Inhaltsverzeichnis 4
Inhaltsverzeichnis
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1 Einleitung 5
2 Der soziologische Raum und seine Aneignung 6
2.1 Der Raum aus soziologischer Sicht
6
2.2 Die Theorie zur Sozialisation im Raum
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2.3 Soziologische Modelle zur Aneignung eines Raumes
8
2.3.1 Das klassische Modell der Raumaneignung
9
2.3.2 Das moderne Inselmodell der Raumaneignung
10
2.4 Das tätigkeitstheoretische Aneignungskonzept
14
2.5 Die Gültigkeit des Raumaneignungskonzeptes
15
3 Eine empirische Untersuchung als Brücke zwischen Theorie und Praxis 17
3.1 Methodische Anlagen der empirischen Studie
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3.2 Zusammenfassung der Ergebnisse und ihrer Schlussfolgerungen
19
4 Schluss 23
Literaturverzeichnis 25
1 Einleitung
„Soziale Räume prägen das Aufwachsen und Lernen von Kindern und Jugendlichen. Sie können Ressourcen bereitstellen, sie können anregend und förderlich auf den Sozialisationsprozeß und den Kompetenzerwerb von Kindern und Jugendlichen wirken, sie können deren Entwicklungschancen aber auch einschränken.“ 1
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der jugendlichen Nutzung von öffentlichen Räumen der Stadt. Interessant erscheint dabei, in welcher Form und in welchem Ausmaß sich Jugend in der modernen Stadt unterschiedliche Räume habhaft macht, um sie für ihre Interessen zu nutzen. Des Weiteren spielt dabei eine Rolle, ob und inwiefern sich die jugendlic he Raumnutzung im Laufe der Zeit verändert hat und worin dies begründet liegt. Dazu muss jedoch zu allererst der Raum an sich und dessen Aneignung soziologisch aufgearbeitet werden, um dann nach Ursachen ihres möglichen Wandels suchen zu können. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auf die Bedeutsamkeit des Raumes und seiner Aneignung speziell für die Jugendphase als „Übergang von der unselbständigen Kindheit in die selbständige Erwachsenenrolle“ 2 eingegangen werden. Im Anschluss daran wird ein Beispiel aus der Praxis als Verbildlichung der theoretischen Betrachtungen dienen. Dazu soll eine empirische Studie, die im Jahr 2002 in der Landeshauptstadt Niedersachsens durchgeführt wurde, vorgestellt werden. Diese Studie erlaubt abschließend aktuelle Rückschlüsse bezüglich der jugendlichen Raumnutzung in der modernen Stadt.
1 Bruhns, Kirsten / Mack, Wolfgang (Hrsg.): Aufwachsen und Lernen in der Sozialen Stadt. Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensräumen. Opladen: Leske + Budrich 2001, S. 9 2 Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 7. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag 2004, S. 31
2 Der soziologische Raum und seine Aneignung
In diesem Kapitel soll einleitend der Raum als theoretisches Konstrukt aus soziologischer Sicht betrachtet werden, um so dessen Bedeutung und Notwendigkeit im Vorhandensein und Erschlossenwerden für die individuelle Entwicklung in der Jugendphase nachvollziehen zu können. Im Anschluss daran sollen verschiedene Raumtheorien und Aneignungskonzepte vorgestellt werden.
2.1 Der Raum aus soziologischer Sicht
Im heutigen Sprachgebrauch der Soziologie findet der Begriff des Raumes, dessen Wurzeln im philosophischen und naturwissenschaftlichen Bereich liegen, seine Verwendung überwiegend im Zusammenhang mit dem sozialen (Lebens)Raum. Dieser stellt dabei einen geschlossenen, trotzdem aber frei zugänglichen, und abgrenzbaren Lebensraum dar. In ihm sind charakteristische Merkmale in seiner Struktur zu finden, die den Sozialraum eindeutig kennzeichnen und definieren lassen.
Weiterhin besteht für die Soziologie eine Verbindung zwischen (Sozial)Raum und sozialer Interaktion, was scheinbar eine Art Wechselbeziehung darzustellen vermag. Demnach bedingen sich Raum und soziale Interaktion, um gegenseitige Möglichkeiten der Definition zu eröffnen.
So schafft der offene Raum einerseits eine Bühne für Handlungen einzelner Individuen und offeriert dabei eine Vielzahl konkreter Tätigkeiten und (Inter)Aktionen. Anhand dieser spezifischen Opportunitäten ist es möglich, den bestimmten Sozialraum gegenüber weiteren Räumen a bzugrenzen. Andererseits eignen sich Individuen die Möglichkeiten des Handelns im Raum nur durch (Inter)Aktionen in Form von Auseinandersetzungen mit ihm an. Unübersehbar ist dabei die Tatsache, dass der offene Raum lediglich durch konkrete Handlungen erschlossen werden kann. “Als Schöpfer und Geschöpf seiner Umwelt” 3 kann sich der Mensch die Bedingungen und Möglichkeiten seines (Sozial)Raumes zu Eigen machen, indem er sich mit ihnen auseinandersetzt, sich mit ihnen gegebenenfalls arrangiert oder sie nutzungsbestimmt umdefiniert. Der Mensch ist somit befähigt, seine eigene Lebenswirklichkeit zu gestalten, also seine individuelle Lebenswelt zu schaffen.
Im Gegensatz zum Sozialraum ist der Begriff der Lebenswelt dabei stärker subjektbezogen. Er ist deutlicher an der aktiven Auseinandersetzung eines jeden Individuums mit dessen Umwelt orientiert und greift daher die Subjektivität dieses Prozesses stärker auf. Dieser Begriff impliziert außerdem, dass jedes Individuum bei der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, ihr spezifische Bedeutungen zuschreibt
3 Dietrich, Knut: Bewegung und Raum-Anthropologische Aspekte. In: Dietrich, K. / Moegling, K. (Hrsg.): Spiel- und Bewegungsräume im Leben der Stadt. Sozial- und erziehungswissenschaftliche Untersuchungen und Projekte. Butzbach-Griedel: Afra-Verlag 2001, S. 57
und so Erkenntnisse und Erfahrungen mit ihr verbindet. Diese wiederum beeinflussen sein weiteres Handeln bezüglich seiner Lebenswelt. Anhand dieser subjektiven Ausrichtung werden der Facettenreichtum und die Vielschichtigkeit des Begriffes der Lebenswelt eindeutig. Da diese Arbeit dem Versuch unterliegt, eine übergreifende theoretische Abhandlung über die jugendliche Raumaneignung in der Großstadt darzustellen, kann der Begriff der Lebenswelt hier keinerlei weitere Verwendung finden. Es wird daher der Beg riff des Sozialraumes bevorzugt, dessen Eroberung im folgenden Abschnitt beleuchtet werden soll. Beginnend mit einer kurzen soziologischen Darstellung der Sozialisation als gesellschaftlicher Vorgang werden sowohl das klassische als auch das moderne Konzept der Raumaneignung vorgestellt und verglichen.
2.2 Die Theorie zur Sozialisation im Raum
Wie genau findet Sozialisation im Raum statt? Was sind ihre Bedingungen und wa s ihre Ergebnisse? Um diese Fragen beantworten zu können, soll zunächst kurz die menschliche Sozialisation aus ökologischer Sicht vorgestellt werden.
Der wohl populärste Vertreter dieser Denkrichtung war Urie Bronfenbrenner, dessen Theorem als ökologische Sozialisation bekannt geworden ist. Er verstand die Sozialisation als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht lediglich von den Fähigkeiten des Individuums sondern vielmehr auch von der es umgebenden Umwelt abhängig ist. Sein Forschungsgegenstand stellte die menschliche Sozialisation als einen Zusammenhang zwischen den Erbanlagen des Individuum und seiner Umwelt als Sozialraum dar, deren Ziel in einer gesellschaftlichen Integration lag. Der Klimax menschlicher Entwicklung war nach Bronfenbrenner also die vollständige Integration in die Gesellschaft.
Eine besondere Rolle spielte für ihn der Sozialraum eines Menschen, da nur er als Komponente verändert werden kann, um eine Sozialisation als gesellschaftliche Integration positiv und/oder negativ zu beeinflussen. Für Bronfenbrenner waren bei einer Sozialisation eines Individuums, “drei sich überlagernde Schichten zu unterscheiden” 4 .
Die erste Schicht stellte für ihn die unmittelbare, alltägliche Umgebung eines Menschen dar, die in eine zweite Schicht als die übergreifende soziale Struktur eingebettet ist. Die dritte Schicht bildet das ideologische System 5 . Dieses wird durch die Auffassung, die eine Gesellschaft von einem einzelnen Subjekt als Teil des Ganzen vertritt, geformt und bildet daher die Grundlage jeglicher Erziehung und Bildung. Sämtliche Ziele jeder Form von Pädagogik münden deshalb in einer all umwabernden Vorstellung eines Konstruktes von einem moralischen Menschen als vollwertiges Mitglied einer Gesellschaft. Eine plausible Verkörperung findet dieses
4 Bronfenbrenner, Urie: Ökologische Sozialisationsforschung, Lüscher, Kurt (Hrsg.), Stuttgart: Klett-Verlag 1976, S. 203
5 Bronfenbrenner, Urie: Ökologische Sozialisationsforschung, Lüscher, Kurt (Hrsg.), Stuttgart: Klett-Verlag 1976, S. 203 - 204
Arbeit zitieren:
Chrystina Kunze, 2005, Jugendliche in öffentlichen Räumen der Stadt, München, GRIN Verlag GmbH
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