Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1. Die Teilung der Welt in Gegensatzpaare. 4
2. Das Gefühl des Naiven. 4
2.1. Das Naive der Überraschung. 6
2.2. Zwischenbemerkung. 6
2.3. Das Naive der Gesinnung. 7
3. Der Begriff des Genies 7
4. Der moderne Mensch und die alten Griechen 8
5. Naive und sentimentalische Dichtung 9
5.1. Der naive Dichter. 9
5.2. Zwischenbemerkung. 9
5.3. Der sentimentalische Dichter. 10
6. Satire, Elegie und Idylle 11
6.1. Satire. 11
6.2. Elegie. 11
6.3. Idylle. 12
7. Schlussbemerkung 12
Literaturverzeichnis 14
3
1. Einleitung
In seinem Werk, das zwischen 1795 und 1796 entstanden ist, setzt Schiller sich, wie der Titel ja schon andeutet, mit den zwei voneinander zu unterscheidenden Dichtungsarten, der naiven und der sentimentalischen, auseinander. Neben diesem Schwerpunkt kommen allerlei andere Themen ins Blickfeld, so z.B. der Begriff des Genies, die Kritik an Kleist, Klopstock u.a. oder die Diskussion um Antike und Moderne.
Das Verhältnis zu Goethe, der in dieser Abhandlung als ein naiver Dichter betrachtet wird, im Gegensatz zu Schiller selbst, der sich wohl für einen sentimentalischen hält, spielt ebenfalls eine Rolle.
1.1. Die Teilung der Welt in Gegensatzpaare
Auffallend und sich durch den gesamten Text ziehend ist ein Denken, in dem sich die Welt scheinbar durch eine Teilung in Gegensatzpaare ausreichend, vielleicht sogar vollständig erklären lässt. Dieses Denkmuster kann man auch in Über die ästhetische Erziehung des Menschen erkennen. Die Zweiteilung zieht sich dabei vom Titel der Schrift über einzelne Abschnitte, wie beispielsweise diejenigen über Realisten und Idealisten, bis zu solchen Sätzen wie:
„Wir sind frei, und sie sind notwendig; wir wechseln, sie bleiben eins.“ 1 „Jenem fällt es nicht ein, daß der Mensch noch zu etwas anderm da sein könne, als wohl und zufrieden zu leben; und dass er nur deswegen Wurzeln schlagen soll, um einen Stamm in die Höhe zu treiben. Dieser denkt nicht daran, dass er vor allen Dinge n wohl leben muss, um gleichförmig gut und edel zu denken, und dass es auch um den Stamm getan ist, wenn die Wurzeln fehlen.“ 2
2. Das Gefühl des Naiven
Schiller beginnt seine Schrift damit, zu beschreiben, wie die Natur zum Naiven wird: Es gibt eine „Art des Interesses an der Natur“, die weder die Sinne, noch den Verstand befriedigt, sondern nur dadurch fasziniert, „weil sie Natur ist“ 3 . Der Betrachter muss der Natur dabei interesselos gegenübertreten, er muss von der „einfältigen Natur überrascht“ werden. Damit nun die Natur als das Naive angesehen werden kann, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein und zusammentreffen:
(1) Der betrachtete Gegenstand muss als Natur angesehen werden,
1 Friedrich Schiller, Über naive und sentimentalische Dichtung, S. 541
2 ebenda, S. 603
3 ebenda, S.540
4
(2) Der als Natur betrachtete Gegenstand muss den Gegensatz zur Kunst darstellen und diese beschämen.
Dieses Staunen über die Natur ist ein moralisches, kein ästhetisches, da man beispielsweise eine perfekte Nachahmung einer Blume, von der man wüsste, sie sei künstlich nicht so bestaunen könnte. Nicht der betrachtete Gegenstand an sich erweckt das Staunen, sondern die Idee, die man dahinter sieht. Einerseits stellt die Natur einen Urzustand dar, aus dem der Mensch erwachsen ist, nach dem er sich aber immer noch sehnt, da ein Gegenstand in diesem Zustand noch als eine Einheit besteht, also vollkommen ist und daher in Harmonie existiert. So gesehen stellt die Natur eine Forderung an den Menschen, nämlich nach dem Ideal der Einheit und Harmonie zu streben. Andererseits gibt es kein Zurück mehr, der Mensch hat Vernunft, einen freien Willen, der sich gegen die Notwendigkeit der Natur stellen kann. Er muss also einen anderen Weg zur Harmonie nehmen und dieser Weg führt über die Kunst. Wichtig hierbei ist noch, dass nur ein Mensch, der sich schon von der Natur entfremdet hat, also nicht mehr eins mit ihr ist, das Gefühl des Naiven verspüren kann.
Um zu verdeutlichen, wie die Natur den Menschen beschämen kann, stellt Schiller das Kind, das die Natur verkörpert, dem Erwachsenen, der die „Unnatur“ darstellt, gegenüber. Das Kind stellt insofern ein Ideal dar, als es noch alle Möglichkeiten in sich trägt, obwohl diese noch nicht verwirklicht sind. Der Erwachsene hingegen ist schon bestimmt, seine Möglichkeiten sind teilweise verwirklicht, und diese Bestimmung liegt notwendigerweise immer hinter der „grenzenlosen Bestimmbarkeit“ des Kindes zurück.
Das Gefühl des Naiven entsteht, so Schiller, aus der Verbindung von kindlicher Einfalt mit kindischer, aus einem „Widerspruch zwischen dem Urteile der Vernunft und des Verstandes“ 4 . Kindische Einfalt stellt eine n Zustand ohne Verstand dar. Der Erwachsene, der über Verstand verfügt, fühlt sich dem Unverstand gegenüber überlegen und belächelt ihn daher. Kindliche Einfalt hingegen benötigt den Verstand überhaupt nicht, sie verschmäht diesen sogar, denn durch sie offenbart sich „ein Herz voll Unschuld und Wahrheit“ 5 . Das erwachsene Selbst bewundert diese Wahrheit und verspürt gleichzeitig Heimweh nach der verlorenen Unschuld. Das Gefühl des Naiven ist somit eine Mischung aus „fröhlichem Spott, Ehrfurcht und Wehmut“ 6 .
Nun spaltet Schiller das Naive (wieder) in zwei Formen auf: in das Naive der Überraschung und in das der Gesinnung.
4 ebenda, S.542
5 Wenn Schiller hier schreibt, dass dieser Zustand ohne Verstand ein Zustand der Unschuld sei, so impliziert
dies, dass die Menschen, seit sie über Verstand verfügen, in einem Zustand der Schuld existieren.
5
Arbeit zitieren:
Joachim Waldmann, 2004, Schillers "Über naive und sentimentalische Dichtung", München, GRIN Verlag GmbH
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