nicht deutlich offen legen würden. 16
Zusammenfassend stellte sie fest, dass Öffentlichkeitsarbeit die Themen und das Timing der journalistischen Berichterstattung kontrolliert, da sich die Mitarbeiter der Public Relations bei der Vermittlung ihrer Botschaften erfolgreich an den Selektions- und Bearbeitungskriterien der Journalisten orientieren. 17 Sie hat das Abhängigkeitsverhältnis der beiden Teilsysteme wie folgt beschrieben: „[…] je mehr Einfluß Öffentlichkeitsarbeit ausübt, um so weniger Einfluß kommt Journalismus zu und umgekehrt.“ 18 Mit der Voraussetzung, dass keine anderen Faktoren existieren, schränkt sie die Gültigkeit ihrer Untersuchung ein. 19
14 Vgl. Baerns (1).
15 Ebd., S. 87.
16 Vgl. ebd., S. 90.
17 Vgl. ebd., S. 98.
18 Ebd., S. 17.
19 Weil der PR-Einfluss nicht im Zusammenhang mit anderen Einflussfaktoren betrachtet wurde, entsteht der Eindruck eines so genannten Nullsummenspiels: Wachsender Einfluss auf der einen Seite hat einen sinkenden Einfluss auf der anderen Seite zur Folge und umgekehrt (Ruß-Mohl, Stephan (1): Symbiose oder Konflikt. Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus. In: Jarren, Otfried (Hrsg.): Medien und Journalismus 1. Eine Einführung. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994, S. 319.). Diese Annahme lenkt laut Szyzska von den wesentlichen Fragen nach den Beziehungsstrukturen zwischen PR und Journalismus, den sich daraus ergebenden Konsequenzen für beide Seiten und den möglichen Störungen innerhalb dieser Strukturen ab (Szyszka, Peter: Bedarf oder Bedrohung? Zur Frage der Beziehung des Journalismus zur Öffentlichkeitsarbeit. In: Bentele/Günter/Haller, Michael (Hrsg.): Aktuelle Entstehung von Öffent-
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 25
Die Kritik an Barbara Baerns’ Studien war groß. Saffarnia 20 monierte ihre ausschließliche Orientierung an Quellen 21 mit hohem Status (woraus kommunikative Chancenungleichheit resultiere) und die Vernachlässigung intervenierender Variablen, wie zum Beispiel Ereignistyp, Medientyp, Ressortzugehörigkeit der Journalisten, deren Berufserfahrung, Position, politische Überzeugung und journalistische Ziele. Mit Hilfe einer eigenen Studie, in der Saffarnia nicht an einer bestimmten PR-Institution ansetzte, sondern im Input PR-Aktivitäten aller politisch relevanten Gruppierungen berücksichtigte 22 , widerlegte Saffarnia Baerns’ Annahme. 23 Er zieht den Schluss: „Eine Betrachtung des zweifellos komplexen Verhältnisses von Wechselwirkungen zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus darf sich nicht allein auf die ursprüngliche Determinierungshypothese stützen. In diesem Falle plädiere ich eher dafür, diesen Ansatz ad acta zu legen.“ 24
Die Kritik von Schweda/Opherden attestiert der Determinationshypothese eine „Überinterpretation“ und eine „inflationäre Berücksichtigung in zahlreichen Arbeiten“, obwohl die Kontrolle des Kategorienschemas „[…] ergeben hätte, dass Baerns die Themen nicht explizit abfragt, sondern aus der Übernahme der Pressemitteilungen auf die Übernahme der Themen geschlossen hat.“ 25 Bentele/Liebert/Seeling kritisieren die absolute und einseitige Sichtweise des Determinationsbegriffs, weil damit „[…] häufig ein ‚totaler’, ein ‚unbedingter’ Einfluß assoziiert“ und „[…] von den umgekehrten Einflußbeziehungen – also den vom Journalismus in Richtung PR bestehenden – weitgehend abstrahiert [wird].“ 26
lichkeit. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft; Band 24. Konstanz: UVK Medien, 1997, S. 212.).
20 Vgl. Saffarnia, Pierre A.: Determiniert Öffentlichkeitsarbeit tatsächlich den Journalismus? Empirische Belege und theoretische Überlegungen gegen die PR-Determinierungsannahme. In: Publizistik. 38. Jg. 1993, S. 412-425.
21 also den Pressemitteilungen 22 Dazu gehören seinen Angaben zufolge auch Studentengruppen oder Bürgerinitiativen. 23 Vgl. Saffarnia, S. 419ff.
24 Ebd., S. 423.
25 Schweda, Claudia/Opherden, Rainer: Journalismus und Public Relations. Grenzbeziehungen im System lokaler politischer Kommunikation. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag, 1995, S. 209. 26 Bentele/Liebert/Seeling, S. 239.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 26
2.1.2 Weitere auf der Determinationshypothese basierende Studien
2.1.2.1 René Grossenbacher über die Transformationsleistungen der Journalisten „Verstanden als die von einer Organisation eingesetzten Kommunikationstechniken zur Darstellung eigener Interessen in der Öffentlichkeit, sind es längst nicht mehr nur Behörden […], die sich dieses Instrumentarium zunutze machen […]. Für Organisationen, die zur Erfüllung ihrer Ziele auf das Wohlwollen der Öffentlichkeit angewiesen sind, wird die aktive Öffentlichkeitsarbeit zunehmend zu einer Existenznotwendigkeit.“ 27 , schreibt Grossenbacher zu Beginn seiner Studie „Hat die ‚Vierte Gewalt’ ausgedient? Zur Beziehung zwischen Public Relations und Medien.“ 28 Der Weg an die Öffentlichkeit führt für ihn notwendigerweise über die publizistischen Medien. 29 Da laut Grossenbacher die Öffentlichkeitsarbeit bzw. die Beziehung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Medien bisher kaum beachtet wurde und demzufolge noch große Forschungsdefizite bestehen, hat er sich – anknüpfend an die Ergebnisse von Barbara Baerns – speziell mit der Transformationsleistung des Mediensystems beschäftigt.
Mit Hilfe einer Input-Output-Analyse untersuchte er „alle Verarbeitungs- und Ergänzungsleistungen in Form von Selektion, Reduktion, Kommentierung und Gewichtung des Inputs“ 30 , nachdem er in der Schweiz im April 1985 insgesamt 53 Pressekonferenzen besucht und mittels teilnehmender Beobachtung und Inhaltsanalyse die Input-Daten erhoben hatte. Verglichen wurden diese anschließend mit der durch die Pressekonferenzen ausgelösten Berichterstattung in 18 aktuellen Zeitungen (Output). Interviews mit Journalisten zum Umgang mit Quellen sollten den Interpretationsspielraum seiner Studie ergänzen und abrunden.
Im Ergebnis stellte sich heraus, dass die Journalisten zunächst als Folge der 53 Pressekonferenzen insgesamt 612 Artikel veröffentlichten und 81 Prozent von diesen gleich
27 Für die Polizei ist die Öffentlichkeitsarbeit zwar keine Existenznotwendigkeit, aber ein wichtiges Instrument der gezielten Selbstdarstellung. Kapitel 3 beschäftigt sich ausführlich mit der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, speziell der der Leipziger Polizeidirektion.
28 Grossenbacher, René (2): Hat die „Vierte Gewalt“ ausgedient? Zur Beziehung zwischen Public Relations und Medien. In: Media Perspektiven. 11/86, S. 725.
29 Vgl. ebd.
30 Ebd., S. 726.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 27
am nächsten Tag publiziert wurden. 31 Grossenbacher schreibt dazu: „Die Konsequenz des sich selbst auferlegten Zwangs zur Sofortverwertung besteht darin, dass Journalisten kaum noch Zeit für Ergänzungsleistungen aufbringen.“ 32 Ein weiteres Ergebnis war die unterschiedliche publizistische Wirkung der einzelnen Pressekonferenzen in den Tageszeitungen, ablesbar in Anzahl und Länge der erschienenen Artikel: Infolge der Selektion und Reduktion des Informationsangebotes durch die Journalisten waren einige Veranstalter mehr, andere weniger erfolgreich. Grossenbacher führt dies unter anderem auf die unterschiedliche formale und inhaltliche „Aufmachung der Presserohstoffe“ 33 zurück. „[…] zuviel Bearbeitungsaufwand […] lähmt den Leistungswillen der Journalisten.“ 34
Grossenbacher, der von den Journalisten Unabhängigkeit, Kritikfähigkeit und Kommentierung erwartet, stellt in seiner Untersuchung zu den Darstellungsformen fest, dass die meisten Zeitungsartikel statt kommentierender nur „rapportierender, ereignisvermittelnder Art“ 35 sind. Es würden daher in der Berichterstattung häufiger Zitate verwendet und lobende Worte seltener eingesetzt. Hinsichtlich der sprachlichen Transformation hat Grossenbacher erkannt, dass Grundmuster der Interpretation nicht verändert, sondern nur abgeschwächt und vorgegebene Themen auch in ihrer Gewichtung nahezu unverändert übernommen werden. Mit letzterem Resultat stützt er die Ergebnisse von Barbara Baerns.
Grossenbacher erklärt auf Seite 730, dass die Produktion von Informationen weitgehend Sache der Öffentlichkeitsarbeit sei und Journalisten die Pressetexte vorwiegend selektierten, neutralisierten und verdichteten, bevor sie im Blatt abgedruckt werden. Er wirft den Journalisten sogar Folgendes vor: „Was als journalistische Leistung in den Medien erscheint, ist oft nicht mehr als das, was PR-Schaffende vorgefertigt haben.“ 36 Eine Ge-
31 Alserstaunlich bezeichnet Grossenbacher (2), dass die auf den Pressekonferenzen vermittelten Ereignisse selten eine eigene Aktualität besaßen, die Journalisten die Artikel also an einem beliebigen Tag hätten veröffentlichen können.
32 Grossenbacher (2), S. 726.
33 Ebd., S. 727.
34 Ebd.
35 Ebd.
36 Ebd., S. 730.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 28
ringschätzung der Öffentlichkeitsarbeit durch die Berichterstatter ist daher seiner Meinung nach fehl am Platz.
Aber sind deshalb die Medien einseitig von der Öffentlichkeitsarbeit abhängig? Grossenbacher plädiert auf eine gegenseitige Abhängigkeit 37 und relativiert damit die einseitige Sichtweise der Determinationshypothese. Die Medien seien auf den Input der Öffentlichkeitsarbeit ebenso angewiesen wie diese auf die Publikationsleistung der Medien angewiesen sei. Die Anpassung an Produktionsroutinen und Nachrichtenwerte seitens der Mitarbeiter einer Pressestelle sei notwendig, um die eigenen Ziele zu erreichen. 38 Das nennt er auch „Wohlverhalten“ 39 gegenüber den Journalisten, die daraufhin mit „zurückhaltender Transformation der PR-vermittelten Informationen“ 40 reagierten. Grossenbacher zufolge ist einer der Gründe für die Entstehung und Ausdehnung der Öffentlichkeitsarbeit eine immer komplexer werdende Welt und die damit verbundene wachsende Informationsfülle, die aber dennoch irgendwie verarbeitet werden muss.
Allerdings nennt er auch die Probleme, die mit den dargestellten Interdependenzen einhergehen und bringt sie so auf den Punkt: „Die gegenseitigen Anpassungsprozesse beispielsweise haben zur Folge, dass die eingespielte Produktionsroutine kaum noch aufgebrochen werden kann [und innovative Impulse so kaum entstehen können]. Die Öffentlichkeitsarbeiter veranstalten ihre Pressekonferenzen an einem nachrichtengeographisch günstig gelegenen Ort, geben damit die Metropolenkonzentriertheit der Medien einerseits vor und bestätigen sie andererseits; sie lassen, wann immer möglich, möglichst prominente Repräsentanten auftreten, womit sie den journalistischen Nachrichtenwert ‚Prominenz’ vorgeben und zugleich bestätigen: sie präsentieren – in mediengerechter Form – jene Themen, von denen sie wissen, dass sie ‚ankommen’. Die Journalisten wiederum werden in ihrem Handeln durch die Öffentlichkeitsarbeiter permanent bestätigt.“ 41
37 Derartige Interdependenzen bieten Vorteile und schaffen aber auch Probleme, auf die jedoch an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll.
38 Also dass die Berichterstatter so viel und so unverändert wie möglich aus dem angebotenen Pressetextes übernehmen, anstatt – wie es vorwiegend der Fall ist – nur zu selektieren, zu neutralisieren und zu verdichten.
39 Grossenbacher (2), S. 730.
40 Ebd.
41 Ebd.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 29
2.1.2.2 Romy Fröhlich und ihre Studie zum „qualitativen Einfluß von Pressearbeit auf die Berichterstattung“ 42
Da Barbara Baerns nach Meinung von Romy Fröhlich in ihrer Studie von 1985 zwar nachweisen konnte, dass 60 bis 80 Prozent der landespolitischen Beiträge in den tagesaktuellen Medien Nordrhein-Westfalens auf Öffentlichkeitsarbeit als Primärquelle zurückgehen, aber damit nicht beweisen konnte, dass Medieninhalte fremdbestimmt sind bzw. dass Öffentlichkeitsarbeit die Leistungen tagesaktueller Medien determiniert, hat sich nach Barbara Baerns und René Grossenbacher auch Romy Fröhlich mit der inhaltlichen Einflussnahme beschäftigt. Ihr ging es in ihrer 1992 veröffentlichten Studie nicht nur allgemein um die inhaltliche Anlehnung an PR-Material und die Angabe der Quellen, sondern vor allem um die Transparenz der Anlässe für die Berichterstattung und um die Art des Umgangs der Journalisten mit den in Pressemeldungen bereitgestellten In-formationen. 43
In einer Sekundäranalyse 44 erforschte Romy Fröhlich zwischen 1973 und 1983 das von der Münchner Messe- und Ausstellungsgesellschaft mbH herausgegebene Pressematerial zu zwei verschiedenen Messen und die anschließende Berichterstattung aller fünf Münchner Tageszeitungen 45 über diese Veranstaltungen. 46 Ähnlich den Untersuchungsergebnissen von Baerns und Grossenbacher bieten auch hier „[…] jene Ereignisse, die die Messegesellschaft steuern kann, mit Abstand den häufigsten Anlass, über eine Messe zu berichten“. 47 In einem Fünftel aller Artikel, die in den genannten Tageszeitungen erschienen sind, wurde der Anlass für die Berichterstattung nicht deutlich. 48 Des Weiteren hat sich gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Anlass der Berichterstattung und dem Umfang eines Artikels gibt: Verfassen die Journalisten von sich aus
42 Fröhlich, Romy: Qualitativer Einfluß von Pressearbeit auf die Berichterstattung: Die „geheime Verführung“ der Presse? In: Publizistik. 37. Jg. 1992, S. 37-49.
43 „Tage der offenen Tür“ oder Ausstellungseröffnungen sind mediengerecht inszenierte Pseudoereignisse, mittels derer die Öffentlichkeitsarbeiter nicht nur „die von [ihnen] gestalteten Inhalte in die Berichterstattung einschleusen, sondern schon viel früher in den Nachrichtenselektions- und Entstehungsprozeß im Sinne ihres Auftraggebers ein[zu]greifen.“ (Fröhlich, S. 38.) 44 Das Datenmaterial war ursprünglich für eine andere Untersuchung erhoben worden und wurde 1992 von Romy Fröhlich unter anderen Gesichtspunkten neu interpretiert.
45 Abendzeitung, BILD-Zeitung, Münchner Merkur, Süddeutsche Zeitung und tz 46 Vgl. Fröhlich, S. 40.
47 Ebd., S. 42.
48 Ein Grund dafür könnten die selbstinitiierten Pressekonferenzen und -vorführungen der auf den Messen vertretenen Unternehmen sein.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 30
einen Beitrag zum Thema (was im Verhältnis zur Gesamtberichterstattung seltener vorkommt), fällt dieser kürzer aus, als wenn Pressematerial veröffentlicht wird. Fröhlich deutet dieses Ergebnis als „einen Hinweis darauf, wie stark oder weniger stark PR-Aktivitäten und -Material journalistische Nachrichtenproduktion determinieren“. 49 Einen Schluss, welchen Einfluss das auf die Informationsleistung und die inhaltliche Gestaltung der Beiträge durch den Journalisten hat, lässt laut Fröhlich erst der Vergleich der Inhalte von PR-Material und Presseberichten zu.
Es hat sich, um dies kurz zu wiederholen, herausgestellt, dass die Pressemitteilungen der Messe Anlass und Umfang der daraufhin publizierten Zeitungsartikel beeinflusst haben. Daraus folgt hier die Frage, ob diese auch die Inhalte der veröffentlichten Beiträge determiniert haben. Nachdem Fröhlich eine Art „Hitliste“ der Themen der Tagespresse und der Pressemeldungen erstellt hatte, wurde deutlich, dass in beiden Textgruppen der Erfolg der Messe am häufigsten thematisiert wurde, alle anderen Rangplätze jedoch nicht übereinstimmten. Die genauere Betrachtung der Erfolgsaussagen in den Presseinformationen und den daraus folgenden Artikeln lieferte Fröhlich ein weiteres Indiz für die Anlehnung der Berichterstattung an das Informationsmaterial aus der Abteilung der Öffentlichkeitsarbeit. 50 Statistisches Zahlenmaterial zu Aussteller-, Besucherzahlen etc. – von der Pressestelle der Messe über die Jahre hinweg zunehmend umfangreicher angeboten – findet sich auch immer umfassender in den analysierten Tageszeitungen wieder. 51 Diese Ergebnisse bestätigen Fröhlichs Annahme, „dass es Analogie gibt zwischen der Themenstruktur bzw. Themenveränderung der Pressemitteilungen und der der Tagespresse“. 52
Auf die Quellennennung in ihren Artikeln verzichten die Journalisten weitgehend, wobei diese Aussage für Straßenverkaufszeitungen stärker zutrifft als für Abonnementzeitungen. Nur bei einzelnen Themen, so stellte sich heraus, hat sich in beiden Blatt-Typen das Verhältnis deutlich zugunsten der Quellenangabe umgekehrt. 53 Grundsätzlich unter-
49 Fröhlich,S. 42.
50 Vgl. ebd., S. 43.
51 Vgl. ebd., S. 44.
52 Ebd., S. 45.
53 Dazu gehören Aussagen zur Branchensituation und Konjunkturlage im In- und Ausland der sich auf den jeweiligen Messen präsentierenden Unternehmen. Fröhlich vermutet, dass dies Themen sind, bei dem Journalisten wesentlich seltener bereit sind, für Wertaussagen selbst Verantwortung zu übernehmen.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 31
liegen Pressemeldungen keinem Copyright. Journalisten können die Textinhalte deshalb vollständig oder in Teilen unverändert in ihre Berichterstattung übernehmen.
Trotz der hier dargestellten Resultate kann auch Romy Fröhlich die „entscheidenden Fragen nicht beantworten: Sind Journalisten Erfüllungsgehilfen der PR? Übernehmen sie gleichsam willenlos die Vorgaben, die ihnen von cleveren PR-Profis gemacht werden?“ 54 Sie warnt in ihrem Aufsatz vor einer Zunahme der Einflussmöglichkeiten auf die Inhalte der Massenmedien auf Grund einer immer professionelleren und systematisierten Ausbildung im PR-Beruf. „Wenn die Beeinflußten [sic!] die Beeinflussung nicht wahrnehmen, ja sogar vehement verneinen, dann ist das eher ein Zeichen für die Professionalität der PR-Branche als für ihr Versagen. Im Zuge der anhaltenden Zeitverknappung in den Redaktionen ist die Balance zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit in Gefahr, sich zugunsten institutionalisierter Informanten und Quellen zu verschieben.“ 55
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Fröhlich mit ihren Resultaten Grossenbachers Annahme stützt, dass PR-Themenangebote von den Medien fast ohne Änderungen bezüglich des Inhalts oder des Gewichts übernommen werden. Wie auch Baerns 56 sieht sie in der engen Anlehnung der journalistischen Berichterstattung an die PR-Texte eine Gefahr, da in der Konsequenz dieser Entwicklung die Presseinformationen und die Berichterstattung eine zunehmende Konsonanz aufweisen. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse wäre, so Fröhlich 57 , nicht mehr gewährleistet, zumal der Prozess verdeckt ablaufe und nicht öffentlich diskutiert werde. Allerdings sind doch insbesondere Öffentlichkeitsarbeiter auf ein nachhaltiges Vertrauensverhältnis zu den Journalisten angewiesen und müssen sich anpassen, indem sie verlässliche Informationen liefern. Dabei vertreten sie zwar Partikularinteressen der jeweiligen Organisation, sind aber am Erhalt der Glaubwürdigkeit der Medien interessiert, um mit ihren Presseinformationen langfristig und glaubhaft zur Öffentlichkeit durchzudringen.
54 Fröhlich, S. 46.
55 Ebd., S. 48.
56 Vgl. Baerns (2), S. 301.
57 Vgl. Fröhlich, S. 48.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 32
2.1.2.3 Torsten Rossmanns Untersuchung zur „Öffentlichkeitsarbeit und ihr[em] Einfluß auf die Medien am Beispiel von Greenpeace“ 58
1993 hat sich Torsten Rossmann inhaltsanalytisch einem Thema genähert, welches bisher, so gibt er an, kommunikationswissenschaftlich kaum untersucht worden ist: der Funktion der Öffentlichkeitsarbeit von Umweltschutzorganisationen für die Informationsleistung der Medien. „Der Beitrag basiert auf Ergebnissen einer Nachrichtenfluss-und Resonanzanalyse der Greenpeace-Pressearbeit von 1991, die zur systematischen Auswertung der Berichterstattung über Greenpeace in der Bundesrepublik durchgeführt wurde.“ 59 Nicht der Medien-Input des ganzen Jahres 1991, sondern die beiden Monate Mai und Juni wurden von Rossmann quantitativ untersucht und kategorisiert. In diesem Zeitraum hat die deutsche Pressestelle der Umweltschutzorganisation in Hamburg 19 Presseinformationen veröffentlicht, eine Pressekonferenz veranstaltet sowie eine Vielzahl von kurzen, standardisierten Tagesprotokollen erstellt, welche über die Medienkontakte der PR-Stelle Auskunft geben. Die Greenpeace-Pressestelle wird laut Rossmann überwiegend genutzt, „um Informationsdefizite der recherchierenden Journalisten bei der komplexen Umweltschutzproblematik zu beheben“ 60 , und „[…] erfüllt damit primär Dienstleistungsfunktionen […]“. 61
Um das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus bzw. die geleistete Berichterstattung im Bereich des Umweltschutzes beschreiben zu können, wurde der Output von 250 deutschen Print-Titeln im gleichen Zeitraum untersucht. 62 Diese 250 Titel thematisierten Greenpeace in 1574 Artikeln. Von diesen gingen wiederum insgesamt 902 Beiträge (57 Prozent) auf die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Umweltorganisation in Hamburg zurück und beschäftigten sich mit der Tätigkeit der deutschen Sektion der Organisation. 63
58 Rossmann, Torsten: Das Beispiel Greenpeace: Öffentlichkeitsarbeit und ihr Einfluß auf die Medien. In: Media Perspektiven. 2/93, S. 85-94.
59 Ahrweiler, Petra/Krüger, Petra/Rossmann, Torsten: Nachrichtenfluss- und Resonanzanalyse der Greenpeace-Pressearbeit. Bericht eines Forschungsprojekts unter Leitung von Prof. Dr. Hans J. Kleinsteuber. Arbeitsstelle Medien und Politik, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg, 1991. 60 Rossmann, S. 88.
61 Ebd., S. 89.
62 Während sich frühere Studien, so Rossmann, in der Regel entweder auf die Regional- bzw. Lokalpresse oder auf ausgewählte Printmedien beschränkten, hat der Autor versucht, die gesamte Berichterstattung in den Printmedien der Bundesrepublik über Greenpeace auszuwerten.
63 Jene 902 Zeitungsbeiträge, in denen Greenpeace mindestens einmal namentlich genannt war, bildeten die Datenbasis.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 33
Rossmann stellte sich zunächst die Frage, welche Zeitungstypen häufiger bzw. kontinuierlicher über Greenpeace berichten. Mehr als 90 Prozent aller Artikel erschienen in 174 analysierten regionalen und lokalen Zeitungen, nur fünf Prozent dagegen in sieben untersuchten überregionalen Blättern. Trotz der wesentlich geringeren Artikelanzahl berichteten letztere kontinuierlicher. „Der Anteil von Wochenzeitungen und Publikumszeitschriften an der Berichterstattung über Greenpeace ist mit jeweils etwa einem Prozent sehr gering.“ 64 Sogar verschiedene kostenlose Anzeigenblätter haben in besagten zwei Monaten über die Umweltschutzorganisation berichtet. Als Quellen überwogen mit 51 Prozent Nachrichtenagenturen; jeweils 25 Prozent der Berichte wurden von eigenen Korrespondenten, Autoren oder Redakteuren verfasst bzw. nannten keinen Urheber.
Die Berichterstattung über Greenpeace basierte zu 94 Prozent auf Nachrichtendarstel-lungsformen. 65 Sie war also ereignisorientiert und tagesaktuell. Nur sechs von 902 veröffentlichten Beiträgen gehörten den Meinungs- und Unterhaltungsdarstellungsformen wie Reportage, Kommentar und Glosse an. Sie haben demzufolge eine geringe Bedeutung. Das Interview kam im untersuchten Zeitraum kein einziges Mal vor. 66 Rossmann schließt aus der hohen Abdruckquote der Presseinformationen als Meldungen, Nachrichten oder Berichte auf eine hohe Akzeptanz der Greenpeace-Arbeit unter den Journalisten. Gleichzeitig, so schließt er daraus, erhöht sich dadurch die Glaubwürdigkeit und Seriosität der Umweltschutzorganisation in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der Organisation an einem höheren Anteil von meinungsäußernden und unterhaltenden Genres gelegen sein sollte, da mit deren Hilfe Meldungen, Nachrichten und Berichte umfangreicher interpretiert und bewertet werden könnten.
Weiterhin untersuchte Rossmann, welche Themen am häufigsten vorkamen: Inhaltliche Schwerpunkte lagen bei den für Greenpeace so charakteristischen Aktionen und verschiedenen Einzelthemen. 67 Zur Adaption des Outputs der Pressestelle durch die Medien sagt er, dass – insofern es zu einer Veröffentlichung des angebotenen Materials
64 Rossmann, S. 89.
65 Meldung, Nachricht und Bericht
66 Vgl. Rossmann, S. 90.
67 Vgl. ebd., S. 91.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 34
kommt – die Öffentlichkeitsarbeit die Themenstruktur der Massenmedien und auch die Themenstruktur der die Medieninhalte rezipierenden Öffentlichkeit dominiert. 68 „84 Prozent aller Artikel gehen auf Anlässe oder Ereignisse zurück, die von Greenpeace selbst vorgegeben worden sind, also auf medienwirksam inszenierte Aktionen, Pressekonferenzen und Pressemitteilungen.“ 69
In Anlehnung an Baerns hat auch Rossmann untersucht, inwiefern die Pressemitteilungen journalistisch bearbeitet wurden und gelangte zu folgenden Ergebnissen: „In mehr als der Hälfte aller Fälle wird ausschließlich der Inhalt der Presseerklärungen wiedergegeben.“ 70 Von den Journalisten wurden diese gegebenenfalls nur gekürzt oder stilistisch korrigiert. Zusätzliche Recherchen bzw. weitergehende Bearbeitungen fanden selten statt. Völlig eigene Bearbeitungen von Themen, die in den Erklärungen der Organisation vorgegeben wurden, waren die Ausnahme. Rossmann schlussfolgert hieraus einerseits auf die hohe Qualität der Pressemitteilungen und spricht andererseits den Redaktionen weit weniger Kontrolle über die Berichterstattung zu, als er erwartet hatte. 71
Die Einflussnahme der Öffentlichkeitsarbeit sowohl auf die Themenstruktur der Berichterstattung als auch auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung gelingt den Mitarbeitern der Pressestelle unter anderem auf Grund des großen Informationsdefizits seitens der Journalisten, wie Rossmann vermutet. Inhalte würden größtenteils übernommen und selten in Form von Zusatzinformationen ergänzt. Als kritische Instanz gegenüber Greenpeace könnten die Medien daher nicht gesehen werden. 72
68 Vgl. Rossmann, S. 85.
69 Ebd., S. 91.
70 Ebd., S. 92.
71 Vgl. ebd.
72 Vgl. ebd., S. 93.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 35
2.1.2.4 „Aktivität und Passivität von Journalisten gegenüber Public Relations am Beispiel von Pressekonferenzen zu Umweltthemen“ – eine Analyse von Henrike Barth und Wolfgang Donsbach 73 Entsprechend der Resultate von Baerns, Grossenbacher und anderen setzten Barth/Donsbach bereits zu Beginn ihrer Analyse 74 den großen Einfluss von Öffentlichkeitsarbeit auf die Medieninhalte voraus: „Medien übernehmen interessengebundene Inhalte der PR relativ unverändert; die Eigenleistung der Journalisten ist dagegen eher gering. Die Konsonanz dieser Befunde steht in einem starken Kontrast zu den Hypothesen und Befunden jener Studien, die einen starken Einfluß der Werte und Absichten von Journalisten auf die Medieninhalte unterstellen.“ 75 Um diesen Sachverhalt zu klären, haben sie ihr Forschungsinteresse darauf gerichtet, in welchem Zusammenhang Einfluss von PR und Nachrichtenwert des Ereignisses stehen und welche Einstellung die Journalisten zur Quelle haben – untersucht am Beispiel von vier Pressekonferenzen, die zwischen 1984 und 1989 in Deutschland und der Schweiz stattgefunden haben. 76 Der Vergleich zwischen den Pressekonferenz-Unterlagen und den darauf folgenden Zeitungsberichten (197 Beiträge aus 148 Zeitungen) wurde mit Hilfe der Inhaltsanalyse gezogen. 77
Die Autoren konnten ihre in der ersten Hypothese formulierte Annahme, dass über Pressekonferenzen mit hohem Nachrichtenwert 78 häufiger und umfangreicher in den Medien berichtet wird, bestätigen. Denn die Zeitungen schrieben über die Krisen-Pressekonferenz mehr Artikel als über die Aktions-Pressekonferenz; der durchschnittliche Umfang lag bei 378 bzw. 251 Wörtern. Die zweite bzw. dritte Hypothese ging davon aus, dass PR-Inhalte mit einem hohen Nachrichtenwert von Journalisten weniger oft übernommen werden und diese stattdessen andere Informationsquellen heranziehen bzw. dass PR-Inhalte auch umso weniger in die Medieninhalte durchdringen, je negati-
73 Barth,Henrike/Donsbach, Wolfgang: Aktivität und Passivität von Journalisten gegenüber Public Relations. Fallstudie am Beispiel von Pressekonferenzen zu Umweltthemen. In: Publizistik. 37. Jg. 1992, Seite 151-165.
74 Sie wurde 1992 veröffentlicht.
75 Barth/Donsbach, S. 152.
76 Vgl. ebd., S. 153.
77 Vgl. ebd., S. 156.
78 Barth und Donsbach haben die vier untersuchten Pressekonferenzen in zwei Kategorien eingeteilt: Krisen-Pressekonferenzen (PK’s, die auf Grund einer Krise, eines unerwartet eingetretenen Ereignisses stattfanden) und Aktions-Pressekonferenzen (PK’s, die ohne äußere Veranlassung anberaumt wurden, um das Image einer Institution oder eines Produkts positiv zu beeinflussen). Ersterer wurde ein hoher und letzterer ein niedriger Nachrichtenwert zugeschrieben.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus 36
ver die Berichterstatter der Quelle gegenüberstehen. Dazu wurde zunächst die zentrale Botschaft aus den verteilten Unterlagen ermittelt und anschließend untersucht, ob diese in den veröffentlichten Zeitungsartikeln vollständig, teilweise oder überhaupt nicht erwähnt war. „Sofern das Kommunikationsziel in dem Artikel bewertet wurde, codierten wir, ob es eine positive, ambivalente oder negative Bewertung erhielt und ob die zentrale Botschaft durch gegenläufige Informationen oder Stellungsnahmen konterkariert wurde.“ 79 Barths und Donsbachs Erwartungen entsprechend wurden die zentralen Botschaften 80 der Veranstalter bei beiden Ereignissen mit hohem Nachrichtenwert deutlich seltener wiedergegeben. Den Veranstaltern der beiden Aktions-Pressekonferenzen gelang es dagegen wesentlich besser, ihre wichtigsten Informationen und Argumente in den Medien unterzubringen. 81
In Pressemitteilungen artikulierte Wertungen 82 innerhalb der Kommunikationsziele waren selten in den Artikeln zu finden. 83 Gab es sie in den Zeitungsbeiträgen, dann waren sie immer negativ. Der Veranstalter der Pressekonferenz wurde vom Verfasser des Artikels oder von anderen zitierten oder referierten Personen in weniger als der Hälfte aller Beiträge positiv, ausgewogen oder negativ (was am häufigsten zutraf) bewertet. 84
Die an die Journalisten verteilten Unterlagen und die veröffentlichten Zeitungsbeiträge ermöglichten Barth und Donsbach sowohl einen Vergleich der angesprochenen Themen als auch Hinweise zu möglicherweise weiteren in Artikeln angesprochenen Inhalten, die jedoch nicht vom Veranstalter der Pressekonferenz behandelt worden waren. Sie fanden heraus, dass in allen Pressekonferenzen etwa zwischen zehn und zwölf Themen aufgegriffen wurden. Die anschließenden Berichte über drei der Veranstaltungen sprachen eine ähnliche Anzahl an, jene über die vierte beinhalteten dagegen mehr als 20 Themen, was Barth und Donsbach auf umfangreicheres Hintergrundmaterial zurückführen. 85 „Ein noch deutlicherer Indikator für den Kommunikationserfolg der Pressekonferenzen
79 Barth/Donsbach, S. 157.
80 Die zentrale Botschaft ist gleichbedeutend mit dem Kommunikationsziel.
81 Vgl. Barth/Donsbach, S. 157.
82 Hier wurde nur zwischen positiv und negativ unterschieden. Ausgewogenheit bzw. Ambivalenz wurde nicht codiert.
83 Vgl. Barth/Donsbach, S. 158.
84 Vgl. ebd., S. 159.
85 Vgl. ebd., S. 160.
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ist das Verhältnis zwischen den dort vom Veranstalter behandelten Themen und anderen Themen, die die Redakteure aus eigenem Antrieb oder durch Rückgriff auf andere Quellen aufgegriffen haben.“ 86 Die Analyse zeigte, dass höhere Nachrichtenwerte, aber auch die negative Einstellung der Journalisten gegenüber einem Ereignis, die Berichterstatter zu mehr Eigenrecherche veranlassten. Niedrige Nachrichtenwerte, aber auch positive Einstellungen gegenüber einer Begebenheit verleiteten sie eher zu einer passiven Vermittlungsfunktion. Damit haben Barth und Donsbach auch ihre zweite und dritte Hypothese bestätigt.
Sie selbst weisen dennoch auf zwei wesentliche Schwachpunkte ihrer Arbeit hin: Zum einen seien übergreifende Analysen auf Grund des speziell auf die Pressekonferenzen zugeschnittenen Kategoriensystems nicht möglich. Zum anderen sei die Aussagekraft der Studie eingeschränkt, da man nur vier Pressekonferenzen untersucht habe. 87
Durch die Einführung der Merkmale Nachrichtenwert und Krisensituation wurde die Determinierungshypothese von Baerns differenziert. Die Studienergebnisse warfen die Frage auf, ob die Determination des Journalismus überhaupt oder nur in Abwesenheit von Krisen und daher „[…] für journalistisch resp. gesellschaftlich eher unwichtige Sachverhalte, Ereignisse, Personen [gilt]?“ 88 Barth und Donsbach weisen zum Schluss selbst darauf hin, dass es notwendig wäre, das Verhältnis zwischen beiden Systemen differenzierter, das heißt unter stärkerer Berücksichtigung der Randbedingungen und intervenierenden Variablen, zu betrachten. 89
2.1.2.5 Claudia Schweda und Rainer Opherden und ihre Untersuchung zu „Journalismus und Public Relations“ In ihrer 1995 veröffentlichten Untersuchung haben Claudia Schweda und Rainer Opherden lokale parteipolitische Pressemeldungen (Input) analysiert und anschließend mit dem gesamten redaktionellen Output der Lokalpresse im Bereich der parteipoliti-
86 Barth/Donsbach,S. 162.
87 Vgl. ebd., S. 163.
88 Bentele/Liebert/Seeling, S. 238.
89 Vgl. Barth/Donsbach, S. 164.
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schen Berichterstattung verglichen, um einerseits die formale und inhaltliche Gestaltung der Texte beider Teilsysteme und andererseits den Einfluss der PR auf die Berichterstattung und die Bearbeitungsleistung der Journalisten beschreiben zu können. „Mit Hilfe eines so entwickelten inhaltsanalytischen Input-Output-Instruments ist es möglich, die Frage nach der Professionalität parteipolitischer PR und der journalistischen Autonomie […] zu beantworten.“ 90
Insgesamt 88 Pressemitteilungen, herausgegeben von fünf Parteien des Düsseldorfer Stadtrats 91 , und 568 daraufhin publizierte parteipolitische Beiträge 92 , herausgegeben von drei ortsansässigen Tageszeitungen 93 , bildeten das Untersuchungsmaterial. Der Erhebungszeitraum umfasste die Monate April bis Juli 1992. 94 Schon zu Beginn ihrer Studie gingen sie davon aus, dass sowohl die Öffentlichkeitsarbeit durch die notwendige Anpassung an die journalistischen Aufmerksamkeitsregeln als auch der Journalismus durch die Einflussnahme der PR auf die Thematisierung von Informationen, an Autonomie verlieren. Die Autoren widersprechen der Determinationshypothese insofern, als sie diese Autonomieverluste nicht nur für den Journalismus, sondern in Form von Anpassungen auch für die Öffentlichkeitsarbeit annehmen. 95
Wie in anderen Studien schon festgestellt wurde, ist auch hier die Übernahmequote der Pressemitteilungen durch die Journalisten der drei untersuchten Abonnement-Zeitungen relativ hoch. Jene von SPD und CDU gelangten zu 80 Prozent in die Berichterstattung mindestens einer Zeitung, die der Grünen zu 60 und die der FWG zu 40 Prozent. „Werden diese Quoten jedoch dem Rest der parteipolitischen Berichterstattung gegenübergestellt, ist zu beobachten, dass eine reine Angabe von Übernahmequoten nicht gleichbedeutend ist mit einer Dominanz der gesamten Berichterstattung durch Fremdbeiträge.“ 96 Nur insgesamt 18 Prozent aller Artikel gehen auf Pressemitteilungen zurück, alle ande-
90 Schweda/Opherden,S. 121.
91 Zwischen April und Juli 1992 waren die folgenden Parteien im Düsseldorfer Stadtrat vertreten: SPD (33 Mandate), CDU (32), Die Grünen (8), FDP (5) und die Freie Wählergemeinschaft (FWG) mit zwei Mandaten.
92 102 auf den Pressemitteilungen der Parteien basierende und 466 „rein“ journalistische Zeitungsartikel (18 bzw. 82 Prozent) 93 Rheinische Post (RP), Westdeutsche Zeitung (WZ) und Neue Rhein Zeitung (NRZ) 94 Vgl. Schweda/Opherden, S. 122.
95 Vgl. ebd., S. 87ff.
96 Ebd., S. 206.
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ren wurden von den Journalisten vollständig selbst geschrieben. Daher ist für die beiden Autoren bewiesen, dass die Lokalredaktionen gegenüber den Thematisierungsversuchen der Pressestellen eine hinreichende Autonomie wahren. 97
Des Weiteren hat sich gezeigt, dass der Rechercheanteil von Journalisten, sowohl für die 18 Prozent der Artikel, die auf Presseerklärungen basierten, als auch für die 82 Prozent der Beiträge, die nicht auf Grund von Presseinformationen erschienen waren, höher ist als in anderen Studien. Beide Ergebnisse – die Mehrzahl der vollständig selbst verfassten Beiträge und die verstärkte Eigenrecherche der Zeitungsmitarbeiter – lassen aber, so Schweda und Opherden, nicht automatisch darauf schließen, dass die journalistische Eigeninitiative die Berichterstattung bestimmt. Viel eher liege es an „institutionalisierten Ereignissen im kommunalpolitischen Geschehen wie Sitzungen verschiedenster Art, die von Journalisten […] besucht werden.“ 98
Die 88 positiv selektierten parteipolitischen Pressemitteilungen, die in 102 Artikeln veröffentlicht wurden, haben, im Vergleich zur restlichen Berichterstattung über die fünf Parteien, formal ein geringes Gewicht: „Sie sind kürzer, stehen häufiger auf hinteren Seiten, werden seltener mit Bildern ergänzt, und bis zu ihrer Veröffentlichung verstreicht durchschnittlich mehr Zeit, als bei ‚rein’ journalistischen Artikeln, die durchweg am nächsten Tag erscheinen.“ 99 Abgesehen von Veranstaltungshinweisen und wenigen Kurzmeldungen werden die Pressemitteilungen vor ihrer Publikation auch inhaltlich stark verändert und gekürzt. Betont wird ihr geringes Gewicht außerdem durch die Ergänzung mit weiteren Quellen bzw. durch den Eingang in die Zeitung lediglich als Ergänzungsquelle. 100
Insgesamt dominieren SPD und CDU die Berichterstattung. Proportional zu ihren Mandaten ist über Die Grünen, die FDP und die FWG weniger zu lesen. In der Berichterstattung überwogen jene Inhalte, die in den zahlreichen Ausschuss- und Ratssitzungen angesprochen wurden. Im Gegensatz dazu konnten sich die in den Pressemitteilungen der
97 Vgl. Schweda/Opherden, S. 207.
98 Ebd., S. 206.
99 Ebd., S. 207.
100 Vgl. ebd.
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Parteien angebotenen und publizierten Themen nicht durchsetzen. Dazu war ihr Anteil an der gesamten Politik-Berichterstattung zu gering. Betrachtet man allerdings nur die publizierten Presseerklärungen ohne die zusätzliche Berichterstattung, so wurden die thematische Schwerpunktsetzung und auch die Themenrangfolge durch die Pressestellen bestimmt. 101 Auf Grund des Gesamtergebnisses konnten Schweda und Opherden der oft zitierten These Baerns’ widersprechen, nach der die Öffentlichkeitsarbeit Themen und Timing der Medienberichterstattung unter Kontrolle hat. 102
Berichte, Kurzmeldungen und Veranstaltungshinweise sind diejenigen journalistischen Darstellungsformen, die am häufigsten von den Öffentlichkeitsarbeitern in Presseinformationen der Parteien verwendet wurden. Terminhinweise für die Redaktionen machten nicht einmal zehn Prozent aus. Reportagen oder Interviews wurden in keinem einzigen Fall in einer Pressemitteilung verwendet. 103 Bezüglich der 466 eigenständig recherchierten und geschriebenen Artikel in allen drei Tageszeitungen waren die am meisten verwendeten Darstellungsformen Berichte und Kurzmeldungen. Auf Platz drei folgten allerdings nicht Veranstaltungshinweise, sondern Kommentare (rund 10 Prozent). Reportagen und Interviews waren mit etwas mehr als einem Prozent vertreten. Und egal in welcher Darstellungsform eine Presseinformation veröffentlicht wurde – viele von ihnen waren in einer ständigen Rubrik untergebracht. Bei der Betrachtung der 102 auf Pressemitteilungen zurückgehenden Zeitungsbeiträge ergab sich für Schweda und Opherden ein anderes Bild: Hier war die bevorzugte Darstellungsform die Kurzmeldung (etwa 37 Prozent). Danach folgten Berichte und Veranstaltungshinweise (ca. 30 und 28 Prozent). Kommentare, Reportagen und Interviews gab es nicht. Auch jene Artikel waren zumeist in einer ständigen Rubrik untergebracht. 104
55 der 102 Zeitungsartikel, die auf Pressemeldungen basierten, nannten diese nicht als Informationsquelle, und nur in 47 von ihnen wurde die Pressestelle als Urheber der Mitteilung erwähnt. Dagegen nannten nur 84 der 466 eigenständig verfassten Politik-Beiträgen (das entspricht 18 Prozent) keine Quelle; in den anderen 382 eigenen Beiträ-
101 Vgl.Schweda/Opherden, S. 208.
102 Vgl. Baerns (1), S. 98.
103 Vgl. Schweda/Opherden, S. 162.
104 Vgl. ebd., S. 188.
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