und Bewegung vertreten, wobei zusätzlich ein starker Anstieg ehrenamtlich Tätiger in den Bereichen Soziales sowie lokales bürgerschaftliches Engagement zu verzeichnen war. Insgesamt wurden im Jahr 2004 durchschnittliche Freiwilligenquoten von 36% bei den Männern und 29% bei den Frauen erreicht. Ein besonders starker Anstieg freiwillig Engagierter im Vergleich zum Jahr 1999 war vor allem in den Bereichen Schule und Kindergarten, Soziales sowie Jugendarbeit / Bildung für Erwachsene erkennbar. Dabei wurden diese Aufgabe hauptsächlich von den Altersgruppen der 14 - 30-Jährigen und der ab 45-Jährigen übernommen. Verglichen mit der Erstbefragung im Jahr 1999 stieg zudem die Anzahl derer, die eine generelle Absicht bzgl. einer ehrenamtlichen Tätigkeit be-kunden konnten um acht Prozent auf insgesamt 32% an. In der Bevölkerungsgruppe der über 55-Jährigen war dabei die „beeindruckend“ 3 stärkste Zunahme ehrenamtlich Tätiger zu verzeichnen; so wuchs bei den 56 bis 65-Jährigen die Zahl der Engagierten um sechs, bei den 66 bis 75-Jährigen um fünf Prozentpunkte. Auch Erwerbslose, hierbei besonders die Hausfrauen im Alter von 31 bis 45 Jahren und Mütter von Schul-, Vorschulkindern engagierten sich im Jahr 2004 deutlich häufiger als noch das Ergebnis der Erstumfrage offenbarte. Eine weitere stark engagierte Bevölkerungsgruppe stellten die Rentner dar, die eine deutliche Prozentpunktzunahme von 24% auf 28% aufweisen konnten. Des Weiteren war in den neuen Bundesländern ein stärkerer Anstieg des Engagements als in den alten Bundesländern zu verzeichnen, sodass deren Differenz um vier Prozent auf lediglich zwei Prozentpunkte schrumpfte. Daneben war eine deutliche Abnahme des im Jahr 1999 noch registrierten Infrastrukturdefizits zu erkennen; ehrenamtlich Tätige können hinsichtlich ihres Engagements nunmehr die Möglichkeit der steuerlichen Entlastung einerseits und der Haft- sowie Unfallversicherung andererseits wahrnehmen. Eine weitere Verbesserung wurde sowohl bei der öffentlichen Aufklärung als auch bei den Werbekampagnen bzgl. gemeinnütziger
3 Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004. Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Bürgerschaftlichem Engagement, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend 2004, S. 30
Arbeit festgestellt. Diese strukturellen Veränderungen des Ehrenamtes scheinen dabei eine „deutlich höhere Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren“ 4 nach sich zu ziehen. Allerdings wünschen sich ehrenamtlich Tätige auch im Jahr 2004 eine bessere Beratung und Informationsverbreitung über Möglichkeiten des Engagements und fordern des Weiteren die (Massen)Medien auf, ihre Aufmerksamkeit stärker auf freiwillige Tätigkeiten auszurichten.
Insgesamt stellt diese repräsentative Telefonumfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest Sozialforschung eine durchaus solide Berichterstattung über den gegenwärtigen Zustand bürgerschaftlichen Engagements dar. Dieses erscheint schlussfolgernd als „stabile und sich entwickelnde gesellschaftliche Größe der Bürgergesellschaft“ 5 Deutschlands .
Strukturwandel des bürgerschaftlichen Engage-
ments
Seit den 80er Jahren unterliegt das freiwillige / ehrenamtliche Engagement einem rapiden Modernisierungstrend, der Veränderungen in zweierlei Hinsicht mit sich führt. Praktisch erkennbar werden diese Veränderungen bereits an der Vielzahl an Möglichkeiten, den Terminus des bürgerschaftlichen Engagements begrifflich zu erfassen. In diesem Zusammenhang finden im alltäglichen Sprachgebrauch häufig Termini wie Freiwilligkeit, Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement, gemeinnützige Aufgaben Verwendung, wobei die semantische Abgrenzung derer kaum möglich ist. Insgesamt veranschaulicht diese morphologische Vielfalt genau die Meta-morphose, die das bürgerschaftliche Engagement (in der Wissenschaft scheint sich dieser Terminus zu etablieren) in Deutschland derzeit vollzieht und die einem „intensiven, doppelten Wandlungsprozeß“ 6 gleichkommt.
4 Kurzfassung 2.Freiwilligensurvey 2004, S. 2
5 Kurzfassung 2.Freiwilligensurvey 2004, S. 2
6 Olk, Thomas: Vom Ehrenamt zum bürgerschaftlichen Engagement. Trends des begrifflichen und gesellschaftlichen Strukturwandels. In: Kistler, E. / Noll, H.-H. / Priller, E. (Hrsg.): Perspektiven gesellschaftlichen Zusammenhalts. Empirische Befunde, Praxiser- fahrungen, Messkonzepte. Berlin: Ed. Sigma, 1999, S. 77
Arbeit zitieren:
Chrystina Kunze, 2005, Bürgerschaftliches Engagement in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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