Inhaltsverzeichnis:
Einleitung Seite 2
1.
Hauptteil:
2.
Zur Begriffsbestimmung der Märe Seite 2
2.1
Zur Begriffsbestimmung der Novelle Seite 3
2.2
Märenbegriff und Novellentheorie Seite 4
2.3
Schlussbemerkung Seite 9
3.
1
1. Einleitung Märendichtungen bestimmen die literarische Welt des Spätmittelalters, sie stellen einen dominanten Anteil der literarischen Werke dieser Ära dar. Deshalb werde ich mich im folgenden Aufsatz mit den Theorien über Mären und Novellen der mittelhochdeutschen Kleinepik beschäftigen und einen Vergleich beider miteinander anstellen. Zunächst werde ich auf die Begriffsdefinitionen von ’Märe’ und ’Novelle’ sowie deren Entstehungsgeschichte eingehen und werde im Anschluss daran Märenbegriff und Novellentheorie aufeinander beziehen. Allerdings sei bereits im Voraus gesagt, dass die Ansichten der Forscher inkongruent sind, insbesondere was den Einfluss von Giovanni Boccaccios ’Decameron’ auf die Entwicklung der Novelle anbetrifft. Inwiefern die diskrepanten Ergebnisse der Forschung einzugrenzen sind, versuche ich im Verlauf meiner Arbeit heraus zustellen.
2. Hauptteil 2.1 Zur Begriffsbestimmung der ’Märe’ Die Märe geht auf Stricker, den mittelhochdeutschen Dichter des 13. Jahrhunderts zurück, der sie als musterhafte Kurzerzählung mit fiktivem Inhalt und damit als selbständige Gattung begründete. Das Wort ’Märe’ hat erst im Neuhochdeutschen die feminine Form gewonnen, im Mittelhochdeutschen wird es noch im Neutrum verwendet. Ursprünglich meint es ’Kunde, Bericht’ und entwickelt sich später zu ’Erzählung’. In der mittelhochdeutschen Literatur ist die Märe Synonym für mündlich vorgetragene Erzähltexte verschiedenster Art, insbesondere für kleinepische weltliche Reimpaardichtungen und Versnovellen. Hanns Fischer fasst unter dem Begriff maere die „bedeutende selbständige Kleinepik, die den eigentlichen novellistischen Beitrag der mhd. Lit. darstellt“ 1 , zusammen. Im
späten Mittelalter erfährt der Begriff also einen Bedeutungswandel; nun versteht man darunter eine „allgemeine Gattungsbezeichnung für die mhd. erzählende Dichtung“ 2 . Maere ist immer episch und erfährt keine förmliche Personifikation.
In weiteren Bedeutungsvarianten heißt es auch ’Quelle’ bzw. bekräftigt es in der 1 Polheim, Karl Konrad: Novellentheorie und Novellenforschung. Ein Forschungsbericht. 1945- 1964.
Stuttgart: Metzler 1965, S.38.
2 Niewöhner, Heinrich: Maere. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. 2. Bd. Hg. v. Werner Kohlschmidt & Wolfgang Mohr. 2. Aufl. Berlin 1965, S.271.
2
Formel als uns daz maere seit „die quellenmäßige Wahrheit eines Berichtes“ 3 oder bedeutet darüber hinaus auch ’Erfindung’. Ab dem 16. Jahrhundert ist das Wort nur noch in Luthers Weihnachtslied ’Vom Himmel hoch da komm ich her’ wieder zu finden, erlebt wenig später aber eine Wiedergeburt, ohne dabei ein „rechtes Eigenleben zu entfalten“ 4 . In neuerer Zeit ist die alte Wurzel des Wortes wieder aufgenommen worden, um das vermutlicherweise aus dem Romanischen stammende Wort ’Novelle’ zu umgehen bzw. gewisse Kurzerzählungen, wie beispielsweise Schwänke, nic ht als solche bezeichnen zu müssen. So erscheinen beide Worte teils sinnverwandt, teils benennen sie etwas „Wesensverschiedenes“ 5 . Heute spielt ’Märe’ für die Wesensdefinition der Novelle als literarisches Wort kaum eine Rolle. Überhaupt ist die Märe heute nur noch in der Diminutivform ’Märchen’ geläufig; mit dem Ende des Mittelalters ist sozusagen auch das Ende der Märe eingetreten.
2.2 Zur Begriffsbestimmung der ’Novelle’ Ursprünglich bezeichnet novela eine „beliebige volkssprachliche [mündliche] Äußerung“ 6 , die nicht aus dem Lateinischen stammt. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts ist daraus dann ein „Ausbund schöner Rede“ 7 entstanden, die zwischen fünf Minuten und einer Stunde andauern kann. Ihre Schöpfer haben sie mit dem Ziel ins Leben gerufen, dem schwindenden Alten einen neuen Stil entgegenzusetzen; es steht folglich vorwiegend ihre Wirkung auf die Gesellschaft im Vordergrund 8 .
Auf der einen Seite wandelbar, auf der anderen klar gestaltet – diese Kennzeichen schreibt Johannes Klein der Novelle, der Prosaerzählung mittlerer Länge, zu. Ihr Kern sei stets gleich, doch ihre Gesamtstruktur hänge stark von Volk und Zeit ab, in der sie vorkomme. In ihrer Urform behandele sie immer ein außerordentliches Erlebnis, (mit Goethes Worten) „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit“ 9 , und berichte über Katastrophen und Menschen. Dabei k önne ein Held in den 3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Polheim, S.42.
7 Ebd.
8 Vgl. Polheim, S.45.
9 Klein, Johannes: Novelle. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. 2. Bd. Hg. v. Werner Kohlschmidt & Wolfgang Mohr. 2. Aufl. Berlin 1965, S.688.
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Arbeit zitieren:
Gaby Schneidereit, 2003, Maere, Novelle, Novellentheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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