Inhaltsverzeichnis
1. Wahl des Themas und persönliches Interesse
2. Was ist Patriotismus aus wissenschaftlicher Sicht
2.1. Wie entsteht Patriotismus
2.2. Bedeutung des Patriotismus im deutschen Kaiserreich
2.3. Vorstellung der Hauptdarsteller
2.4. Welche Einstellung haben die Hauptdarsteller zu ihrem Land
2.5. Wie und von wem wird der Patriotismus der jungen Männer angestachelt
und ausgenutzt
2.6. Handeln der Hauptdarsteller aufgrund des moralischen Druckes aus der
Gesellschaft
2.7. Wie ändert sich die Einstellung zu ihrem Land durch die grausame
Realit ät des Krieges
3. Patriotismus und Mißbrauch
3.1. Bezüge zur gegenwärtigen Einstellung gegenüber patriotischer
Str ömungen in Deutschland
dargestellt anhand des Literaturwerkes: "Im Westen nichts neues" von Erich Maria Remarque.
1.1 Wahl des Themas und persönliches Interesse
Schon seit meiner Kindheit interessierte ich mich für den ersten und zweiten Weltkrieg, vor allem wohl deswegen, weil mein Vater, ein Veteran der Ostfront im zweiten Weltkrieg, immer wenn er ein wenig getrunken hatte, begann seine Kriegserlebnisse und Eindrücke zu berichten, die er während jener Zeit sammelte.
Mit Schaudern erinnere ich mich noch heute, wenn er von den vielen verstümmelten Leichen berichtete, die entweder von Granaten zerrissen wurden oder den Partisanen in die Hände gefallen waren.. Mit haßerfüllter Stimme sprach er von den Partisanen und was sie dann mit jenen anstellten, wenn sie ihnen in die Hände fielen. Sicher nichts was man einem Kinde erzählen sollte, doch hatte Vater getrunken, brachen alle Dämme und er kümmerte sich nicht mehr darum ob seine Erinnerungen für die Ohren eines Kindes geeignet waren. Die meisten Details seiner Erzählungen habe ich vergessen, da ich gerade acht Jahre alt war als er starb.
Ich weiß nur, dass ich ihn in meiner Kindheit für einen großen Helden hielt und sehr stolz auf ihn war.
Als ich jedoch im Laufe meiner Schulzeit und später als ich mich selbst eingehender mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigte, immer mehr über jene Zeit, das verbrecherische Regime und die Greueltaten die vor allem auch von der Wehrmacht verübt wurden, erfuhr, da fühlte ich nur noch Abscheu.
Vor allem aber konnte ich nicht verstehen, wie ganz einfache Menschen zu Massenmördern wurden, wie sie sich von so einem System korrumpieren lassen konnten.
Ich sah auch eine ganze Menge Dokumentarfilme aus jener Zeit und hörte Reden von Göbbels und Hitler und anderen Größen jenes Regimes und mir fiel immer wieder auf, dass alle jene Redner das Ziel hatten, das Volk zu fanatisieren, zu einem übersteigerten Patriotismus anzustacheln und ihnen einzureden, sie seien das "auserwählte Volk" und alle anderen Völker seien Untermenschen.
Ich wunderte mich immer wieder, wie solche teilweise überaus primitiven, menschenverachtenden, auf die niedersten Triebe abzielenden Reden, eine solche Wirkung erzielen konnten.
Mit etwa 16 Jahren bekam ich von einer lieben Bekannten das Buch: "Im Westen nichts neues - Der Weg zurück" von Erich Maria Remarque geschenkt.
Ich las es damals und war erschüttert darin ähnliche Grausamkeiten zu lesen, wie mein Vater sie mir erzählt hatte. Erst Jahre später, als ich jenes Buch wieder las, begann ich mich zu fragen, wie es geschehen konnte, das man diese jungen Männer so fanatisieren konnte, dass sie zu willigen Werkzeugen wurden. Das waren doch immerhin intelligente Menschen, Abiturienten. Diese Frage bewegt mich also schon eine ganze Weile und jetzt, im Rahmen dieser Hausarbeit, bot sich mir Gelegenheit, das Entstehen von Patriotismus und die Einstellung dazu und das daraus abgeleitete Handeln auf wissenschaftlicher Basis zu behandeln.
1
Hausarbeit: Sozialpsychologie; Patriotismus - Einstellungen und Handeln; Michael Schön
2. Was ist Patriotismus aus wissenschaftlicher Sicht
Nach der freien Enzyklopädie von Wikipedia ist Patriotismus: "ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit dem eigenen Vaterland (entweder wegen der ethnischen oder der politischen Zugehörigkeit)." 1
Im Internet-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung steht unter Patriotismus:
"(franz.: Vaterlandsliebe). P. bezeichnet eine besondere Wertschätzung der Traditionen, der kulturellen und historischen Werte und Leistungen des eigenen Volkes. In einem negativen Sinne kann P. zu nationaler Arroganz, Chauvinismus und übersteigertem Nationalismus führen (Hurra - P.). Im positiven, zeitgemäßen Sinne kann P. als Bekenntnis zu den demokratischen Grundlagen der Gesellschaft und zur Verteidigung der Grund- und Menschenrechte (Verfassungs - P.) verstanden werden." 2
Patriotismus geht eigentlich auf die römische Republik zurück. Das lateinische Wort patriota wird in etwa mit Landsmann übersetzt. 3 . In der römischen Republik war der Satz "das Vaterland ist die Republik" eine gängige Redewendung. 4
Die Bedeutung und Verwendung des Begriffes Patriotismus veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte, worauf ich jetzt aber nicht näher eingehen möchte, sondern nur einen stark gestrafften Abriß ab dem 18. Jahrhundert darstellen werde (siehe hierzu Anlage: Patriotismus aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)
Waren es bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert vornehmlich die adligen und reichen bürgerlichen Schichten, die sich überhaupt einen Patriotismus leisteten, änderte sich das Bild mit der französischen Revolution grundsätzlich. Erstmals wurde ein Patriotismus und positiv verstandener Nationalismus politisch in der Maße der Bevölkerung verankert und verbreitete sich in der Folge, mit den napoleonischen Kriegen über Europa.
Diese frühe Form des bürgerlichen Patriotismus, verband sich vor allem mit den Idealen der französischen Revolution, nämlich "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. 5 Erinnert sei an die sogenannte "Märzrevolution" von 1848/49.
Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Patriotismus, nicht nur in Deutschland, sondern Europaweit sehr stark mit einem Nationalismus und Chauvinismus verbunden. Das bedeutet die eigene Nation wurde dabei zur absolut überlegenen erhoben und der Glaube andere Völker seien minderwertiger griff Raum.
Hausarbeit: Sozialpsychologie; Patriotismus - Einstellungen und Handeln; Michael Schön
Diese nationale Arroganz war vor allem im Deutschland zur Zeit des "Zweiten Kaiserreiches" ab 1871 vorherrschend, was letztlich in die "europäische Katastrophe" des "ersten Weltkrieges" mündete. Noch grauenvoller mußte die Welt einen absolut ins wahnhafte übersteigerten Nationalismus während des "Dritten Reiches" erleben. Aber auch im Deutschland der Nachkriegszeit ist und bleibt der Terminus Patriotismus problematisch.
Wohl versuchen einige Denker diese Problemhaftigkeit zu lösen, indem sie den Begriff "Verfassungspatriotismus" einführten, jedoch ist jener auch umstritten und wird ambivalent diskutiert 6 Wieviel Patriotismus ist gut für ein Land? Benötigt eine liberale Gesellschaft überhaupt Patriotismus? Ist Patriotismus in Zeiten der Globalisierung nicht ein obsolet gewordener Begriff? 7
Solche und ähnliche Diskussionen kann man alltäglich verfolgen, wenn man die Zeitung aufschlägt.
Noch dazu läßt sich am Beispiel Amerika tagtäglich verfolgen, welche negativen Einflüsse ein übersteigerter Patriotismus auch in einer Demokratie haben kann.
Teile der amerikanischen Gesellschaft sind nämlich im Begriff oder schon dabei in einen stark nationalistischen Patriotismus abzugleiten.
Jedoch wird der Begriff Patriotismus nicht erst seit dem "Zweiten Weltkrieg" und nicht nur in Deutschland sehr kritisch gesehen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es heftige Gegner. So z. B. Leo Tolstoi, der den Patriotismus als "...Prinzip, das die Ausbildung für den Mord auf breiter Basis zu rechtfertigen erlaubt" definiert. 8
Auch Gustave Herve nennt ihn: "...einen Aberglauben - einen, der schädlicher, brutaler und inhumaner ist als die Religion." 9 Hier kann der Begriff selbst und die Frage ob eine moderne Gesellschaft ihn überhaupt noch nötig hat nicht umfassender behandelt werden. Für die vorliegende Arbeit ist die Darstellung in der vorliegenden Form ausreichend.
2.1 Wie entsteht Patriotismus?
Nach den unter Punkt 2 behandelten Definitionen entsteht Patriotismus einmal dadurch, dass sich ein Volk, eine Gemeinschaft von Menschen verbunden fühlt durch gleiche religiöse, politische, kulturelle oder geschichtliche Werte und Leistungen oder durch die Sprache und die Besiedlung eines geografisch relativ begrenzten Raumes. Einfach, dass ein Volk sein "Vaterland" liebt und stolz ist auf die Leistungen des eigenen Volkes.
Arbeit zitieren:
Michael Schön, 2004, Patriotismus - Einstellungen und Handeln und die Folgen, dargestellt anhand des Literaturwerkes: "Im Westen nichts neues" von Erich Maria Remarque., München, GRIN Verlag GmbH
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