Danksagung
Die vorliegende Arbeit wurde im Wesentlichen von der Firma BIO AG, Musterstadt, gefördert und so ermöglicht.
Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitern der Firma BIO AG für Ihre schnelle und bereitwillige Hilfe bei Fragen oder Problemen sowie die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes in der Firma. Durch die gemeinsame Arbeit wurde schnell ein Bewusstsein für Energieeinsparmöglichkeiten bei der gesamten Belegschaft spürbar, welches für den Erfolg der Diplomarbeit hilfreich und aufheiternd war.
Ich danke besonders Herrn Dr. Manfred Lissel für die Vergabe des Themas sowie die Hilfs- und Diskussionsbereitschaft bei allen Fragen zur Diplomarbeit.
Ferner danke ich Herrn Prof. Dr. Sossinka für die Bereitschaft ein Gutachten über die Arbeit zu erstellen.
Inhaltsverzeichnis
I NA
Seite NA
Verzeichnis der Abbildungen 1
Verzeichnis der Tabellen 2
Liste der Abkürzungen 3
1 Einleitung
1.1 Ziel der Diplomarbeit 4
1.2 Das Unternehmen 5
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Umweltmanagementsysteme 6
2.1.1 Intention der einzelnen Systeme 7
2.1.2 Vergleich der Inhalte...................................................................................7
2.1.3 Ablauf der Zertifizierung 8
2.1.4 Vergleich des Aufbaus der ISO 14001 und EMAS 9
2.1.5 Nutzenpotentiale eines funktionierenden Umweltmanagementsystems 11
2.1.6 Bewertung und Entwicklung von EMAS und ISO 14001 in Deutschland 13
2.2 Stoffstrommanagement
2.2.1 Definitionen und Grundlagen 16
2.2.2 Akteure des Stoffstrommanagements 18
2.2.3 Ziele des Stoffstrommanagements 18
2.2.4 Instrumente des Stoffstrommanagements 19
2.2.4.1 Stoffstromanalyse 21
2.2.5 Stoffstromrecht 23
3 Ermittlung des Ist-Zustandes 26
3.1 Energiestromanalyse
3.1.1 Gesamtstrommessung 27
3.1.1.1 Tag- und Nachtverbrauch 29
3.1.2 Anlagenkataster Strom 30
3.1.3 Langzeitmessung Stadtwerke Musterstadt 31
3.1.4 Einzelmessungen Großverbraucher
3.1.4.1 Druckluftanlage 32
3.1.4.2 Dissolver 34
3.1.4.3 Abwasserbehandlungsanlage ABWASSER EX 35
Inhaltsverzeichnis
II NA
3.2 Energiestromanalyse Produkte Seite
3.2.1 Eisfrei 37
3.2.2 Schweißgel 39
3.3 Gasverbrauchsmessung 41
4 Bewertung und Maßnahmen 42
4.1 Energiestromanalyse
4.1.1 Strom 42
4.1.1.1 Druckluftanlage 45
4.1.1.2 Dissolver 46
4.1.1.3 Abwasserbehandlungsanlage ABWASSER EX 46
4.1.2 Gas 47
4.2 Auswertung Produktanalyse
4.2.1 Eisfrei 49
4.2.2 Schweißgel 50
4.3 BHKW-Analyse
4.3.1 Definition und Grundlagen 51
4.3.2 Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung 52
4.3.3 Ökologische Betrachtung 53
4.3.4 Ökonomische Betrachtung 54
4.3.5 Durchführung der Analyse 55
4.3.6 Auswertung 56
4.3.6.1 Energiebilanz 58
4.3.6.2 Schadstoffbilanz 59
4.3.6.3 Betriebswirtschaftliche Bilanz 60
4.3.7 Zusammenfassung 60
4.4 Maßnahmenkatalog 61
5 Zusammenfassung und Ausblick 66
6 Literatur- und Quellenverzeichnis 68
7 Anhang 71
Verzeichnis der Bilder 1
Verzeichnis der Abbildungen
Seite NA
Abb 1 Ablauf Teilnahme ISO 14001......................................................................8
Abb 2 Ablauf Teilnahme EMAS II..........................................................................9
Abb 3 Zahl der teilnehmenden Betriebe in Dtl an ISO 14001 bzw EMA 15
Abb 4 Input-Output-Analyse eines Unternehmens 19
Abb 5 Stoffstromanalyse eines Unternehmens 20
Abb 6 Stromverbrauch BIO AG 1995MMMMMMM2003.........................................................27
Abb 7 Gesamtstromverbrauch BIO AG vom 18 08 03 bis 26.11.03....................28
Abb 8 Stromverbrauch Gesamt Tag und Nachttarif vom 18 08 03 bis 26 11 03 29
Abb 9 Schematischer Grundriss Standort Musterstadt ohne Maßstab 30
Abb 10 Tagesgänge Leistung Strom über eine Woche 31
Abb 11 Tagesverlauf Strom Sonntag 19 10 03 v 00:15h bis 23:45h 32
Abb 12 Schema Druckluftanlage 33
Abb 13 Arbeitsweise eines Dissolvers 35
Abb 14 Schema Abwasseranlage BIO AG 36
Abb 15 Produktionsstätte Eisfrei 37
Abb 16 Rührkessel mit Heizung 39
Abb 17 Gasverbrauch 1995-2002 BIO AG 41
Abb 18 Elektrische Energieverteilung nach Subsystemen 42
Abb 19 Stromverbrauch UV Klimaanlage Außenbeleuchtung 43
Abb 20 Tagesgang Leistung Strom gemittelt 44
Abb 21 Gasverbrauch BIO AG v 02 10 2003 26 11 2003 47
Abb 22 Foto BHKW 51
Abb 23 Schema BHKW 52
Abb 24 Jahreswärmebedarf BIO AG 2003............................................................55
Abb 25 Jahresstunden BHKW und Kessel für thermische Energie 56
Abb 26 Jahresstunden BHKW und Kessel für elektrische Energie 57
Abb 27 Vergleich Einsatz an Primärenergie und CO 2 -Emission 59
Abb 28 Anzahl der teilnehmenden Betriebe an ISO 14001 weltweit 70
Verzeichnis der Tabellen 2
Verzeichnis der Tabellen
Seite NA
Tab 1 Vergleich des Aufbaus von ISO 14001 mit EMAS II 10
Tab 2 Ergebnisse Anlagenkataster: Jahresverbrauch in einzelnen Bereichen 30
Tab 3 Komponenten der Abwasserbehandlungsanlage ABWASSER EX 36
Tab 4 Produktionsprozesse Eisfrei 38
Tab 5 Produktionsprozesse Schweißgel 40
Tab 6 Energieeinsatz Herstellung Eisfrei 49
Tab 7 Energieeinsatz Herstellung Schweißgel 50
Tab 8 CO 2 -Bilanz BHKW-Analyse aus KWK-Plan 1 10 59
Tab 9 Maßnahmenkatalog Energieeinsparung BIO AG 61
Tab 10 Zahl der teilnehmenden Betriebe in Dtl an EMAS bzw ISO 14001 70
Tab 11 Energieverbrauch BIO AG 1995-2003 71
Tab 12 Gasverbrauch 1995 2002 BIO AG 71
Tab 13 Gasverbrauch BIO AG v 02 10 2003 26 11 2003 71
Tab 14 Stromwerte gesamt Messung vom 18 08 2003 - 17 12 2003 72MMMMMMM74
Tab 15 Anlagenkataster BIO AG 75MMMMMMM79
Tab 16 Strommessung Stadtwerke Musterstadt 80MMMMMMM85
Tab 17 ASUE BHKW-Checkliste Stand 12 03 2003 Ergebnis 86
Tab 18 Auswertung KWK-Plan Version 1 10 87MMMMMMM92
Liste der Abkürzungen 3
Liste der Abkürzungen
BauGB = Bau Gesetz Buch
BBodSchG = Bundes Bodenschutz Gesetz
BGBl = Bundesgesetzblatt
BHKW = Block Heiz Kraftwerk
BImSchG = Bundesimmissionsschutzgesetz
BImSchV = Bundesimmissionsschutzverordnung
BMU = Bundesministerium für Umwelt
CKW = chlorierte Kohlenwasserstoffe
DIN = Deutsche Industrie Norm
EG = Europäische Gemeinschaft
EMAS = Environmental Management and Audit Scheme
EN = Europäische Norm
EEG = Erneuerbare Energien Gesetz
EnEG = Energie Einspar Gesetz
EVU = Energieversorgungsunternehmen
ISO = International Organization for Standardization
kg = Kilogramm
KrWAbfG = Kreislaufwirtschaft und Abfall Gesetz
kWh = Kilowattstunde
kW = Kilowatt
KWK = Kraft Wärme Kopplung
KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau
PC = Personalcomputer
REN = Rationelle Energieverwendung
UMS = Umweltmanagementsystem
UVP = Umweltverträglichkeitsprüfung
TA = Technische Anleitung
VO = Verordnung
WHG = Wasserhaushaltsgesetz
4 Einleitung
1.1 Das Unternehmen
Die Firma BIO AG* mit Hauptsitz in Musterstadt* wurde 1965 als kleines
mittelständisches Unternehmen (KMU) von Firmeninhaber Max Mustermann*
gegründet. Das expandierende Unternehmen entwickelt und produziert in internen
und externen Labors Reinigungs- Entfettungs- und Schmiermittel sowie diverse
Reinigungsgeräte. Daneben zählen Korrosionsschutzprodukte zur
Oberflächenbehandlung, Schweißzubehörstoffe und Spezialschmierstoffe für die
Metall- und Lebensmittelindustrie ebenso zur Produktpalette wie Wartungsprodukte
für den Werkstattbereich, Reinigungs- und Entfettungsanlagen, die teilweise auf
mikrobieller Basis arbeiten sowie Enteisungsprodukte für den Winter.
Die Produkte werden weltweit vertrieben.
Seit Firmengründung legt das Unternehmen großen Wert auf die Ökologie bei der
Herstellung, dem Vertrieb sowie der Rücknahme der Produkte und sichert eine
gleich bleibende Produktqualität durch einwandfreie Werkstoffe und eine interne
sowie externe Qualitätskontrolle. Auf den Einsatz von chlorierten
Kohlenwasserstoffen (CKW´s) wird aus ökologischen Gründen in der Produktion
vollständig verzichtet.
Die Firma BIO AG ist nach der weltweit anerkannten Normenreihe DIN ISO 14000ff.
zertifiziert und war bis 2000 auch nach der europaweiten Öko-Audit-Verordnung
(EMAS) validiert.
Nach einem zweimaligen Standortwechsel hat das Unternehmen 1994 am
untersuchten Standort ein Firmengebäude mit Verwaltungstrakt und
Produktionshallen bezogen. Vier Jahre später wurde das Gebäude aufgrund
steigender Verwaltungsaufgaben infolge expansiver Tätigkeiten der
Unternehmensleitung um einen neuen Gebäudeteil, bestehend aus mehreren Büros
auf drei Etagen, einem Meeting-Raum und einem Demonstrationslabor, erweitert.
Das Unternehmen besitzt einen weiteren Produktionsstandort im Ausland und
weitere Servicecenter in anderen Ländern. Derzeit arbeiten am Firmenstandort in
Musterstadt 200 Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung und weitere 100
Mitarbeiter im Außendienst.
* Der Name der Firma, des Firmengründers sowie der Sitz der Firma wurden aus
datenschutzrechtlichen Gründen verändert.
5 Einleitung
1.2 Ziel der Diplomarbeit
Ziel der Diplomarbeit war es, die Ursachen des steigenden Stromverbrauchs im Unternehmen zu ermitteln und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten, um den Gesamtstromverbrauch im Rahmen des Umweltmanagementsystems zu mindern.
Die Untersuchungen im Bereich Energie sollten anhand einer Stoffstromanalyse durchgeführt werden, um den Gesamtstromverbrauch einzelnen Subsystemen sowie Verbrauchern zuordnen zu können. Durch diese Zuordnung ist eine Steuerung der Stoffströme möglich. Da im Bereich der Produktion große Energiemengen verbraucht werden, sollten zwei ausgewählte Produkte exemplarisch auf ihren Energiebedarf untersucht werden.
Weiterhin sollte im Rahmen dieser Arbeit aufgrund des hohen Energiebedarfs die Möglichkeit für den Einsatz eines Blockheizkraftwerks geprüft werden. Beim wirtschaftlichen Betrieb eines BHKW´s können Strom und Wärme unabhängig vom Energieversorgungsunternehmen (EVU) bereitgestellt und durch einen hohen Gesamtwirkungsgrad die Umweltauswirkungen gemindert sowie monetäre Entlastungen herbeigeführt werden.
Die möglichen Maßnahmen zur Energieminderung sollten möglichst umgehend umgesetzt werden. Falls dies aufgrund eingehender Prüfung der Realisierung oder höherer Investitionssummen nicht möglich war, sollten diese Möglichkeiten in einem Maßnahmenkatalog festgehalten werden, um diese ggfs. zu einem späteren Zeitpunkt realisieren zu können.
Theoretischer Hintergrund 6
2.1 Umweltmanagementsysteme
Um sowohl gesetzliche Vorgaben und Erwartungen der Öffentlichkeit als auch selbst gesteckte ökologische Ziele zu erfüllen, hat sich die Einführung eines Umweltmanagementsystems (UMS) bewährt (JUHRE 1999).
Mit der DIN EN ISO 14001 und der EG-Öko-Audit-Verordnung sind die Voraussetzungen geschaffen, ein umfassendes betriebliches UMS einzurichten und dauerhaft zu pflegen. Anstelle der ordnungs- und umweltrechtlichen Regelungen treten mehr und mehr marktwirtschaftliche Anreize, welche die Unternehmen dazu veranlassen, Umweltleistungen stärker eigenverantwortlich wahrzunehmen. Durch selbstgesteuertes Handeln wird ein dynamischer Prozess der kontinuierlichen Verbesserung geschaffen.
Die „Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29.Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“ wurde am 10.Juli 1993 im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht (Vgl.: Amtsblatt der Europ.Gem. Nr. L 168/1-18, Luxemburg, 1993, S.147-164) und ist seit April 1995 in Deutschland gültig. Im April 2001 trat die überarbeitete Fassung der EG-Öko-Audit- Verordnung (EMAS II) in Kraft (Vgl.: Amtsblatt der EG L 114/1-29, Luxemburg, 2001).
Als privatwirtschaftliche Antwort auf die EG-Öko-Audit-Verordnung wurde im Jahre 1996 die Normenserie ISO 14000 ff. veröffentlicht. Die ISO 14001 stellt den Kern der Reihe dar und ist Basis für Audits und Zertifizierungen (Vgl.: HECK ET AL. 2003).
Theoretischer Hintergrund 7
2.1.1 Intention der einzelnen Systeme
Untersuchungsgegenstand der ISO 14001 ist grundsätzlich die Organisation des Betriebes. Die Öko-Audit-Verordnung forderte bisher eine Standortbetrachtung. Mit der Revision der Verordnung ist nun auch hier eine Validierung der gesamten Organisation möglich. Jedoch sind Umweltleistungen und deren kontinuierliche Verbesserung standortbezogen darzulegen.
Eine weitere Einschränkung betrifft die grenzüberschreitende Validierung. Standorte in verschiedenen EU-Staaten dürfen nicht zu einer Organisation zusammengefasst werden.
EMAS ist also eher für die Zertifizierung einzelner Standorte ausgelegt und erfordert außerdem die sog. “Umwelterklärung“, eine Verpflichtungserklärung, die nicht nur gesetzliche Relevanz hat, sondern vor allem die moralische Eigenverantwortung nach außen dokumentiert (Vgl.: KRAUS 2001)
2.1.2 Vergleich der Inhalte
Bei der Frage “EG-Öko-Audit“ bzw. “DIN EN ISO 14001“ geht es nicht um eine Entweder-oder-Entscheidung: Das Hauptaugenmerk der EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS) gilt dem betrieblichen Umweltschutz, insbesondere der Reduzierung der Umweltauswirkungen am Unternehmensstandort.
Ein Umweltmanagementsystem – Mittelpunkt der ISO 14001 – wird in der Öko-Audit- Verordnung ebenfalls gefordert. Eigenständige Vorgaben für EMAS gibt es jedoch nicht. Vielmehr wird auf die ISO 14001 verwiesen (Vgl.: Art. 1 Abs. 2 EMAS-VO), erweitert um zusätzliche Anforderungen wie:
- Einhaltung der Rechtsvorschriften
- Performanceorientierung
- Externe Kommunikation
- Einbeziehung der Arbeitnehmer
Theoretischer Hintergrund 8
2.1.3 Ablauf der Zertifizierung
ISO 14001
Abb. 1: Ablauf Teilnahme ISO 14001
Theoretischer Hintergrund 9
EMAS II
Abb. 2: Ablauf Teilnahme EMAS II (Vgl.: Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29.Juni 1993
über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das
Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“)
Theoretischer Hintergrund 10
2.1.4 Vergleich des Aufbaus der ISO 14001 und EMAS
Tabelle 1: Vergleich des Aufbaus von ISO 14001 mit EMAS II (eigene Darstellung)
Theoretischer Hintergrund 11
2.1.5 Nutzenpotentiale eines funktionierenden
Umweltmanagementsystems
- Kostensenkungseffekte
Gemäß dem ökonomischen Prinzip soll Energie möglichst sparsam und effizient eingesetzt werden (Vgl.: BMU 2001). Durch einen Öko-Check im Unternehmen können Energie und Material im Sinne einer integrierten Materialwirtschaft sinnvoll eingeschränkt werden und somit zu einer ökologischen wie ökonomischen Entlastung führen.
Viele betriebliche Umweltschutzmaßnahmen haben relativ kurze Amortisationszeiten verbunden mit hoher Lebensdauer und führen somit zu einer langfristigen Kosteneinsparung. Dies setzt eine genaue Prüfung der eingesetzten Materialien sowie ein optimales Lieferantennetz voraus.
- Bedienung ökologischer Nachfrage
Umweltfreundliche Produkte sind längst nicht mehr als ein Modeartikel zu betrachten, sondern sind Teil eines Umdenkens und der Lernwilligkeit und – fähigkeit der Kunden, die umweltfreundliche Produkte konventionell hergestellten vorziehen.
- Zusätzliche Finanzierungsmittel und Investitionsvorsprünge
Auf allen Ebenen, von der Gemeinde über die Länder bis zur EU, werden vielfältige Umweltförderprogramme und – finanzierungshilfen angeboten. Oft führt eine einmalige Investition zur dauerhaften Entlastung, so z.B. bei der Abgabenreglung. Umweltorientierte Unternehmen informieren sich früher als andere Unternehmen über mögliche Umrüstungsinvestitionen und deren Fördermöglichkeiten und verschaffen sich so einen Vorsprung gegenüber Konkurrenten.
- Öffentliches Erscheinungsbild
Durch die Teilnahme an Umweltprogrammen sowie einer individuellen Umwelt- Leitlinie präsentiert sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit als umweltorientiert und fortschrittlich gegenüber den Kunden und sich selbst.
- Produktverantwortung
Durch die Schaffung eines Umweltmanagementsystems ist der Betrieb in der Lage auf Fragen und Probleme von Kunden zu reagieren und diese nachhaltig zu lösen, da der Betrieb die Produktionswege aufgrund eines verbesserten Informationssystems kennt und nachweisen kann.
Theoretischer Hintergrund 12
- Mitarbeitermotivation
Umweltorientierte Unternehmensführung bedeutet u.a., dass sich alle Mitarbeiter über die Umweltpolitik und –ziele des Unternehmens bewusst sind. Daher ist die Motivation der Mitarbeiter zu Eigenverantwortung und Umweltbewusstsein durch Schulung und Informationen eine elementare Aufgabe. Nur durch die Zusammenarbeit der obersten Leitung mit den Mitarbeitern ist ein dauerhafter Erfolg möglich (Vgl.: RÖTZEL-SCHWUNK 1998).
- Rechtssicherheit
Durch die Teilnahme an einem UMS erhält das Unternehmen Kenntnisse über umweltrelevante Rechtsquellen und deren Bedeutung für das Unternehmen. Durch die Einhaltung der Rechtsvorschriften werden unnötige Strafen oder Verwaltungsakte vermieden.
- Vollzugerleichterungen
In den vergangenen Jahren wurden spürbare Erleichterungen beim Vollzug des Umweltrechts für EMAS registrierte Unternehmen geschaffen, u. a.:
- im Immissionsschutzrecht (siehe §58e BImSchG) (Vgl.: BImSchG vom 14.Mai1990, zuletzt geändert durch G v. 9.9.2001, BGBl. I S.2331)
- bei Berichts- und Dokumentationspflichten
- im Überwachungsbereich
- bei der Ermittlung der Emissionen
- im Wasserrecht (siehe §21h WHG) (Vgl.: WHG vom 12.November 1996, zuletzt geändert durch G v. 9.9.2001, BGBl. I S.2331)
- bei der Überprüfung von Anlagen
- bei Berichts- und Dokumentationspflichten
- bei der Gewässeraufsicht und Eigenüberwachung
- bei der Betriebsanweisung
- beim Anlagenkataster
- im Abfallrecht (siehe §55a KrWAbfG) (Vgl.: KrWAbfG vom 27.September 1994, zuletzt geändert durch G v. 9.9.2001, BGBl. S.2331)
- Aufgaben des Abfallbeauftragten
- bei Berichts- und Dokumentationspflichten
- im behördlichen Überwachungsbereich.
Theoretischer Hintergrund 13
2.1.6 Bewertung und Entwicklung von EMAS und ISO 14001 in
Deutschland
In den europäischen Ländern, in denen EMAS zur Anwendung kommt, nehmen etwa
3.000 Standorte von Unternehmen mit insgesamt mehr als einer Millionen
Beschäftigten teil (Stand 04/04). Mit 1704 Standorten hat Deutschland eine Vorreiterposition inne. Nach der weltweit gültigen DIN EN ISO 14001 haben sich weltweit rund 61.000 Unternehmen zertifizieren lassen (Stand 12/03). Japan liegt mit
13.819 Zertifizierungen an der Spitze vor China und Spanien gefolgt von
Deutschland mit 4.150 sowie den USA mit 3.474 (Vgl.: ISO-WORLD, 2004). Etwa die Hälfte der deutschen Unternehmen, die ein Zertifikat nach ISO 14001 besitzen, sind auch nach EMAS validiert. (Dt. Gesellschaft für Qualität, 2001, S.10). Darüber hinaus dürfte es eine Vielzahl an Unternehmen geben, die ein Umweltmanagement ohne Zertifikat oder Urkunde eingeführt haben.
Betriebliches Umweltmanagement ist Ausdruck eigenverantwortlichen Handelns der Wirtschaft und unverzichtbares Instrument zum Schutz von Umwelt und die damit verbundenen natürlichen Ressourcen. Ergänzend zum herkömmlichen, ordnungsrechtlichen System des Umweltschutzes, das auf staatlichen Vorgaben beruht, bietet EMAS Anreize für Organisationen, die betriebliche Umweltleistungen über die rechtlichen Anforderungen hinaus ständig zu verbessern, um somit Trends setzen zu können.
Während sich Qualitätsmanagementsysteme insbesondere nach den Bedürfnissen der Kunden richten, befassen sich Umweltmanagementsysteme mit den Anliegen einer Vielzahl interessierter Kreise und mit dem wachsenden Bedürfnis der Gesellschaft nach dem Schutz der Umwelt. Das UMS bietet einen strukturierten Prozess für die Verwirklichung der kontinuierlichen Verbesserung, deren Geschwindigkeit und Ausmaß von der Organisation in Abhängigkeit von wirtschaftlichen und betrieblichen Umständen bestimmt wird. Der Grad an Detailliertheit und Komplexität des Systems, der Umfang der Dokumentation und die Höhe der dafür aufgewendeten Mittel sind von der Größe und Art ihrer Tätigkeit abhängig.
Wichtige Bestandteile eines UMS sind die kontinuierliche Verbesserung, die Einhaltung der einschlägigen Rechtsvorschriften z.B. aus den Bereichen Wasser, Abfall und Immissionen, die Einbindung der Öffentlichkeit und eine damit verbundene Transparenz sowie der Nachweis der Wirksamkeit des Systems.
Bei der Umsetzung von Umweltmanagementsystemen ist ein deutlicher Trend hin zur Integration von Managementsystemen zu erkennen. Die DIN EN ISO 14001 kann hierzu einen guten Beitrag leisten, da diese Norm schon bei der Entwicklung so gestaltet wurde, dass nicht die Dokumentation, sondern der Verbesserungskreislauf im Mittelpunkt steht, d.h. effektiver und integrierter Umweltschutz entlang der Kernprozesse im Unternehmen, verbunden mit schlanken Systemelementen.
Theoretischer Hintergrund 14
In EMAS, Anhang 1A, werden die Basisanforderungen an das Umweltmanagementsystem wörtlich aus dem Abschnitt 4 der DIN EN ISO 14001 übernommen. EMAS 1B, ergänzt diesen Abschnitt 4 durch detaillierte Anforderungen in den Bereichen:
- Einhalten der Rechtsvorschriften
- Umweltleistung
- externe Kommunikation und
- Einbeziehung der Mitarbeiter
Der aktive Nachweis, dass die Organisationen
- alle relevanten Umweltvorschriften ermittelt haben und deren Auswirkungen auf die Organisation kennen
- für die Einhaltung dieser Vorschriften sorgen und
- über Verfahren verfügen, die es ihnen ermöglichen, die Anforderungen dauerhaft zu erfüllen,
ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen schwierig zu erbringen.
Die inhaltlich komplexeste Forderung der EMAS ist die Bewertung der Umweltleistung. Die Organisationen müssen nachweisen können, dass das UMS sich an der tatsächlichen Umweltleistung orientiert. Sie müssen Kriterien festlegen, anhand derer bewertet werden kann, wie wesentlich die Umweltaspekte der Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen sind. EMAS unterscheidet dabei in direkte und indirekte Umweltaspekte der Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen der Organisation. Direkte Umweltaspekte können durch interne Management- entscheidungen kontrolliert werden. Demgegenüber muss eine Organisation bei indirekten Umweltaspekten ihren Einfluss auf Auftragnehmer, Lieferanten, Kunden und Nutzer ihrer Produkte und Dienstleistungen ausüben. Das Hauptanliegen der Ermittlung besteht jedoch nicht darin, einen Umweltaspekt als direkt oder indirekt einzustufen, sondern sicherzustellen, dass alle Umweltaspekte ermittelt werden, so dass sie in das Managementsystem einbezogen werden können.
Weder die Anwendung von DIN EN ISO 14001 noch die strengeren Anforderungen der EMAS-Verordnung sind ein Garant für optimale Ergebnisse zum Schutz der Umwelt und für die Optimierung der umweltrelevanten Unternehmensprozesse. Sie sind als Werkzeuge zu verstehen und anzuwenden, die nur unter Einbindung der Beschäftigten, der Integration in die Geschäftsabläufe und einer schlanken Dokumentation ihre Wirkung zeigen.
Der Erfolg des Umweltmanagementsystems hängt von der Verpflichtung auf allen Ebenen und in allen Funktionen, insbesondere jedoch von der Verpflichtung der obersten Leitung ab [Vgl.: UBA 2001].
Theoretischer Hintergrund 15
Aufgrund des Aufwandes und der zusätzlichen Forderungen der EMAS II lässt sich folgender Trend in Deutschland erkennen:
Abb. 3: Zahl der teilnehmenden Betriebe in Dtl. an ISO 14001 bzw. EMAS; eigene Darstellung, Daten von Umweltbundesamt; www.iso14000.com; www.emas-logo.de; EMAS-aktuell Ausgabe Feb/2004, www.emas-register.de; www.europa.eu.int
Da durch die Erweiterungsverordnung sowie die Novellierung (EMAS II) der Anwendungsbereich auch auf nicht-gewerbliche Organisationen erweitert wurde, kommt seit zwei bzw. fünf Jahren ein gänzlich neuer Teilnehmerkreis hinzu. Noch sind keine deutlichen Anzeichen zu bemerken, dass sich eine Zertifizierung nach ISO 14001 als Vorstufe zum Öko-Audit nach EMAS II erweisen wird. Wenn derzeit die Teilnehmerzahlen insgesamt sinken, bedeutet dies, dass selbst von den anfänglichen Teilnehmern aus Industrie und Gewerbe offenbar ein erheblicher Anteil wieder aussteigt.
Mögliche Ursachen für die Abnahme der teilnehmenden Organisationen an EMAS II sind:
- erheblicher Ermittlungsaufwand sowie hohe Kosten für kleine und mittel- ständige Unternehmen
- Fördermittel vom Staat werden als zu niedrig bewertet
- es können nur einzelne Standorte zertifiziert werden, nicht die gesamte Organisation
- Image-Gewinn wird nicht konsequent genutzt, teilweise unbekanntes System
- Kosteneinsparung ist meist nur im ersten Teilnahmejahr spürbar
- kostengünstigere Teilnahme z.B. an Ökoprofit mit beachtlichen Einspar- Effekten während der Teilnahme (meist nur ein Jahr)
Theoretischer Hintergrund 16
2.2 Stoffstrommanagement
2.2.1 Definitionen und Grundlagen
Zum Begriff des Stoffstrommanagements existieren verschiedene Definitionen:
- Die Enquete-Kommission definiert das Management von Stoffströmen als „das zielorientierte, verantwortliche, ganzheitliche und effiziente Beeinflussen von Stoffsystemen, wobei die Zielvorgaben aus dem ökologischen und dem ökonomischen Bereich kommen, unter Berücksichtigung von sozialen Aspekten. Die Ziele werden auf betrieblicher Ebene, in der Kette der an einem Stoffstrom beteiligten Akteure oder auf der staatlichen Ebene entwickelt“ (Enquete 1994, S.449).
- Das Öko Institut e.V. definiert Stoffstrommanagement als aktives, bewusstes und effizientes, an anspruchsvollen Umweltzielen orientiertes, produktlinien-, medien- sowie akteursübergreifenden Beeinflussen von Stoffströmen (Öko- Institut e.V.: Globaler Stoffwechsel, Freiburg 1996, S.2)
- Aus betrieblicher Sicht formuliert Sterr für Stoffstrommanagement einen „zielorientierten organisierten Umgang mit Stoffen entlang der Wertschöpfungskette, unter Einschluss der Interessen der daran direkt oder indirekt beteiligten Akteure“ (STERR 1998).
Stoffpolitik umfasst nach der Definition der Enquete-Kommission „die Gesamtheit der politischen Maßnahmen, mit denen Einfluss auf Art und Umfang der Stoffbereit- stellung, der Stoffnutzung sowie der Abfallbehandlung und –lagerung genommen wird, um angesichts der Begrenztheit der Ressourcen und der eingeschränkten Belastbarkeit der Umweltmedien die stoffliche Basis der Wirtschaft langfristig zu sichern.“ (Enquete 1994, S.719)
Stoffe sind in der Regel chemische Elemente oder chemische Verbindungen, wie sie natürlich vorkommen oder anthropogen hergestellt werden, einschließlich der Verunreinigungen, Beiprodukte und der für die Herstellung und Vermarktung erforderlichen Hilfsmittel (Vgl.: Hecht, Dieter: Stoffpolitik als Ordnungspolitik; Marburg 1999, S.17). Aus dieser Beschreibung wird deutlich, dass zum Stoffbegriff auch und vor allem Energieträger und Energiedienstleistungen gehören (HECK ET AL. 2003, S.15).
Den Stoffstrom definiert die Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des 12. Deutschen Bundestages als den „Weg eines Stoffes von seiner Gewinnung als Rohstoff über die verschiedenen Stufen der Veredelung bis zur Stufe der Endprodukte, den Ge- und Verbrauch des Produktes, ggfs. der Wiederverwendung/Verwertung bis hin zu seiner Entsorgung“.
Quote paper:
André Leipold, 2004, Ermittlung und Bewertung von Stoffströmen eines mittelständischen Chemieunternehmens im Rahmen des Umweltmanagements, Munich, GRIN Publishing GmbH
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