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Inhaltsverzeichnis
1. Vorbetrachtung 3
2. Marxistisches und leninistisches Religionsverständnis 5
3. Verhältnis von Staat und Kirche in der DDR - ein Überblick 6
3.1 Bekämpfung der Kirchen 6
3.2 Zurückdrängen der rechtlichen Verankerung in der
DDR -Verfassung 7
3.3 Kirchenpolitik nach der Gründung des Kirchenbundes 8
4. „Kommuniqué“ vom 21.07.1958 als Ergebnis der Gespräche zwischen
Kirche und Staat 10
4.1 Grotewohl und Mitzenheim als Hauptakteure 10
4.2 Inhalt der Gespräche 11
5. Spitzengespräch zwischen Staat und Kirche vom 06.03.1978 13
5.1 Manfred Stolpe und Albrecht Schönherr 13
5.2 Einfluss des Gespräches auf die Entwicklung
der Kirchen 14
6. Berliner Appell und die Losung: „Frieden schaffen ohne Waffen“ 17
6.1 Rainer Eppelmann als Initiator des Berliner Appells 17
6.2 Berliner Appell 17
6.3 Reaktionen im Staat 19
7. 20 Thesen Schorlemmers als Forderung der Kirche an den Staat 19
7.1 Friedrich Schorlemmer als Wortführer der Opposition
in der DDR 20
7.2 Inhalt der 20 Thesen 20
7.2.1 Was wurde gefordert? 20
7.2.2 Reaktionen des Staates? 23
8. Schlussbemerkung 24
9. Literaturverzeichnis 25
10. Quellenverzeichnis 26
Anlagen :
Abbildungsverzeichnis 27
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1. Vorbetrachtung
Die folgende Arbeit ist im Rahmen des Seminars über Religionssoziologie, im vierten Trimester des Pädagogikstudiums entstanden.
Die Thematik ist die Kirche im Sozialismus. Es soll anhand von ausgewählten Ereignissen und Personen das Verhältnis von Kirche und Staat dargelegt und zu einem Gesamtüberblick zusammengefasst werden.
Um den Sachverhalt differenziert zu erläutern, wird zunächst einen kurzen Überblick über die Beziehung der Kirche zur S ozialistischen Einheitspartei Deutschlands gegeben. Für diese einleitenden Worte dienen im Schwerpunkt die Werke von Kremser (1993) und von Pollack (1994). Diese Literatur stellt die gesamte Entwicklung der Kirche in der Deutschen Demokratischen Republik dar, sodass ein kur zer, jedoch zugleich prägnanter Eindruck gewonnen werden kann. Die Wahl dieses Themas begründet sich in der abwechslungsreichen und spannenden Entwicklung des evangelischen Glaubens in der D DR. Das Spannungsfeld der Auseinandersetzung zwischen Kirchenvertretern und der SED-Führung bietet ein breites Diskussionsspektrum.
Mit den ausgewählten Ereignissen soll nicht die komplette Zeitspanne von der Entstehung der DDR bis zur Wiedervereinigung abgedeckt werden. Vielmehr werden bewusst solche Höhepunkte erläutert, deren Auswirkungen in besonderem Maße im gesamten Entwicklungsprozess zur Geltung kommen. Die Gespräche mehrerer Kirchenvertreter mit dem 1958 amtierenden Ministerpräsidenten Otto Grotewohl waren die ersten, in denen der Schwerpunkt nicht im Streit um die Jugendweihe und den Religionsunterricht lag. Davon unberührt konzentrierte man sich auf eine wesentlich globalere Annäherung und einigte sich beispielsweise auf das Anerkennen des Sozialismus in der Gesellschaft seitens der Kirche.
Ein einziges Mal traf der Vorstand der Konferenz der Kirchenleitungen der DDR mit Erich Honecker, dem Vorsitzenden des Staatsrats der DDR, zusammen. Die Ergebnisse des Spitzengespräches zwischen der evangelischen Kirche und Honecker im Jahr 1978, brachten auf einigen Feldern kirchlicher Arbeit gewisse Erleichterungen. Doch es gab bereits zu dieser Zeit zahlreiche kritische Stimmen, die eine zu starke Annäherung an die sozialistische Staatsmacht befürchteten.
4
Die damals zugesicherte Gleichbehandlung und Gleichachtung aller Bürger - nach der DDR-Verfassung eine Selbstverständlichkeit - wurde weiterhin ständig verletzt. In den 80er Jahren demonstrierte die SED immer wieder ihre Macht, indem sie wiederholt verschiedene kleinere Gruppen, die meist im Kreise der Kirche angesiedelt waren, zerschlug. Diese Schritte reichten jedoch nicht, um die oppositionellen Vereinigungen mundtot zu machen. Ihre besondere Attraktivität, speziell für die junge Generation, lag darin, trotz des Drucks seitens der Regierung, weiterhin Alternativen zu den derzeitig propagierten politischen und ideologischen Auffassungen zu äußern. Dieser Hintergrund war auch der Anlass für den 1982 durch Rainer Eppelmann und Robert Havemann verfassten Berliner Appell, der i n dieser Arbeit als ein weiterer wichtiger Aspekt in der Beziehungsentwicklung von Kirche und Staat näher betrachtet werden soll.
Das letzte Ereignis, welches betrachtet werden soll, ist die Begründung der 20 Thesen durch den jetzigen Studienleiter an der Evangelischen Akademie in der Lutherstadt Wittenberg, Friedrich Schorlemmer. Da er einer der wesentlichen Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs der DDR war und für sein politisches Engagement 1989 die Carl-von-Ossiezky-Medaille für Menschenrechte erhielt, soll auch eine seiner herausragenden Leistungen in den Fokus dieser Arbeit gestellt werden.
Hamburg, im März 2005
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2. Marxistisches und Leninistisches Religionsverständnis
Das Religionsverständnis von Karl H. Marx und Wladimir
I. Lenin ist an dieser Stelle von besonderer Bedeutung. Die Ideologie des Marxismus-Leninismus in der DDR stellte den Menschen als Naturwesen in den Mittelpunkt, nicht als Geisteswesen, und befasste sich mit der Frage, wie eine proletarisch-revolutionäre Bewegung in
einem Land möglich ist, in dem die sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Marxismus nur unzureichend entwickelt sind. Als wichtigstes Standbein dafür galt die Arbeiterklasse. Einerseits weil sie von Lenin als Elite angesehen wurde und andererseits weil Marx sagte , dass eine Veränderung des Menschen nur durch die von ihm verrichtete Arbeit erfolgen könne. Marx und Lenin teilten eine Grundeinstellung, die explizit gegen die Religion als Institution gerichtet war und postulierten ihre Auflösung. Im Gegensatz dazu zeigten sie jedoch eine Akzeptanz gegenüber der Religion als eine Sache der Armen und Entrechteten und stellten insofern das „schlechte Gewissen des Christentums“ dar. 1 Nach Marx hatte die Kirche im 19. Jahrhundert versagt. Das Bestreben der Bevölkerung musste es also sein, die religiöse Welt durch eine weltliche Grundlage zu ersetzen. 2 Diese weltliche Grundlage bestand aus zwei Ebenen: der Basis und dem Überbau. Die Basis implizierte die Arbeit, die Produktion und das Auseinandersetzen mit der Natur. Alles, was nicht unmittelbar etwas damit zu tun hatte, wurde dem Überbau zugeordnet, so z.B. Kunst, Religion, Moral, Verwaltung, Gesetze und Staatsformen. Die beiden Ebenen stehen in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis, d.h. der Überbau wird direkt von der Basis beeinflusst. Mit Hilfe der Konzentration auf dieses weltliche Bild sollte die Religion in den Hintergrund rücken und die reale Welt als Gerüst der Bevölkerung angesehen werden. Sowohl Marx als auch Lenin waren der Auffassung, dass Religion als solches nicht durch die Bekämpfung der Christen beseitigt werden kann, sondern nur, indem man die Ursachen derselben heraus kristallisiert und abschafft. Als eine solche Ursache bezeichnet Marx beispielsweise die ökonomische Ausbeutung der Gesellschaft.
1
Vgl. Motschmann, J. (1993): Die Pharisäer. Die evangelische Kirche, der Sozialismus und das SED-
Regime. Frankfurt/M., Berlin: Ullstein, S. 53.
2 Vgl. Kremser, H. (1993): Der Rechtsstaus der evangelischen Kirche in der DDR und die neue Einheit
der EKD. Tübingen: Mohr, S. 3.
6
Lenin vertritt die Meinung, dass sich der Mensch einen Gott gegenübersetzt, um ein Pendant zu seinem eigenen, unwissenden und ungebildeten Verstand zu schaffen. Als Strategie zur Bekämpfung der religiösen Verdummung forderte Lenin die Befreiung der Menschheit aus den Ketten, die ihn an die Religion binden. 3
3. Verhältnis von Staat und Kirche in der DDR - ein Überblick
Die sowjetische Militäradministration duldete seit Ende der 40er
Jahre die Arbeit der Jungen Gemeinde, die sich als Antagonist zur Freien Deutschen Jugend (FDJ) herausgebildet hatte. 4 Zwischen beiden Organisationen bestand eine Konkurrenz. Die Arbeit in der Jungen Gemeinde gestaltete sich im Allgemeinen attraktiver als jene in der FDJ. G enau aus diesem Grund wurde ab 1949 massiv Propaganda auf die Kirche ausgeübt. Die SED sprach sich 1946 für eine Trennung von Staat, Kirche und Schule aus. 5 Die Religionsfreiheit wurde der Bevölkerung zugestanden, allerdings nicht als Menschenrecht betrachtet sondern als „(…) Gestaltungsrecht[e] zur Mitwirkung am Aufbau einer antifaschistischen Gesellschaftsordnung“ 6 .
3.1 Bekämpfung der Kirchen
Anlass für den Beginn des Kurses gegen die Kirchen war das Tragen des Kugelkreuzes als Bekenntniszeichen zur Jungen Gemeinde. Die Regierung sagte der Organisation einen vereinsartigen Charakter nach und betrachtete sie als nicht registriert. E ine Tatsache, die rechtlich nicht begründet war, da das Bekenntniszeichen allein nicht reicht, um einen Verein darzustellen. Christen wurden bestraft, weil sie in kircheneigenen Räumen Verkündigungsspiele durchführten. Die Propaganda gegen die Junge Gemeinde hatte zum Ziel, die Jugend vollständig im Sinne des Sozialismus zu erziehen und ausschließlich den offiziell zugelassenen Organisationen die Durchführung von Veranstaltungen anzuvertrauen.
3 Vgl. Kremser (1993), S. 3 ff.
4 Die Junge Gemeinde implizierte alle konfirmierten Glieder der christlichen Kirche im jugendlichen
Alter. Zur Arbeit der Jungen Gemeinde vgl. ebd., S. 159.
5 Aberkennen der Bildungsverantwortung der Kirchen.
6 Zitiert nach Kremser 1993, S. 157.
Arbeit zitieren:
Marcel Jobst, 2005, Die Evangelische Kirche im Sozialismus - Ausgewählte Ereignisse und Persönlichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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