Inhalt:
1. Einordnung des Märchens in den Novellenzyklus
(S 3 /4 )
2. Was ist ein Märchen? (S 4 7 )
3. Struktur des Märchens (S 7 9 )
4. Das Motiv (S 9 /10 )
5. Inhalt (S 10 /11 )
6. Charakterisierung der Hauptpersonen (S 12 17 )
7. Kritischer Spiegel des Märchen (S 17 20 )
8. Das Werk als Spiegel der Persönlichkeit
(S 21 /22 )
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Einordnung des Märchens in den Novellenzyklus:
Alle Erzählungen der „Leute von Seldwyla“ haben den gemeinsamen Schauplatz Seldwyla, womit keine bestimmte Stadt gemeint ist, wie Keller im zweiten Vorort klärt, wenn er sagt: „es rage in jeder Stadt und in jedem Tale der Schweiz ein Türmchen von Seldwyla… (S.277).
Grundsätzlich geht es auch nicht um Schweizer, sondern um Menschen und deren Schicksale im Allgemeinen. Die gemeinsame äußere Lokation soll lediglich die gleichmäßige Stellung des Dichters zu seinen Themen und Gestalten verdeutlichen.
Die Novellen untereinander stehen in einer sehr engen Beziehung. Vier Novellen jedes Bandes bilden je zwei Parallelerzählungen, während je eine von den fünf für sich steht.
Im ersten Band stellen „Pankraz der Schmoller“ und „Frau Regel Amrain und ihr Jüngster“ das erste Paar dar. Beide Novellen sind Erziehungsgeschichten, beide Frauen müssen sich ohne männliche Unterstützung durchschlagen. Ohne Gegenbild ist im ersten Band die Geschichte „Romeo und Julia auf dem Dorfe“.
Das zweite Paar bilden dann die beiden z um Teil verbrecherischen Liebesgeschichten „Die drei gerechten Kammmacher“ und „Spiegel, das Kätzchen“.
„Spiegel, das Kätzchen“ unterscheidet sich von den anderen Novellen des ersten Bandes durch die Bezeichnung „Märchen“ und die zeitliche Einordnung. Das Märchen ist durch die Schlacht von Pavia auf das 16. Jahrhundert festgelegt, es spielt also in der Vergangenheit der Seldwyler.
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Dieses Märchen war ursprünglich als Abschlusstext im Rahmen des gesamten Seldwyla Zyklus gedacht. Es stellt in einer Weise die Summe von Kellers poetischer Erkenntnis in Sachen Dichtung und bürgerlicher Gesellschaft dar. Spiegel beschließt in der heutigen Fassung den ersten Band und ist somit als Bilanz des Ganzen durchaus zu betrachten. Keller selbst behauptet, dass er sich auf die letzten beiden Erzählungen, d.h. auf die „Drei gerechten Kammmacher“ und „Spiegel, das Kätzchen“ am meisten einbildete, weil sie formell am fertigsten und reifsten sind.
Was ist ein Märchen?
„Spiegel, das Kätzchen“ wird im ersten Band der „Leute von Seldwyla“ als Märchen bezeichnet. Daher unterscheidet es sich von den anderen Erzählungen des Zyklusses.
„Märchen“ bezeichnet ursprünglich eine kurze Erzählung, eine Kunde oder Nachricht. Schon früh aber verlor der Begriff seine positive Bedeutung und wurde auf unwahre und erfundene Geschichten angewendet. In Deutschland trugen die Gebrüder Grimm 1812 mit der Herausgabe der von ihnen gesammelten „Kinder - und Hausmärchen“ zur Etablierung des Märchens gegenüber anderen literarischen Kurzformen bei. Seit der Märchensammlung und Forschung der Gebrüder Grimm unterscheidet man zwischen Kunstmärchen und Volksmärchen.
Das Kunstmärchen ist das Werk eines bestimmten Dichters und dessen Phantasie, es wird zur Individualliteratur gerechnet. Volksmärchen lassen sich hingegen nicht auf einen Autor festlegen, sie sind der schriftliche Ausdruck mündlicher Überlieferung.
Das moderne Antimärchen, eine neuere Art des Märchens, besitzt wieder einen nennbaren Autor, unterscheidet sich vom Inhalt her aber wesentlich von den
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anderen Formen. Während im Volksmärchen ein positiver Held die Hauptrolle übernimmt agiert im Antimärchen ein negativer Held. Märchen haben im Allgemeinen eine Reihe von formalen Merkmalen, die in der Regel auch eingehalten werden. Ein Märchen soll eine phantastische, realitätsüberhobene, variable Erzählung sein, deren Stoff aus mündlich volkstümlicher Tradition stammt.
Die Göttersphäre fehlt völlig, es gibt keine religiösen Bezüge, auch die historischen und geographischen Bezüge fehlen im Märchen normalerweise völlig. Die Naturgesetze werden aufgehoben, so gibt es zum Beispiel wunderliche Verwandlungen und sprechende Tiere. Fabelwesen und stereotype Personen (König, Stiefmutter) spielen in Märchen die Hauptrolle. Dabei ist die Handlung ebenso stereotyp, wie die Orte und Requisiten. Alles zentriert sich auf die Hauptpersonen, das Geschehen ist einsträngig. Eine wichtige Rolle spielen immer die Märchenzahlen 3 und 7, die Sprache ist sehr formel- und märchenhaft.
Im Märchen „Spiegel, das Kätzchen“ lassen sich trotz der Bezeichnung Kellers nur wenige Merkmale eines typischen Märchens finden. „Spiegel, das Kätzchen geht auf eine wahre Begebenheit zurück, der Stoff hat demnach volkstümliche Wurzeln, nämlich ein altes Sprichwort, das in Seldwyla benutzt wurde. „Der Katze den Schmer abkaufen“. Schmer bezeichnet das Bauchwandfett eines Schweins, das aus dem Schmalz gewonnen wird. In diesem Märchen, bzw. Sprichwort wird das Ganze auf eine Katze übertragen. Im übertragenen Sinn bedeutet das Sprichwort „einen schlechten Handel machen“.
Religiöse Bezüge werden in „Spiegel, das Kätzchen“ sehr wohl hergestellt. Es wird von der Hexenverbrennung und der Frömmigkeit der Begine berichtet. Auch historische und geographische Fakten werden erwähnt, wie die Schlacht in Pavia und Seldwyla, einem Ort in der Schweiz.
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Die Naturgesetze werden wiederum märchengemäß aufgehoben. Die Begine ist die reinste Verwandlungskünstlerin, sie kann auf der einen Seite sehr schön sein, sich aber dann in eine Hexe verwandeln. Märchenhaft sind auch die Tiere, die sprechen können. In „Spiegel, das Kätzchen“ sind dies der Kater Spiegel und die Eule. Es scheint dabei ganz natürlich, dass sich diese Tiere durch Sprache in die Menschenwelt einmischen.
Die Handlung wird nur auf wenige Figuren beschränkt, dennoch nimmt sie durch die Gliederung in Rahmenhandlung und Binnenerzählung eine gewisse Vielschichtigkeit ein, die untypisch für Märchen ist.
Die Personen sind zwar keine Stereotypen, weil sie ganz spezifische Namen, Eigenschaften und Charaktere haben, sie versinnbildlichen jedoch auch die Gesellschaft der Seldwyler, ihr Verhalten bleibt trotz Individualität größtenteils übertragbar.
„Spiegel, das Kätzchen“ keinerlei Zahlensymbolik auf. Der Schatz besteht aus 10.000 Gulden, die Beziehungen bestehen immer aus zwei Personen, die alter Jungfer-Spiegel, Pineiß-Spiegel, Pineiß-Hexe, Hexe-Eule. Pineiß hat mehr als 3 oder 7 Berufe und auch Lebensjahre spielen hier keine Rolle.
Die Sprache in „Spiegel, das Kätzchen“ nähert sich nur in der Binnenerzählung von Spiegel dem, was man unter märchenhafter Sprache verstehen kann. Der Satzbau ist grundsätzlich sehr einfach, die Ereignisse folgen chronologisch. Aber selbst hier kann man nicht von einer Märchensprache reden, denn die Bildhaftigkeit rückt sehr in den Hintergrund, die Binnenerzählung ist durchaus realistisch. Vom Inhalt wäre demnach die Rahmenhandlung näher an der Märchenstruktur. Die Sprache Kellers besitzt jedoch keinerlei Ähnlichkeiten mit der Märchensprache der Gebrüder Grimm.
Allgemein lässt sich daraus folgern, dass der Stoff des Märchens, das Sprichwort, zwar aus dem Volksmund hervorgeht und deshalb eher zum
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Arbeit zitieren:
Andrea Fischer, 2003, Spiegel, das Kätzchen, München, GRIN Verlag GmbH
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Die deutsche Komödie. Ludwig Tieck. Der gestiefelte Kater.
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