Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung Seite 3
2 Zur politischen Lyrik im Mittelalter Seite 4
2.1 Was versteht man eigentlich unter politischer Lyrik? Seite 4
2.2 Autoren und Publikum politischer Lyrik Seite 4
3 Vorstellungen und Ideen zur Gesellschaftsordnung im
Mittelalter Seite 6
3.1 Der ordo-Gedanke Seite 6
3.2 Ständeordnung innerhalb der Gesellschaft Seite 7
4 Mittelalterliche Ständeordnung in politischer Lyrik Seite 9
4.1 Regenbogen: Ir pfaffen und ir ritter, tribent von uch nit Seite 9
4.1.1 Kleine Einführung zu Autor und Entstehungszeit
des Spruches Seite 9
4.1.2 Streit zwischen den Ständen Seite 10
4.1.3 Idealbild der mittelalterlichen Gesellschaft Seite 11
4.1.4 Aufruf zur Erfüllung des Idealbildes Seite 11
4.2 Der Marner: Got helfe mir, daz miniu kinder
niemer werden alt Seite 12
4.2.1 Kleine Einführung zu Autor und
Entstehungszeit des Spruches Seite 12
4.2.2 Konflikte im Stand des Klerus Seite 13
4.2.3 Anrede an den Papst Seite 14
4.2.4 Entartung der geistlichen Gewalt Seite 14
4.3 Kurze Zusammenfassung Seite 15
5 Literaturverzeichnis Seite 16
6 Anhang (metrische Analyse der Sprüche) Seite 17
2
1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit mittelhochdeutscher politischer Lyrik, die sich die Gesellschaftsordnung und Gesellschaftskritik zum Thema gemacht hat. Insbesondere soll hier die mittelalterliche Ständeordnung behandelt werden. Denn auch wenn das Mittelalter eine genau definierte Ordnung für seine Gesellschaft vorgab, hielt sich nicht immer jeder an seine vorgesehenen Aufgaben. Dieser Umstand wurde dann von Autoren in ihren politischen Sangsprüchen aufgezeigt, verarbeitet und vor allem auch kritisiert.
Bevor nun aber im letzten Kapitel der Arbeit in Hinblick auf diesen Umstand zwei politische Sangsprüche analysiert und interpretiert werden, sollen zunächst die Begrifflichkeiten ‚mittelhochdeutsche Lyrik’ und ‚politische Lyrik’ definiert und Autoren und Publikum dieser Dichtung vorgestellt werden. Außerdem wird dann im Anschluss die Gesellschaftsordnung des Mittelalters mit ihren Grundlagen detaillierter dargestellt. Zu guter letzt folgt dann die Analyse und Interpretation des Spruches „Ir pfaffen und ir ritter“ von Regenbogen und des Spruches „Got helfe mir daz miniu kinder niemer werden alt“ von Marner, welche eine kurze Beschreibung des Autors und eine historische Einordnung zum besseren Verständnis mit einschließen.
3
2. Zur politischen Lyrik im Mittelalter 2.1 Was versteht man unter politischer Lyrik?
Eine einheitliche Definition von Lyrik und gar noch politischer Lyrik lässt sich für die Werke im Mittelalter nur schwierig finden. Zu diesem Thema haben sich seither viele Forscher Gedanken gemacht, wissenschaftliche Abhandlungen dazu verfasst und jeder ist zu einem anderen Schluss gekommen. Im folgendem soll jedoch die Definition U. Müllers gelten, der ebenfalls die Ansätze mehrerer Autoren verglichen und daraus gewissermaßen einen Kompromiss gebildet hat: Demnach soll zur mittelhochdeutschen Lyrik alles das gerechnet werden, was sich aus „(sangbaren) Strophen oder (wohl nicht gesungenen) paar-, drei- oder kreuz-gereimten Versen aufbaut; einen mittleren Umfang (ca. 1000 Verse) nicht überschreitet; inhaltlich [...] keinen eindeutig erzählenden Charakter hat und auch nicht Teil einer größeren Erzähl-Einheit [...] ist“ 1 . Politisch wird Lyrik dann dadurch, dass sie inhaltlich wertend und mit preisender, tadelnder, klagender, mahnender, auffordernder, ablehnender oder parteilich-berichtender Intention über aktuelle und vor allem bestimmte Ereignisse und Personen berichtet. 2
Anhand dieser Definition lässt sich ein weiterer wichtiger Aspekt politischer Lyrik erkennen: Da bestimmte Ereignisse und manchmal auch die Namen von Personen genannt werden, kann diese Art der Lyrik, im Gegensatz zu vielen anderen literarischen Werken des Mittelalters, zumindest annähernd datiert werden. In dem Spruch oder Reim findet der Leser immer etwas, das auf die damals aktuellen Verhältnisse hinweist und mit Hilfe geschichtlicher Daten und Fakten ist so eine historische Einordnung möglich.
2.2 Autoren und Publikum politischer Lyrik
Die Sangspruchdichter des 12., 13. und 14. Jahrhunderts waren in der Regel fahrende Berufsdichter. Das heißt, sie lebten nicht an einem festen Ort, sondern reisten immer wieder durch das ganze Land, um vor immer neuem Publikum ihre Dichtung vorzutragen und so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es kam aber auch vor, dass ein Dichter sich in Adelsdienste begab und für die Zeit, die er für seinen Gönner dichtete, fest an dessen Hof lebte. Ein Sangspruchdichter konnte dabei generell jedem Stand und
1 Nach: Müller, Ulrich: Untersuchungen zur politischen Lyrik des deutschen Mittelalters. Göppingen. 1974.
(= Göppinger Arbeiten zur Germanistik Nr. 55/56); S. 5 - 6
2 Ebd.; S. 8
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jeder Berufsrichtung entstammen, jedoch fand man nur sehr selten mächtige Ministerialen oder Adelige unter ihnen. 3 Insgesamt muss man den Stand der Sangspruchdichter noch einmal unterscheiden. Denn es gab nur eine relativ kleine Schicht produktiver Dichter, die sich durch ihre selbst gedichteten Werke von der Masse der nur reproduzierenden Sänger und Sprecher abhoben.
Die Sangsprüche wurden vornehmlich zur Aufführung an großen Adelshöfen und geistlichen Höfen gedichtet. Wir wissen zwar, dass die Sprüche auch vorgelesen wurden, doch lassen die in den Handschriften überlieferten Miniaturen erkennen, dass die Dichter zusammen mit Musikanten auftraten und ihre Werke vorsangen. Manche Dichter begleiteten sich auch selbst, zum Beispiel mit der Fidel. Zum Publikum gehörten demnach die Angehörigen der weltlichen und geistlichen Höfe, doch existierte bei der deutschsprachigen Sangspruchdichtung keine Sprach-Barriere, wie bei der lateinischen Dichtung, so dass auch ‚einfaches Volk’ gerne an Aufführungen der Dichter teilnahm, wenn diese durchs Land reisten. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde das Interesse der Stadtbürger für Sangspruchdichtung ebenfalls stärker und sie luden Dichter ein, in der Stadt zu bleiben, stadtfreundliche Sprüche zu verfassen und diese auch vorzutragen. 4
Damit ist nun beschrieben, was mittelhochdeutsche politische Lyrik ist, wer sie dichtete und wo sie vorgetragen wurde. Dass Politik thematisch in politischer Lyrik eine entscheidende Rolle spielt, sagt ja schon der Name, zudem soll jetzt noch die mittelalterliche Gesellschaftsordnung exakter dargestellt werden, da diese sich von unserer Ordnungsvorstellung deutlich unterscheidet und oft ein Ansatzpunkt für Dichter war, politische Zustände zu kritisieren. 5
3 Ebd.; S. 311 - 314
4 Ebd.; S. 316
5 Dieses Kapitel wurde mit Hilfe von Tervooren, Helmut: Sangspruchdichtung. 2.Auflg. Stuttgart 2001
geschrieben
5
3. Vorstellungen und Ideen zur Gesellschaftsordnung im Mittelalter
3.1 Der ordo-Gedanke
Der ordo-Gedanke spielte für die Menschen im Mittelalter eine zentrale Bedeutung. Doch was genau bedeutet ordo? Bemüht man sich zunächst um eine semantische Klärung, wird man herausfinden, dass ordo ein lateinischer Begriff ist. Daraus leitet sich das althochdeutsche Wort ordo und daraus wiederum das mittelhochdeutsche Wort orden ab. Ins Neuhochdeutsche übersetzt, heißt es einerseits soviel wie „Anordnung, Gesetz, Befehl, [aber meint andererseits auch] das Gesetz, die Regel, unter welcher eine Klasse von Menschen steht (=leben) [...]; den Stand, die Würde derselben; endlich die Menschen, welche diese Klasse ausmachen, selbst.“ 6
Der zentrale Begriff bei dieser Übersetzung ist ‚Stand’. Zur Bezeichnung der Stände innerhalb der Gesellschaft wurden im Mittelalter die lateinischen Worte ordo, status, corpus und gradus fast synonym verwendet. Das Deutsche kannte damals die Begriffe name, leben, ê, reht, orden, art und ambet. Stant ist begrifflich erst im 14. Jahrhundert aufgekommen und wurde erst im 15. Jahrhundert dazu verwendet die Ständeordnung in den Ländern zu beschreiben (stende des lands). 7
Halten wir nun die begriffliche Verwendung von ordo fest und widmen uns der praktischen Bedeutung, die der Begriff für das Leben der Menschen hatte. Es war Thomas von Aquin, der sich in seinen philosophischen Überlegungen intensiv mit dem ordo-Gedanken beschäftigte. Seine Ideen prägten die christliche Lehre im Mittelalter nachhaltig. Ausgehend von seiner Philosophie predigte die Kirche, dass das Weltbild des Mittelalters letztlich ein geschlossenes, hierarchisch gegliedertes Bild einer kosmischen Ordnung ist. Gott steht dabei an der Spitze der Seinspyramide. Der Mensch, als Krönung der Schöpfung, steht zwischen der göttlich geistig-spirituellen (guten) und der irdischen materiellen (bösen) Welt. Er verkörpert daher den Kampf zwischen Gut und Böse, Gott und Teufel, Erlösung und Erbsünde. Dieser Kampf war gleichbedeutend mit Leid auf Erden für die Menschen. Erlösung fanden sie nach einem gläubigen und gotttreuem
6 Nach: Benecke, Georg Friedrich; Müller, Wilhelm; Zarnke, Friedrich (Hrsg.): Mittelhochdeutsches
Wörterbuch. Bd. 2. Stuttgart. 1990.; S. 439 - 441
7 Vgl.: Bumke, Joachim: Höfische Kultur - Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 8.Auflg. München.
1997.; S. 40
6
Arbeit zitieren:
Melanie Strieder, 2004, Gesellschaftsordnung im Mittelalter - am Beispiel zweier Sangsprüche, München, GRIN Verlag GmbH
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