Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die Geschichte des Umsiedlungsprogramms 4
1.1. Von der holländischen Kolonialzeit bis zum ersten Weltkrieg 4
1.2. Das transmigrasi-Programm: Frischer Name, frischer Wind? 5
2. Formen der Transmigration 7
2.1. Öffentliche Transmigration (transmigrasi umum) 7
2.2. Spontane Transmigration (transmigrasi swakarsa) 9
2.3. Lokale Transmigration (transmigrasi lokal) 10
3. Ziele der Transmigration 11
3.1. Abbau des Bevölkerungsdrucks 11
3.2. Stabile Nahrungsmittelversorgung und Erschließung
der Außeninseln 11
3.3. Nationale Einheit und Sicherheit 12
4. Die Probleme der Einheimischen und Siedler 13
4.1. Die Schwierigkeiten der umgesiedelten Bauern 13
4.2. Interkulturelle Konflikte: Ergebnis der Rücksichtslosigkeit
auf die Urbevölkerung 15
5. Schluss 17
6. Literaturverzeic hnis 19
2
Einleitung
Mit dieser Arbeit möchte ich zunächst einmal einen Überblick über das indonesische Umsiedlungsprogramm transmigrasi geben. Es gibt zu diesem Thema jede Menge Literatur, doch ist es sehr schwierig aus den zahllosen Schriften einen roten Faden herauszuarbeiten. Auch sind die Daten und Meinungen der Autoren in vielen Fällen unterschiedlich und nicht selten sind sie über grundlegende Dinge uneinig. Ich habe hierfür den zeitlichen Aufbau gewählt, da dieser sehr schön die langsame Entwicklung des Umsiedlungsprogramms von den ersten Siedlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zum straff organisierten Mammutprojekt, die sich wandelnden Methoden und Vorstellungen zeigt. Des Weiteren werde ich auf die verschiedenen Formen und die sich mit der Zeit verändernden Ziele der Transmigration eingehen (Das Wort Transmigration ist zusammengesetzt aus trans, lat.: hinüber, von einem Ort zum anderen; und Migration, lat: Wanderung, Bewegung von Individuen oder Gruppen im geographische n od. sozialen Raum, die mit einem Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist).
In dieser Arbeit soll auch stets der Erfolg des Programms diskutiert werden, außerdem inwieweit sich das theoretische Konzept in die Realität umsetzen ließ und welche Probleme sich dabei ergaben. Besonders im vierten Kapitel über die Schwierigkeiten der Umsiedler und Ein- heimischen soll erörtert werden inwiefern das transmigrasi-Programm ein Segen oder ein Fluch für die Bevölkerung darstellt. An dieser Stelle werde ich auch kurz auf die momentane Situation Indonesiens eingehen.
Anzumerken ist noch, dass es kaum neue Literatur zum Thema gibt und ich deshalb für aktuellere Themenbereiche vor allem mit Zeitungen und dem Internet gearbeitet habe, was sich allerdings nur bedingt als nützlich erwiesen hat.
3
1. Die Geschichte der Umsiedlung
Die Hauptinsel Java und ihre Nebeninseln Madura, Bali und Lombok haben an der Gesamtfläche Indonesiens einen Anteil von nur ca. 7%. Im Jahre 1986 lebten dort aber über 60% der Bevölkerung, was bedeutet, dass die Bevölkerungsdichte in dieser Region bei über 700 Einwohnern pro Quadratkilometer lag. Im Vergleich dazu lebten auf Sumatra nur 63, auf Kalimantan 21 und in West Papua bzw. Irian Jaya nur 3 Einwohner pro Quadratkilometer 1 . Durch das transmigrasi-Programm, das als das größte staatlich organisierte Umsiedlungsprogramm der Welt gilt, wird versucht, den Bevölkerungsdruck auf den dicht besiedelten Inseln abzubauen, indem siedlungswillige Familien von den bevölkerungsreichen Teilen des Landes auf die weniger dicht besiedelten Außeninseln ziehen 2 .
1.1. Von der holländischen Kolonialzeit bis zum 2. Weltkrieg
Das Problem des Ungleichgewichts der Bevölkerungsverteilung besteht schon seit Langem. So liegt der Ursprung des Umsiedlungsprogramms transmigrasi bereits im Anfang des 20. Jahrhunderts, als Holland Kolonialmacht war und drei wichtige Maßnahmen zur Wohlstandssteigerung der Bevölkerung Javas verabschiedete: Ein erweitertes Bildungsprogramm, eine Verbesserung der Bewässerungssysteme und die Durchführung eines Umsiedlungsprogramms, die den Bevölkerungsdruck auf Java abbauen sollte 3 . Ob es nun wirklich der Bevölkerungsdruck war, der die Holländer auf die Idee der Umsiedlung brachte, ist fraglich, ging es der Kolonialmacht doch auch um wirtschaftliche Vorteile: 1905 lebten ca. 80% der Bevölkerung ihrer ostindischen Kolonie auf Java, andere Gebiete waren dagegen nur dünn besiedelt. Und wo niemand wohnt kann auch niemand den Boden bewirtschaften. So wurden zahlreiche Javaner als Plantagenarbeiter n ach Sumatra zwangsumgesiedelt 4 . Des Weiteren wurden vor allem junge Familien dazu motiviert, in weniger dicht besiedelte Gebiete, hauptsächlich Lampung und Süd-Sumatra, zu ziehen, wo sie ein Stück Urwald erwartete. Die Kolonialregierung nahm an, die Umsiedler würden diese in
1 Kebschull, D. 1987: S. 95-109.
Otten, M. 1986a: S.71-76.
2 Scholz, U. 1992: S. 33.
3 Singarimbun, M. 1995: S.121-126.
4 Sontheimer, M. 1989: S.68-72.
4
„blühende Reisfelder verwandeln“, was sich als unrealistisch herausstellte und so wurde das Ziel des höheren Lebensstandards weit verfehlt 5 .
Dies änderte sich auch bis zum Beginn des 2.Weltkrieges kaum, da die oben genannten Reformen nur langsam eingesetzt wurden und der Bevölkerungszuwachs auf Java weit höher war, als die Abnahme durch Umsiedlung 6 . Wie viele Javaner genau bis ins Jahr 1941 umgesiedelt wurden, geht aus der Literatur nicht exakt hervor, doch müssen es um die 250 000 gewesen sein 7 . Die meisten von ihnen landeten in Sumatra, einige in Sulawesi und nur wenige in Kalimantan 8 .
1.2. Das transmigasi-Programm: Frischer Name - frischer Wind?
Während des 2.Weltkrieges gab es allem Anschein nach keine Umsiedlungen, doch nach der Unabhängigkeit Indonesiens 1945, die von den Holländern allerdings erst 1949 anerkannt wurde, wurde das Umsiedlungsprojekt von der neuen Regierung unter dem Namen „trans- migrasi“ wiederaufgenommen. Die Erfolge blieben zunächst aus: Die Zeit war geprägt von politischer Instabilität und fehlender Orientierung, und keines der Ministerien Indonesiens fühlte sich für das Umsiedlungsprogramm verantwortlich 9 . Auch waren die Vorstellungen über die Ausmaße des Projekts mehr als unrealistisch: Die Regierung unter Sukarno plante laut Scholz ab 1952 die Umsiedlung von mehr als sieben Millionen Familien innerhalb von 15 Jahren 10 . Bei Fasbender/Erbe ist zudem von einem 35-Jahresplan die Rede, der vorsah, zwischen den Jahren `53 und `87 an die 50 Millionen Menschen umzusiedeln: In den ersten fünf Jahren sollten so viele Menschen umgesiedelt werden, wie durch die jährliche Zuwachsrate 11 hinzugekommen seien und noch eine Million Menschen mehr. In den folgenden fünf Jahren dann ebenfalls die Hinzugekommenen plus zwei Millione n Menschen usw. Doch letzten Endes siedelten zwischen 1950 und 1969 weniger als eine halbe Million Menschen auf den Außeninseln 12 . Hauptziel der Umsiedlungen war nach wie vor Sumatra,
5 IMBAS 1988: S.15.
6 IMBAS 1988: S.16.
7 Scholz spricht von knapp 66.000 Familien (S.33), IMBAS von ca. 257.300 Siedlern (S.16), Assmann (s.u.) von
230.000-240.000 Javanern (S.999).
8 Fasbender, K./ Erbe, S. 1990: S.62.
9 Assmann, K. 1990: S.999.
10 Scholz, U.1992: S.33.
11 Die Bevölkerung wuchs zu diesem Zeitpunkt jährlich um ca. 2,2 %, vgl. IMBAS S.3.
12 Fasbender K./ Erbe, S 1990: S.63f.
Assmann, K. 1990: S. 999.
5
doch auch Sulawesi und vor allem Kalimantan spielten nun eine wichtige Rolle: 10% der Siedler kamen nach
Kalimantan, wobei sich 41% von ihnen in im Osten der Provinz niederließen 13 . Auch unter Suharto blieb die Anzahl der Transmigranten zunächst relativ niedrig. Innerhalb der ersten beiden Fünfjahrespläne (1970-79) wurden laut Assman und Scholz um die 120 000 Familien umgesiedelt. Zu dieser Zeit trat das Ziel des Abbaus der Bevölkerung auf Java immer mehr in den Hintergrund, und die ökonomischen Aspekte des Programms wurden deutlich: Die Außeninseln sollten durch die Transmigranten zugänglicher und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Außerdem ist zu erwähnen, dass während des zweiten Fünf- jahresplanes zum ersten Mal nicht nur Bauern, sondern auch Mediziner und ehemalige Armeeangehörige umgesiedelt wurden 14 . Hierauf wird an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingegangen, es soll im Kapitel über die Ziele der Transmigration genauer darauf eingegangen werden.
Was nun folgte, könnte man als die Blütezeit des Programms bezeichnen, denn zwischen den Jahren `79 und `86 wurden weit mehr Menschen umgesiedelt, als in all den vorangegangenen Jahren zusammen. Allerdings finden sich hierzu in der Literatur sehr unterschiedliche Zahlen: Assman, Fasbender/Erbe und Kebschull sprechen von 500 000 Familien zwischen den Jahren `79 und `84, Scholz im gleichen Zeitraum von 366 000 Familien, und im Meyers Lexikon heißt es, zwischen `79 und `86 seien 4,5 Mio. Personen umgesiedelt worden 15 . Nach Fasbender/Erbe konnte die indonesische Regierung am Ende des dritten Fünfjahresplanes (`83/`84) zum ersten Mal in der Geschichte des Umsiedlungsprogramms behaupten, ihr Ziel erreicht, ja sogar übertroffen zu haben: Ursprünglich war die Transmigration von 500 000 Familien geplant, tatsächlich sollen es aber über 535 000 gewesen sein. Hier ist allerdings anzumerken, dass ca. 140 000 Familien „spontan“ 16 migrierten und einerseits in der Statistik auftauchen, andererseits jedoch kaum vom Staat unterstützt wurden 17 . Selbst unter Berücksichtigung dieser Tatsache war es für die Regierung ein außerordentlicher Erfolg. Der Wandel wurde wohl vor allem durch die finanzielle Unterstützung der Weltbank 18 und die besser strukturierte Organisation möglich, aber auch durch das im Jahre `83 gegründete Ministerium für Transmigration. Zudem wurden die Umsiedler auf ihr ‚neues Leben‘
13 Fasbender, K./Erbe, S. 1990: S.66-68.
14 Assmann, K. 1990: 1000.
15 Meyers großes Taschenlexikon 1999: S.186.
16 Es gibt verschiedene Transmigrationsformen, die unterschiedlich vom Staat unterstützt werden (vgl. Formen
der Transmigration).
17 Fasbender, K./Erbe, S. 1990 S.76/77.
18 Transmigrasi wurde über Jahre mit Beträgen in Millionenhöhe von der Weltbank, also v.a. von westlichen
Staaten unterstützt. Vgl.: The Ecologist Vol 16 No 2/3 1986, S.67.
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Arbeit zitieren:
Catrin Nähr, 2001, Transmigrasi: Das indonesische Umsiedlungsprogramm, München, GRIN Verlag GmbH
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