Hausarbeit zum Seminar 1b:
"Erzählungen der Romantik"
"Ludwig Tieck: Der Runenberg"
vorgelegt von:
Martina Ochs
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3
2. Aspekte der Werkdeutung S. 3
2.1 Inhaltsangabe S. 3
2.2 Erzählanalyse S. 4
2.3 Kommentierende Auseinandersetzung mit den
Interpretationen von Ernst RIBBAT und Richard KIMPEL S. 8
3. Schluß S. 19
4. Literaturangaben S. 20
1. Einleitung
Während einer Erzählanalyse von Ludwig Tiecks Der Runenberg drängten sich verschiedene inhaltliche Schlußfolgerungen auf, die in der vorliegenden Arbeit vorgestellt werden. Diese hypothetischen Betrachtungen des ersten Hauptteilkapitels sollen im zweiten Abschnitt durch die Resultate zweier literaturwissenschaftlicher Untersuchungen ergänzt, vertieft oder revidiert werde. Der erste zu Rate gezogene und kritisch zu kommentierende Aufsatz stammt von Ernst RIBBAT, der zweite von Richard KIMPEL.
Mit Hilfe des gewählten Verfahrens wird keineswegs versucht, das Werk auf eine vom Autor intendierte Botschaft zu reduzieren, vielmehr soll die Vielschichtigkeit von Der Runenberg zum Vorschein kommen, wobei jedoch einige meiner Meinung nach abwegige Ansätze eher zurückzuweisen sind.
2. Aspekte der Werkdeutung
2.1 Inhaltsangabe
Christian, der Protagonist der Erzählung, erlebt, nachdem er aus Unzufriedenheit und Sehnsucht sein Heimatdorf in der friedlichen Ebene verlassen und im Gebirge Arbeit bei einem Förster gefunden hat, die Einsamkeit der Bergwelt. Durch einen plötzlich auftauchenden Wanderer, dem er sein Gefühl der Verlassenheit beschreibt, wird Christian dazu angeregt, den Runenberg, von dem er bereits unheimliche Dinge vernommen hat, zu besteigen. In einem alten, hell erleuchteten Saal auf dem Gipfel erwartet ihn eine mysteriöse Zelebration. Eine überirdisch schöne Frau tanzt und singt von Kristallen und Geistern, bevor sie dem Helden eine mit Edelsteinen verzierte Tafel überreicht. Halb im Schlaf stürzt er mit dem Schatz in die Tiefe und erwacht ohne denselben auf einem weit entfernten Hügel. Von dort aus begibt er sich in ein nahes Dorf, lernt dort eine nettes Mädchen kennen, das er heiratet und das ein Jahr später ein Kind von ihm gebiert. Nach fünf Jahren wachsenden Wohlstandes gibt ihm ein Fremder Gold zur Verwahrung. Das Zählen und Behüten des Goldes, die Gier nach dem Gold übermannt Christian. Er fühlt sich von dem grausigen Waldweib angezogen, weil er in ihr die Bergschöne wiedererkennt. Er folgt diesem Wesen für immer in Wälder und Bergwerke, während seine Familie moralisch und finanziell zugrunde geht.
2.2 Erzählanalyse
Bei der Untersuchung der Chronologie (Ordnung) der Geschichte sowie der Ordnung der Erzählung fallen, je nach Auslegung, zwölf Analepsen auf, von denen sich acht auf den ersten sechs Seiten, also von Seite 25 bis 31 oben, befinden. Auf den restlichen 20 Seiten, von Seite 31 oben bis Seite 50, lassen sich indes nur vier Rückblicke aufdecken.
So wie der Textfluß bis zum Runenbergerlebnis von Analepsen, welche die Ordnung der Erzählung aufweichen, durchbrochen ist, so unstet verlief Christians Leben bis zu jenem Zeitpunkt der Geschichte.
Anschließend beginnt Christian, nach einer kurzen rückblickenden Erinnerung an seine Herkunft, sein geregeltes, fast immer nach vorn gerichtetes Leben, das erst nach dem Erscheinen des Fremden und der Berührung mit dem Gold wieder in Unordnung gebracht wird, so daß auch in der Erzählung wieder Anachronien in Form von Rückgriffen auftauchen. Die nachfolgenden Seiten ohne Analepsen signalisieren wiederum durch die Art der Erzählordnung, daß das Leben des Helden hier erneut zukunftszugewandt ist. Es gibt kein bedeutendes Zurück mehr aus dem Bund mit dem Waldweib, er wird für den Rest der Geschichte beim ihm bleiben.
Die Dauer der Erzählung, also die Art, in welchem Maß die Erzählung die Ereignisse rafft oder dehnt, gibt Auskunft über die Bedeutsamkeit der erzählten Passagen für die Charaktere und ihre Entwicklung. So findet sich die stärkste Raffung denn auch in Bezug auf Christians Lebensende, das in einem einzigen Satz angedeutet ist. Von Beginn seines Eremitendaseins an ist von ihm keine Entwicklung, keine Wendung in seinem Verhalten mehr zu erwarten. Trotz augenscheinlicher Wehmut beim letzten Zusammentreffen mit Elisabeth kehrt er zu seinem Waldweib zurück. Im Gegensatz dazu ist die Beschreibung des gesamten Gebirgserlebnisses wesentlich ausführlicher, was in einem angemessenen Verhältnis zu der Bedeutung steht, welche diese Erfahrung für die Entwicklung von Christians ganzem Leben darstellt.
[...]
Arbeit zitieren:
Martina Ochs, 2000, Ludwig Tieck: Der Runenberg, München, GRIN Verlag GmbH
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