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Steuerloch Germanien-Ein Grenzfall. Die Frage der Schuld am Untergang des Varusheeres im Jahre 9 n. Chr.

Title: Steuerloch Germanien-Ein Grenzfall. Die Frage der Schuld am Untergang des Varusheeres im Jahre 9 n. Chr.

Term Paper , 2003 , 16 Pages , Grade: sehr gut (1)

Autor:in: Nicolai Clarus (Author)

World History - Early and Ancient History
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Bereits seit unserem Aufbruch im Morgengrauen hatte der Nebel die Landschaft einen undurchdringlichen Schleier gehüllt. Es ist kalt und naß. Um uns herum sehen wir nichts weiter als Wälder, deren Bedrohlichkeit durch den wabernden Nebel nur noch verstärkt wird. Plötzlich ein entferntes Brausen, das sich schnell nähert. Das Brausen verstärkt sich zu einem furchterregenden Dröhnen. Die Germanen! Gleich werden sie aus dem Unterholz hervorbrechen und...Aber nein, es handelt sich lediglich um einen altersschwachen PKW, der soeben auf der Bundesstraße Richtung Brahmsche an, bzw. unter uns vorbeifährt. Wir befinden uns auf der Aussichtsplattform des Museums der „Varusschlacht“ in Kalkriese, einem winzigen Dorf wenige Kilometer von Osnabrück entfernt. Hier also soll sie stattgefunden haben, die „Schlacht im Teutoburger Wald“. In diesem Engpaß der Kalkrieser- Niewedder Senke, oder, wie uns der begleitende Archäologe nahelegt, in der grünen Hölle von Kalkriese. In einem wohlsituierten Hinterhalt zwischen dem Kalkrieser Berg und dem nur wenige hundert Meter weiter nördlich gelegenen großen Moor wurden, sofern man der Arbeit der hiesigen Archäologen Glauben schenken kann, im Jahre 9 n. Chr. drei römische Legionen sowie zahlreiche Auxiliarverbände unter der Führung des Publius Quinctilius Varus vernichtet. Seitdem der berühmte Historiker Theodor Mommsen im Jahre 1854 aufgrund von Münzfunden in diesem Gebiet einen ersten Anhaltspunkt für den bis dato völlig unbekannten Ort der Varusschlacht gefunden zu haben glaubte, entbrannte eine hitzige Diskussion unter Historikern und Archäologen über den wahren Ort dieses Ereignisses. Bis heute wurden circa 700 verschiedene Theorien mehr oder minder hohen Stellenwertes zu diesem Thema entwickelt, doch die endgültige Antwort auf die Frage, wo die Schlacht im Jahre 9 n. Chr. stattfand, ist bis jetzt noch jeder Autor schuldig geblieben. Diese Arbeit soll daher auch kein weiterer Versuch sein, mittels letztendlich unbelegbarer Thesen Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen, vielmehr sollen die Hintergründe dieser verheerenden römischen Niederlage beleuchtet werden, die dazu führte, „daß die römische Herrschaft, die an der Küste des Ozeans nicht haltgemacht hatte, am Rheinufer ihre Grenze fand.“1 Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Frage nach der Schuld an der clades Variana zu beantworten. [...] 1 Lucius Annaeus Florus, Bellum Germanicum II, 30,39.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Varus in der antiken Überlieferung

2.1. Frühe Ämterlaufbahn und Statthalterschaft in Africa

2.2. Statthalterschaft in Syrien

3. Historischer Kontext der römischen Feldzüge in Germanien

3.1. Feldzüge unter Drusus und Tiberius

3.2. Analyse der Quellen zur Provinzialisierung

4. Die Schuldfrage zur clades Variana

4.1. Lokalisierung und politische Hintergründe

4.2. Steuererhebung als Auslöser des Aufstands

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der römischen Niederlage in der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr., wobei die primäre Forschungsfrage lautet, inwiefern die Schuld für das Debakel tatsächlich beim Statthalter Quinctilius Varus liegt oder auf eine strategische Fehlentscheidung von Kaiser Augustus zurückzuführen ist.

  • Kritische Quellenanalyse der antiken Autoren Velleius Paterculus, Tacitus, Florus und Cassius Dio.
  • Untersuchung der Ämterlaufbahn des Publius Quinctilius Varus.
  • Rekonstruktion des historischen Kontextes der römischen Expansion unter Drusus und Tiberius.
  • Analyse der Rolle der Steuererhebung als Auslöser für den germanischen Aufstand.
  • Kritische Beleuchtung des römischen Selbstverständnisses gegenüber den germanischen Stämmen.

Auszug aus dem Buch

Die Vorgehensweise des Varus in Syrien

Die Vorgehensweise des Varus in Syrien ist insgesamt als angemessen zu bewerten, da durch sein hartes, energisches Durchgreifen ein Bürgerkrieg verhindert und die Ordnung in der Provinz schließlich wieder hergestellt wurde. Diese Handlungsweise war sicherlich im Sinne des Kaisers und hätte auch in Rom positive Beachtung finden müssen. Hiervon ist allerdings nichts bekannt, statt dessen beschuldigt der einzige Zeitzeuge, Velleius Paterculus, Varus der Habgier (s.o.). Daraus läßt sich eigentlich nur folgern, daß Paterculus hiermit die ungerechtfertigte Beschlagnahmung des Staatsschatzes des Herodes meint, und diese nicht dem kaiserlichen Procurator Sabinus, sondern dem Statthalter Varus selbst anlasten wollte. Entweder geschah dies mit Absicht, oder Paterculus wußte einfach nicht über die Verhältnisse in Syrien Bescheid, was allerdings sehr unwahrscheinlich ist, da er in den Jahren 1-4 n. Chr. selbst die östlichen Provinzen bereist hat, und sich somit sehr wohl hätte informieren können. Noch dazu läßt sich feststellen, daß Velleius, was negative Beurteilungen angeht, nicht als sonderlich kreativ bezeichnet werden kann, da er bereits in einem früheren Kapitel seiner Historia Romana den Legaten M. Lollius als einen Mann, „der in allem mehr auf Geld bedacht war, als darauf, recht zu handeln“ charakterisiert hatte. Aus dieser Tatsache folgt die Erkenntnis, daß der gesamte Bericht des Velleius Paterculus, im Hinblick auf die Charakterisierung des Varus, sich anhand eines einzigen Satzes als äußerst tendenziös und unglaubwürdig entlarven läßt. Es ist zu vermuten, daß die Vorgehensweise des Varus bei der Niederschlagung des judäischen Aufstandes sich auch in der Beurteilung seines Charakters durch andere römische Historiker widerspiegeln wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Varusschlacht in Kalkriese vor und formuliert das Ziel, die Rolle des Publius Quinctilius Varus kritisch zu hinterfragen.

2. Varus in der antiken Überlieferung: Dieses Kapitel analysiert die Laufbahn des Varus in Africa und Syrien, um Vorwürfe der Inkompetenz und Habgier historisch einzuordnen.

3. Historischer Kontext der römischen Feldzüge in Germanien: Es wird die Expansionspolitik unter Drusus und Tiberius untersucht, um den Status der germanischen Gebiete vor der Ankunft des Varus zu klären.

4. Die Schuldfrage zur clades Variana: Hier werden die Gründe für den Aufstand und die Verantwortung für das Desaster bei Augustus und Varus gegenübergestellt.

5. Fazit: Das Fazit schließt die Arbeit mit der Erkenntnis ab, dass Augustus die Hauptverantwortung für die Fehleinschätzung der Stabilität in Germanien trägt.

Schlüsselwörter

Varusschlacht, Publius Quinctilius Varus, Kaiser Augustus, Germanien, clades Variana, Arminius, Römisches Reich, Quellenkritik, Steuererhebung, Statthalterschaft, Expansion, Historische Analyse, Velleius Paterculus, Römische Provinz, Cherusker.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Aufarbeitung der Varusschlacht und der Frage nach der individuellen Verantwortung für die römische Niederlage im Jahr 9 n. Chr.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie des Publius Quinctilius Varus, der Analyse antiker Quellen, der römischen Expansionspolitik und den administrativen Hintergründen in den germanischen Provinzen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die einseitige Schuldzuweisung an Varus durch antike Autoren zu hinterfragen und die systemischen Fehler unter Kaiser Augustus aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kritische Quellenanalyse durchgeführt, die die Berichte antiker Historiker wie Velleius Paterculus, Florus, Tacitus und Cassius Dio miteinander vergleicht und auf ihre Tendenz hin überprüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Karriere des Varus in Syrien, den Kontext der römischen Feldzüge in Germanien sowie die spezifischen Ursachen für den Aufstand unter Arminius.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Varusschlacht, clades Variana, Kaiser Augustus, Quellenkritik, Steuererhebung und römische Statthalterschaft.

War Varus während seiner Statthalterschaft in Syrien tatsächlich inkompetent?

Nein, die Untersuchung zeigt, dass er seine Aufgaben dort gewissenhaft und erfolgreich wahrgenommen hat, was die negativen Darstellungen in den Quellen als tendenziös erscheinen lässt.

Welche Rolle spielte die Steuererhebung bei der Entstehung des Aufstandes?

Die Arbeit legt nahe, dass eine von Augustus angeordnete steuerliche Erfassung in Germanien der entscheidende Faktor war, der den germanischen Widerstand unter Arminius provozierte.

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Details

Title
Steuerloch Germanien-Ein Grenzfall. Die Frage der Schuld am Untergang des Varusheeres im Jahre 9 n. Chr.
College
University of Hamburg  (Seminar für Alte Geschichte)
Course
Die Römer in Germanien
Grade
sehr gut (1)
Author
Nicolai Clarus (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V38428
ISBN (eBook)
9783638374941
Language
German
Tags
Steuerloch Germanien-Ein Grenzfall Frage Schuld Untergang Varusheeres Jahre Römer Germanien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicolai Clarus (Author), 2003, Steuerloch Germanien-Ein Grenzfall. Die Frage der Schuld am Untergang des Varusheeres im Jahre 9 n. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38428
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